Der Schutzzaun gegen die Afrikanische Schweinepest wird in Märkisch-Oderland errichtet.
Video: Brandenburg Aktuell | 01.10.2020 | C. Hölscher | Bild: rbb / John Alexander Döring

Ministerium bestätigt - Schweinepest grassiert schon seit Juli in Brandenburg

Das Ministerium für Verbraucherschutz bestätigt, dass die Afrikanische Schweinepest schon seit Anfang Juli in Brandenburg umgeht. Inzwischen gibt es auch einen positiven Befund im Landkreis Märkisch-Oderland.

Die Afrikanische Schweinepest grassiert in Brandenburg schon deutlich länger als bisher bekannt. Eine entsprechende rbb|24-Meldung bestätigte die Leiterin des Landeskrisenstabes und Verbraucherstaatssekretärin Anna Heyer-Stuffer am Donnerstag.

Danach sind schon im Juli 2020 mehrere Wildschweine im Dorchetal an der Seuche gestorben. Erst acht Wochen danach wurde der erste Fall im Spree-Neiße-Kreis offiziell bestätigt.

Demnach lagen die toten Wildschweine wochenlang unbemerkt in einem Forstgebiet, ehe der Eigentümer des Areals die Kadaver entdeckte und die Behörden alarmierte.

Die Fallwildsuche im gefährdeten Gebiet sei derzeit oberstes Gebot und werde gezielt und koordiniert mit Hochdruck fortgesetzt, sagte Heyer-Stuffer. Das sei notwendig, um die tatsächliche Ausdehnung des Infektionsgeschehens genau ermitteln zu können.

Bund bietet Hilfe im Kampf gegen Schweinepest an

Bislang gibt es laut Behörden insgesamt rund 40 Fälle in Brandenburg.

Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) hatte Brandenburg am Mittwoch Hilfe des Bundes im Kampf gegen die Seuche angeboten. In einem Telefonat mit Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sei eine enge Zusammenarbeit verabredet worden, teilte das Bundesagrarministerium mit.

Klöckner und Woidke vereinbarten einen gemeinsamen Besuch vor Ort. Es gehe zum einen darum, koordiniert zu handeln und zu kommunizieren, hieß es. Umgehend sollten dann die Maßnahmen an neue Erkenntnisse des Seuchengeschehens angepasst werden.

Im Spree-Neiße-Kreis kommen seit Donnerstag auch 140 Bundeswehrsolddaten zum Einsatz, die beim Aufspüren von Wildschweinkadavern eingesetzt werden.

Keine Verbindung zu bisherigen Funden

Brandenburgs Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) sieht bei dem neuen Fall in Märkisch-Oderland keinen direkten Zusammenhang mit bereits bekannten Fällen im Süden des Landes. Sie gehe nicht davon aus, dass sich das infizierte Wildschwein von der bereits bekannten Gefahrenzone in den Landkreisen Spree-Neiße und Oder-Spree bis nach Märkisch-Oderland bewegt habe, sagte Nonnemacher am Mittwoch. "Wo die Infektionsquelle zu suchen ist, das müssen wir jetzt klären. Es stellt sich die Frage, ob es nun eingewandert ist, oder eine Sprunginfektion ist."

Bei dem neuen Fall handele es sich zudem nicht um ein verendetes Tier, sondern um ein Wildschwein, dass abgeschossen wurde und dann auf die Afrikanische Schweinpest hin untersucht wurde.

Zwei weitere Funde am Donnerstag

Nach Angaben des Landratsamts hatte ein Jäger bei Genschmar im Oderbruch ein Wildschwein erlegt, das den tödlichen Erreger in sich trug. Beim Aufbrechen des Tiers waren Veränderungen an den inneren Organen festgestellt worden, die laut der Behörde unter anderem auch durch ASP verursacht werden können.

Nach einem ersten positiven Befund wurde ein Krisenstab im Landkreis eingerichtet. Um das Kerngebiet wird seit Mittwochfrüh ein mobiler Zaun aufgestellt. Der Elektrozaun soll auf einem Abschnitt von 20 Kilometer Länge entstehen, teilte ein Sprecher des Landkreises mit. Forstmitarbeiter würden dabei unterstützt von Jägern und Landwirten. Der Zaun durchziehe Maisfelder, berühre die Alte Oder und Bewässerungsgräben. Am Nachmittag sollte die Barriere für Wildschweine den Angaben zufolge komplett stehen. Der Brandenburger Landestierarzt, Stephan Nickisch, wies darauf hin, dass auch die mobilen Elektrozäune keine hundertprozentige Sicherheit bieten würden.

Insgesamt 40 infizierte Wildschweine sind seit dem ersten Fund am 10. September in Brandenburg erfasst. Die neuesten beiden Funde vom Donnerstag lagen im Kerngebiet nahe Neuzelle (Oder-Spree). Sie Seuche ist für den Menschen ungefährlich, nicht aber für Hausschweine. Rund um die Funde hatten die Behörden ein Gefahrengebiet mit Beschränkungen für Bauern, Jäger und Anwohner eingerichtet. Hausschweinbestände in Deutschland sind weiter frei von der Seuche.

Kernzone reicht bis Polen

Doch mit dem Zaun ist es nicht erledigt: Denn die eigentliche Kernzone reicht theoretisch auch auf die polnische Seite. Gernot Schmidt (SPD), Landrat von Märkisch-Oderland sagt, dass sie bis Donnerstag abwartet, wie Polen sich dazu positioniert. Außerdem muss schnell entschieden werden, was mit dem Grenzübergang der Bundestraße 1 passiert. Er ist viel befahren und liegt mitten in der Kernzone. Ein Problem, so Landrat Gernot Schmidt weiter: "Am einfachsten wäre es, wenn wir in dem Bereich den Grenzübergang schließen, aber das muss Polen und die Bundesregierung entscheiden."

Derweil hat der Landrat heute nochmal klargestellt: ein fester Zaun, wie er innerhalb der Kernzone in Spree-Neiße und Oder-Spree entlang der Grenze zu Polen entsteht - ist trotz des ASP-Falles in Märkisch-Oderland weiterhin nicht geplant ist. Die Menschen, vor allem die Landwirte innerhalb der Kernzone müssen sich auf jeden Fall auf Einschränkungen einstellen. Ab Freitag gilt dort die Allgemeinverfügung. Das heißt unter anderem, dass dort nicht mehr geerntet werden darf.

Schweinepest-Zonen in den bisherigen zwei Landkreisen:

16 Kommentare

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  1. 16.

    Da stimme ich zu 100% zu daran sieht man mal wieder das Versagen unser Bundesregierung und der einzelnen Länderregierungen. Da werden große Reden gehalten und nichts steckt dahinter nur leere Hülsen. Es wird erst reagiert wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist.
    Hochachtungsvoll Stoll Karl-Heinz

  2. 15.

    Das mußte mal so gesagt werden. Ich fühle da mit. Da haben wir nun Behörden, die eben nur da sind. Sehr trarig und beschämend. Wie war die Zusammenarbeit mit Polen ?

  3. 13.

    Es stellte sich doch von Anfang an nicht die Frage, OB, sondern WANN die Behörden ihr vermeintliches " ....sehr gut Vorbereitet " unter Beweis stellen können. Wie bei so vielen anderen Konzepten wurde hier wieder leider ein klägliches Scheitern bewiesen. Zäune ohne Strom, die Gerätschaften kamen nämlich erst letzten Montag !!! Laienhaft aufgestellte Zäune ( selbst gesehen ) ein Jammer. Man errichtet eine Kernzone um jegliche Beunruhigung des Wildes zu vermeiden, überfliegt dieses Gebiet aber mit einem Hubschrauber mit Wärmebildkamera und sucht nach Kadavern mit einer Körpertemperatur die der Umgebung entspricht. Eines steht fest, eine Vorbereitung auf den Ernstfall gab es nicht und aktuell endet alles in Aktionismus weil man die Brisanz zum Teil erkannt hat, aber nur zum Teil.

  4. 12.

    Die Sache hier zeigt wieder mal ganz deutlich , die normale Bevölkerung wird doch nur verarscht!

  5. 10.

    Vieles was Sie schreiben, kann ich verstehen, aber wenn man selber im Risikogebiet wohnt und gerade eine Nebenerwerbslandwirtschaft aufbaut und gerade in der Phase der Eigenversorgung ist, dann ist es nicht witzig, eventuell muss ich meine Schweine sogar schlachten, wenn sie gar nicht erkrankt sind und darf dann auch das Fleisch nicht verzehren. Und meine drei SChweinchen: Ludwig, Jorinde und Joringel, die finden es überhaupt nicht lustig nun auf 30qm Stall reduziert zu sein, anstatt auf knapp 4000qm rumzutollen, mal Gras, mal Äpfel, mal Zwetschgen zu fressen, so als Snack zwischen durch. Mal zu baden, mal in der Suhle zu liegen. Alles aus und vorbei, für wer weiß wie lang. Wenn nicht sogar sterben. Die drei jedenfalls haben ein Riesenproblem dank ASP oder auch dank der Tatsache, dass man obwohl ja seit längerem die ASP jenseits der Oder ist, einfach keine Zäune gebaut hat, die einem Wildschwein oder gar einer ganzen Horde standhalten können. Da war einfach kein Geld für da.

  6. 9.

    Ich sehe durch die ASP gleich mehrere Probleme gelöst und hoffe nicht, dass man Deutschland wieder ASP-frei bekommt. Es ist doch völlig unsinnig, dass Deutschland als Hochlohnland einer der weltweit größten Schweinefleischexporteure ist und billigstes Schweinefleisch aus Massentierhaltung sogar in Niedriglohnländer exportiert. Damit ist erstmal Schluss, nach Asien ist ein Export durch die ASP derzeit nicht möglich. Langfristig dämmt das die Massentierhaltung ein. Ställe mit 50.000 Schweinen, deren Gülle unsere Äcker vergiftet und unser Grundwasser mit Nitrat verseucht. Nur damit einige wenige Fabrikanten Profit machen. Irrsinn! Es genügt völlig, wenn sich Deutschland selbst versorgen kann. Dank Exportstopp sind wir nun in diese Richtung unterwegs, unfreiwillig. Aber zumindest ich finde das gut. Das Nitrat im Grundwasser ist ein großes Problem und die Politik war hier bisher lieber untätig.

    Und die Wildschweine? Die gibt es in einer Anzahl, die schon lange Probleme bereitet. Die Jäger kommen garnicht hinterher. Da ist eine Dezimierung auch durchaus sinnvoll.

  7. 8.

    Ich glaube nicht, dass die Schweine lange nach einem Durchschlupf suchen, die Rotte wird einfach durchbre.chen, und da kann so ein labberiger mobiler Weidezaun nicht viel bewirken, auch wenn Strom drauf ist

  8. 7.

    Wildschweine zu stoppen, die schon durch die Oder geschwommen sind ist unendlich schwer. Die suchen so lange bis sie ein Loch gefunden haben. Man muss verhindern, dass sie ins Wasser kommen. Ein Zaun muss daher an beiden Ufern, also auch auf polnischer Seite, stehen. Dass die ASP auch nach Deutschland kommt war nur eine Frage der Zeit. Sehe mit Sorge der nahen Zukunft entgegen. Befürchte nur, dass jetzt wieder viel geredet wird und wenig passiert.

  9. 6.

    Also der Zaun, wenn man ihn so nennen möchte hört zwischen Frankfurt und Lebus mitten auf der Oderwiese auf. Ob dieser Zaun Wildschweine abhält kann ich nicht einschätzen, Schafe und Rehe vielleicht aber Wildschweine?

  10. 4.

    @Sandra: Deutschland ist nicht unvorbereitet. Wie kommen Sie darauf? Man hat werder untätig zugesehen, noch bricht nun Aktionismus aus.
    Welche Art der Vorbereitung hätte Sie als Fachfrau erwartet? Wie hätten Sie ein Eintragen der ASP nach Deutschland verhindern wollen? Welche wären denn Ihrer Ansicht nach die richtigen Maßnahmen?

  11. 3.

    ... vielleicht weil Aktionismus seit mehren Jahren in unserem Land allgemeine Staatsdoktrin ist?

  12. 2.

    War ja zu erwarten.Und da Wildschweine nicht gerade Einzelgänger sind, können wir uns schon auf die nächsten Funde freuen.Ob ein früherer Zaunbau das verhindert hätte,ist fraglich, aber nun muss alles am Besten schon vorgestern getan werden .

  13. 1.

    Man hätte sich in Deutschland bereits seit letztem Jahr darauf vorbereiten können, als die ersten Fälle im Grenzbereich auftraten, hat man aber nicht.
    Wieso schaut man so lange untätig zu um dann quasi überrascht zu sein und Aktionismus zu betreiben?

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