Archivbild: Warmes Licht scheint kurz nach Sonnenaufgang über die Landschaft am Oder-Neiße-Radweg auf einem Deich im Oderbruch nahe dem deutsch-polnischen Grenzfluss Oder. (Quelle: dpa/P. Pleul)
Video: Brandenburg Aktuell | 25.09.2020 | Carsten Krippahl | Bild: dpa/P. Pleul

Maßnahmen gegen Schweinepest - Märkisch-Oderlands Weigerung zum Zaunbau stößt auf Kritik

Mit festen Zäunen entlang der gesamten deutsch-polnischen Grenze möchte das Land Brandenburg die Afrikanische Schweinepest in den Griff bekommen. Der Kreis Märkisch-Oderland will da nicht mitmachen. Das finden nicht alle im Landkreis gut. Von John-Alexander Döring

Während im Landkreis Spree-Neiße schon der Bau eines fest im Boden verankerten Zauns als Maßnahme gegen die Schweinepest voranschreitet und das Land verkündet, dass so ein Zaun entlang der gesamten Grenze zu Polen gezogen werden soll, sagt der Landkreis Märkisch-Oderland nördlich davon weiterhin "Nein". Hier, zwischen Lebus und Oderberg, geht es um einen Abschnitt von rund 74 Kilometern entlang der Oder, die hier gleichzeitig die Grenze zu Polen bildet. Friedemann Hanke, Vizelandrat des Landkreises, findet es unnötig, hier einen festen Zaun zu installieren.

"Die Schweinepest ist bereits in Deutschland, ich kann mich zum Nachbarn noch abgrenzen, aber wir haben die Fälle in Deutschland", sagt er. "Wir müssen unsere Energie jetzt darauf setzen, die Kernzonen entsprechend einzuzäunen, so, wie die Kollegen in den Nachbarlandkreisen das bereits machen."

Kritik in der Bevölkerung

Hanke rechnet für den Bau fester Zäune mit Kosten weit über einer Million Euro. Entscheidend für sein Veto ist außerdem der Hochwasserschutz entlang der Oder. "Wir sprechen von einem Deich. Als Landkreis haben wir es mehrmals erlebt, was Hochwasser bedeutet", sagt er. "Da sollte man abwägen, welche Maßnahme man wann trifft, denn der Bau eines Zauns auf dem Deich bedeutet: ich schwäche den Deichkörper."

Die Haltung des Landkreises stößt aber auch auf Kritik in der eigenen Bevölkerung. Die Deiche seien nicht nur duch solch einen Zaun gefährdet, es gäbe schließlich zahlreiche Biber, die die Deiche unterhöhlten, heißt es am Freitag im Kreis. Man müsse auch an die Landwirte denken. Die Landwirte wollten sich bislang dazu nicht vor dem Mikrofon äußern.

Kernzonen absperren

Aktuell sind derweil die Zahlen der bestätigten Schweinepestfälle in Ostbrandenburg gestiegen. Das Friedrich-Loeffler-Institut meldete am Freitagnachmittag, dass die Gesamtzahl der bestätigten ASP-Fälle allein im Landkreis Oder-Spree auf 23 gestiegen sei. Alle Kadaver sind im bisherigen Kerngebiet gefunden worden. In ganz Brandenburg wurden bisher 34 Fälle von ASP festgestellt.

Märkisch-Oderland hat bislang noch keine mit der Afrikanischen Schweinepest infizierten Wildschwein-Kadaver. Sollte sich das ändern, würde der Landkreis ebenfalls die Kernzonen einzäunen und die gefährdeten Gebiete absperren, so wie derzeit in Oder-Spree und Spree-Neiße.

Auch Frankfurt (Oder) erlässt Seuchenverfügung

Die Stadt Frankfurt (Oder), die sowohl an Oder-Spree als auch an Märkisch-Oderländ angrenzt und teilweise in der festgelegten Pufferzone liegt, hat am Freitag eine Tierseuchenallgemeinverfügung erlassen und eine Infohotline eingerichtet.

Mitarbeitende des Amtes für Ordnung und Sicherheit sowie Menschen, die im Rahmen von Maßnahmen des Jobcenters eingesetzt sind, sollen bei der Suche nach toten und kranken Wildschweinen im Stadtgebiet helfen. Funde von Kadavern seien unverzüglich zu melden, und falls Personen, Hunde, Fahrzeuge oder Gegenstände mit Wildschweinen in Berührung kommen, seien Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen durchzuführen, hieß es in einer Mitteilung der Stadt.

Beitrag von John-Alexander Döring

2 Kommentare

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  1. 1.

    Furchtbar, so ein fester Zaun.
    Die Zeit der Abschottung sollte endlich vorbei sein!

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