Preisträger des Tourismuspreises 2020 mit Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (r.)
Bild: Yorck Maecke

Brandenburger Tourismuspreis 2020 - Tourismusunternehmen für Corona-Lösungen ausgezeichnet

Beherberbgungsverbot, Abstandsregeln und keine Festivals - Die Tourismusbranche in Brandenburg leidet unter der Corona-Krise. Aber einige Unternehmen haben aus der Not eine Tugend gemacht. Vier von ihnen wurden nun ausgezeichnet.

Am Donnerstag hat Landeswirtschaftsminister Jörg Steinbach in Potsdam den brandenburgischen Tourismuspreis 2020 verliehen. Die mit jeweils 2.500 Euro dotierte Auszeichnung ging an vier Unternehmen aus dem östlichen Brandenburg, die sich mit ihren Angeboten nach Meinung der Jury besonders gut an die Corona-Krise angepasst haben.

Kulinarische Weltreise in der Uckermark

Von den insgesamt 31 Bewerbern hat sich unter anderem die Restaurantbrauerei Brauwerk aus Schwedt (Uckermark) durchgesetzt. Das Gastronomie und das dazugehörige Hotel Altstadt Quartier verloren zunächst fast sämtliche Arbeit durch die Corona-Krise. 30 Arbeitsplätze waren in Gefahr. Aber die Betreiber wurden kreativ und füllten ihr selbst gebrautes Bier kurzerhand in Flaschen ab und verkaufen es nun vor Ort und im extra eingerichteten Online-Shop "Tante Emma aus Schwedt". Die Speisekarte stillt unter dem Motto "Speisen statt Reisen" unerfülltes Fernweh. "Wir haben spezielle Menüs und Getränke angeboten", sagt Brauer Wolf Mieczkowski, "Wir sind schon nach Polen gefahren, nach Schweden, Mexiko und in die USA."

Neues Geschäftsmodell auch für die Zeit nach Corona

Die 19-köpfige Jury mit Tourismusexperten aus Deutschland und Österreich zeichnete außerdem das Unternehmen My Molo aus Marienwerder (Barnim) aus. Die gut ein Dutzend Mitarbeiter verdienen ihr Geld normalerweise, indem sie Wohncontainer an große Festivals wie Wacken oder Rock am Ring vermieten. Mit dem Verbot von Festivals brach der Umsatz komplett ein. Daraufhin tat sich My Molo mit einem Zeltanbieter zusammen und baute am Gräbendorfer ein neues Camping-Dorf auf. 15 der Wohncontainer in Holzoptik beherbergen dort jetzt Camper, denen das Zelt zu rustikal ist. Und das Geschäft läuft gut. "Wir sehen das als Erfolg an und wollen das Konzept auf weitere Standorte ausweiten", erklärt Geschäftsführer Nico Marotz, der My Molo 2016 gründete, "Brandenburg ist da sehr attraktiv, aber wir sind nicht auf das Bundesland festgelegt."

Bier to go und aufblasbare Kanus

Das Schlossgut Altlandsberg hat die Jury vor allem durch seine Solidarität mit Künstlern überzeugt. Die konnten nämlich trotz Corona auf dem Gut auftreten, denn die Betreiber haben alle Kino-, Theater- und Konzertvorstellungen nach draußen verlegt. Die Künstler haben ihre Gagen bekommen, auch wenn nur wenig Publikum da war. Bier gab es auf dem Gut in Mitnehmbechern, sodass auch die schlosseigene Brauerei in der Krise weiterarbeiten konnte.

Schließlich hat auch Hikanoe aus Wildau einen der vier Preise abgesahnt. Die Firma bietet normalerweise kombinierte Wander- und Kanutouren an. Das Besondere dabei: Die Kanus, sogenannte Packrafts, sind aufblasbar und passen in jeden Wanderrucksack. Die Touren waren wegen Corona nicht mehr möglich, aber die Hikanoe-Mitarbeiter haben sich etwas einfallen lassen: Weil man ihre Kanus zusammengefaltet bequem in ein Postpaket passen, kann man sie jetzt deutschlandweit mieten. Inzwischen bieten auch Campingplätze die Hikanoe-Packrafts ihren Gästen zur Vermietung an.

Glück im Unglück

Die Preisträger haben also aus der Not eine Tugend gemacht, denn wegen der Corona-Pandemie haben in diesem Jahr besonders viele deutsche Deutsche Urlaub im Inland gemacht. Viele von ihnen hätten die Preisträger mit ihren speziellen Angeboten nach Brandenburg gelockt, sagte Wirtschaftsminister Jörg Steinbach am Mittwoch bei der Veranstaltung.

Sendung: Antenne Brandenburg, 14.10.2020, 15:40 Uhr.

2 Kommentare

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  1. 2.

    Herzlichen Glückwunsch an alle Gewinner!

    Ich fand es auch in Berlin (und via Nachrichten auch in anderen Bundesländern) sehr interessant, einfallsreich und optimistisch, was sich einige Unternehmen haben einfallen lassen, um mit der Herausforderung der schlagartig veränderten Situation umzugehen und das Beste daraus zu machen - während andere (Unternehmen wie Kommentatoren ;-) ) nur meckern und eine Erwartungshaltung an den Tag legen, die zum Teil jeglicher vernünftigen Grundlage entbehrt.

  2. 1.

    Jörg Steinbach hat auch einen Preis verdient, vor allem jetzt mit seinem schönen neuen Blazer. Gewinner im Wettbewerb wie kann ich aus Brandenburg Absurdistan machen. Top Leistung. Vielleicht könnten die Spreewälder mit ihren Gurken nach Canada rudern. Zeit ist ja genügend vorhanden.

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