Windpark nahe Bernau, Foto: imago images / Eibner
Audio: Antenne Brandenburg | 22.10.2020 | Autorin: Birgit Raddatz | Bild: imago images / Eibner

Bernau in Barnim - Gegenwind aus Brandenburg für Berliner Windpark

In der Nähe von Bernau entsteht derzeit ein Windpark, der rund 30.000 Kunden der Stadtwerke Berlin mit Ökostrom versorgen soll. Doch beim Bau sei man unterhalb den Möglichkeiten geblieben, heißt es. Denn vor Ort lehnen viele größere Windräder ab. Von Birgit Raddatz

Umweltbewusste Hauptstädter nutzen gerne auch Ökostrom - von der Produktion an sich bekommen sie aber meist nichts zu spüren. Anders in Brandenburg, denn produziert wird dieser Strom auch im Umland, etwa auf Feldern der Mark. Dort jedoch sind die Windräder Reizobjekte: Während die einen sie für die Zukunft der Energiewende halten, halten andere sie auch für gefährlich, für die Tier- und Umwelt.

Das aktuell größte und teuerste Windräder-Projekt der Berliner Stadtwerke steht nun kurz vor dem Abschluss: Ein Windpark bei Bernau im Landkreis Barnim. Noch stehen die Unterteile der insgesamt neun Windräder halbfertig auf dem Feld in Albertshof, einer kleinen Siedlung in der Nähe von Bernau.

In gut zwei Wochen sollen die Rotoren montiert werden. Über 30 Megawatt können die Räder dann produzieren, sagt Georg Simon, Chef der Berliner Wasserbetriebe, zu denen die Stadtwerke gehören. "Wenn man das ein bisschen umrechnet, kann man mit diesem Park 30.000 Kunden versorgen, und 30.000 Tonnen CO2 einsparen", sagt er.

Manche schwer zu überzeugen

Das sonore Rattern des Generators begleitet den Rundgang auf der Baustelle. Der Generator treibt aber hier bisher nur den Fernseher samt Imagefilm der Stadtwerke an und die Kaffeemaschine. Die Windräder an sich geben keinen Laut von sich.

Trotzdem stehen sie in der Kritik: einerseits bei Naturschützern, die befürchten, dass Vögel und Fledermäuse mit den Rotorblättern kollidieren, anderseits wollen Anwohnerinitiativen die Windräder nicht vor der eigenen Haustür haben. Ein Dilemma, sagt Projektleiter Thomas Meinelt. "Man wird nie alle mit den Argumenten für erneuerbare Energien erreichen", sagt er. "Wir wollen aber ja weiterhin Strom haben, das ist wichtig, und da müssen wir auch die Projekte vor Ort realisieren." Man müsse daher mehr argumentieren und die Menschen mitnehmen, sagt Meinelt.

Unter den Möglichkeiten geblieben

Das scheint aus Meinelts Sicht mit den umliegenden Gemeinden gut funktioniert zu haben. Die neun Windräder werden in einen schon bestehenden Windpark integriert. Über 50 Einzelgenehmigungen habe man eingeholt, erklärt Andreas Schmitz, Geschäftsführer der Berliner Stadtwerke. Hier ist man stolz auf den Windpark, der auch die effizienteste Möglichkeit sei, den Berliner Bedarf an Ökostrom zu decken.

Trotzdem, sagt Schmitz: "Hier sind wir aufgrund der Problematik der Akzeptanz tatsächlich unter dem geblieben, was wir eigentlich hätten realisieren können", sagt er. Denn aus technischer Sicht hätten sowohl die Türme als auch die Rotoren größer ausfallen können. 200 Meter wird jedes der neun Windräder mindestens hoch sein, eins sogar noch darüber. Damit überragen sie die umliegenden deutlich. Für alle Berlinerinnen und Berliner, die sich das einmal vorstellen wollen: Jedes Windrad ist etwa halb so hoch wie der Berliner Fernsehturm.

Beitrag von Birgit Raddatz

50 Kommentare

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  1. 50.

    Ich will mal etwas gewagt meine Einschätzung preisgeben, dass die verkündeten Gründe für die Proteste eher zweitrangiger Natur sind. In erster Linie geht es um die immergleiche Ästhetik; das zu kritisieren scheint aber nicht hoch im Kurs zu stehen.

    Bei der Ausbreitung der Windkraft bräuchte eigentlich nur in die Geschichte seinerzeit maßgeblicher Technologien geblickt werden. Auch bei der Eisenbahn gab es Befürchtungen, die allerdings dadurch zerstreut wurden, dass ästhetisch hervorragende Anlagen gebaut wurden. Ebenso verhielt es sich bspw. beim Bau des Potsdamer Dampfmaschinenhaus an der Neustädter Havelbucht, alles ja Mitte des 19. Jhs.

    Heutzutage gehen die Franzosen bei der Wiedereinführung der Straßenbahn in allen großen Städten des Landes so vor. Überzeugung im Sinne hervorragender Ästhetik. Vergleichsweise dazu ist die 08/15-Ästhetik der Windräder eine glatte Unterforderung der Ingenieure. - Nur teurer würde es. Das sollte uns die Landschaft wert sein.

  2. 49.

    Der tatsächliche Schattenwurf ist sogar auf 8 Stunden pro Jahr beschränkt. Die 30 Stunden beziehen sich auf den theoretisch maximalen Schattenwurf.

  3. 48.

    Ich kann sehr gut mit einem konventionellen Kraftwerk leben.

  4. 47.

    Schattenwurf ist gesetzlich auf 30 Stunden pro Jahr und 30 Minuten pro Tag begrenzt, sonst darf das Windrad gar nicht gebaut werden.

  5. 46.

    Der Senat will vieles, bloß leider kriegt er nichts so richtig auf die Reihe. Seit Jahren gibt es diese Technologie und die Dächer dafür auch. Passiert ist, außer dieser Absichtserklärung, im Prinzip seitens des senat garnichts.

  6. 45.

    Oh, Karin gerne können Sie sich ein oder zwei Windräder in der Nähe ihres Hauses aufstellen lassen. Dann können Sie völlig ungezwungen den Klang der Windräder aufnehmen oder den wunderschönen Schattenschlag der Flügel in der Abendsonne genießen. Glauben Sie mir, es ist ein bleibendes Erlebnis.

  7. 44.

    Berlin und Windräder etc. ... mhh ... warum nicht?
    Arkenberg, Hahneberg, Teufelsberg, Freiflächen von TXL und THF.
    Dazu Solarkollektoren auf vielen Dächern, ein kleines Wasserkraftwerk im Umstromkanal der Spandauer Schleuse. Die Stromausbeute von Ergometern in Fitnesscentern auch gleich rein ins Netz. Die Hüpfdohle muss also richtig ackern und nicht nur influenzen. 1000 Volt in dem Armen und im Oberstübchen is' duster wäre auch endlich sinnvoll. Also um der Altersdebatte auch was beizusteuern - ich bin Ü60 - also ein "Komposti". Wie war das mit Biogas?
    Manches nicht ganz ernst gemeint - aber bei manchen Argumenten kommt man auf so'n Schiet.

  8. 43.

    Wenn Sie Angst vor Infraschall haben sollten Sie größe Bögen um alle Straßen machen. Autos erzeugen viel mehr Infraschall als Windkraftanlagen.

  9. 42.

    Schön, dass die Brandenburger Natur mit Windrädern verschandelt wird, damit die Berliner Öko-Strom beziehen können. Dafür dürfen die Brandenburger Pendler ihre Autos um Himmels Willen nicht mehr in die Stadt bewegen, weil es die Öko-Strom-Bezieher stört. Wo der Strom herkommt und ob die Bernauer die Windräder vor ihrer Tür schön finden, interessiert dabei nicht.

  10. 41.

    Nachdem Altmaier und Co die Solarenergie in den Ruin getrieben hat ist jetzt die Windenergie dran mit diesen neuen ätzenden Gesetzen. Da helfen auch nicht ein paar neue Anlagen weiter. Altmaier und Co wollen die Atomenergie verlängern, trauen sich aber nicht dass öffentlich zu sagen.

  11. 40.

    Ich habe mich schon von Anfang an mit der Windenergie befasst und bin leider zu dem Ergebnis gekommen,
    das nur teilweise der Umweltschutz zu seinem Recht kommt. In Potsdam konnte ich ein einstündiges Referat
    allein nur über den Infraschall hören, über die negativen Auswirkungen auf den menschlichen Organismus, für mich erschreckend. Mir ist immer wieder aufgefallen, das man die Tierwelt schützen will, aber sind denn die Menschen
    nicht schützenswert. Wobei zu erwähnen ist ,das Jahr für Jahr tausende Vögel in der Luft zerfetzt werden. Über weitere
    Nebenerscheinungen möchte ich schweigen. Ich persönlich bin für die Solartechnik, sie stört kaum in der Landschaft
    und auf den Dächern. Ich habe ein Haus kennengelernt, vollkommen autark, das ist für mich moderne Zukunft.

  12. 39.

    Warum nur den Leuten U30? Bin ich mit 58 Jahren nur noch zu faul zum Umkippen oder was? Was ne arrogante Haltung auch, der Generation Ü30 umweltpolitisches Gewissen absprechen zu wollen.

  13. 38.

    Warum nur den Leuten U30? Bin ich mit 58 Jahren nur noch zu faul zum Umkippen oder was? Was ne arrogante Haltung auch, der Generation Ü30 umweltpolitisches Gewissen absprechen zu wollen.

  14. 37.

    Dazu ist aber eines nötig: ein Wille. Und. Den sehe ich bei den Bewohnern von Berlin aber nicht wirklich. Mir wäre Strom aus Quellen, wie bei Ihnen oder aus Photovoltaik, die auf den urbanen Dächern zuhause produziert werden könnte, allemal lieber.
    In unserem Garten habe ich eine kleine Insellösung gebaut, die uns dort mit dem nötigsten Strom versorgt. Ist echt klasse, dort eigenständig und nicht von irgendeinem Anbieter abhängig zu sein. Dass würde ich mir für unsere Genossenschaft auch wünschen.

  15. 36.

    Ich freu mich auf den Windpark. Würden statt 9 Milliarden für Lufthansa eher in Subventionen für private Photovoltaikanlagen investiert und die Förderung von Eautos noch höher, dann könnte viel erreicht werden und die Brandenburger würden ihre Autos selbst via Photovoltaik betanken

  16. 35.

    Man hört sehr woll was, meine Eltern wohnen ca 1,5 km von jetzt 10 Windrädern entfernt einige davon 240 Meter hoch. Wenn der Wind aus der Hauptwindrichtung steht hört man die Windräder. Wir gehen regelmäßig späzieren, dann findet man auch mal tote Vögel, spitzenwert 3 Raubvögel und 2 Singvögel unter einem Windrad ohne suchen. Hat auch was positives seit die Windräder gebaut sind, kann mein Vater seine Tauben fliegen lassen.
    ""
    TheBossFrankfurt(Oder)Freitag, 23.10.2020 | 10:10 Uhr
    Antwort auf [Nick] vom 23.10.2020 um 09:30
    Über 200.000 Brandenburger pendeln täglich nach Berlin, um dort ihr Geld zu verdienen.
    Soll man jetzt auch behaupten, Brandenburg ist nicht in der Lage, seine eigenen Einwohner mit Jobs zu versorgen?""
    Kein tolles Beispiel da die meisten Pendler aus Berlin raus gezogen sind ins grüne oder weil sie sich in Berlin keine Wohnung mehr leisten können oder finden. Die 200 000 wohnen als eher Brandenburg, weil Berlin seine Bevölkerung nicht mehr unterbringen kann. De

  17. 34.

    Was der konventionelle Stromerzeuger leider nicht kann ist den Leuten unter 30 ein Leben auf einem lebenswerten Planeten zu ermöglichen.

  18. 33.

    Und die Brandenburger wollen Arbeitsplätze aber die Büros kommen in die Stadt. Ganz schön verrückt in einer Gesellschaft zu leben.

  19. 32.

    Zugegeben, schön ist anders, aber romantische Windmühlen versorgen die Bevölkerung nun mal nicht mehr ausreichend mit Strom.
    Aber bis auf optische Beeinträchtigungen kann ich bisher nichts feststellen (und wohne Luftlinie nahe an einem Schmuckstück)
    Sonnenkollektoren wurden, als es noch gefördert wurde, zu Hauf auf Dächer in Berlin verbaut, aber die heimische Industrie dazu hat man ja absterben lassen.
    Berliner Größenwahn? Große Städte sind leider Magneten für Menschen, die sich anders entwickeln wollen, als in ihren Heimatdörfern.
    Leider ziehen viele Berliner jetzt ins Umland (auch nach Bernau) , u.a. weil ihnen die Stadt inzwischen zu voll ist.
    Komisch nur, dass die gleichen Brandenburger "hier" schreien, wenn Tesla ihre Umwelt verschandelt. Ich glaube nicht, dass die Fabrik ein optischer Blickfang ist, mal von den zu erwartenden Umweltproblemen abgesehen.

  20. 31.

    Die Umrechnerei von Windrädern in "versorgte Haushalte" ist immer wieder Unsinn. Ein Windrad kann keinen einzigen Haushalt versorgen, weil bei Windstille kein Strom rauskommt und die Versorgung dann von einem konventionellen Stromerzeuger kommen muss - den es folglich weiterhin in gleicher Leistung wie bisher geben muss. Der konventionelle Stromerzeuger könnte die Haushalte dagegen allein versorgen, er "braucht" das Windrad nicht.

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