18.09.2020, Brandenburg, Sieversdorf: Ein Landwirt fährt mit einem Traktor und einem Pflug im Sonnenuntergang über einen Acker. (Quelle: dps/Pleul)
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Audio: Antenne Brandenburg | 20.11.2020 | Autor: Fred Pilarski | Bild: dpa/Pleul

"Agrarstrukturelles Leitbild" in Brandenburg - Minister Vogel will Markt für Agrarflächen regulieren

Die Preise für Agrarflächen in Brandenburg sind in den letzten Jahren stark gestiegen, oft kaufen Investoren. Landwirtschaftsminister Vogel will dagegen mit einem Gesetz vorgehen und hat erste Leitlinien entworfen. Bauernverbände sind sich uneins. Von Fred Pilarski

In den letzten Jahren haben immer mehr landwirtschaftsfremde Investoren in Brandenburg Flächen erworben. Zum Beispiel im Landkreis Märkisch-Oderland: Dort gehörten 2017 bereits 17 Prozent der Flächen Kapitalanlegern. Genauso hoch war auch der Anteil, der zu diesem Zeitpunkt einer einzigen überregionalen Agrarholding gehörte, so eine Untersuchung des Thünen-Instituts [thuenen.de]. Gleichzeitig haben sich die Preise für Ackerland brandenburgweit seit 2007 vervierfacht.

Agrar-Leitbild soll Markt regulieren

Ortsansässige Bauern und Neueinsteiger bekommen unter diesen Umständen kaum noch einen Fuß auf den Ackerboden, sagt Reinhard Jung vom Verband Freie Bauern, der vor allem kleine Familienbetriebe vertritt. "Mit ihrem Geld machen die uns die Flächen streitig. Das ist ein Problem, das alle ortsansässigen Bauern in Brandenburg betrifft", sagt er.

Agrarminister Axel Vogel (Bündnis 90/Die Grünen) hatte sich zu Beginn seiner Amtszeit vorgenommen, diesen wilden Agrar-Boden-Markt zu regulieren. Jetzt hat der Grünen-Politiker den Entwurf eines Leitbilds ins Netz gestellt, das Grundlage für ein künftiges Gesetz werden soll [PDF]. Dem Leitbild-Entwurf ging ein halbes Jahr öffentlicher Diskussion voraus, an der sich jeder Interessierte beteiligen konnte.

Minister will Vielfalt in der Landwirtschaft erhalten

Landwirtschaft in Brandenburg solle auch in ihrer Vielfalt erhalten bleiben, begründet der Minister seinen Vorstoß. Oft sei es so, dass, wenn Investoren in größere Agrarbetriebe einsteigen, erst einmal die Tierproduktion abgeschafft wird, dann die Gemüseproduktion - schließlich werde alles auf Biogas und Mais umgestellt. "Das heißt Verlust von Arbeitsplätzen und von Wertschöpfung im ländlichen Raum. Das wollen wir verhindern." Vogel spricht von "Tieflader-Bauern", die mit zentral gesteuerten Maschinenparks ihre Flächen von Lohnunternehmen bewirtschaften lassen und kaum noch Menschen in den Orten beschäftigen, wo die Äcker sind.

Im Leitbild-Entwurf ist nun formuliert, dass der Boden "nicht der Spekulation und der vorrangigen Kapitalanlage" dienen soll. Die Flächenkonzentration in den Händen weniger Eigentümer, Bewirtschafter und Unternehmensverbünde soll verhindert werden.

Großer Bauernverband kritisiert den Minister

Diese Regulierungs-Ansätze gehen dem Landesbauernverband (LBV) allerdings viel zu weit. Für den LBV ist der Entwurf ein Angriff auf die Brandenburgische Agrarstruktur. Der Verband wirft dem Minister mangelnde Kenntnis der Situation vor Ort vor und zweifelt auch die Datengrundlagen an.

Ulrich Böhm, agrarpolitischer Sprecher des LBV, sagte, dass Investoren sehr wohl eine Möglichkeit seien, Agrarbetriebe in schwierigen Situationen zu stärken. Minister Vogel sieht sich da missverstanden: Dass sich Kapitalgeber zum Beispiel als stille Gesellschafter beteiligen, sei völlig unstrittig.

Freie Bauern für den Entwurf

Für den kleinen Verband Freie Bauern ist die Position des großen Landesbauernverbands völlig unverständlich. "Wenn der Landesbauernverband diesem schlimmen Schauspiel weiter jahrelang zuschauen will, dann soll er es machen, aber er soll den politischen Prozess nicht aufhalten. Deshalb unterstützen wir in dieser Sache ganz klar den Agrarminister Vogel", sagt Reinhard Jung, Freie-Bauern-Sprecher und selbst Landwirt in der Prignitz.

In den nächsten Wochen soll der Leitbild-Entwurf weiter diskutiert werden – die Einladung dazu ging ausdrücklich auch an den Landesbauernverband. Vogels Ziel ist es, dass der Landtag bis Ende 2021 ein Agrarstrukturgesetz verabschiedet.

Beitrag von Fred Pilarski

5 Kommentare

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  1. 5.

    welcher trottel verkauft den heut noch land????
    da muss jedem klar sein das die heuschrecken warten

  2. 4.

    Wenn Ihnen lieber Roman Land gehört, dann können Sie das so machen wie vorgeschlagen, sonst nicht. Wären Sie auch einverstanden, wenn Sie Land verkaufen wollen, das dann die Allgemeinheit Ihnen einen Verkaufspreis vorschreibt? Sie sehen, wenn man persönlich betroffen ist wirkt das Ganze komplizierter/komplexer als aus "10000 m Flughöhe". Regulieren kann man nur durch wechselnde Anreize. Gesetze nutzen nichts, sie werden umgangen - das weiß, bis auf den rückwärtsgewandten, links/grünen Mainstream jeder.

  3. 3.

    Wenn wir schon dabei sind, den Leuten zu sagen, sie sollen ihre Steingärten überdenken...Sollten wir auch über die sichere Versorgung mit Lebensmitteln nachdenken...

    Wir müssen die Bodengesundheit im Auge behalten.
    Wenn jahrelang Biomais angebaut wird und sich niemand um die Bodengesundheit kümmert, stehen wir am Ende vor einer Lebensmittelkatastrophe ungeahnten Ausmaßes.

    Ein Beschluss also, die strategisch wichtigen Ackerflächen ausschließlich in die Lebensmittelproduktion zu nehmen, ist längst überfällig.

    Wir können nicht davon ausgehen, dass der Importmarkt dauerhaft offen bleibt und uns mit Lebensmitteln versorgt.

    Und letztlich benötigen wir Bauern, die ihre Äcker kennen und wissen, wie sie damit umzugehen haben. Wir brauchen Bauern, die sich um unser aller Versorgung kümmern.

    Ich kann nicht verstehen, dass sich da überhaupt Fragen stellen.

  4. 2.

    Man könnte ja mal den Anbau von Energiepflanzen einschränken. In Deutschland haben wir 2.4 Millionen Hektar nur dafür. Wenn man auf diesen Flächen stattdessen Solarzellen aufstellen würde, wäre unser Strombedarf mehrfach gedeckt.

  5. 1.

    Klar das der große Bauernverband Investoren unterstützt. Da wird schön Lobbyarbeit betrieben. Verwunderlich das kleine Bauern in diesem Verein sind, weil deren Interessen garantiert nicht vertreten werden.

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