Windenergieanlagen im Landkreis Oder-Spree am 04.02.2019 (Bild: dpa/Patrick Pleul)
Bild: dpa/Patrick Pleul

Pilotprojekt in Rüdersdorf - Energieversorger will unterirdisch Wasserstoff speichern

Windräder und Solarparks produzieren reichlich Ökostrom in Brandenburg - allerdings abhängig von der Wetterlage. Ein Energieversorger will den grünen Strom nun besser speicherbar machen: tief unter Rüdersdorf. Von Georg-Stefan Russew

Der Energieversorger EWE will in Kürze in Rüdersdorf (Märkisch-Oderland) ein Pilotprojekt zur Speicherung von reinem Wasserstoff starten. Hierfür soll in einem Kilometer Tiefe eine 500-Kubikmeter-Kaverne, ein künstlich angelegter Hohlraum, entstehen. "Wir zeigen am Standort in Rüdersdorf erstmalig, wie wir unterirdisch sicher Wasserstoff einlagern können", zeigte sich EWE-Chef Stefan Döhler am Donnerstag überzeugt.

Das Projekt hat zum Ziel, überschüssigen Strom zu speichern - wie Ökostrom, der bei viel Wind oder Sonnenschein anfällt. Mit Strom kann Wasser zu Wasserstoff und Sauerstoff gespalten werden - das Verfahren wird als "Power-to-Gas" bezeichnet. Umgekehrt lässt sich aus dem Wasserstoff wieder Strom und Wärme erzeugen (Gas-to-Power).

Pilotprojekt in Rüdersdorf soll zehn Millionen Euro kosten

Bei dem Projekt in Rüdersdorf kooperiert die EWE mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR. Insgesamt sind zehn Millionen Euro eingeplant; vier Millionen Euro stammten aus EWE-Mitteln plus einer bereits bestehenden Bohrung. "Diese entspricht nochmals einem Gegenwert von rund vier Millionen Euro", betonte Projektleiter Paul Schneider. Der Rest komme aus Fördermitteln des Bundesverkehrsministeriums aus dem "Nationalen Investitionsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie" (NIP).

Modelll der geplanten Rüedersdorfer Salzkaverne (Bild: EWE)Das Modell der geplanten Speicheranlage.

Belastbare Resultate Ende 2022 erwartet

Geplanter Baustart für die Testkaverne ist nach EWE-Angaben Mitte Februar. In einem ersten Schritt soll ein Rohr in die Tiefe getrieben werden, das wasserstoff-fest einzementiert werden soll. "Der eigentliche Hohlraum wird im August angelegt", erklärte Schneider. Bis Ende 2022 sollen die Tests in Rüdersdorf abgeschlossen sein und entschieden werden, ob das Unternehmen großflächig in die unterirdische Speicherung einsteigt.

Dohler zufolge soll eine solche Anlage mehr Netzsicherheit bringen; bei Windflaute und wenig Sonne könne aus Wasserstoff erneut grüner Storm erzeugt werden.

EWE nutzt nach eigenen Angaben schon länger Kavernen zur Speicherung von Erdgas. In Rüdersdorf speichert EWE seit 2007 Erdgas. Das Unternehmen beliefert im Nordwesten Deutschlands, in Brandenburg auf Rügen und in Teilen Polens rund 1,4 Millionen Kunden mit Strom und jeweils rund 700.000 mit Erdgas und Telekommunikationsleistungen.

Beitrag von Georg-Stefan Russew

21 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 21.

    Wasserstoff ist nur im status nascendi einatomig. Deshalb kennen wir nur H2. Ein Monekül ist etwas anderes. Mit einem Monekül H2O löscht man aber keinen Durst.

  2. 20.

    Auch hier war mal das Urmeer. Hier sind die Speichervolumen in einer dicken Salzschicht. Hier suchte man auch schon nach Erdgas. Viel Stickstoff entwich dann mehrere Tage oder gar Wochen; überall lagen aber Löschwasserleitungen. Man schaffte es nicht die Sonde abzudichten. Erst ein Spezialist aus der SU schaffte es. Man evakuierte ringsum die Bürger in Kinos etc. Es war so laut wie sehr viele laute Strahlantriebe.

  3. 19.

    Wer ärgert Tesla. Die bekommen unendlich Privilegien eingeräumt und danken es mit Zahlungsverzügen u.a. Ungereimtheiten.

  4. 18.

    Das sehe ich äußerst kritisch. Wasserstoff ist nicht nur brennbar, sondern ein sehr kleines Molekül. Selbst aus Luftballons entweicht er langsam, doch stetig. So werden sich die winzigen Moleküle wohl ihren Weg durch Gesteinsritzen nicht lange suchen müssen. Dann brennt der Acker.

  5. 17.

    Gesunde Skepsis gegenüber technischen Entwicklungen sollte nicht gleich wissenschaftsfeindlich. Gibt ja doch schon einige Beispiele des Fortschritts an dem die Menschheit später ordentlich zu knabbern hatte. Unter anderem die ungezügelte Verbrennung von Kohlenstoff in diversen Verbindungen zu Kohlendioxid. Es gibt andere Wissenschaften die sich an naturnahen und somit über tausende Jahre alten Prozessen orientieren. Forstwissenschaft ist eine davon, die meiner Einschätzung nach deutlich weniger Zweifler hat. Zweifel an einer Technologie die mit enormen Energieverbrauch menschlichen Abfall tief in der Erde versenken möchte, sind doch angebracht. Wäre nicht der erste kaum reparierbare Fehlgriff der Menschheit.
    Nachhaltiger Fortschritt benötigt Zweifler und Skeptiker, sonst würde der Fortschritt größtenteils auf maximalen finanziellen Gewinn aus sein.

  6. 16.

    Danke für die Klugscheisserei. Das beantwortet meine Frage nach dem eigentlichen Ziel aber nicht. Wie man aus meiner Frage einfach erlesen kann, ist mir bewusst das das nur ein Versuch ist.
    Wie groß sollen diese Speicher werden wenn es funktioniert?
    Wasserstoff und Erdgas sind ja bis auf den Aggregatzustand dann eben doch sehr unterschiedliche Gase. Ich wünsche mir vom Verfasser des Artikels etwas mehr Hintergrundinformationen, auch wenn rbb24 keine Plattform für Ingenieurtechnische Details ist.

  7. 15.

    Die gleichen wissenschaftsblockierenden Futzis, welche die Erforschung von CCS hier abgewürgt haben (andere Länder praktizieren es bereits), werden auch diesen Forschungsversuch untergraben wollen. Tesla wird z.Zt. ja auch geärgert wo es nur geht.
    Die Wirtschafts- und Wissenschaftsnation Deutschland lebe hoch...

  8. 14.

    Nicht jeder der sich gegen Windraeder ausspricht ist Anhänger der blauen Ideologie. Hören Sie daher bitte auf, jede kritische Äußerung in diese Richtung zu ideologisieren

  9. 13.

    Wossi, wir brauchen keine neuen Lösungen, die Lösungen sind schon lange bekannt. Man muss jetzt nur noch den politischen Willen haben Geld in die Hand zu nehmen und sie auch umzusetzen. Genau dafür sind Demos gut.

  10. 12.

    Wenn ein wirtschaftlich vertretbarer Wirkungsgrad erzielt werden kann, so wäre das eine technologieoffene sinnvolle Ergänzung, die benötigt wird. Liebe Jugend: wir sind gespannt auf eure Lösungen, die Messlatte der jetzigen Generation liegt hoch - und bitte keine Zeit verlieren mit klimaschädlichen Demonstranten. Was für aussichtsreiche lohnende Möglichkeiten :die Wasserrückgewinnung! die Mitnahme von rund 90 Prozent des Wassers für die Toiletten in Flugzeugen mit Brennstoffzelle einzusparen – eine spannende Möglichkeit auch für Wohnmobile usw. Wählt immer die Schaffenden, nie die schuldenmachenden Pleitiers, auch wenn noch so viel moralisiert wird. Das eigene Portemonnaies ist nicht ganz unwichtig.

  11. 11.

    Der kleinere Erdgasspeicher mit eine Volumen von 260.000 m³ ist derzeit außer Betrieb, weil so kleine Anlagen sich derzeit nicht wirtschaftlich betreiben lassen.

    Der Sinn solcher Pilotprojekte wie das im Artikel thematisierte mit 500 m³ ist u.a. auch die Beantwortung Ihrer Frage oberhalb des Labormaßstabes. Technisch Vorgebildete wissen, dass es vielfach Sinn macht, in kleinen Schritten voran zu gehen. Langfristig werden solche Speicher für grünen Wasserstoff im Rahmen der Energiewende benötigt, da man mit denen kalte Dunkelflauten überbrücken kann. Z.B. von Greenpeace Energie gibt es dazu eine ausführliche (!) Studie, die sicherlich aber von Vernunftkraft und Co. verschwiegen oder gar negiert wird.

  12. 10.

    Dies ist ja auch nur ein Pilotprojekt und soll aufzeigen, dass es großtechnisch möglich ist, Wasserstoff ähnlich Erdgas in unterirdischen Kavernen zu lagern.

  13. 9.

    Wo will man denn langfristig hin wenn das funktionieren sollte? Für 500m^3 lohnt sich der Aufwand ja nicht. Das kriegt man oberirdisch sicher einfacher hin. Also muss das Volumen später viel größer werden.

  14. 8.

    Aus dem Kreislauf herausgenommen wird hier gar nichts, da man mit dem Wasserstoff die Fusion zu Helium noch nicht im Griff hat. Entweder wird oxidiert zu Wasser oder in der Brennstoffzelle ebenfalls wieder mit Sauerstoff zu Wasser rückgewandelt. Auffangen des Wassers und Wiederverwenden wäre sicher kein Problem im Wasserstoff Kraftwerk oder Auto.
    Und 163 tausend m^3 für eine TWh klingt viel, ist es aber nicht.

  15. 7.

    Setzen Sie Ihre 163 Mio Liter mal in Relation zu den 20.000 Mio. Liter Wasser, die der PCK jährlich für die Produktion fossiler Kraftstoffe benötigt. Und das ist ja nicht die einzige Anlage ihrer Art. Ich warte ja förmlich darauf, dass die blaue Fraktion auch in Schwedt sich mit Protestschildern vorgeblich um ihr Trinkwasser sorgt. Allein Ihr Wasserversorger fördert übrigens jährlich 200.000 Mio. Liter Trinkwasser und betreibt auch noch aktive Grundwasserhaltung.

  16. 6.

    Wenn man den Wasserstoff wieder zu Strom macht bekommt man das Wasser zurück. Das kann man in einem geschlossenen Kreislauf machen wenn man meint Wasser wäre knapp.

  17. 5.

    Da auch solche Speicher Teil der Energiewende sind, werden die blauen Protesthansel bestimmt bald auch hier mißbräuchlich "Wir sind das Volk" rufen.

  18. 4.

    Aus neun Litern Wasser 1 kg Wasserstoff, und davon 55 kWh? Im gewissen Umfang scheint es kein Problem. Aber, wenn man mal hochrechnet, dass bundesweit:
    - bis 2030 der Anteil der Erneuerbaren 65% der Stromerzeugung ausmachen soll,
    - im Jahr 2019 die gesamte Bruttostromerzeugung bei 611,5 TWh lag, und
    - dass der Stromverbrauch noch steigen wird (spezifisch E-Autos brauchen derzeit im Schnitt 15 kWh/100 km, und bei 43 Millionen PKWs wird im Schnitt über 11.000 km jährlich gefahren, also wohl locker mehr als 70 TWh Mehrbedarf),

    daraus ergibt sich, dass selbst wenn nur 1 TWh über Wasserstoff getragen, sowas bedarf mehr als 163 Millionen Liter Wasser (jährlich, welche ausm Kreislauf rausgenommen), wenn ich mich nicht irre? Und solche Zahl ist natürlich relativ, da z.B. jede/r von uns ca. so viel täglich trinkt. Aber eine geringe Menge ist es nicht, insb. in Zeiten wenn Wasserstandspegel sinken. Und daher scheint mir da Bedarf nach weitergehender Forschung bzg. Energiespeicherung.

  19. 3.

    Wir wurden aber vor ein paar Wochen darüber informiert, dass sich "da oben auf dem Berg" etwas tut. Von einem Rohr war da auch die Rede, Nun wird man den benötigten Hohlraum aussolen wie bei den beiden Erdgasspeichern. Es hieß doch aber, dass der kleinere Speicher nicht mit Gas befüllt ist. Nun sagt uns doch mal ob da irgendwie der so flüchtige Wasserstoff entweichen könnte.

  20. 2.

    Sollte in diesen Kavernen nicht auch schon CO2 gespeichert werden?

Das könnte Sie auch interessieren

Tafel Giga Podcast (Quelle: rbb)
rbb

rbb|24-Podcast zu Tesla | alle Folgen - Giga Grünheide - Tesla in Brandenburg

Im beschaulichen Grünheide investiert Elon Musk derzeit Milliarden, denn hier in Brandenburg entsteht die erste Tesla-Gigafactory Europas. In dem 9.000-Seelen-Ort gibt es viele, die sich auf die neue Fabrik freuen und andere, die dagegen auf die Barrikaden gehen. Im Podcast "Giga Grünheide – Tesla in Brandenburg" erzählt ein rbb-Reporter-Team Geschichten über ein Dorf, das zur Zukunft der Elektromobilität werden soll.

Tesla darf den Bau seiner Batteriefabrik in Brandenburg vorbereiten. Die Baustelle am 22.01.2021. (Quelle: dpa/Thomas Bartilla)
dpa/Thomas Bartilla

E-Autofabrik bei Grünheide - Wer die Tesla-Baustelle kontrolliert

Eine Baustelle wie die von Tesla hat es in Brandenburg noch nicht gegeben. Die Größe des Vorhabens und die Geschwindigkeit, mit der Tesla voranschreitet, sind nicht vergleichbar. Wie kann da sichergestellt werden, dass es mit rechten Dingen zugeht? Von Franziska Hoppen

 

Antenne am Nachmittag Kompakt vom 22.01.2021 Daumennagel
rbb | Studio Frankfurt

Aus dem Studio Frankfurt (Oder) für Ostbrandenburg - 22.Januar 2021

+++ Umweltkontrollen auf dem Tesla-Gelände in Grünheide +++ Grüne Woche – 95 Jahre +++ Digitalisierung in den Schulen klappt in Polen +++ Bauen in Wandlitz geht voran +++ Internet-Ausfall für eine ganze Woche in Neulangsow +++ Gebäudereiniger in Ostbrandenburg bekommen keine Schutzmasken +++