Symbolbild: Im Wasserwerk Briesen von der Frankfurter Wasser- und Abwassergesellschaft mbH aus Frankfurt (Oder) überprüft ein Mitarbeiter eine Trinkwasserprobe. (Quelle: dpa/P. Pleul)
Audio: Antenne Brandenburg | 2.12.202 | Bild: dpa/P. Pleul

Neues Gutachten vom Land - Trinkwasserversorgung in Frankfurt (Oder) und Odervorland gefährdet

Die Trinkwasserversorgung in Frankfurt (Oder) und im Amt Odervorland könnte künftig unter bestimmten Bedingungen nicht mehr gesichert sein. Zu dem Ergebnis kommt eine Studie, die im Auftrag des Landes Brandenburg angefertigt wurde. Von John-Alexander Döring

Wer in Frankfurt (Oder) und im Einzugsbereich des Amt Odervorland den Wasserhahn aufdreht, der trinkt, duscht und kocht zum Teil mit Wasser aus der Spree, das sulfatbelastet ist, seit Jahren bekannt und eine Folge des Braunkohleabbaus in der Lausitz. Das Brandenburger Wirtschaftsministerium hat nun untersuchen lassen, wie gefährlich die Sulfatbelastung der Spree für die Trinkwasserversorgung sein kann. Das Gutachten ist noch nicht veröffentlicht, Staatssekretär Hendrik Fischer nennt aber schon die wichtigsten Ergebnisse.

"Wenn der Stand so bleibt wie jetzt, wird es nicht so sein, dass die Sulfatwerte so sehr steigen, dass die Trinkwasserqualität nicht gesichert werden kann", sagt er. "Aber wenn die benötigten Wassermengen deutlich ansteigen - in so einem Fall könnte es sein, dass es schwer wird, die Trinkwasserqualität zu sichern."

65.000 Menschen im Einzugsgebiet

Das Gutachten war notwendig geworden, nachdem am Spree-Pegel Neubrück der Sulfat-Richtwert von 280 Milligramm pro Liter Mitte September zum 38. überschritten wurde.

Bei einer gewissen Anzahl an Überschreitung innerhalb von einem Jahr ist das Landesamt für Bergbau und Geologie und Rohstoffe (LBGR) verpflichtet zu prüfen, ob und welche Maßnahmen nötig sind, um die Trinkwasserversorgung zu sichern. Derzeit versorgt die Frankfurter Wasser- und Abwassergesellschaft etwa 65.000 Einwohner.

Wenig Niederschlag

Das wäre dann der Fall, wenn die Einwohnerzahl Frankfurts steigt oder sich mehr Industrie ansiedelt. Für Anne Silchmüller von der Frankfurter Wasser- und Abwassergesellschaft könnte es jedoch noch andere Gründe geben. "Wir befürchten: wenn die Niederschläge weiterhin ausbleiben und sich das Klima weiter erwärmt, dass wir in naher Zukunft den Grenzwert überschreiten werden", sagte sie dem rbb.

Um die Belastung zu senken soll ein altes Wasserwerk in Müllrose wieder in Betrieb genommen werden. So soll das sulfatbelastete Wasser verdünnt werden. Die Kosten dafür sollen bei etwa 10 Millionen Euro liegen. Der Verursacher der Belastung, der Bergbau, möchte sich jedoch seit Jahren nicht an den Kosten beteiligen, erklärt Anne Silchmüller.

Maßnahmen mit und ohne Kosten

Die Bergbaugesellschaft LMBV will sich zu dem Gutachten im Moment noch nicht öffentlich äußern. Das Wirtschaftsministerium möchte nun alle zusammenbringen und in Gesprächen Lösungen finden, wie die Trinkwasserversorgung auch zukünftig gesichert werden kann. Die eine Lösung gibt es für Staatssekretär Hendrik Fischer aber nicht.

"Es wird so sein, dass Teile der Maßnahmen einfach umgesetzt werden können, ohne dass man dafür zusätzliche Mittel in die Hand nehmen muss. Und es wird Maßnahmen geben, die Geld kosten, und dann werden wir mit den Beteiligten darüber reden, wie die entsprechenden Volumen aufzubringen sind."

Ergebnisse soll es im Laufe des kommenden Jahres geben. Das Gutachten im Auftrag des Brandenburger Wirtschaftsministeriums soll auch bald veröffentlicht werden. Wann genau, konnte dort am Mittwoch aber noch niemand sagen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 2.12.2020 um 7:30

26 Kommentare

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  1. 26.

    Neben dem Uferfiltrat der Oder kann man sicher auch sinnvoll Brunnen in der Nähe von Frankfurt erschließen. Der ganze Hang vom Bereich Gubener Straße über die ganze Gubener Vorstandt, Carthaus, Güldendorf bis an die Steile Wand unter Lossow ist im Prinzip eine Quelle und "suppt" kräftig - da standen früher ja auch jede Menge Mühlen.

  2. 25.

    Die Karte ist gut und schön, aber ich fahre jeden Tag an dem Verkehrszeichen vorbei, daß sagt "Wasserschutzgebiet".
    Warum will man dann wieder aus Briesen Wasser beziehen und dann dort teuer investieren. Wäre es wirklich teurer sofort und auf lange Sicht, wenn man die Wasserversorgung aus der Oder vor Ort wiederherstellen würde? Bis 1997 gab es aber auch mehrere Hochwasser, die dann wohl nicht wirtschaftlich irreparable Schäden hatten - oder ist diese Begründung eher ein vorgeschobenes Argument 1997 gewesen? Gab es vielleicht für die andere Lösung Fördergelder und für die Reparatur nicht?

  3. 24.

    Was hat denn Tesla mit Frankfurt und dem Sulfatproblem zu tun?
    Es wird in Zukunft Mengen und Qualitätsprobleme des Ostbrandenburger Wassers geben.
    Höherer Bedarf durch Industrieansiedlungen ist eine der Ursachen.
    Das Sulfatproblem im Frankfurter Trinkwasser ist deutlich älter als Tesla, liegt im Bergbau begründet und hat gar nichts mit Tesla zu tun.
    Welche Milliardeninvestitionen meinen Sie denn?

  4. 23.

    In Frankfurt gibt es keine Wasserschutzgebiete mehr.
    https://maps.brandenburg.de/apps/Wasserschutzgebiete/?zoom=3&lat=5797610.93902&lon=462654.09947&layers=TTTBFFFFTTTF

    1997 war Feierabend am Wasserwerk Frankfurt. Wirtschaftlich irreparable Hochwasserschäden.

    Briesen wurde in den 60er Jahren gebaut weil das Wasserwerk FF an seine Grenzen gestoßen ist. FF sollte auf über 100.000 Einwohner wachsen. Leider gibt es in Briesen weniger trinkwassertaugliches Grundwasser als gedacht. Deshalb muss mit Spreewasser angereichert werden.
    Das Problem ist nun dass die geöffneten Tagebaue mit Wasser gefüllt werden und somit die gelösten Pyritreste ins Wasser gelangen. Hätte man die Tagebaulöcher z. B. verfüllt, könnte es sein das Eisen und Sulfat wieder verschwunden wären.

  5. 22.

    Früher wurde Uferfiltrat aus den Oderwiesen gewonnen. Zumindest die oberirdischen Teile der Brunnen stehen noch in den Oderwiesen. An den Straßen entlang der Oderwiesen im Süden von Frankfurt ist auch per Straßenschild das Trinkwasserschutzgebiet weiterhin ausgewiesen - fahre täglich daran vorbei.

  6. 21.

    Ich meine, ich hätte da auch mal etwas von Versalzung gelesen, kann aber das Grundwasser gemeint sein. Aber ich stimme zu, direkt aus der Oder, macht man an anderen Flüssen doch auch, oder?

  7. 20.

    @Dirk 17
    Sie haben mich vollkommen missverstanden. Natürlich ist die LEAG nicht für alles verantwortlich, nur für den Teil seit 1990 und der beträgt 57%, und diese Schäden zahlt auch der Steuerzahler.
    Ubrigens wurde schon in den dreißiger Jahren nachgewiesen was uns erwartet, nur das damals niemand wusste welch gigantisches Ausmaß der Braunkohleabbau erreichen wird.

  8. 19.

    Danke. Hatte den Kommentar nicht aufgeklappt.
    Das ist recht kurz für eine solche Studie, ist wohl eher eine Zusammenfassung.

  9. 18.

    Den Link hatte Blota bereits veröffentlicht.

    #https://www.igb-berlin.de/sites/default/files/media-files/download-files/IGB_Dossier_2016_Sulfat_END.pdf

  10. 17.

    @Frank Lehmann Lesen Sie doch einfach mal die Studie. Die wiederholt, was schon länger bekannt ist.
    .....In den Abraumhalden und im gesamten Grundwasserabsenkungstrichter kam es zu einer Belüftung der vormals
    wassergesättigten und sauerstofffreien Bodenbereiche zum Teil bis zu einer Tiefe von mehr als 100 Metern. Das in
    diesen Schichten vorhandene Mineral Pyrit* (ein Eisensulfid, FeS2) wird dadurch oxidiert, was in der folgenden chemischen Gleichung beschrieben ist: 2 FeS2 + 7,5 O2 + 7 H2O 2 Fe(OH)3 + 4 SO42- + 8 H+
    Dabei entstehen die für die Ockerausfällungen typischen Fe(III)-Hydroxide und letztlich Schwefelsäure......
    Es ist naiv zu glauben, diese Veränderungen wurden erst in den letzten Jahren durch die LEAG verursacht.
    In der Lausitz wird nachweislich seit Ende des 19. Jahrhunderts Braunkohle abgebaut.
    Das Problem ist, seit der Reduzierung der Förderung und der Wasserhaushaltung wird das Grundwasser nicht mehr in solch großen Mengen abgepumpt, gefiltert und gereinigt.

  11. 16.

    Hatte in #7 schon daraufhingewiesen. Warum versorgt man Frankfurt und das Odervorland überhaupt über diese Distanz aus der vergleichsweise mickrigen Spree, wenn man den wesentlich größeren Fluß Oder genau vor der Haustür hat?

  12. 15.

    Tesla braucht Wasser, da es nicht reicht muss es herangeführt werden: für Milliarden Investitionen aus Frankfurt/Oder? Wie passt das mit den (Sufat-)Problemen zusammen? Zwei Fragen dazu: wie kann die Lösung des Problems aussehen? und: Rechnet sich denn das überhaupt (Einnahmen durch Tesla gegenüber gestellt dem Investbearf)? Es scheint bald so, als wenn eine anfänglich gute Sache, sich in die millardenschweren Fehlprojekte der letzten 30 Jahre einreiht. Nicht ein einziges Großprojekt ist zum Erfolg geworden - die können es nicht!

  13. 14.

    Wir haben hier ganz in der Nähe einen riesigen Kalksteintagebau. Aus sicherer Quelle ist mir bekannt, dass bereits Ende der 90 er Jahre stündlich mehr als 1200m³ Frischwasser zur Trockenhaltung abgepumpt wurden. Das Wasser gelangt über Mühlenfließ und Kalksee an der Schleuse in Woltersdorf über ein Wehr in den Flakensee und damit auf die "Spreeseite". Kalkhaltig ist es schon aber es ist Grundwasser. Mit diesem Wasser solte man damals auch 2 Gasspeicher aus. (EWE). Die protestierende Bürgerinitiative erreichte nix. Hier hebt und senkt sich der Boden ja nach Füllungsgrad um bis zu 10 cm. Es stehen da Häuser drauf. ! So ist das heute im vereinigten Deutschland.

  14. 13.

    Kann die Studie insgesamt irgendwo heruntergeladen werden?
    Viele Grüße an die Bergakademie - ich habe da studiert.

  15. 12.

    @Dirk, um die LMBV geht es gar nicht, die hat schon vor Jahren gutachterlich festgestellt das die aktiven Tagebaue der LEAG für 57% der Ocker und Sulfateinträge verantwortlich sind. Diese Folgekosten gehören dem Verursacher und nicht dem Steuerzahler aufgebrummt. Dann ist schnell Schluss mit dem Raubbau und dem Märchen vom billigen Kohlestrom.

  16. 11.

    Zu einer umfassenden Meinungsbildung sollte man aber auch die weiteren Ursachen der Wasserbelastung erwähnen. Hier noch weitere Auszüge aus der Studie. ....Neben den Grundwasserabsenkungen in den Tagebaugebieten zur Braunkohlegewinnung trugen auch großflächige Moorentwässerungen zur landwirtschaftlichen
    Nutzung dazu bei, dass die Sulfatkonzentrationen nicht nur in den Gewässern der Lausitz, sondern auch in anderen Flüssen und Seen des nordostdeutschen Tieflandes zunahmen.; .....Schwefel und Eisen, die in Form von Eisensulfiden in der anoxischen (sauerstofffreien) Bodenschicht von Mooren gespeichert waren, wurden und werden durch die flächendeckende Trockenlegung ganzer Landstriche wieder freigesetzt. Die landwirtschaftliche Düngepraxis verschärft das Problem zusätzlich.

  17. 10.

    Die LMBV ist kein aktiver Bergbaubetrieb, sondern eine steuerfinanzierte Staatsfirma, welche die Aufgabe hat, die Sanierung der Braunkohlealtlasten durchzuführen, die von den Westkonzernen 1990 nicht übernommen werden wollten.
    Wenn sie diese Firma verbieten, beenden sie die Sanierung des größten Teiles der Altlasten.

  18. 9.

    Richtig.
    Mir ging es in meiner Antwort darum zu belegen, dass das Problem mit der Schließung der Tagebaue noch jahrzehntelang nicht vom Tisch ist.

  19. 8.

    @Blota,
    Auszug aus Ihrem Link: Eine weitere ständige und ERHEBLICHE Quelle sind auch die Austräge aus dem aktiven
    Bergbau.
    @Vera, jeder Tag an dem die Kohlelöcher weiter betrieben werden verlagert das Problem jahrzehnte ind die Zukunft.
    Wer braucht bei zunehmender Trockenheit schon Trinkwasser? Hauptsache " billiger " Kohlestrom.
    Die Natur stellt für unser Handeln die Rechnung, siehe Corona.

  20. 7.

    Es ist schon etwas befremdlich, wenn eine Stadt an einem größeren Fluß Wasserprobleme bekommen sollte. Was war eigentlich der sinnvolle Grund dafür, daß Frankfurt das Wasser aus der Spree bekommt und nicht mehr Uferfiltrat aus den Oderwiesen, die ja weiterhin als Trinkwasserschutzgebiet ausgewiesen sind. Gibt es überhaupt noch die früher vorhandenen Brunnen in den Oderwiesen?

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