Solarparks statt Ackerland - Immer mehr Landwirte wollen Felder für Photovoltaik nutzen

Do 25.02.21 | 15:29 Uhr | Von Ricardo Wittig
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Solarpark bei Groß Dölln (Uckermark)
Audio: Antenne Brandenburg | 25.02.2021 | Riccardo Wittig | Bild: rbb

Die Nachfrage für den Bau von Solaranlagen in Brandenburg steigt rasant. Mittlerweile haben die Investoren aber nicht wie üblich ungenutzte Brachflächen im Blick, sondern inzwischen auch fruchtbare Äcker. Das stößt auf Kritik. Von Ricardo Wittig

Auf einem Acker im Uckermärkischen Wichmannsdorf sollen in Zukunft keine Nahrungsmittel mehr produziert werden. Zu gering seien die Erträge, sagt Dietrich Twietmeyer. Er plant jetzt ein riesiges Solarprojekt. Der Landwirt und Unternehmer aus Frankfurt am Main will mit seinem Hof im Boitzenburger Land mehr verdienen.

"Wir haben mittlerweile Trockenperioden von teilweise vier bis fünf Wochen, weil wir keinen Regen bekommen und das zeigt sich deutlich in den Erträgen", sagt Twietmeyer. Diese Verluste möchte der Unternehmer mit Erträgen aus der Solarenergie ausgleichen. Dafür plant er auf 286 Hektar seines Ackerlandes Photovoltaik-Anlagen.

Schaden für die Region?

Das sorgt für Ärger. Unter anderem, weil die Anträge für Solaranlagen auf Ackerflächen immer mehr zunehmen: Allein beim Uckermärkischen Landratsamt gibt es aktuell Anfragen für mehr als 2.000 Hektar.

Die lokalen Grünen-Politikerinnen Birgit Bader und Maria Stumpf haben das Projekt bis jetzt nur auf Plänen gesehen und sich vor Kurzem erst einmal ein eigenes Bild der Bebauungsfläche gemacht. Bader, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Kreistag, sagte dem rbb: "Ich befürchte, dass hier natürlich in erster Linie die landwirtschaftlichen Produktionsflächen aus der Bewirtschaftung genommen werden und wir die in Zukunft brauchen. Außerdem könnte der Tourismus dadurch Schaden nehmen und das Landschaftsbild massiv beeinträchtigt werden."

Ackerfläche von Dietrich Twietmeyer im Boitzenburger LandAckerfläche von Dietrich Twietmeyer bald als Solarpark?

In ganz Brandenburg gibt nach Angaben des Landeswirtschaftsministeriums bereits mehr als 28.000 Solar-Standorte [www.mwae.brandenburg.de]. Oft wurden dafür Brachen oder ehemalige Militärflächen bebaut. Eine der großen Anlagen steht im Templiner Ortsteil Groß Dölln. Hier wird Strom für 36.000 Haushalte produziert. Bisher wurde der erzeugte Solarstrom staatlich gefördert.

Karte mit Brandenburger SolarparksKarte großer Solarparks in Brandenburg

Twietmeyer: Gewinn auch für Anwohner

Aktuell lohnt sich die Strom-Erzeugung vor allem durch extrem günstig gewordene Solar-Module. Das sieht auch Landwirt Dietrich Twietmeyer. Er betreibt in der Gemeinde Boitzenburger Land einen 2.500 Hektar großen Ackerbaubetrieb mit Rinderhaltung. Mit Solarenergie würde er in Zukunft auf den Ackerflächen das Zehnfache an Gewinnen einfahren.

"Wir werden dafür sorgen, dass auch genügend in der Tasche der Bürger hängen bleibt an finanziellen Vorteilen", sagt Twietmeyer. "Da ist mir sehr wichtig, dass nicht nur die was bekommen, die sich beteiligen können, sondern auch diejenigen, die nichts haben." Dafür gebe es gute Mittel, zum Beispiel Bürgerstrom.

Birgit Bader und Maria Stumpf von Bündnis 90/Die Grünen
Grünen-Politikerinnen Birgit Bader und Maria Stumpf bei der Ortsbegehung | Bild: rbb

Als Augenwischerei bezeichnen das die Grünen-Politikerinnen Bader und Stumpf. Sie befürchten einen Wildwuchs von Solaranlagen auf Ackerböden, solange die Planungshoheit bei den Gemeinden und Kommunen liegt. Maria Stumpf fordert deshalb, für die Aufstellung von Solarparks eine landesweite Abstimmung zu machen - ähnlich wie bei den Windparks durch die Regionale Planungsgemeinschaft.

Die Solaranlagen von Dietrich Twietmeyer stecken noch mitten im Bauplanungsverfahren. Die Diskussion darüber, wohin die Anlagen in Zukunft gebaut werden können, ist aber längst entbrannt.

Sendung: Brandenburg aktuell, 24.02.2021, 19:30 Uhr

Beitrag von Ricardo Wittig

49 Kommentare

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  1. 49.

    Prinzipiell ist der PV-Ausbau zu begrüßen, auch auf Ackerland. Die PV-Anlagen sorgen für Schatten, weshalb unter den Modulen weniger Wasser verdunstet und auch wieder Gras und "Unkraut" wächst, das sonst weggespritzt werden würde (gut für Bienen und Co). Vielerorts setzt man auch auf Schafe als "biologische Rasenmäher" ein, die so mal wieder richtig Freilauf haben. Wenn dann Anwohner noch günstigeren Strom bekommen... Wo ist das Problem?

    Wir schmeißen auch allein in Deutschland jährlich über 12 Millionen Tonnen Lebensmittel weg. Offenbar brauchen wir also auch deutlich weniger Fläche.

  2. 48.

    Welche industriellen Speicher meinen Sie bitte? Ich bin gespannt....und Dr.Schwarz von der BTU auch

  3. 47.

    Zusammenfassend kann man wohl sagen, dass die Photovoltaik das Landschaftsbild beeinträchtigt; trotzdem scheint es eher so zu sein, dass die Gesellschaft als Ganzes zu viel Lebensmittel wegwirft und eine Überproduktion von Getreide herrscht - zumindest normalerweise. Für dieses Projekt wird - wie schon vorher erwähnt - wohl keine Subventionierung geben, dafür ist die Fläche viel zu groß. Und wenn wir keine fossilen Brennstoffe und keine Atomkraft verwenden wollen, ist Photovoltaik wohl der beste Kandidat.

  4. 46.
    Antwort auf [Klimaretter] vom 26.02.2021 um 14:20

    Unsere Landwirte exportieren Schweinefleisch nach China. Das finden fast alle Menschen irrsinnig.
    Gebt ihnen die Chance anders Geld zu verdienen, um weiterhin preiswert Lebensmittel für uns herzustellen. Der hohe Flächenverbrauch der Landwirtschaft in D kommt aus der Futtermittelerzeugung für Schweine und nicht aus dem Obst oder Gemüseanbau. Solange wir regionales Obst und Gemüse kaufen, wird es auch produziert werden.

  5. 45.

    Das ist reine Panikmache. Das Gerücht hält sich leider noch immer.

    https://www.techmaster.de/2017/10/13/loescht-die-feuerwehr-haeuser-mit-photovoltaikanlagen-auf-dem-dach/

  6. 44.

    Ja, es ist unerträglich das jeden Tag hunderte Solardächer abfackeln......
    Sicher hat die Feuerwehr nach vielen Jahren dazugelernt.......

  7. 43.

    Es dürfte im Gebäude gebrannt haben und die Feuerwehr war sich unsicher, wie man von oben durch das Dach wegen der Solaranlage hätte den Löschgriff führen können. Hier ist die Situation aber eine ganz andere, weil die PV-Anlage auf freiem Feld errichtet werden soll.

  8. 42.

    Das wird der eine oder andere pfiffige Landwirt hinbekommen. Bissel Zucht und die Tomaten und anderes Gemüse wächst wie dolle im Halbschatten der Solarpanele. Regenwasser von den Panelen auffangen und zur Bewässerung speichern ist kein Hexenwerk.

  9. 41.

    Mich würde interessieren was passiert, wenn die Solaranlage in Brand gerät?

    Vor vielen Jahren habe ich mal einen Bericht gelesen, das ein Haus mit Solarpanellen auf dem Dach von der Feuerwehr wegen so einem Brand gezwungen war dieses kontrolliert abbrennen zu lassen.

  10. 40.

    Ihr Gedächtnis ist schlecht! Ich hatte Ihnen vor rd. einem Jahr bereits belegt, dass für den Straßenverkehr nur ein Teil der in der Bundesrepublik erforderlichen Primärenergie benötigt. Sie sollten sich nicht nur bei EIKE und Vernunftkraft informieren, auch wenn die Wissenschaftler dort ihre Minderheitsmeinung kostenlos veröffentlichen. Andere Sektoren benötigen ebenfalls Energie. Es kommt Ihnen gar nicht in den Sinn, dass z.B. Haushalte fast so viel Energie benötigen wie der Verkehr. Gerade beim dem ließe sich der Energiebedarf aber bekanntlich deutlich durch den Verzicht auf fossile Energieträger, wie Sie sie gerne aus Bequemlichkeit in CO2 und Abwärme umwandeln und dabei immer wieder Ausflüchte suchen, warum Sie das müssen, obwohl die Tram 88 vor Ihrer Haustür hält, reduzieren.

    Zur Speicherung der Energie gibt es versch. Lösungsansätze, die Männern der Forschung bekannt sein sollten. Das ältere Li-Akku kann der Netzstabilisierung dienen oder zur Versorgung des Privathaushalt.

  11. 39.

    Kommentar gelesen?
    Ich beziehe mich auf die erreichte Industriereife und erwähne das noch nicht ganz gelöste aber lösbare Problem der Umweltbilanz.
    Natürlich gibt es bessere Technologien aber die sind eben erst auf dem Sprung zur industriellen Reife.

  12. 38.

    An alle die jetzt ungehemmt auf die Landwirte eindreschen.
    Es werden die Flächen mit schlechten Bodenwerten und keine fruchtbaren Äcker für Energiegewinnung genutzt.
    Unter und um die Solaranlagen wächst und blüht es, für Insekten, Kriechtiere, Schafe ein Paradies.
    Die Energie ist nicht für die Bauern, sondern für uns Stadtbewohner und die Industrie.
    Die Industrie und Stadtbewohner kriegen es ja nicht hin sich selbst zu versorgen. Da springen in einer Marktwirtschaft diejenigen ein die es können.
    Ja es gibt so viele ungenutzte Dachflächen, aber offensichtlich haben die Besitzer kein Interesse an der Nutzung.
    Das EEG ist gedeckelt. Die Landwirte müssen den Strom direkt vermarkten. Solarstrom auf freier Fläche ist der billigste Strom am Markt.
    Und ja die Speicherung ist ein Problem aber das sollten andere lösen, bevor die Bauern auch da wieder pfiffig die Problemlöser werden.
    Warum dürfen Landwirte kein Geld damit verdienen? Ist das nicht das Ziel einer gewerblichen Tätigkeit?

  13. 37.

    Es gibt für diese großen Freiflächenanlagen keine Subventionen. Die müssen Ihren Strom vermarkten, wie jedes andere Kraftwerk auch.
    Eher noch umgekehrt die Bauer bekommen weniger Subventionen für stillgelegte Nutzflächen.

  14. 36.

    Man kann ggf. sogar die Erträge unten den PV-Anlagen steigern:
    https://www.ise.fraunhofer.de/de/presse-und-medien/presseinformationen/2019/agrophotovoltaik-hohe-ernteertraege-im-hitzesommer.html

  15. 34.

    Der Klimawandel macht sich mit Dürresommern deutlich bemerkbar. Wenn es deswegen nicht möglich sein sollte, die Ackerflächen vernünftig zu bewirtschaften, weil einfach nichts mehr wächst oder alles verbrennt und verkümmmert, oder auch nur unter massiver Bewässerung halbwegs etwas dabei herumkommt, sehe ich keinen Grund, nicht über Alternativnutzungen nachzudenken. Allerdings sieht es nun wirklich verheerend aus, wenn vormals freies Feld auf einmal ein riesiges Panel wird. Ich würde mir wünschen, dass Wege gefunden werden, durch kluge Bewirtschaftung (z.B. das Anlegen von Busch-/Baumgruppen auf den Äckern) das Wasser in den Böden zu halten und eine zukunftsfähige Landwirtschaft zu wagen. Wir hier in Brandenburg haben besonders mit der Dürre zu tun (s. Dürremonitor), andere Regionen sind da noch etwas begünstigter. Vielleicht stellt sich, trotz aller zukunftsweisenden Versuche, eine landwirtschaftliche Nutzung hier in der Gegend ohnehin als mission impossible heraus?

  16. 33.

    Die Landwirte wollen nur die Subventionen für Photovoltaik bekommen um zusätzliche Einnahmen zu haben. Die Photovoltaik ist denen s....egal.

  17. 32.

    Nur damit funkgesteuerte fahrerlose Blechkutschen über Autobahnen u.a. kullern können wagt man es landwirtschaftliche Flächen, seit Generationen genutzt einfach flach legen zu können. Statt hier auf Öko-Landwirtschaft umzustellen bezieht man lieber Importe aus unkontrolliertem Anbau. Lasst euch doch endlich mal von echten Wissenschaftlern beraten. Die ehrlichen darunter machen das fast kostenlos. Nicht wie die vdL mit ihren Militärbetten.

  18. 31.

    Hier kann ich nur einen Landwirt zitieren , auf dessen Absicht ,fruchtbares Ackerland mit Solar zu bebauen , etwas befremdlich reagierte .Er sagte : sollen die Berliner ihr Essen einkaufen wo sie wollen.
    Man kann die Produzenten von Lebensmitteln Made in Germany nicht täglich beschimpfen,verunglimpfen und drangsalieren damit sie resigniert das was Sie mit Herzblut leisten aufgeben , die Flächen mit gut bezahlten Solaranlagen belegen . Dann jammern wenn die Energiewende Fläche frisst oder die Natur verschandelt.
    Hier gilt wieder das Grundsatzproblem. Wenn man keine Ahnung hat einfach die Klappe halten.

  19. 30.

    Hunger ist so viel schlimmer als ohne Strom leben. Wir scheinen aber schon zuviel Ökostrom zu haben; heute nachts gehört, dass Windkraftanlagen entflügelt worden sind weil die aus der Förderung raus sind. Wenn es jetzt immer bekloppter wird müssen wir uns gemeinsam wehren. Man kann doch entlang der Autobahnen Solarhalbdächer anbringen. Aber doch nicht Ackerland beschatten. Wer hat da einen Schatten ?

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