Die Kupfer-Statue "Die Ruferin" von Eckhard Herrmann steht auf dem Marktplatz. Die Skulptur der Eberswalder Göre soll eine selbstbewusste Jugendliche verkörpern, die jung, weiblich und kess ihr Recht einfordert, eigene Wege zu gehen. (Quelle: dpa/Jens Kalaene)
Audio: Antenne Brandenburg | 01.03.2021 | Maximilian Horn | Bild: dpa/Jens Kalaene

Bilanz City-Offensive Eberswalde - So geht es der Eisenbahnstraße zehn Jahre nach ihrer Förderung

Diese Woche kührt die IHK Ostbrandenburg den Gewinner der diesjährigen CityOffensive. Doch was wurde aus den Gewinner-Städten der letzten Jahre? Eberswalde gewann 2010 mit dem Projekt "Kunst trifft Wirtschaft" - der Erfolg ist mäßig. Von Maximilan Horn

Etwa eineinhalb Kilometer sind es vom Bahnhof Eberswalde (Landkreis Barnim) bis ins Stadtzentrum. Ein Weg, der zu Fuß mindestens 20 Minuten in Anspruch nimmt. Wie gut, dass es für diese Strecke einen Bus gibt, denken sich wohl viele. Doch den Geschäften an der Eisenbahnstraße, die Bahnhof und Stadtzentrum verbindet, fehlte die Laufkundschaft.

Belebung durch Kunst

Das Projekt "Kunst trifft Wirtschaft" sollte genau das ändern. Im Jahr 2010 gewann Eberswald mit dieser Idee den ersten Platz der CityOffensive der IHK Ostbrandenburg. Ausgezeichnet werden jährlich Veranstaltungen, Kooperationen lokaler Akteure oder städtebauliche Investitionen, die ein gemeinsames Ziel verfolgen: die Innenstädte zu beleben. Doch wie erfolgreich war das Projekt?

"Wenn wir es schaffen, dass die Besucher fußläufig mit Freude durch die Eisenbahnstraße ins Zentrum spazieren und dort länger verweilen, dann haben wir unser Ziel erreicht", beschreibt Rainer Kattanek seine Erwartungen an das Projekt vor zehn Jahren. Kattanek hat bis zu seiner Rente den Fahrradladen "Radhaus" an der Eisenbahnstraße betrieben. Als Unternehmer setzte er sich für die CityOffensive ein.

10.000 Euro Preisgeld

10.000 Euro Preisgeld erhielt die Stadt für ihre Idee, Kunst und Wirtschaft zusammenzubringen. Schaufenster mit Kunstgegenständen, ein Teppich vom Bahnhof bis ins Zentrum, Mosaike an den Häusern: Mit dem Geld aus der Cityoffensive und anderen Fördermitteln wurden viele Kooperationen zwischen Künstlern und Händlern in der Eisenbahnstraße angestoßen.

Für Christina Dommitzsch hat sich dadurch nicht viel geändert. Sie arbeitet seit Jahrzehnten in einem Optikergeschäft am westlichen Teil der Eisenbahnstraße: "Geschäfte, die früher, auch nach der Wende wenigstens zehn, fünfzehn Jahre existiert haben, haben nach und nach alle geschlossen. Eigentlich klappen wir hier nur noch die Fußwege hoch." Ihrer Ansicht nach verfolgt die Stadt das Konzept nicht nachhaltig: "Die Stadt konzentriert sich nur auf die Innenstadt: den Marktplatz, die Friedrich-Ebert-Straße und dann ist Schluss."

Engagierte Akteure fehlen heute

Auch Rainer Kattaneks Bilanz fällt kritisch aus. Verbessert habe sich seiner Meinung nach die Bausubstanz. Der Straßenbelag sei erneuert worden, die Fassaden seien jetzt schöner und es gebe auch mehr Parkmöglichkeiten. Aber die Gemeinschaft zwischen den Händlern und Künstlern bestehe nicht mehr: "Die engagierten Akteure sind gegangen und wenn die Menschen fehlen, die es vorantreiben, dann schläft ein Projekt wieder ein."

Rainer Kattanek hat sich vor fünf Jahren zur Ruhe gesetzt, den Fahrradladen führt jetzt sein Sohn. Kattanek Senior erfreut sich an seinen Enkelkindern und Aktionen wie der Eberswalder Tigerradtour. Die Weiterentwicklung der Eisenbahnstraße bleibe als Aufgabe für die nächste Generation.

Beitrag von Maximilian Horn

1 Kommentar

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  1. 1.

    Der Erfolg ist wirklich mäßig. Im Sommer20 einen Ausflug nach dort gemacht und enttäuscht. Der Weg vom Bahnhof zum Marktplatz war total langweilig und unattraktiv. Auf dem Markt dann mitten im coronasommer ein Bäckercafe mit ganz wenigen Tischen ohne Abstand, daneben ganz viele zusammengeschobene Tische. Das sah schrottig aus und es gab somit keinen Platz um sich hinzusetzen und eine nette Pause zu machen. Saft und Kekse aus dem Drogeriemarkt kann ich in Berlin auch kaufen. Noch eine nette kleine Grünfläche gefunden und den Rückweg durch eine ruhige Parallelstr angetreten, die dann auf die Eisenbahnstr. ging. Vor dem Bahnhof noch eine Gruppe besoffener Jugendlicher um 16.00 Uhr besichtigt. Lohnt sich nicht noch einmal als Ausflugsziel.

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