EEG-Umlage - Bund streicht Vergünstigungen für Ökostrom-Projekt

Windpark mit Windkraftanlagen bei Beeskow
Audio: Antenne Brandenburg | 24.03.2021 | Larissa Mass | Bild: Tony Schönberg/ rbb

Rückschlag für ein Ökostrom-Projekt in der Uckermark: Um die Akzeptanz von Windkraft zu erhöhen, wurde ein Dörfchen am Ertrag beteiligt, in dem es kostengünstig Wärme aus Ökostrom erhielt. Doch jetzt droht das Aus. Von Larissa Mass

Im uckermärkischen Nechlin haben Dorfeinwohner lange von Windrädern profitiert, die für sie in Sichtweite liegen. Weil Grüner Strom aus Windkraft noch nicht gut gespeichert werden kann, wird überschüssiger Strom in Wärme (Power-to-Heat) umgewandelt. Nechliner erhielten diesen in einem Pilotprojekt zum Vorzugspreis, ohne dass ihnen die EEG-Umlage in Rechnung gestellt wurde.

Eigentlich eine tolle Idee, auch weil Windkraft für Anwohner so attraktiver wird und sie unmittelbar profitieren. Doch damit soll jetzt Schluss sein. Das Bundeswirtschaftsministerium will nach einem Jahr das Projekt auslaufen lassen und die Subventionierung einstellen.

Auch Bundestagsabgeordneter kann Bundeswirtschaftsministerium nicht umstimmen

Der uckermärkische SPD-Bundestagsabgeordnete Stefan Zierke (SPD) versuchte zu vermitteln. Er bemühte sich um eine Verlängerung der Projektlaufzeit. Doch auch er wurde vom Bundeswirtschaftsministerium enttäuscht. Die Sonderregelung soll gekippt werden. Die Nechliner müssen beim Wärmebezug die EEG-Umlage zahlen. Das bedeutet für sie steigende Preise. Dem Modellversuch droht so die Unwirtschaftlichkeit.

Herbe Enttäuschung für Uckermark

Das Windenergie-Unternehmen Enertrag hat das Projekt "Power-to-Heat" entwickelt. Seit knapp zehn Jahren sind sie dran, vor einem Jahr ging es los. Für Enertrag-Chef Jörg Müller ist die Berliner Entscheidung nicht nachvollziehbar. Er selbst hat alles betreut, das System mitinstalliert. Er ist von dem Verfahren überzeugt. Dickstes Plus neben einer tollen Kohlendioxid-Bilanz ist, dass Windkraft in Sachen Akzeptanz einen deutlichen Schub erhalten hat, weil Anwohner einen direkten finanziellen Vorteil erhielten.

Das Nein aus Berlin ist für Enertrag eine herbe Enttäuschung. "Das zeigt zum wiederholten Male, dass sich die große Politik nicht für die Belange der ländlichen Bevölkerung interessiert”, betont Müller. Denn das Projekt in der Uckermark sollte Modell stehen. Weitere Orte sollten beteiligt werden. So war auch Prenzlau im Gespräch. Müller ist der Auffassung, dass das "Power-to-Heat"-Verfahren in ganz Deutschland ausgerollt werden könnte, Millionen Menschen von Windenergie profitieren. Das wäre gut für ihren Geldbeutel und für die Kohlendioxid-Bilanz.

Teurer als Gas und Öl

Möglich wurde das "Power to Heat" (Energie zu Wärme)- Verfahren, da das Energieeinspeisgesetz (EEG) für die Probezeit keine Anwendung fand, das Projekt von Steuern, Abgaben und Umlagen für die klimafreundliche Windenergie für ein Jahr befreiet wurde. Durch die wieder geforderten Umlagen werde das Projekt unwirtschaftlich. Zierke betont, dass durch die EEG-Zulage die eigentlich günstige Windwärme künstlich verteuert werde. Damit werde sie doppelt so teuer wie Erdgas und Öl.

Zur Erklärung: Die EEG-Umlage dient zur Finanzierung des Ausbaus der Erneuerbaren Energien und ist im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegt. Danach sind Übertragungsnetzbetreiber verpflichtet, den Ökostrom, der ins öffentliche Netz einspeisen wird, zu einem festgelegten Preis abzunehmen. Mögliche Differenzen zwischen den Stromproduktionskosten und dem Marktpreis gleicht die Marktprämie aus, die über die EEG-Umlage finanziert wird. Die EEG-Umlage zahlen alle Stromverbraucher über einen Anteil an ihren Strombezugskosten, Ausnahmeregelungen gelten für stromverbrauchsintensive Industriezweige.

"Power to-Heat-Projekte" regelmäßig ausgebremst

Nadine Bethge von der Deutschen Umwelthilfe sieht in dem Nechliner "Power-to-Heat"-Projekt ein durchaus zukunftsfähiges Modell. In Deutschland gebe es viele ähnliche kleine Ansätze, die aus Ökostrom Wärme gewinnen, sagt sie. Bethge beobachte immer wieder, dass viele ähnliche Projekte ebenfalls ausgebremst würden, denn die EEG-Umlage bringt solche Modellversuche immer wieder an ihre Grenzen, weswegen sie am Ende unwirtschaftlich werden.

In den nächsten Monaten soll das Thema trotz der Absage des Bundeswirtschaftsministeriums weiter auf der Agenda bleiben. Dafür wollen sich Zierke und Müller einsetzen. Sie wollen noch mehr Mitstreiter finden, um das Modellprojekt deutschlandweit zu etablieren.

Sendung: Antenne Brandenburg, 24.03.2021, 14:10 Uhr

17 Kommentare

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  1. 17.

    Ja, wir hängen am Tropf der Ölmultis und wollen auf keinen Fall dort weg. Richtig schlau sind wir.

  2. 16.

    Wenn die Atomenergieerzeuger jetzt aber entschädigt werden, muessen sie umso mehr für die zukünftigen anfallenden Kosten der Atommuellentsorgung der n. 1000 Jahre aufkommen. Diese wären bei Betrieb sogar noch höher und ungeklärter gewesen. Jetzt ist wenigstens von der Menge her das Ende kalkulierbar,wenn auch für einen lange Zeitraum.

  3. 14.

    Bei diesem Projekt in der Uckermark wird überschüssiger Strom in Wärme zum Heizen und für Warmwasser umgewandelt und gespeichert. Überschüssig heißt: wenn zu viel Wind weht und zu viel Strom erzeugt wird. Die Alternative dazu ist: wenn es zu viel Strom gibt werden Windräder angehalten und Photovoltaikanlagen abgeregelt. Der Strom, der dadurch dann nicht erzeugt wird, wird den Eigentümern trotzdem erstattet: aus der EEG Umlage. Das muss man sich mal reinziehen: es gibt eine einfache Technologie um überschüssigen Strom zu nutzen und zu speichern. Diese Technologie wird nicht angewendet, sondern soll kaputt gemacht werden. Dafür halten wir lieber Windräder an und zahlen noch dafür. Wie dumm und dekadent ist diese Bürokratie, ist dieses Land eigentlich? Vom Umweltaspekt ganz zu schweigen.

  4. 13.

    Es ergibt sich immer die Grundfragen, wie lang sollte eine Technologie bei Markteinführung subventioniert werden. Oder andersherum nach wie vielen Jahren muss eine Technologie sich selbst tragen. Bei den erneuerbaren Energien sind dies inzwischen ueber 20 Jahre und an Subventionen sind Milliarden geflossen

  5. 12.

    Kann man nicht mehr hören ,,Ökostrom"! Habe gerade eine Email von einem Energiemakler erhalten!
    ,,am kommenden Samstag findet die Earth Hour der Umweltorganisation WWF" statt. Da sollen die Bürger in Deutschland eine Stunde im Dunkeln sitzen! Befinden wir uns im Jahre 1946?

  6. 11.

    Krigt man kein Geld, schaden die Mühlen der Gesundheit. Kaum kriegt man Kohle is alles nicht mehr wahr und man kann nicht mehr genug bekommen vom Infraschall und Schattenwurf.
    Es sterben seltene Vögel... kaum bekommt man Geld, sind die Leute auf dem Auge blind.
    Was ist nur aus unserer Gesellschaft geworden.

  7. 10.

    Dieser Minister ist eine Katastrophe, und seine ganze Mannschaft mit ihm. Die nennen sich zwar Wirtschaftsministerium, aber sie verstehen sich als oberste Lobbyorganisation der exportorientierten Großindustrie. Dass Wirtschaft noch viel mehr ist, das werden diese Bonzenkumpel nie einsehen. Wir merken es ja auch an der haarsträubenden Corona-Politik des Wirtschaftsministeriums.

  8. 9.

    Wenn sie jemanden per Gesetz die Geschäftsgrundlage entziehen was bisher erlaubt war müssen sie ihn entschädigen.so ist das nun mal. Wenn es ihr Eigentum wäre würden sie genauso denken. Das was sie fordern wurde nach 1945 im großen Stil in der ddr vollzogen nämlich Enteignung. Zum Glück haben sie nichts zu entscheiden

  9. 8.

    Grundübel der ganzen Sache ist von Anfang an, dass die Bezieher von Energie aus erneuerberan Quellen die EEG-Umlage ebenso bezahlen müssen wie die Kunden der CO2-Emittenten.

    Ehrlicherweise muss man sich hier aber auch eingestehen, dass ohne die Projekt-Subventionen die Sache offensichtlich nicht slebsttragend ist. Insofern ist die Aussage, dass ds Projekt erst jetzt (wieder) unwirtschaftlich wird, irreführend. Von Wirtschaftlichkeit kann doch nur ehrlich geredet werden, wenn unter den bestehenden Rahmenbedingungen (also mit EEG-Umlage) sich die Sache rechnen würde.

  10. 7.

    Das CDU geführte Wirtschaftsministerium geht ja strategisch vor. Solche sinnvollen Projekte dürfen keinen Erfolg haben. Das große Geschäft sollen die fetten Energieversorger machen. Dann klingelt es richtig in der Parteispendenkasse der CDU.

  11. 6.

    Das zeigt aber auch, dass die, Ach so tolle Alternative, Energie ohne dauerhafte subvention durch den Steuerzahler nicht überlebensfähig ist. Die Befreiung von der EEG für einige wenige bezahlen andere teuer mit.

  12. 5.

    Also ich verstehe nicht warum "Power-to-Heat" überhaupt Subventioniert wird, im kleine macht das jeder Elekto-Warmwasserboiler. In Sachen Akzeptanz ist das auch nicht nachvollziehbar, also wenn ich am Gewinn beteiligt bin sind Windkraftanlage gut und ich bin dafür, wenn nicht bin ich dagegen weil die ja Krank machen.
    Wenn die hochgelobte Windkraft so gut ist sollte sich so ein Projekt auch ohne Subvention rechnen.

  13. 4.

    Man will nichts anderes als mit dem erzeugten Strom selbst große Stahlspeicher zu erhitzen. Ist doch gerade in den Medien. Stellen wir nun ein Windrad oder einen solchen Speicher dicht vor die Fenster des Wirtschaftsministerium ?

  14. 3.

    Es ist ja auch nicht fair durch erneuerbare Energie die Profite der Ölindustrie zu schmälern.

  15. 2.

    Dafür werden aber horrende Summen bezahlt an die Betreiber der Kernkraftwerke, damit sie diese abschalten
    uud deren dann fehlenden Renditen.
    Nur kommen diese dann für die sichere Entlagerung des bis heute enstandenen, nocht enstehenden Atommuells und dem verstrahlten Abrissmuell für mehr alls 1000 Jahre auf.
    Diese Kosten tragen die Buerger.
    Da ist esmir lieber Windkraftanlagen zu subventionieren,
    als nur einen einzigen Gewinn der Atomlobie.
    Nicht Umsonst habe ich vor Jahrzehnten schon demonstriert, jetzt erhalten wir die Quittung für unsere
    Gleichgültigkeit der meistenBuerger.
    Damals wurde noch wegen einer Sache Demonstriert u.
    sich auch eingebracht, heute sind viele einfach auf
    Krawall gebürstet.

  16. 1.

    Das Bundeswirtschaftsministerium fällt ja gerne damit auf den Ausbau erneuerbarer Energien mit allen verfügbaren Mitteln zu torpedieren. Vielleicht ändert sich das ja bei den nächsten Wahlen.

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