EWE Bohrturm Rüdersdorf Wasserstoff Kaverne
Audio: Antenne Brandenburg | 17.03.2021 | Eva Kirchner | Bild: Eva Kirchner/rbb

Pilotprojekt in Rüdersdorf - Rohr für Rohr in 1.000 Metern Tiefe

Bisher ist grüner Strom aus Windrädern und Solarparks nur schwer speicherbar. Doch ein Energieversorger will den Strom in Wasserstoff umwandeln und unterirdisch speichern. In Rüdersdorf wird dafür eine Testkaverne - ein unteririscher Hohlraum-Speicher gebaut.

1.000 Meter unter Rüderdorf soll die künftige Verlässlichkeit Grünen Stroms getestet werden. Was sich zunächst kryptisch anhören mag, ist durchdacht, denn Elektrizität aus Windkraft und Solar ist bislang kaum speicherbar. Daher baut der Energiedienstleister EWE in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) einen unterirdischen Gasspeicher.

Wasserstoff als Energiespeicher

So soll das so genannte "Power-to-Gas"-Verfahren funtionieren: Mit überschüssigem Ökostrom wird Wasser in großem Stil in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten. Im Wasserstoff ist dann die Energie aus Grünem Strom speichert. Bisher waren große Mengen des Gases aber kaum speicherbar, weshalb Forscher auf die Idee von der unterirdischen Lagerung in sogenannten Kavernen kamen. Um dann wieder verlässlich Strom produzieren zu können, wird der Wasserstoff bei Bedarf verbrannt. Es entsteht nutzbare Wärme und Wasser.

In Rüderdorf soll Nachweis einer verlässlichen und sicheren Technologie erfolgen

Jetzt haben für das ehrgeizige Projekt die Bauarbeiten begonnen. Der riesige Bohrturm auf dem Testgelände der EWE in Rüdersdorf ist schon von Weitem zu sehen. Aktuell werden hier etwa 160 Stahlrohre als Doppelrohrsystem – also Rohr an Rohr, Stück für Stück im Boden versenkt und einbetoniert. Am Ende dieser Leitung - in etwa 1000 Meter Tiefe - soll dann der Wasserstoffspeicher, die Kaverne in einem Salzstock entstehen.

"Wir wollen hier nachweisen, dass Wasserstoffspeicherung in Kaverenen möglich und sicher ist", erklärt Wasserstoffexperte Paul Schneider. Mit der Testanlage in Rüdersdorf sollen möglichst alle Bedenken ausgeräumt werden, damit die EWE im größeren Stil in die Wasserstoffspeicherung einsteigen kann.

Im Herbst dann soll unterirdischer Hohlraum ausgespült werden

In etwa zwei Wochen sollen alle Rohre verlegt sein. Für den Herbst sei dann das Aussolen des Salzstockes geplant, sprich das Ausspülen des Salzes mit Hilfe von Wasser. Dabei entsteht ein unterirdischer Hohlraum, der dann etwa die Größe eines Einfamilienhauses einnehmen wird. Später sollen hier etwa fünf bis sechs Tonnen Wasserstoff in einem Testbetrieb gespeichert werden. "Da müssen wir dann wissen, wie sich der Wasserstoff in der Kaverne verändert", sagt Schneider. Im Hohlraum sei es feucht. Eventuell nimmt das Gas Bestandteile des Rohrsystems auf. Mit Argusaugen soll alles überwacht und ausgewertet werden.

Extreme Bedingungen im Untergrund

Denn die Bedingungen in etwa 1000 Meter Tiefe sind extrem, erzählt Jörg Schattling, der die Arbeiten in Rüdersdorf überwacht. "Wir haben da unten einen Gebirgsdruck von ungefähr 160 Bar und 55 Grad Celsius."

Für die wissenschaftliche Aufarbeitung sind DLR-Experten zuständig. Minutiös sollen die Forscher alles überwachen. Im Fokus dabei ist das Speichern und auch die Entnahme: Welche Qualität hat der Wasserstoff nach dieser Behandlung? Das ist vor allem für die Automobilbranche wichtig, die an der Brennstoffzellentechnik für Fahrzeuge schraubt und absolut reinen Wasserstoff braucht. Auch für andere Verwendungsformen wie Gas-to-Power ist das ein entscheidender Fakt.

Hoffnung auf großflächige unterirdische Spericherung

Insgesamt sind zehn Millionen Euro für das Projekt eingeplant. Bis Ende 2022 sollen die Tests in Rüdersdorf abgeschlossen sein und entschieden werden, ob das Unternehmen großflächig in die unterirdische Speicherung einsteigt. EWE erhofft sich Klarheit darüber, ob eine solche Anlage sicher mit der Folge betrieben werden kann, dass Grüner Strom netzsicherer wird, dass bei Windflaute und wenig Sonne aus Wasserstoff schnell wieder Storm erzeugt werden kann.

EWE nutzt nach eigenen Angaben schon länger Kavernen zur Speicherung von Erdgas. In Rüdersdorf speichert EWE seit 2007 Erdgas. Das Unternehmen beliefert im Nordwesten Deutschlands, in Brandenburg auf Rügen und in Teilen Polens rund 1,4 Millionen Kunden mit Strom und jeweils rund 700.000 mit Erdgas und Telekommunikationsleistungen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 17.03.2021, 16:10 Uhr

23 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 23.

    Meine SAT-Antennenhalterung habe ich auch aus Edelstahl gefertigt. Sieht aus wie vor über 10 Jahren: die Ant. auch. Der verzinkte Plunder rostet doch alsbald.

  2. 22.

    Fast richtig. Stahl ist eine Verbindung von Fe und Kohlenstoff. Der C-Gehalt bestimt die Eigenschaften. ( Guss etc. ). Hat man nun höhere Ansprüche: korrosionsbeständig z.B erzeugt man durch bestimmte Legierungselemente Edelstahl oder mehr. Steht bei der Kennzeichnung vorn ein X und dann z.B. 18 / 10 Cr Ni ist die direkte Angabe in % gemeint. Unsere hochwertigen Pfannen sind obendrein aus austenitischen Chromnickelstahl. Das Liebherr-Gehäuse ist nicht so edel aber auch rostfrei und magnetisch- für den Merkzettel.:=)

  3. 20.

    Wenn sie sich schon auf das Gebiet der Zementindustrie wagen begründen sie doch bitte die CO2 "Vermeidung" beim Brennprozess von Kalkstein ( CaCO3 ) bei Verwendung von H2.

  4. 19.

    Wenn die Kaverne ausgesolt worden ist ist die noch lange nicht mit H2 befüllbar. Ob man da nun evakuiert oder Neutralgasspülung macht werde ich den Ing fragen. Putz kann man mit Druck an die Wände spritzen und glätten. Ideal wäre da unten eben ein Edelstahlbehälter. Kennen sie kleinere nicht ? Ihr Pech.

  5. 18.

    Edelstahl hat durch seine Struktur ganz andere Eigenschaften als unlegierter Stahl. Stahl ist ziemlich porös; warum verwendet man wohl V2A und V4A für besondere Anforderungen. Es macht natürlich Spaß andere vor einer Knallerbse zu warnen. Waren sie auch 28 Jahre in der Mikroelektronikforschung u.a. beschäftigt ?

  6. 17.

    Nochmals: Auch "Edelstahl" ist Stahl. Es waren zudem Sie, der hier die "die größte Knallgasexplosion aller Zeiten" zur Diskussion gestellt hat.

  7. 16.

    Schauen wir uns doch einmal die reale Welt an: Die für FCEV einzusetzende Primärenergiemenge ist einfach zu groß, als dass es sich lohnt, den in PKW zu vertranken und selbst bei den LKW beschränkt sich die aktuell noch vorhandenen Nische auf den Schwerlastfernverkehr.

    64 FCE-Busse in D. stehen 502 BE-Busse gegenüber. Die BSR leert Tonnen batterielektrisch wie auch im GVZ Freienbrink und andernorts der regionale Schwerlastverteilverkehr batterielektrisch stattfindet. Amazon hat über 100.000 BE-Leiferwagen bestellt.

    Im Schwerlastfernverkehr sieht z.B. Scania z.B. wegen der fortschreitenden Akku-Technik nur noch begrenzte Chancen für Brennstoffzellen-LKW. Andererseits wurden für Neuseeland kürzlich eine ansehnliche Sattelschlepper-Flotte samt Tankstellen in den Niederlanden bestellt. Dann gäbe es da ja noch die Eisenbahn, wobei der Akkutriebwagen auch gerade wieder eine Renaissance erlebt. Im PKW-Bereich können Sie zwei verschiedenen FCEV-Modelle bekommen, aber unzählige BEV.

  8. 15.

    Wie hoch ist die o2-Konzentrationen in den vorhandenen Erdgas-Kavernen neben oder bei den zig anderen? Und selbst wenn ei Rest Sauerstoff mit dabei wäre, ergibt das noch lange kein zündfähiges Gemisch, auch wen H2 in der Hinsicht zu den anspruchslosesten Gasen gehört.

  9. 14.

    ..na dann trotzdem viel Glück, dass kein Sauerstoff da unten mit rein kommt.
    So haben wir auch gleich mehr O zum Atmen und das ist gut.

  10. 13.

    Bei 25° C sind in einem Lieter gesättigte Kochsalzlösung 359 g enthalten.-wikipedia-

  11. 12.

    Die benötigte Menge Wasser für die Aussolung kann man ganz gut berechnen. Es wird ja nur bis zur Sättigung der Salzlösung Salz gelöst. Ob der Spüldruck da etwas verschiebt ? Der Ing Schatting weiß es genau.

  12. 11.

    Hier wurde ja schon in den 50-er u. 60-er Jahren vorigen Jahrhunderts gebohrt. Bohrkerne sind bestimmt im Haus der Steine bzw. im Heinitzgymnasium vorhanden. rbb könnte ja mal nachfragen und Fotos hier einstellen.

  13. 10.

    Die Gesellschaft wird nie CO2-frei; die atmet ja. Die Technologien sollen möglichst CO2-frei werden.

  14. 9.

    Im rbb-Text fehlt so einiges. Über die Rostrohre wird man kaum H2 einleiten. Ich denke, dass dort Edelstahlrohre eingedichtet werden und oben mit Armaturen abgeschlossen sind. Alles Präzision. Interessant ist ob H2 unverändert wieder entnommen werden kann. Reagiert H2 mit dem Salzgestein ? Es wird sehr interessant-aber explodieren tut da nix.

  15. 8.

    "H2 lediglich im Bereich des Schwerlastfernverkehrs als Ergänzung" - langsam, sehr langsam kommen Sie auch zu einer technologieoffenen Erkenntnis? Wenn jetzt noch das "lediglich" fällt, kommen wir der Wirklichkeit Stück für Stück näher...das Leben holt alle ein...

  16. 7.

    Es gibt andere Sektoren jenseits der Autoindustrie, bei denen H2 derzeit die einzige Alternative auf dem Weg zu einer CO2-freien Gesellschaft darstellt. Exemplarisch sei die Stahlindustrie erwähnt oder gerade hier in Rüdersdorf die Zement-Industrie. Auch zur Speicherung von erneuerbarer Energie zur Überbrückung kalter Dunkelflauten kann H2 diesen. Dazu kommen noch die chemische Industrie, die H2 bisher oft aus Erdgas herstellt etc. Die EWE als Projektpartner zieht deshalb H2 lediglich im Bereich des Schwerlastfernverkehrs als Ergänzung zu batterieelektrischen Fahrzeugen in Betracht.

  17. 6.

    Das hört sich gut an, ich wünsche dem Forscherteam viel Erfolg für diese zukunftsweisende Technologie.
    In diesem Sinne viel Erfolg!

  18. 5.

    Der Sauerstoff wird dort unten nicht gespeichert, auch wenn so mancher schon von unterirdischen Knallgasexolosionen phantasiert hatte. Und mit H2 allein fliegt auch keine Rakete.

  19. 4.

    Wenn das gut funktioniert wäre es ja sehr schick. Im Zweifel kann man ja leichter speicherbares Methan aus Ökostrom erzeugen, aber da hat man nochmal extra Effizienzverluste gegenüber einfachem Wasserstoff.

Nächster Artikel