Landwirt Karsten Ilse gibt seinen Betrieb auf.
Bild: Tino Erstling

Landesbauernverband Brandenburg - Schweinepest-Folgen zwingen ersten Landwirt zur Betriebsaufgabe

Nach 24 Jahren gibt der Schweinebauer Karsten Ilse seinen Betrieb in Letschin auf. Die Folgen der Afrikanischen Schweinepest machen eine Weiterführung des Betriebs unwirtschaftlich. Auch andere Landwirte befinden sich in einer Notlage.

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist für die Bauern in Brandenburg eine belastende Situation, besonders hart trifft es die Schweinehalter in der Region. Karsten Ilse ist der erste Landwirt im Brandenburger Landesbauernverband, der seinen Betrieb in Folge der ASP aufgibt.

Am Montag hat der Landwirt in Letschin (Märkisch Oderland) seine verbliebenen Mastschweine verladen und auf ihren letzten Weg nach Kellinghusen geschickt. Der Schlachthof in Schleswig-Holstein ist der Einzige, der bereit ist, Hausschweine aus den ASP-Restriktionszonen zu schlachten.

Tino Erstling vom Landesbauernverband Brandenburg, bestätigt gegenüber dem rbb, dass neben Ilse fünf bis sechs weitere Bauern im Verband ebenfalls überlegen, ihren Hof dicht zu machen. Einige Mitglieder haben laut Erstling auch die Zahl ihrer Schweine deutlich reduziert, um Verluste zu vermeiden.

Nach Modernisierung kommt das Aus

Ilse muss dabei mit erheblichen Abzügen rechnen, da nicht alle Teile des Schweines vermarktet werden dürfen. Seit Ausbruch der ASP in Brandenburg nehmen Landwirte 25 Euro weniger pro Tier ein, als Landwirte außerhalb der Restriktionszone. Bis vor einem Jahr hielt Ilse im Durchschnitt 1.500 Schweine, doch nun ist nach 24 Jahren Schluss.

Dabei hatte der Landwirt noch vor drei Jahren viel Geld in die Modernisierung seines Stalls investiert. "Nun muss ich die Restkredite, die auf dem Stall liegen, mit den Erlösen aus dem Ackerbau bedienen. Ärgerlich, aber so verliere ich weniger Geld als wenn ich weiter Schweine mästen würde", erklärt der Landwirt.

Karsten Ilse und sein Vater kamen Anfang der 90er Jahre nach Brandenburg, um einen neuen landwirtschaftlichen Betrieb zu begründen. Sie bauten das Futter für ihre Tiere selbst an und verwendeten deren Ausscheidungen als Dünger auf ihren Äckern.

Landwirt Karsten Ilse gibt seinen Betrieb auf.

Entschädigungen reichen nicht aus

Erst vergangene Woche stellte das Brandenburger Landwirtschaftsministerium Richtlinien zur Unterstützung von landwirtschaftlichen Betrieben in ASP-Gebieten vor. Vor allem Schweinehalter in den betroffenen Regionen, die beispielsweise höhere Transportkosten hätten, sollen davon profitieren. Aber auch andere Landwirte, die statt Mais niedrig wachsende Kulturen angebaut hätten und so eine effektivere Wildschweinjagd ermöglichen, sollen mögliche höhere Vermarktungskosten erstattet bekommen.

Das sei zwar ein positives Zeichen, aber reiche nicht aus, sagt Ilse. Es werde kein Betrieb die Schweinehaltung allein wegen dieser Richtlinie fortführen. Denn es würden lediglich Mehrkosten von bis zu zehn Euro pro Schlachtschwein und keine Mindererlöse von ungefähr 15 Euro pro Tier erstattet. Außerdem sei die Fördersumme auf 20.000 Euro in drei Kalenderjahren begrenzt.

Weiße Zone errichten und wildschweinfrei halten

Landesbauernpräsident Henrik Wendorff sagt, dass zur Bekämpfung der Seuche der Zaunbau endlich abgeschlossen werden solle, die Schwarzwildbestände in den Kernzonen und in den gefährdeten Gebieten zeitnah auf null reduziert werden müssten. Wendorff fordert einen zweiten Zaun, der eine sogenannte "Weiße Zone" entstehen lässt. Diese soll konsequent wildschweinfrei gehalten werden. "So haben wir vielleicht die Chance, in eineinhalb Jahren den Status ASP-frei wiederzuerlangen und freien Handel zu betreiben."

Nach Angaben des Verbraucherschutzministeriums hat es in Brandenburg bislang 908 Fälle der Schweinepest gegeben [https://msgiv.brandenburg.de]. Besonders betroffen seien die Landkreise Oder-Spree (528 Fälle) und Märkisch-Oderland (237 Fälle). Weitere Funde hatte es auch in Spree-Neiße (72) Dahme-Spreewald (49) und in Frankfurt (Oder) (22) gegeben.

7 Kommentare

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  1. 7.

    Lieber Jochen der landwirt wollte weiter investieren in haltungs Stufe 3 statt dessen hört er auf. Nicht weil er sein Job noch gut macht oder sich an der Zukunft anpassen woll. Sondern weil wir ein inkompetente grün regiertes Land haben. 1 haben sie vor 2 Jahre kein vorbeugende festen Zaun an der polnische Grenze gebaut( der jetzt ohnehin gebaut werden muss und leider immer noch nicht fertig ist. 2 die Bekämpfung war und ist ein Katastrophe weil das Land kein regie und Verantwortung übernimmt. Die Grünen Ministerien haben kein Strategie und verschleppen diese Krise. Dem zufolge Frist der asp statig weiter in Deutschland rein mit zunehmende Kosten für deutscher Staat.
    Wenn der asp Bekämpfung ein beispiel ist wie die Grüne Politik still ist. Dann können wir alle Änderungen im schweinehaltung vergessen stro und raufutter ständig potentiell verseucht und auslaufhaltung unmochlich wegen hohes Risiko auf einschleppung asp. Leider haben die grüne und viele Burger noch nicht verstanden...

  2. 6.

    Null Mitleid mit dem Tierquälern. Demeter verdient sich dumm und dusselig, vielleicht sollten die Landwirte hier auch endlich mal umdenken. Wenn es schon nicht des Tierwohles wegen, dann wenigstens des Geldes wegen. Mit Bio und Nachhaltigkeit kann man gut verdienen. Meistens sind die Leute nur zu bequem.

  3. 5.

    Niemand zwingt Schweinebauern Schweine zu halten. Dann gibts halt Hühnchen. Oder Salat. Insekten sind noch besser.
    Bin allen Menschen wird Flexibilität erwartet, aber Bauern berufen sich ständig auf „wurde schon immer so gemacht“. Und was lernen die Bauern daraus? Leider nichts.

  4. 4.

    Solange ich denken kann - und das ist schon ziemlich lange-- sind die Bauern immer die größten Lametierer. Frühling,Sommer, Herbst und Winter sind die größten Feinde, und jetzt noch die ASP. Es ist mir schon klar , dass in der Landwirtschaft einiges im Argen liegt ( Milchpreise, Fleischpreise usw.) , aber der Inhalt des Interviews erscheint mir doch sehr über zogen .

  5. 3.

    Die ernsthafte Frage sollte mittlerweile erlaubt sein was Staat und Politik in diesem Land überhaupt auf die Reihe bekommen? Corona , Migration und Integration , Energiepolitik , Bildung ,Alterssicherung usw . Nix außer Versagen.
    Bei Gender Gaga , alles muss Spaß machen, Schutz vor der Arbeit , Rot grünen Zukunftsideologien da ist man sich einig zu unterstützenden Handlungen. Bei Landwirten ist das ja alles in Ordnung denn das sind ja sowieso Verbrecher . Ist ja auch so gewollt gedacht.
    Wer das alles bezahlen soll ist auch klar. Abhängig Beschäftigte ,Angestellte . Denen kann man ohne Widerspruch alles abknöpfen. Ich finde das prekär.

  6. 2.

    Ich frage mich, was jetzt nun das eigentliche Problem ist.

    Sind es die paar Euro, die da jetzt fehlen oder ist die VR China, die seit geraumer Zeit den Import Deutschen Schweines verboten hat.

    Ist ja wohl auch logisch. ...

    Die VR China importierte bis vor Kurzem an die 2.000.000 Schweine jährlich aus Deutschland. Nun keine mehr.

    Wie sich die Dinge gerade politisch darstellen, (deutsche Aktivitäten im Südchinesischen Meer), wird es auch in Zukunft keine deutschen Schweine auf chinesischen Tellern geben.

    Das kommt davon, wenn man Vasallenpolitik betreibt!

  7. 1.

    Dia armen Schweine.

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