Mineralölwirtschaft - Shell verkauft seine Anteile am PCK Schwedt

Blick auf den Nationalpark Unteres Odertal nahe Schwedt, im Hintergrund das Erdölverarbeitungswerk, PCK Raffinerie GmbH. (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Audio: Antenne Brandenburg | 09.07.2021 | Georg-Stefan Russew | Bild: dpa/Patrick Pleul

Seit fast 60 Jahren gehört die PCK Raffinerie zum Schwedter Stadtbild. Vor drei Jahrzehnten erfolgte die Privatisierung. Ohne den Schwedt Kraftstoff würde sich in der Hauptstadt kein Rad bewegen. Jetzt rollen viele Veränderungen auf das PCK zu.

Der Mineralölkonzern Shell trennt sich von seiner Minderheitsbeteiligung am PCK Schwedt. Wie der Konzern mitteilte, sei ein Verkauf von 37,5 Prozent der Anteile an die österreichische Alcmene GmbH vereinbart worden, die zur Liwathon-Group gehört.

Liwathon selbst ist eine estnische Energieholding, die sich auch als größter unabhängiger Terminalbetreiber für Ölprodukte im Ostseeraum versteht. Angaben zum Kaufpreis machten die Unternehmen nicht.

Shell begründete seinen Schritt damit, sein Raffenerieportfolio zurückfahren zu wollen. Ziel sei es, bis 2050 ein Netto-Null-Emmissions-Energieunternehmen zu werden, so ein Sprecher. Der Konzern plane, sich auf wenige, hochwertige Energie- und Chemieparks konzentrieren zu wollen.

Vorkaufsrecht und kartellrechtliche Genehmigung könnten Geschäft stoppen

Der Deal steht allerdings unter dem Vorbehalt eines Vorkaufsrechts der beiden anderen PCK-Anteilseigner. Der russische Öl-Multi Rosneft hält rund 54 Prozent, der italienische Mineralölkonzern Eni verfügt über rund 8 Prozent. Beide können bis Oktober entscheiden, ob sie die Anteile selbst übernehmen wollen. Zusätzlich ist für den Verkauf eine kartellrechtliche Genehmigung notwendig. Shell rechnet mit einer möglichen Abwicklung des Deals in der zweiten Jahreshälfte 2021.

PCK setzt auf grüne Treibstoffe

Die PCK-Raffinerie Schwedt, rund 120 Kilometer nordöstlich von Berlin, verarbeitet derzeit rund 220.000 Barrel Rohöl pro Tag. So werden in regelmäßigen Abständen unzählige Kesselwagen mit Flugbenzin von Schwedt aus zum Flughafen Berlin-Brandenburg verschickt. Mittlerweile laufe nach dem Lockdown das Geschäft mit dem BER wieder, sagt PCK-Sprecherin Viola Brocker dem rbb.

Auch von dem Corona-Einbruch beeinflusst beschäftigt sich das Unternehmen mit der Entwicklung von grünen Treibstoffen wie Biokerosin. "Wir arbeiten mit Hochdruck an den Kraftstoffen von morgen und investieren jetzt sehr viel in die Entwicklung von synthetischen Kraftstoffen. Davor steht aber die Entwicklung von Wasserstoff“, so Brocker weiter.

Zusammen mit anderen Unternehmen wurde vor kurzem in Brandenburg das Wasserstoffprojekt Hy-East gegründet. "Das ist eine Wasserstoff-Initiative für die Metropolenregion Berlin-Brandenburg-Stettin, länderübergreifend, das heißt: Wir haben alle an einem Tisch und damit wollen wir zukunftsfähig sein“, sagt die Unternehmenssprecherin.

1991 wurde das Petrolchemische Kombinat privatisiert. Das marode Unternehmen von damals musste in neue Technologien und in den Umweltschutz investieren. Gesellschaftliche Umbrüche waren die Folge. Von den 8.600 Mitarbeitern arbeiten heute rund 3.000 Menschen auf dem Industriestandort.

Sendung: Antenne Brandenburg, Regionalnachrichten, 09.07.2021, 11:30 Uhr

17 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 17.

    Mir ist übrigens kein einziger "Westberliner" -also die Berliner vor 89/90 bekannt, der sich beschwerte, dass sein Kraftstoff aus einem "Ostbetrieb" kam. Es gibt aber Menschen, die den Tatbestand heute lieber als nie geschehen sehen möchten obwohl sie sich an viele Kilometerzahlen erinnern. Seltsame Menschen.

  2. 16.

    Ich hoffe, Ihr Fahrradreifen ist ohne Erdöl. Ebenso sämtliche Kosmetika und Haushaltsartikel. Und bitte nichts verwenden, was in der Industrie mittels Erdöl hergestellt wird. Haben Sie überhaupt eine Ahnung, wo Erdöl benötigt wird?

  3. 15.

    Man sagt nur PCK. Das K bedeutet aber nicht mehr Kombinat ? Synthesewerk Schwarzheide hat man auch gierig gerafft. Die haben nur "marode" Betriebe geschluckt. Schön von unseren Brüdern und Schwestern im Westen. Dafür waren wir der Autofriedhof des Westens. Was hier damals betrogen wurde mit den Altautos. Beschämend die armen Ossis noch auszuplündern. Das wird nie vergessen.

  4. 14.

    So vieles wird davon weiter dringend nicht nur in Berlin benötigt. Wir können natürlich vieles davon aus China importieren ? Der lange Weg ist ja "unbedeutend". Die Schlaglöcher der Berliner Straßen kann man auch mit Papierasche füllen ? Gut so ?

  5. 13.

    Sie wissen es doch hoffentlich: Oligarchen gab es nach dem Zusammenbruch auch in der Ukraine. Die Timoschenko wurde uns aber als "Leidensfrau" präsentiert; wurde sogar in der Charite" operiert. In RU hat man so einiges getan um die Oligarchen zu stutzen. Ein gewisser D. saß sogar im Gefängnis. Da opponierte man aber von hier. Der lebt wohl jetzt in der Schweiz. Aber Herr Dominik; ihre Arbeitsproduktivität ist doch wohl höher als die der USA ?

  6. 12.

    Dann schauen Sie sich mal die Produktpalette an, für die 20 Mio m³ Wasser pro Jahr (davon 12 Mio m³/a Grundwasser) benötigt werden:
    Motorenbenzin (2010: 2,7 Mio. t), Kerosin (Jet A1) (0,4 Mio. t), Dieselkraftstoff (3,4 Mio. t), Heizöl (extra leicht und schwer) (2,0 Mio. t) und weitere Produkte (2,4 Mio. t) (darunter Propan, Butan, Bitumen, Schwefel, Natriumsulfat, Propen, ETBE (aus Bioethanol), Benzol, Toluol und Xylole)

    Shell hat gemerkt, dass das Pferd bald sterben wird und steigt rechtzeitig ab, so lange es noch Geld dafür gibt. Die Nische für synthetische Kraftstoffe ist zu klein, um dauerhaft in der Größe zu überleben.

  7. 11.

    Wieder ist vor wenigen Wochen eine fast volle moderne Scheune mit Stroh abgebrannt. Ofensichtlich Brandstiftung. Gesunde Tierhaltung benötigt viel Stroh und dieses wird dann dringend zur Bodenverbesserung benötigt. Man kann vieles machen; aber bite nicht überall nur halbe Sachen. ( Mengenmäßig )

  8. 10.

    Hier mal Nachhilfeunterricht für die GRÜNEN. Erdöl wird nicht nur für Kerosin und Benzin benötigt. Erdöl ist auch Grundstoff für sehr viele Produkte/Materialien, welche wir alle im Alltag brauchen.

  9. 9.

    Der Neubau einer Raffinerie wäre schon damals mit erheblich mehr Aufwand verbunden gewesen. Die deckt heute rd. 10 % des bundesdeutschen Kraftstoffbedarfs. So einen für den Sozialismus typisches Riesending durfte man sich nicht entgehen lassen. Anders als z.B. bei Backpulver hätten ein paar Sonderschichten nicht gereicht, um die durch die zunehmende Motorisierung steigende Nachfrage zu decken. Andere Industriekomplexe traf es härter, da die nur dank der Mark der DDR im Westen konkurrenzfähig gewesen sind, so z.B. die Möbel für Neckermann. Immerhin konnten so 3.000 der gut 8.000 Arbeitsplätze erhalten werden, wobei ca. 2/3 auch ausgelagert worden sind.

  10. 8.

    Seit 1996 ist PCK eine GmbH, dennoch wir immer wieder von „dem PCK“ geschrieben bzw. sie wird als „das PCK“ bezeichnet. Dabei ist Raffinerie ein Wort, welches den Artikel „die“ verlangt. Außerdem war die Raffinerie keineswegs marode (man schaue in die DM-Eröffnungsbilanz), sonst hätten sich die Konzerne nicht um sie gerissen. Auch wenn natürlich enorme Summen in Umweltschutzprojekte und Modernisierungen geflossen sind und noch weiter fließen.

  11. 7.

    Und wieder halten Sie kritische Kommentare zu Rosneft zurück.

    Ach gut unser Ex-Kanzler ist ja auch perfekt Qualifiziert für den Aufsichtsratvorsitz.....

    Kann ja mal jeder den CEO von Rosneft googeln...

  12. 6.

    Angeblich macht doch Verbio dort auf dem Gelände auch Biogas aus Stroh. Das sind doch grundsätzlich sinnvolle Nachverwendungen des Geländes.

    RBB übernehmen Sie. (nur so als Tipp)

  13. 5.

    Wahrscheinlich sind russische Oligarchen viel bessere Arbeitgeber als amerikanische Selfmade-Milliardäre.

    Ach und der gute alte Schröder mischt auch mit.

    Nebenbei betraut Putin natürlich alte treue Weggefährten mit Chefposten
    https://www.badische-zeitung.de/nachrichten/ausland/putins-schattenmann--132651769.html
    https://www.deutschlandfunk.de/russland-setschins-macht.795.de.html?dram:article_id=373712

    (nur bitte nicht nachfragen woher russische Oligarchen ihre Milliarden haben ;))

    Aber natürlich sind das wichtige Arbeitsplätze für Brandenburg, schließlich hat Brandenburg sonst nicht viele:
    "Die Arbeitsproduktivität (Bruttowertschöpfung pro Erwerbstätigen) im Verarbeitenden Gewerbe ... im Land Brandenburg bei 70.596 € und in Deutschland bei 90.567 €" Quelle LfU

  14. 4.

    Das muss noch etwas warten. Die Raffinerie läuft noch ein paar Jahre weiter.

  15. 3.

    Wie sieht es dort eigentlich mit verseuchtem Boden aus?

    Wurde dort schon umfangreich saniert?

  16. 2.

    Ob das so ganz freiwillig ist? Dem RBB ist anders als den Kollegen vom NDR entgangen, dass Shell von einem Gericht in Den Haag erstinstanzlich dazu verurteilt wurde, weniger zur Klimaerwärmung beizutragen:
    https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/klimaschutz-shell-prozess-101.html

    Seit einigen Jahre investiert Shell auch in die E-Mobilität: 2017 sind die bei New Motion eingestiegen, Shell Recharge ist ebenfalls aktiv wie auch eine Beteiligung bei IONYTY in Diskussion ist,.

    Kerosin macht dabei nur eine kleinen Teil der Produktpallete aus. Mehr als die zehnfache Menge an Benzin, Diesel und Heizöl verlassen die Raffinerie, die zugleich nach der Braunkohle einer der größten Wassereinzelverbraucher Brandenburgs ist.

  17. 1.

    Schön dass auch Shell so langsam einsieht dass Öl ein Auslaufprodukt (vor allem in den Ozean...) ist.

Nächster Artikel