Landkreis Barnim - Neubau des Schiffshebewerkes Niederfinow soll deutlich teurer werden

Blick auf das Schiffshebewerk bei Niederfinow (Barnim). (Bild: rbb)
Video: Brandenburg Aktuell | 14.07.2021 | Michael Lietz | Bild: rbb

Seit Langem wird spekuliert, dass das neue Schiffshebewerk in Niederfinow teurer wird als geplant. Nach inzwischen über zwölf Jahren Bauzeit ist eine Kostenexplosion wohl sicher. Das Baukonsortium verlangt einen Nachschlag von bis zu 225 Millionen Euro.

Der Neubau des Schiffshebewerkes Niederfinow (Barnim) soll deutlich mehr Kosten verursachen als bislang bekannt.

Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums werden derzeit Verhandlungen mit dem Baukonsortium zu Forderungen für Mehrausgaben geführt. Dabei geht es um rund 165 Millionen Euro. Das geht aus der Antwort des Bundes auf eine parlamentarische Anfrage grüner Bundestagsabgeordneter hervor.

Mehrkosten von 225 Millionen Euro

Zum zuständigen Baukonsortium gehören die Firmen Implenia, DSD Brückenbau, Bunte und Siemac. Sie haben sich zur Arbeitsgemeinschaft Neues Schiffshebewerk Niederfinow Nord zusammengeschlossen. Trotz erheblicher Bauverzögerungen hieß es bislang, dass der zu Baubeginn angegebene Gesamtbedarf für den Neubau des Schiffshebewerkes von 300 Millionen Euro nicht wackle. Nun teilte das Bundesverkehrsministerium den Abgeordneten mit, dass man aktuell schon 60 Millionen Euro darüber liege. Grund seien höhere Materialkosten, erhöhte Anforderungen an den Brandschutz und weitere Gutachten.

Würden die Forderungen des Baukonsortiums in vollem Umfang erfüllt, ergäbe sich eine Kostensteigerung von insgesamt 225 Millionen Euro. Vorausgesetzt, man einigt sich schnell. Wenn nicht, könnte es weitere Verzögerungen und noch mehr Kosten geben, befürchtet die grüne Bundestagsabgeordnete Claudia Müller: "Wir erleben im Baubereich gerade, dass es zu Verzögerungen mit Materialien kommt."

Müller: Kosten werden verschleiert

Die Verzögerungen und höheren Kosten am Schiffshebewerk seien ein Trauerspiel, kritisierte Müller, die Sprecherin für maritime Wirtschaft der Grünen-Fraktion ist. "Die Frage nach dem Warum ist nicht beantwortet, zeigt aber, dass die Planung nicht hinhaut und die echten Kosten dort verschleiert werden."

Zwar seien meistens alle Beteiligten an den Kostensteigerungen schuld, doch liege hier das Problem bei der Ausschreibung, für die der Bund die Vorgaben macht: "Es ist dann leider häufig so, dass der Kostengünstigste den Zuschlag bekommt und dann aber Zusatzkosten anfallen." Für Müller ist dies ein erneuter Beleg für "ein systemisches Problem." Hier stelle sich die Frage, ob die Planungen immer realistisch seien.

Laut Bundesverkehrsministerium soll trotz allem das neue Schiffshebewerk voraussichtlich in diesem Jahr in Betrieb genommen werden. Fragen zu den Mehrkosten wollte das Ministerium dem rbb am Mittwoch nicht beantworten.

Die Schifffahrt brauche dringend bessere Planbarkeit, um auch in Brandenburg Verkehr von der Straße auf das Binnenschiff zu verlagern, sagte Müller. Die Mehrheit der Schleusen und Bauwerke an Bundeswasserstraßen sei bereits stark in die Jahre gekommen und müsse dringend saniert oder erneuert werden.

Das neue Schiffshebewerk in Niederfinow soll den etwa 90 Jahre alten Vorgängerbau ersetzen. Seit 2009 wird gebaut, ursprünglich sollte es 2014 fertig sein. Es verbindet den Ostseehafen in Stettin mit der Hauptstadtregion. Der Neubau ist erforderlich, weil das alte Hebewerk zu klein ist für moderne Küstenmotor- und Containerschiffe.

Sendung: Antenne Brandenburg, 14.07.2021, 10:30 Uhr

21 Kommentare

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  1. 21.

    Was ich in diesem Zusammenhang mit dem Bau etwas heuch.. bemerkenswert finde, dass es erst jetzt ( wohlgemerkt kurz vor Fertigstellung!) den Grünen auffällt, dass der Bau teuerer wird. Das wusste man doch schon vor Jahren, auch zum Teil nachvollziehbare Gründe wurden genannt usw. Also, nicht so tun, als ob das jetzt neu wäre.... Wenn man in der Regierung ist und war, hätte man durchaus verschiedene Zugriffe gehabt, auch in der Kommunikation mit dem Wasserstraßenbauamt....
    Das soll jetzt nicht heißen, dass Kostensteigerungen nicht durchaus Methode haben, was insgesamt zum Reformbedarf bei Ausschreibungen führen muss, gerade bei längerfristigen Projekten. Aber wir brauchen den OHK und das Schiffshebewerk, jedoch muss es sich in ökologisch- wirtschaftlichen Einklangg bringen.

  2. 20.

    ich glaube, vor gut 20 jahren gab es mal die Idee, das europäische Wasserstraßennetz so auszubauen, dass eine durchgehende Achse Paris-Moskau entsteht. Soweit die Projektidee. In diesem Zusammenhang kam man auch auf die Idee, das Schiffshebewerk neu zu bauen, um dem dann möglicherweise zunehmenden Gütertransport zu entsprechen, auf jeden Fall den größeren Schiffen bzw. Schubverbänden. Dass Bauprojekte, die der Bund oder das Land in die Hand nehmen, immer mit Kostensteigerungen, Langatmigkeit und wirstchaftlichem Aufschwung der beteiligten Firmen verbunden ist, ist ja nun altbekannt und nichts Besonderes mehr. Schon gar nicht, wenn niemand Verantwortung tragen muss. Ich hoffe, dass der Bau bald fertig ist, aber vor allem, dass entstandene Schäden an den Häusern der Anwohner ersetzt werden, sofern sie natürlich vorher ihre Häuser immer auf Vordermann gehalten haben...

  3. 19.

    Nun halten Sie bitte den Ball flach und intepretieren bitte nichts in die Aussage von Günter Weller rein, was da nicht geschrieben steht. Wo hat er Ihnen vorgeschrieben, ob Sie reisen oder nicht?

  4. 18.

    Wen wundert das, bei einer Ausschreibungstaktik wo stets das günstigste Angebot angenommen werden muss. So wird kleingerechnet, genehmigt und vergeben und dann mit Nachträgen gearbeitet. Wer ehrlich plant, was so eine Baustelle kosten würde, wird nicht berücksichtigt bei der Vergabe. Wird also eine Dauerschlagzeile, wenn sich da nix ändert.

  5. 17.

    Das wird immer wieder passieren, solange niemand für die Misswirtschaft zur Verantwortung gezogen wird und mit seinem Vermögen für die Verluste haften muss.

  6. 16.

    So lange nichts davon gelesen. Habe gedacht das Ding ist schon fertig.

  7. 15.

    Wer zahlt den Anliegern eigentlich die Schäden an den Gebäuden und Scheunen in Niederfinow, die während der Bauzeit "rein zufällig und kausal nicht zusammenhängend" aufgetreten sind?!

  8. 14.

    Tippfehler passieren schnell mal. Aber ich bekomme immer wieder einen Schreck wenn ich lese was ich mal schrieb. Wohlgemerkt; es geht nicht um den Inhalt. Mal sehen ob ich es schaffe stets mit # zu beenden. D.h. kontrollgelesen.

  9. 13.

    Sie wissen schon das der BER Monat für Monat in den Passagierzahlen hochfährt weil die leute wieder reisen wollen uns sich nicht von Leuten wie Ihnen vorschreiben lassen wo sie Urlaub machen. Das gleiche gilt für das neue Hebewerk. Ein Neubau währe so oder so fällig gewesen. Warum nicht gleich größer und zukunftsträchtig. Sonst hätten sie doch auch wieder gemeckert. Wenn irgendwann der Transport vom lkw wieder auf Schiene und Wasser soll braucht man dieses Hebewerk.

  10. 12.

    Mindestens ein Drittel der Transportgüter entfallen auf Kohle, Öl, Erdgas. Was demnächst ja nicht mehr verwendet werden soll. Wozu dann die Erweiterung des Oder-Havel-Kanals? Dem Schiffshebewerk geht es wie dem BER. Nach
    Fertigstellung wird die Kapazität gar nicht mehr gebraucht.

  11. 11.

    Versteht man das so: man will redliche Leistungen nicht bezahlen? Was für eine „Frechheit“...

  12. 10.

    Dass das alte Schiffshebewerk zu klein sei für Küstenmotorschiffe (!) muss ja kein Nachteil sein. Das gilt aber doch wohl auch für die meisten Brücken entlang des Oder-Havel-Kanals und erst recht in Berlin. Und auf der Oder sind die Pötte meines Wissens auch noch nicht unterwegs - jedenfalls nicht so weit südlich von Stettin.

    Wenn das also das Argument für die Kostensteigerungen ist: Streichen, Herr Minister, streichen!

  13. 9.

    Na, das geht doch noch.
    Solange wie es nicht ein Vielfaches an Mehrkosten ist.............

  14. 8.

    So viel Geld? Dafür hätten wir ein paar schöne Kampfflugzeuge kaufen können.

  15. 7.

    Um Loriot zu zitieren: "ACH!"

    Wer hätte das bei einem öffentlichen Bauwerk auch anders erwartet ...

  16. 6.

    Weil es niemanden überrascht. Deutschland ist so anders geworden; der BER war wehweisend. Wer saß denn beim Hebewerk im Aufsichtsrat ? 2014 sollte es schon fertig sein; das stinkt doch wieder gewaltig. Die Typen haben nicht mal ein schlechtes Gewissen. Müssen wir Bürger uns alles gefallen lassen ?

  17. 5.

    Im Bericht fehlt noch eine Zahl: die Gesamtkosten. Denn die 165 Mio Nachtrag müssen ja auch von irgendwem bezahlt werden. Wenn ich richtig gerechnet habe, kostet das Bauwerk weit über 500 Mio.

  18. 4.

    Nix neues bei einem öffentlichen Projekt.

  19. 2.

    Vielleicht sollte man solche Aufträge an die Chinesen vergeben, siehe BER.
    Der Michel ist offensichtlich nicht fähig.

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