Interview | Barnimer Müllabfuhr auf Wasserstoffbetrieb - "Klimaschutz wird immer Geld kosten, aber weniger, als würden wir keinen betreiben"

Zapfpistole für Wasserstoff vor geöffneter Tankklappe. (Quelle: dpa/Frank Hoermann)
Bild: dpa/Frank Hoermann

Der Barnim will künftig seinen Fuhrpark für die Müllentsorgung auf Wasserstoffbetrieb umstellen. Das soll dem Klimaschutz dienen, kostet allerdings Geld, welches am Ende die Verbraucher zahlen könnten. Doch Pläne gehen noch weiter.

Im Barnim sollen künftig vier wasserstoffbetriebene Fahrzeuge den Abfall einsammeln. Für das Vorhaben hat die Barnimer Dienstleistungsgesellschaft, als Tochter der Kreiswerke Barnim, am Donnerstag eine hohe Fördersumme bekommen.

Insgesamt stehen 2,4 Millionen Euro für die Anschaffung von vier klimafreundlichen Müllfahrzeugen bereit. Die Kreiswerke Barnim sind damit das bisher erste Abfallwirtschafts-Unternehmen in Brandenburg, das wasserstoffbetriebene Abfall-Sammelfahrzeuge einsetzen wird. Die Fahrzeuge setzen auf die Brennstoffzellen-Technologie, bei der aus Wasserstoff Strom für einen Elektroantrieb erzeugt wird. rbb|24 hat darüber mit dem Geschäftsführer Kreiswerke Christian Mehnert gesprochen.

rbb|24: Herr Mehnert, warum setzen Sie jetzt auf Wasserstoff?

Christian Mehnert: Klimaschutz ist in Deutschland und Europa ein wichtiges Thema. Auch das Thema Wasserstoff ist jetzt von allen auf den Plan gehoben worden. Und weil wir uns als Unternehmen schon seit vielen Jahren zum Thema Klimaschutz bekennen und diese Dinge auch bei uns umsetzen, haben wir jetzt auch auf dieses Pferd gesetzt. Neben der strombetriebenen Elektromobilität setzen wir jetzt auch bei unserem schweren LKW-Verkehr auf Wasserstoff.

Sind das dann alle Müllfahrzeuge?

Unser Fuhrpark umfasst insgesamt 40 Müllfahrzeuge, mit denen wir im Landkreis Barnim die gesamte Abfallentsorgung durchführen. Hier stellen wir jetzt Stück für Stück diesen Fuhrpark um, eben jetzt auf die Technologie Wasserstoff.

Die wasserstoffbetriebenen Fahrzeuge sollen CO2 einsparen. Wo werden sie eingesetzt?

Wir fangen an, unsere Flotte vor allem im Bernauer Raum, also im berlinnahen Raum, auszutauschen. Hier sind mit Blick auf den Barnim auch die Ballungszentren mit Bernau, Ahrensfelde, Panketal und Werneuchen. Aber in der Folge werden wir die natürlich auch in Eberswalde einsetzen. Wir wollen keinen Unterschied zwischen den Regionen machen, CO2 einzusparen. Klimaneutral zu arbeiten gilt für alle Regionen im Barnim.

Nun stellen Sie für die vier Fahrzeuge 2,4 Millionen bereit. Das dürfte ja mehr sein als für ein normales Müllfahrzeug?

Das ist korrekt. Der Einstieg in solch eine Technologie kostet immer sehr viel Geld. Denken Sie auch an die hohen Förderungen zurück, die es gab, als vor vielen Jahren Photovoltaik-Anlagen auf den Weg gebracht wurden. Heute sind Photovoltaikanlagen mit sehr viel weniger Förderung ein Erfolg. Dasselbe lässt sich für Windkraft-Anlagen beobachten. Wir müssen auch dieser Technologie die Chance geben, sich überhaupt erst einmal zu etablieren. Deshalb gibt es hier hohe Fördermittel vom Bund, die die Einführung dieser Technologie unterstützen. Wenn sich diese Technologie durchsetzt, wird sich ein Skaleneffekt einstellen. Wenn dann ein Tankstellen-Netz entsteht, werden sehr schnell auch die Preise purzeln und am Ende auch zu günstigeren Preisen für die Nutzer führen.

Da war jetzt ein bisschen viel "Wenn“ drin. Entstehen für Sie als Unternehmen des Kreises Mehrkosten und wenn ja, werden diese komplett durch Fördermittel ausgeglichen oder müssen am Ende die Müllgebühren-Zahler für diesen Feldversuch aufkommen?

Klimaschutz wird immer Geld kosten - aber weniger als würden wir keinen Klimaschutz betreiben. Und die jetzige Förderung deckt 90 Prozent der Mehrkosten ab. Wir Barnimer tragen also zehn Prozent der Mehrkosten selbst. Es ist also der Unterschieds-Betrag zu einem gewöhnlichen Abfallsammelfahrzeug, den es - ja, am Ende mehr kostet. So ist es.

Wo werden die Müllfahrzeuge dann betankt?

Die Müllfahrzeuge werden in Bernau bei der kommunalen Barnimer Busgesellschaft betankt. Diese erhalten in den kommenden Jahren auch sechs Busse und dort werden wir gemeinsam an einer noch zu errichtenden Tankstelle tanken. Es wird aber im Barnim weitere Tankstellen geben. Die sind schon in Planung. Auch hier haben wir als Kreiswerke unsere Fühler ausgestreckt. Denn es nützt am Ende ja der Entwicklung auch eines Verkehrs im Privat- und Firmenbereich nichts, wenn wir hier eine schöne Betriebs-Tankstelle haben. Wir brauchen dafür auch öffentliche Infrastruktur.

Ab wann sind die wasserstoffbetriebenen Müllfahrzeuge im Einsatz?

Wir gehen fest davon aus, dass wir sie Mitte nächstes Jahres in Einsatz bringen können. Wir haben am Mittwoch gerade die Mitteilung an die Bieter über die beabsichtigte Zuschlagserteilung vorgenommen und werden deshalb hoffentlich Mitte nächsten Jahres pünktlich die Lieferung erhalten.

Neben den Müllfahrzeuge sind Sie auch in einem Projekt der wasserstoffbetriebenen Züge beteiligt - zusammen mit der Niederbarnimer Eisenbahn (NEB). Da muss die Wasserstofftankstelle auch erst noch eingerichtet werden, oder?

Genau, aber das funktioniert planmäßig noch nicht, denn der Plan ist, dass ab 2024 diese Züge fahren. Zu dem Projekt gehört als dritter wichtiger Partner die Firma Enertrag. Alle drei Partner, Enertrag, NEB und die Kreiswerke planen gerade die Umsetzung. Wir haben die nötigen Genehmigungsanträge vorbereitet. Die Ausschreibung der Züge ist in der finalen Phase, so dass hier ein Zuschlag erteilt werden kann. Und wir gehen davon aus, dass wir pünktlich zu Fahrplan-Umstellung 2024/25 diese Züge auf die Schiene bringen. Beliefert mit grünem Wasserstoff der Firma Enertrag und einer Tankstelle der Kreiswerke.

Und dann verdienen Sie auch an der Tankstelle?

Das ist immer das Ziel von Unternehmen. Am Ende Geld zu verdienen, mit dem was man tut.

Vielen Dank für das Gespräch!

Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um eine gekürzte und redigierte Fassung des Gesprächs. Das Interview führte Stefan Kunze für Antenne Brandenburg.

Sendung: Antenne Brandenburg, 16.09.2021, 12:30 Uhr

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