Mineralölwirtschaft - Russischer Ölkonzern übernimmt PCK Schwedt fast vollständig

Mi 17.11.21 | 16:16 Uhr
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Archibild: Die Schwedter PCK Raffinerie befindet sich jetzt fast in vollständigem Beistz des russischen Rosneft-Konzerns. (Quelle: imago/Jens Koehler)
Bild: imago/Jens Koehler

Die Schwedter PCK-Raffinerie versorgt große Teile der Region mit Benzin, Diesel und Heizöl. Nun befindet sie sich offenbar fast komplett in russischer Hand. Rosneft hat das Aktienpaket von Shell übernommen, das bislang mehr als ein Drittel der Anteile hielt.

Der russische Ölgigant Rosneft hat die deutsche PCK-Raffinerie in Schwedt nahezu vollständig übernommen. Wie die Nachrichten-Agentur Reuters aus Moskau meldet, hält Rosneft mit Stand Mittwoch 91,67 Prozent der Anteile.

Demnach hat der Shell-Konzern seine bisherigen Aktienanteile, 37,5 Prozent, an Rosneft verkauft und offenbar nicht - wie im Sommer gemeldet - an die österreichische Alcmene GmbH.

Die übrigen Anteile in Höhe von 8,33 Prozent hält der italienische Konzern Eni.

Aufsichtsratssitzung und Pressekonferenz am Donnerstag

Der Deal mit der österreichischen Firma stand unter dem Vorbehalt eines Vorkaufsrechts der beiden anderen PCK-Anteilseigner, Rosneft und Eni. Nun hat der russische Ölmulti offenbar von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch gemacht. In Schwedt wird es am Donnerstag deshalb eine Aufsichtsratssitzung geben. Anschließend soll die Öffentlichkeit in einer Pressekonferenz informiert werden.

Die Übernahme der Aktienanteile erfolgt zu einem denkbar spannenden Zeitpunkt. Im Zusammenhang mit der geplanten Erdgas-Pipeline von Gazprom, Nordstream 2, ist nun als Betreiber auch der russische Staatskonzern Rosneft im Gespräch [tagesschau.de]. Bislang fehlt eine Zertifizierung der Pipeline.

Woidke begrüßt Übernahme

Der Brandenburger Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) begrüßt die Übernahme der Shell-Anteile durch den russischen Konzern Rosneft. Das sei "eine gute Nachricht für das Unternehmen, die Stadt Schwedt und die gesamte Region". Damit sei der Standort und auch viele Arbeitsplätze langfristig gesichert.

Petrolchemisches Kombinat wurde 1991 privatisiert

Im Jahr 1991 wurde das Petrolchemische Kombinat - kurz PCK - in Schwedt in der Uckermark privatisiert. Das damals marode Unternehmen musste in neue Technologien und in den Umweltschutz investieren. Gesellschaftliche Umbrüche waren die Folge. Statt ehemals 8.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten heute noch rund 3.000 Menschen auf dem Industriestandort.

Die PCK-Raffinerie, rund 120 Kilometer nordöstlich von Berlin, verarbeitet derzeit rund 220.000 Barrel Rohöl pro Tag. Das Werk versorgt zu 95 Prozent die Räume Berlin, Brandenburg und West-Polen mit Benzin, Diesel, Flugturbinenkraftstoff und Heizöl.

Das Unternehmen beschäftigt sich seit einiger Zeit auch mit der Entwicklung von grünen Treibstoffen wie Biokerosin. Eine Sprecherin erklärte im Sommer 2021, dass das PCK mit Hochdruck an Kraftstoffen der Zukunft forsche und in die Entwicklung von synthetischen Kraftstoffen investiere. Zudem beschäftige man sich auch mit Wasserstoff, hieß es damals.

 

Sendung: Antenne Brandenburg, 17.11.2021, 15:00 Uhr

32 Kommentare

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  1. 32.

    Källenius muss das von langer Hand geplant haben. Schließlich ist er seit 1993, aöso sein gesamtes Berufsleben, bei einer der diversen Töchter der Daimler AG beschäftigt gewesen. Bei Volvo lief es 1999 anders: Damals wurde das PKW-Geschäft im Ganzen komplett an Ford verkauft, die es erst 2010 an die Chinesen weiterreichen.

  2. 31.

    Danke für die sehr glaubwürdige Info. Hatte nur gelesen, dass es die Mercedes Benz AG nach Abtrennung dann nicht mehr gibt. Sind die Mitarbeiter in Ludwigsfelde schon für TESLA vorgesehen ? Ein deutsches Traditionsunternehmen so zu zerfleischen kann eben nur hier im immer seltsameren Deutschland geschehen.

  3. 30.

    DAS ist gar nichts ... Denn bald wird die PKW- und Sprinter-Sparte der Mercedes Benz AG an den Chinesen Geely verkauft sein ... Genau wie seinerzeit Volvo ... Exakt gleiche Vorgehensweise … LKW abtrennen und PKW zum Schlucken bereit gestellt … Der (Achtung) schwedische Vorstandsvorsitzende hat die (top funktionierende) Daimler AG dafür (dieses Jahr) extra zerschlagen … Mit wirklich dämlichen Argumenten ... Vermutlich im Auftrag von Geely … Denn der ist schon Groß-Aktionär … Und es ist keine deutsche Sperr-Beteiligung des Staates a la Niedersachsen bei VW in Sicht ... Nirgends ... Das MB-Werk in Ludwigsfelde kann man dann übrigens als geschlossen betrachten … WIR dürfen DA übrigens gar nix übernehmen.

  4. 29.

    DAS ist gar nichts ... Denn bald wird die PKW- und Sprinter-Sparte der Mercedes Benz AG an den Chinesen Geely verkauft sein ... Genau wie seinerzeit Volvo ... Exakt gleiche Vorgehensweise … LKW abtrennen und PKW zum Schlucken bereit gestellt … Der (Achtung) schwedische Vorstandsvorsitzende hat die (top funktionierende) Daimler AG dafür (dieses Jahr) extra zerschlagen … Mit wirklich dämlichen Argumenten ... Vermutlich im Auftrag von Geely … Denn der ist schon Groß-Aktionär … Und es ist keine deutsche Sperr-Beteiligung des Staates a la Niedersachsen bei VW in Sicht ... Nirgends ... Das MB-Werk in Ludwigsfelde kann man dann übrigens als geschlossen betrachten … Und WIR dürfen DA übrigens gar nix übernehmen.

  5. 28.

    Wir müssen da mal etwas klären: Wie kam das mit "Russland in Kritik stehen und Putin dreht den Hahn zu wenn es ihm passt" So ähnlich. Wo kamen diese Warnungen her ? Welche Interessen stehen dahinter ? Wäre Flüssiggas aus USA überhaupt sinnvoll; der Weg ist ziemlich weit und wo steht da die Ökologie ? Auch Putin erinnert sich an Churchill s Worte: Falsches Schwein geschlachtet und so... RU hat Grund genug stets wachsam zu sein. Niemand will Krieg aber stets ein bissel Hetze und Falschdeutung gehört heute zur Politik. Ist das sinnvoll ? US-Kriegsschiffe "verirren" sich immer wieder im Schwarzen Meer. Die würden heute in Sewastapol ankern wäre nicht...Ja, ich habe eine eigene Meinung. Es ist immer gut wenn man mit Ukrainern oder Russen spricht. Es gibt ja Übersiedler.

  6. 27.

    Olle Kamellen. Wann war denn das mit Wirtschaftsmacht Deutschland ? Wir können ja nicht mal mehr Fahrradklingeln bauen. :=(

  7. 26.

    Die im warmen Büro sitzen bekommen es doch stets zu spät mit. Glasfassade; weiter Blick ins Land aber nie nach unten sehen. So beginnt stets der Wechsel. Was kommt danach ? Vorher das Büro auf kalt stellen ?

  8. 25.

    "Wann trennt sich FR und andere von AKW ? Dann wird es ernst."
    Ernst wird es in DE, erst wenn die Lichter ausgehen.
    Wie bei vielem anderen, keiner hat es vorher gewusst........

  9. 24.

    Die Druschba kennen nur wir aus dem Morgenland-wo die Sonne früher aufgeht.

  10. 23.

    WARUM? Weshalb "verscheuern" wir unser "Tafelsilber" - und dann auch noch an die Russen - die politisch und in Sachen Erdöl/ Erdgas zur Zeit derart in der Kritik stehen? Hat die Wirtschaftsmacht Deutschland tatsächlich keine eigenen Ideen und Möglichkeiten mehr? Wenn 's wenigstens noch ein europäischer / EU-Betreiber wäre ...

  11. 22.

    Wie das ? Gehört die EU dann zu RU / RF oder ist der € bald am Ende und die EU übernimmt den Rubel ?

  12. 21.

    PIRÄUS ist die Kurzstrecke für chin. Schiffe. Warum hat das keiner großartig mitbekommen ?

  13. 19.

    Das ist aber auf der ganzen Welt so. PCK hinkt da nicht hinterher. Jahrzehnte geht das nun schon so und in Berlin fahren damit Millionen Verbrenner. Wer elektrisch fährt ist auch kein grüner Engel. Die derzeitige Technik darf noch nicht das Ende sein. Wann trennt sich FR und andere von AKW ? Dann wird es ernst.

  14. 18.

    "Man Leute, bleibt locker, dann bezahlen wir den Saft demnächst halt in Rubel."

    Soll wohl so sein....
    Gruß an die Achse

  15. 17.

    Nicht umsonst geht die "neue Seidenstrasse" vom südchinesischen Meer bis zur deutschen Nordsee.

  16. 16.

    Man Leute, bleibt locker, dann bezahlen wir den Saft demnächst halt in Rubel.

  17. 15.

    Nur weiter so, verkauft mal alles an die Russen und Chinesen. Dann haben wir den Hauptgewinn und Putin und Xi sagen Europa wo es lang geht.

  18. 14.

    In Punkto Abhängigkeit bin ich ganz entspannt. Wenn Rosneft Benzin verkaufen will, hat Putin keinen Grund den Hahn zuzudrehen. Er würde sich ja selber schaden.
    Die Abhängigkeit sinkt mit der Schaffung von Alternativen: Weniger Verbrauch durch Ausweitung des ÖPNV, e-Mobilität, Ausbau Wind-, Solar-, Wasserstoffenergie...

  19. 13.

    Energieversorgung, Post, Telekomunikation, Bahn, Wohnen, Wasser gehören in Staatshand und sollten nach Möglichkeit nicht Privatisiert werden. Nun klar, ist alles jetzt anders.
    Ich hätte aber nie gedacht das diese in Russische Staatshand gehören.

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