Geplantes Rechenzentrum in Neuenhagen - Google-Ansiedlung in Ostbrandenburg scheitert an Wassermangel

Fr 03.12.21 | 12:46 Uhr | Von Philip Barnstorf
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Symbolbild: Rechenzentrum, Handout Photo von Google am 19.Oktober 2012. (Quelle: Google Handout)
Video: Brandenburg Aktuell | 02.12.2021 | Philip Gerstner und Margarete Neubauer | Bild: Google Handout

Kommt nach Tesla auch Google nach Ostbrandenburg? Nein. rbb-Recherchen haben ergeben: Dafür ist nicht genügend Wasser da. Die immer knappere Ressource könnte das erhoffte ökonomische Wachstum in der Region ausbremsen. Von Philip Barnstorf

Am Wassermangel scheitern die Pläne des US-Unternehmen Google, ein Rechenzentrums in Neuenhagen (Märkisch-Oderland) zu bauen. Grund dafür ist, dass das Rechenzentrum nicht mit ausreichend Wasser hätte versorgt werden können. Das haben Recherchen des rbb ergeben.

Wasser reicht nicht - Rationierung droht

Das US-Unternehmen Google sucht schon seit mehreren Monaten ein Grundstück für ein Rechenzentrum in oder um Berlin. Ein Kandidat: Das Industrie- und Gewerbegebiet Neuenhagen. Dort verläuft eine Starkstromleitung, mit der sich die Rechner besonders gut versorgen ließen. Wie der rbb aus vertraulichen Quellen erfuhr, war der Betreiber der Immobilie schon in Gesprächen mit Google.

Für die Wasserversorgung wäre der Wasserverband Strausberg Erkner (WSE) zuständig gewesen, der aber ein Veto einlegte. Es gebe nicht genug Wasser in der Region. Deshalb hatte der WSE am Mittwoch entschieden, dass das Wasser für Bürger künftig rationiert werden soll. Bis 2025 soll für jedes Grundstück eine Maximalmenge Wasser pro Jahr festgelegt werden. Dabei soll vor allem die Zahl der Bewohner ausschlaggebend sein. Auch für Unternehmen im Verbandsgebiet soll es Kontingente geben.

Tatsächlich weist der Verband seit Jahren auf drohende Versorgungsengpässe hin, weil im Sommer weniger Regen fällt und außerdem immer mehr Menschen und Unternehmen in die Region ziehen. Die Tesla-Ansiedlung und ein in Strausberg geplantes Rechenzentrum der Bundeswehr hätten diese Sorge noch verschärft.

Auch wenn der Name Google nicht fiel, kam das Thema auf der letzten Verbandsversammlung des WSE am Mittwoch zur Sprache. Christiane Fälker von der Neuenhagener Bauverwaltung monierte, dass es wegen der Wasserknappheit "nicht mehr möglich ist, ein Rechenzentrum anzusiedeln". WSE-Chef Andre Bähler bestätigte das: "Wir haben diskret eine Anfrage dazu erhalten und haben die abschlägig entschieden." Dass es sich dabei um Google handelt, bestätigten mehrere Quellen, die nicht genannt werden wollen, gegenüber dem rbb.

1,3 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr

Auf Nachfrage erklärte Christiane Fälker, dass mit dem Rechenzentrum etwa 100 Arbeitsplätze entstanden wären. Bürgermeister Ansgar Scharnke (parteilos) sprach in diesem Kontext am Freitag sogar von bis zu 300 neuen Jobs. Er betonte zugleich, dass die Gemeinde keine Verhandlungen mit möglichen Nutzern des Rechenzentrums geführt habe. Es sei jedoch davon auszugehen, "dass Rechenzentren dieser Größenordnung nur von einigen wenigen internationalen Großunternehmen betrieben werden", hieß es am Freitag. Und solche "Rechnerfarmen" müssten mit Wasser gekühlt werden. Dadurch hätte das Zentrum mit 1,3 Millionen Kubikmeter pro Jahr ähnlich viel Wasser verbraucht wie die Tesla-Fabrik im nahen Grünheide.

Offensichtlich reicht das Wasser zwischen Strausberg und Erkner, in diese Region fällt auch Neuenhagen, derzeit für keine weitere Industrie-Ansiedlung mit diesem Wasserverbrauch. Das Land hat inzwischen einen Auftrag zur Erkundung von unterirdischen Wasservorräten in Hangelsberg ausgeschrieben. Aber selbst wenn sich dieses Wasser als geeignet erweisen sollte, dürfte es Jahre dauern, bis es mit einem neu zu bauenden Wasserwerk gefördert werden kann.

Google wollte den Vorgang auf Nachfrage nicht kommentieren.

Signal an Potsdam

Darüber hinaus teilte Scharnke mit, dass die Gemeinde Neuenhagen einer Satzungsänderung des Wasserverbands zugestimmt habe. Damit könnten nur bei Neuverträgen Spitzenverbräuche bei privaten und gewerblichen Nutzern begrenzt werden, hieß es. "Dazu zählen die tägliche Rasenbewässerung, das mehrmalige Befüllen von Swimmingpools im Jahr ebenso wie einige gewerbliche Spitzenverbräuche."

Damit solle ein Signal an die Genehmigungsbehörden in Potsdam gesendet werden, "dass sowohl für die zweite Ausbaustufe von Tesla als auch für die Daseinsvorsorge und das Wachstum der Städte und Gemeinden Handlungsbedarf bestehe", erklärte Scharnke. Das Land müsse seiner Pflicht zur Genehmigung höherer Entnahmemengen nachkommen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 02.12.2021, 16:30 Uhr

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Beitrag von Philip Barnstorf

83 Kommentare

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  1. 83.

    Das ist ja eben der Punkt:
    Nicht einmal in Dubai oder in Mexico City, wo es naturgemäß einen extremen Wassermangel gibt, werden Gewerbeansiedlungen wie dieses Rechenzentrum faktisch unmöglich gemacht.
    Im diesem Vergleich "ertrinkt" Brandenburg förmlich in Wasser und bekommt es trotzdem nicht gebacken einen bundesweit vergleichsweise dünn besiedelten Landstrich mit ausreichend Wasser zu versorgen.

  2. 82.

    Es geht hier um das trinkbare Grundwasser, dass bei der Trockenhaltung des Kalksteintagebaues anfällt. Sie sollten den ehemaligen Heinitzsee kennen. Unser Badeparadies. Ungeschadet konnte man das klare Wasser trinken. Heute gibt es den nicht mehr; ist vereinigt mit dem neueren Alvenslebenbruch. ( Google hilft ). Übrigens: Nach der Trockenheit war sogar der braune "Rasen" vor dem schönsten Gebäude der Genossenschaft innerhalb von 10 -12 Tagen wieder supergrün. Dort wurden nur die Gehölze und die Jungbäume gewässert. Alles graffityfrei; gepflegt. Genossenschaftler sind Werterhalter. Berliner fordern nur. Die passen ja auch nicht zum freundlichen Brandenburg. Übrigens; In Bergmannsglück haben einige Siedler Fischteiche; auch spiegelnde Wintergärten; sind keine Pools. Berliner haben verdreckte Parks. Aber erst nach 1990.

  3. 81.

    Die Mainframes mit denen ich als Student/Absolvent zu tun hatte(ESER, SM04, SM21, VAX/VMS)sind bei entsprechender Auslastung sehr schnell warm geworden und standen in klimatisierten Räumen. Prozesswasser zu kühlen ist nix Besonderes. Dazu hatten wir als Anlagenbaustudenten eine Belegarbeit.
    Ich kann Herrn Bähler verstehen, wenn er in Potsdam Druck machen will. Deswegen Google so vor den Kopf zu stoßen geht gar nicht.

  4. 80.

    "Wenn ein Investor vor der Tür steht sollte man nach Lösungen suchen..."
    Wenn ein Investor allerdings mit der Tür ins Haus fällt, so wie hier, wird es schwierig.
    Die Schuld für das Desaster jetzt beim Wasserversorger zu suchen ist billiger Populismus. Es hätte vor Baubeginn ein reguläres Planfeststellungsverfahren stattfinden müssen, welches auch die Frage der Wasserversorgung hätte klären müssen.

  5. 79.

    Man kann doch den Brandenburgern nicht das Wasser abdrehen? Natürlich kann man. War in Bad Oeynhausen - ein Kurbad mit schönen Springbrunnen. War in einer Privatunterkunft in einem Zweifamilienhaus. 3 Monate durfte der Rasen nicht gesprengt werden, hohe Bußgelder bis zu 1000€ bei Verstößen, privates Autowaschen verboten, ein Freibad geschlossen

  6. 78.

    Ohne Investitionen in die Zukunft wird der "nackte Mann" sich nie Bekleidung kaufen können. Schön blöd, wenn man ein Unternehmen wie Google durch rückwärts gewandte Politik und überalterte Infrastruktur verschreckt. War Deutschland nicht angeblich mal das Land der Dichter und Denker und ein führender Industriestaat? Inzwischen sind wir an manchen Orten eher das Land der Bedenkenträger, Querköpfe, Geizhälse und Zukunftsverweigerer.

  7. 77.

    Nicht zu viel Infos. So manchem fällt zum eigentlichen Thema eh selten etwas was ein, so dass der sich unter wechselnden Namen an anderen Dingen hochzieht. On-Topic können Sie sich mal ein Satbild z.B. von der Weismüllerstraße 38, 60314 Frankfurt am Main anschauen und recherchieren, worin das Geschäft von Interxion besteht. Die erforderlich Kühlleistung wird im den Serverräumen (bei Goggle ist die Fläche pro Raum gerne vierstellig) schon mit Kalt-/Warmgängen wie im aktuellen Symbolbild optimiert wie auch teils direkt mit Wasser gekühlt werden anstelle Luft.

  8. 76.

    David, ach ja México City hast Du ja noch erwähnt, wo es keine Wasserknappheit geben soll. Wenn Du mehr wissen willst, schau hier: https://taz.de/Wasserversorgung-in-Mexiko-Stadt/!5025163/

  9. 75.

    Kostet halt alles mehr Geld als wenn man das Wasser einfach "verbraucht". Warum sollte Google mehr ausgeben nur um in Brandenburg zu sein?

  10. 74.

    Komischerweise gibt es auch in Emiraten Wasserknappheit und nicht zu knapp.

  11. 73.

    Mit kommen gleich die Tränen angesichts Ihrer Aussagen, dass Sie sich alle drei Jahre einen neuen Verbrenner gönnen und Ihrem Hang zu Westäpfeln, weil Ihnen die gleiche Sorte aus Brandenburg nicht gut genug ist. Fragen Sie mal PotsMi, was der für den m³ Wasser zahlt. Den bereits mehrfach erwähnten, sehr langen Artikel aus der Zeit (s. #66) können Sie sich übrigens auch vorlesen lassen.

  12. 72.

    Dass der WSE dabei eben seit Jahren bei seinen Brandenburger Privatkunden das Gegenteil von sparsame Verwendung sieht, haben Sie erfolgreich verdrängt wie Sie ja auch gerne wie damals enteignen würden. Gerne können Sie die Rohrleitung nach Berlin kappen und das Wasser in Brandenburg in die Vorflut entlassen.

  13. 71.

    Sie werden mir ja richtig frech; hier verwendet niemand aus unserer WEG Kochsalz ( NaCl ) oder andere Salze. Unten in der TG steht echter Brandenburger Weißsand; gesiebt ohne Wurzelwek etc. Haben Sie es begriffen ? Es ist auch nicht ihr alleiniges Recht Äpfel aus dem Alten Land zu essen. Scottie-Netto hatte die im Angebot; sollen die da verfaulen ? Berliner ohne Importe aus anderen Bundesländern würde verhungern. Von dummen Worten wie ihren wird niemand satt. Ihre Krümelkackerei scheint aber bezirksgebunden zu sein. Habe Verwandte in Buch- ganz vernünftige Leute; allerdings Audifahrer.

  14. 70.

    "... ist unter Menschen mit ein bischen Ahnung selbstverständlich. "

    Sollte es sein, aber Sie haben eben keine Ahnung - jedenfalls nicht von Politik! In Brandenburg und Sachsen liegt die AfD an zweiter Stelle und in Dresden hat die SPD nur einen Vorsprung von 0,1% zur AfD, sonst wäre das Ergebnis identisch mit dem der Lausitz. Also erst vor der eigenen Haustür kehren, bevor man andere massregelt.

  15. 69.

    Das bezieht sich aber auf sparsame Verwendung. Wir werden das Tagebauwasser lieber nicht mehr in Berliner Gewässer einleiten. Das hat in Brandenburg zu bleiben. Berlin soll selber sparen und nicht hier Klugscheißer ins "Gelände" schicken.

  16. 68.

    Sie haben schon einem nackten Mann in die Taschen gefasst ? Alles klar. Hier ist nischt mehr zu holen oder alle Bürger müssen als Verbraucher vertrieben werden. Unweit von hier liegt ein riesiger Kalksteintagebau. Die Anlagen zur Trockenlegung befinden sich unter Tage. Beeindruckend; versuchen Sie da mal Zugang zu bekommen. Die Grundwasserabsenkung ist km weit weg nachweisbar. Die abgepumpte Menge / Jahr ist enorm. Hatte die mal parat; werde nachsehen. Das Wasser dient auch der Spree und dem Müggelsee und somit Berlin.

  17. 67.

    Wie groß waren da die Rechenleistungen ? Grundsätzlich ist ein geschlossener Kreislauf mit Neutralwasser/ destilliert oder höher ja die Lösung. Gleichtemperierung erreicht man durch Parallelzuleitungen; gleichmäßige Temperierung alles machbar. Frage: Warum so hoher Wasserverbrauch bleibt erst mal ungeklärt.

  18. 66.

    Der WSE braucht halt anders als die Privatwirtschaft etwas länger. "Wir planen oft 30 Jahre nach vorne", erklärt Ponesky von der WSE gegenüber der Zeit kurz nach dem Frontal21-Beitrag im ZDF Anfang April. "Jetzt sind wir an dem Punkt, dass wir anders denken müssen. Dahin wären wir ohnehin gekommen."

  19. 65.

    Ja war ich genau vor 3 Jahren, als das Wasser für eine Region, vergleichbar mit Berlin, rationiert wurde. Da wurden in den öffentlichen Einrichtungen spezielle Armaturen eingebaut und das Wasser durfte nicht getrunken werden. Garten bewässern war grundsätzlich verboten.
    Jetzt entwickeln Experten aus Deutschland ein Konzept für diese Region. Die sollten nach Brandenburg kommen.
    Richtig: Kapstadt wird mit einem p geschrieben.

  20. 64.

    Das ist doch ein Witz! Woher zaubern die Wasserversoger in Dubai oder Mexiko City ihr Wasser aus der Leitung?
    Das jammern über Wasserknappheit ist auf einem Niveau, dass es geradezu beschämend ist.
    Warum baut man unnötige Erdgas-Pipelines quer durch die Ostsee, aber kommt nicht auf die Idee eine Pipeline mit Brauchwasser vom Oder Fluss oder der Ostseeküste bis nach Berlin zu verlegen?
    Warum fehlt es an derart elementarer Infrastruktur?

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