Steigende Kosten - Brandenburger Brauereien könnten Bierpreise um bis zu 30 Prozent anheben

Do 17.03.22 | 15:24 Uhr
  29
Symbolbild: Ein Kellner zapft ein Glas Bier (Bild: imago images/Michaela Begsteiger)
Audio: Antenne Brandenburg| 17.03.2022 | Stefan Fritsche | Bild: imago images/Michaela Begsteiger

Nach Gas, Strom und Benzin soll nun Bier teuer werden: Wegen steigender Kosten planen Brauer in Brandenburg, ihre Bierpreise anzuheben. Das hat nicht nur mit dem Krieg in der Ukraine zu tun - auch die Trockenheit spielt eine Rolle.

Die Brandenburger Brauereien werden wegen steigender Kosten ihre Bierpreise anheben müssen. Das sagte Stefan Fritsche vom Brauereiverband Berlin-Brandenburg am Donnerstag dem rbb. Hintergrund ist der Krieg Russlands gegen die Ukraine, der die Rohstoffe und Treibstoffe, aber auch die Energie für die Hersteller teurer macht.

"Alle Brauereien werden ihre Preise erhöhen müssen"

Zwischen 10 und 30 Prozent werden die Bierpreise steigen, sagte Fritsche. "Wenigstens die schwarze Null muss in einer Brauerei möglich sein." Das bedeutet: Der Preis muss die Kosten decken. Und diese seien für die Hersteller in allen Bereichen sehr stark gestiegen. Fritsche erwartet deshalb, dass alle Brauereien ihre Preise erhöhen werden.

Sowohl Russland als auch die Ukraine sind bedeutende Exporteure auf dem internationalen Getreidemarkt. Die Ukraine lieferte zuletzt nach Einschätzungen des MDR etwa 14 Prozent der Mengen an Weizen, Mais und Gerste, die am Weltmarkt gehandelt werden. Beide Länder exportieren aber kaum noch. Neben Bier könnten deshalb andere Produkte, deren Produktion nur mit Getreide möglich ist, teurer werden – beispielsweise das Brot beim Bäcker.

Trockenheit führt zu Ernteausfällen

Besonders betroffen sind die Brauereien von den "explodierenden" Energie- und Rohstoffkosten. Fritsche nahm Malz als Beispiel, das getrocknet wird: "Dafür braucht man Energie, viel Wärme. Deswegen werden die Malzkosten explodieren".

Ein weiterer Grund für die Kostensteigerung ist aber auch der Klimawandel. "Wir haben im vergangenen Jahr schon starke Preissteigerungen hinnehmen müssen durch die gestiegene Trockenheit im Sommer", sagte Sören von Billerbeck vom Barnimer Brauhaus in Hohenfinow bei Eberswalde. Deswegen habe es weniger Malz am Markt gegeben. "Wir haben zurzeit 40 Prozent teurere Malzpreise", so von Billerbeck. Durch den Krieg in der Ukraine erwartet er noch höhere Preise.

Steuersenkungen als Lösung?

Forderungen nach Steuersenkungen werden deshalb lauter. So protestierten am Mittwoch Lkw-Fahrer auf der Berliner Stadtautobahn und dem Berliner Ring gegen die hohen Spritpreise. Der Brauer Stefan Fritsche zeigte Verständnis für die Proteste. "Andere Länder helfen ihnen, senken die Steuern. Und wir in Deutschland versuchen, mehr zu bekommen", so Fritsche.

Seine größte Forderung lautet deswegen: Mehrwertsteuersenkung. "Ein großer Teil des Preises wird vom Staat eingenommen", sagte er. Beim Ölpreis, Gaspreis und Rohstoffpreis profitiere der Staat. Eine Mehrwertsteuer sei eine einfachere Lösung, zum Beispiel ein Gutscheinsystem.

Stefan Fritsche ist auch Geschäftsführer der Klosterbrauerei Neuzelle (Landkreis Oder-Spree). Dort plant er, die Bierpreise zum Sommer hin zu erhöhen. Seine Brauerei hat aktuell 42 Mitarbeiter.

Sendung: Antenne Brandenburg, 17.03.2022, 14:30 Uhr

Mit Material von Klaus Lampe

29 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 29.

    Bei welcher Tafel gibt es denn Bier?
    Also nicht daß ich das Bier nicht allen gönnen würde - ungewöhnlich fände ich das schon.

  2. 28.

    Wusste gar nicht dass Pilsener noch schmeckt.... wir leben doch nicht mehr in den 70ern. Heute trinkt man Cocktails und Whisky. Und wenn "Bier" dann jedenfalls Import (Desperados/Corona/Effes/Fosters). Das leben ist einfach zu kurz für deutsches Einheits-Bier.

  3. 27.

    @karlMax: Danke für die Tipps, ich komme schon über die Runden! :-)
    Ich hatte ja geschrieben, dass in Deutschland niemand verhungern muss, wollte allerdings auch darauf hinweisen, dass es bei der Tafel (zumindest bei meiner Ausgabestelle) gerade kritisch aussieht.

  4. 26.

    Es wäre nicht das erste mal, dass nach einer Bierpreiserhöhung die Stimmung in Deutschland kippt. Nach dem im Jahr 1844 König Ludwig I diesen um einen Pfennig erhöhte, kam es in München zu Ausschreitungen, die nur mit Einsatz des Militärs beendet werden konnten.
    Siehe hier: https://www1.wdr.de/stichtag/stichtag8298.html
    Also wenn schon ein vor der Nase getragenes Stück Stoff tausende von "Spaziergängern" auf die Straße zieht, will ich mir garnicht vorstellen, was diese Preiserhöhung unter Beachtung des historischen Beispiels nach sich ziehen kann. :)

  5. 25.

    Diese Inflation wird HERBEIGEREDET … Haben Sie schon mal einen Verkäufer erlebt, der nicht gerne jeden Anlass zu einer Preiserhöhung nimmt … Und wenn es eben nur dieses blöde Gerede davon ist, dass gerade alles teurer wird … Dann kann/muss er ja auch … Aber faktisch hat sich nichts so stark verändert, dass Preiserhöhungen IN DIESER HÖHE notwendig wären … Auch dieser Krieg nicht … HERBEIGEREDET ... Verkäufer-Taktik !

  6. 24.

    Ich hatte gestern im Net gelesen dass Aldi für insgesamt 400 Produkte die Preise erhöht.

  7. 22.

    Wäre ja nicht so schlimm, wenn nur das Bier teurer würde - leider ist das nur der Anfang der Teuerung.

  8. 20.

    Nee, dann gäbe es noch mehr Beschaffungskriminalität. Und das "Dass Bier billiger ist als Limo im Restaurant" ist gesetzlich geregelt: es muss ein alkoholfreies Getränk preiswerter sein.

  9. 19.

    Ob der Kasten nun 15€ oder 17€ kostet ist doch eigentlich egal. Es wird immer was im Angebot geben, zur Not muss man halt auf eine günstige Marke wechseln.
    Wenn man auf den Kaffee schaut, der ja eigentlich auch exorbitant teuer geworden sein soll- ich finde jede Woche beim Einkauf immer ein Päckchen für unter 5€ im Angebot, ohne groß danach suchen zu müssen. Also Ruhe bewahren :-)

  10. 18.

    Ähmm, das hört sich jetzt aber schon reichlich übertrieben an! Mir sind ihre Lebenswunstände nicht bekannt und im Prinzip geht es mich auch nichts an. Aber normalerweise gibt es doch noch Hartz4, und das, plus Tafel, sollte nun wirklich ausreichen! Ansonsten mal überllegen, an welcher Stelle welche Ausgeben wirklich nötig sind!
    Hier noch ein paar Spartips: Haferflocken plus Wasser zum Frühstück (5€/Monat für Frühstück), kein Fleisch/Wurst mehr, keine Säfte, Brausen, o.ä. nur noch Tee, Doitsche Äpfel, saisonales Gemüse, (jetze, Sauerkraut)

  11. 17.

    Kein Problem - ich kann auch gern ein Drittel weniger Bier trinken,

    Wer mich kennt, glaubt das vielleicht nicht - ich würde es evtl. trotzdem wenigstens mal probieren. Mal sehen, wer länger kann :-)

  12. 16.

    @Motte: Verhungern muss in Deutschland zum Glück niemand.
    Aber es gibt jetzt schon zunehmend Artikel, die ich mir selbst im Sonderangebot nicht mehr leisten kann, da ein halber Preis von einem zuvor stark erhöhten Preis eben derzeit immer noch zu hoch für mein Budget ist.

    Hinzu kommt, dass zumindest bei meiner Ausgabestelle der Berliner Tafel seit ca. einem Monat signifikant weniger Lebensmittel pro Person ausgegeben werden, da seit dieser Zeit entsprechend bedeutend weniger bei der Tafel reinkommt. Wo ich zuvor mit anderthalb bis zwei Tüten pro wöchentlichem Ausgabezeitfenster nach Hause ging, ist es jetzt manchmal nur noch etwa eine halbe Tüte voll. Wenn dieser Zustand dauerhaft so bleibt, dann wird´s für viele Menschen tatsächlich richtig eng. Noch dazu mit einer starken Zunahme an Tafel-Kunden gerechnet werden kann aufgrund der Anzahl der Füchtlinge, die derzeit aus der Ukraine in Berlin landen und erstmal hier bleiben.

  13. 15.

    Gibt es eigentlich schon Menschen, die sich durch die Verteuerung keine Lebensmittel mehr leisten können? Wie werden diese Leute aufgefangen? Absolute Armut als Alternative? Wir ernten in Deutschland jährlich 43 Millionen Tonnen und benötigen 43 Millionen Tonnen Getreide, 70 kg pro Kopf. Nur 20% von der Ernte für die menschliche Ernährung, also 8,6 Millionen Tonnen.

  14. 14.

    1 x Corona mit (Schaum)krönchen bitte.... fast eine "Desperada" wer sich das heute bei der Bestellung traut ;-).

  15. 13.

    Kurz weiter denken. Getreide wird vorrangig für Lebensmittel benötigt. Das Angebot sinkt demzufolge steigt der Preis.
    Konsequenterweise steigt auch der Preis des Getreides für Bier, da die allgemeine Nachfrage konstant bleibt.
    Anders gesagt der Bauer kann zum Brauer sagen der Müller bezahlt besser als du also hoch mit dem Preis.
    u.U lohnt es sich für den Bauern sogar Getreide zu exportieren. Der amerikanische oder arabische Müller bezahlt vielleicht noch besser, wenn er das Material nicht mehr aus Russland oder Ukraine bekommt.
    Hauptkostentreiber in der Brauerei dürfte aber wie beschrieben die Energie sein.

  16. 12.

    Ich trinke gerne ein frisches Bier vom Hahn und gerne ein mexikanisches Bier aus der Flasche. Mir ist es egal ob die Preise steigen...und unterstütze Kommentar Nr. 5 vollkommen.

  17. 11.

    Wieso? Werden die Flaschen bestraft? Was können die Bierflaschen dafür? So schlau wie ihr weiteres Geschwafel von "Umverteilern".

  18. 10.

    Der Ansatz Verzicht/verteuern bestraft die Flaschen und spielt den ständigen Umverteilern in die Hände. Mit zusätzlichen Steuern können die nicht umgehen und führt nur zu „Notwehrmaßnahmen“. Das Themas Gewalt unter Alkoholeinfluss sollte man gesondert angehen, nicht hier.

  19. 9.

    Ich stand immer hinter allen Sanktionen gegen Russland aber bei Bier hört die Freundschaft auf. Sollte Bier wirklich teurer werden kippt die Stimmung in der Bevölkerung. Alles andere ist auszuhalten aber das definitiv nicht

  20. 8.

    Der Ausfall von Getreidelieferungen aus Russland und der Ukraine hat mit der Braumalzversorgung der deutschen Brauereien rein gar nichts zu tun. Deutschland ist bei Weizen und Gerste Selbstversorger. Die Qualitäten aus Osteuropa reichen für das Back-und Brauhandwerk nicht aus und wurden daher auch nie importiert. Also bitte den Ball bezüglich Preiserhöhungen etwas flach halten, sonst wird man unglaubwürdig.

  21. 6.

    Also beim Bier hört bei mir der Spaß auf ! Ein Leben ohne Bier ist möglich , aber sinnlos .

  22. 5.

    Es wäre so schön, wenn Alkohol in Deutschland teurer wäre und es dadurch zu weniger Gewalt, Übergriffen, Unfällen und anderen schlimmen Sachen komme würde. Dass Bier billiger ist als Limo im Restaurant, ist einfach ein Verbrechen. Die meisten können nicht mit Alkohol umgehen und verstehen Besoffensein als Hobby. Wie traurig müssen die sein. VolksDROGE nummer eins sollte nicht mehr an jeder Ecke verkauft werden. Es würde allen besser tun.

  23. 4.

    Preiserhöhung für ein Lebensmittel( laut Bayern Aussage). Bei Alkohol grundsätzlich die Preise deutlich erhöhen halte ich sogar für angebracht. Es kann doch nicht sein, das wir in Deutschland mit solch niedrigen Preisen den Alkoholismus geradezu fördern.

  24. 3.

    Dieses ist erst der Anfang es ist eine Kette ohne Ende mit den Preissteigerungen.

  25. 2.

    Eigentlich erwarte ich von tagesaktuellen Medien Berichte über Dinge die schon geschehen sind. Wenn ich wissen möchte, was zukünftig passiert, besuche ich lieber einen Hellseher. Durch solche Meldungen werden die Leute nur unnütz verrückt gemacht. Was soll das bringen? Dass diesmal Bier gehortet wird? Es hat ja leider eine Mindesthaltbarkeitsdauer und kann daher nicht unbegrenzt aufbewahrt werden. Man muss den Unfrieden nicht künstlich anheizen, so lange keine Fakten bekannt sind, sondern nur gemutmaßt wird.

  26. 1.

    Cool - saufen für die Freiheit. Da sind 30% doch egal - oder

Nächster Artikel