20 Jahre Euro - Trotz Bedenken sprechen sich Polen mehrheitlich für die Einführung des Euro aus

Mo 03.01.22 | 13:16 Uhr
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Archivbild: Wechselstuben in Slubice im Jahr 2003. (Quelle: dpa/P. Pleul)
Audio: Antenne Brandenburg | 03.01.2022 | Sabine Tzitschke | Bild: dpa/P. Pleul

Die polnische Bevölkerung ist zwiegespalten, was die Einführung der europäischen Währung betrifft. Ein Beitritt zur Eurozone sei jedoch aus wirtschaftlichen Gründen unwahrscheinlich, wie Wirtschaftsexperte Sebastian Płóciennik erklärt.

Der Euro hat am 1. Januar seinen 20-jährigen Geburtstag gefeiert - zumindest als Zahlungsmittel der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion. In Polen, das seit 2004 Mitglied der Europäischen Union ist, wird weiterhin mit dem Złoty bezahlt. Laut des Eurobarometers [europa.eu/eurobarometer], der regelmäßig öffentliche Meinungsumfragen in den EU-Mitgliedsstaaten erhebt, spricht sich eine Mehrheit der Polen für den Beitritt zur Eurozone und somit für die Einführung des Euros aus. Doch gibt es auch Bedenken, wie eine nicht repräsentative Straßenumfrage Umfrage ergab.

Vor allem jüngere Polen aus der Grenzregion für Euro

"Ich denke, dass es eine gute Idee ist, weil uns hier viele Deutsche besuchen", sagt eine junge Passantin* in Słubice an der Grenze zu Frankfurt (Oder) auf die Frage, ob sie den Euro auch in Polen als Zahlungsmittel begrüßen würde. Laut der Eurobarometer-Umfrage vom Sommer 2021 passt das ins Bild. Demnach würden vor allem jüngere Menschen sich im Grenzgebiet zu Deutschland für die europäische Währung begeistern können. Als Gründe wurden dabei genannt, dass der Euro stabiler als der Złoty sei und das mit einer Einführung als Zahlungsmittel auch ein wichtiger Schritt in Richtung europäischer Integration erfolge.

Allerdings hätte die Einführung für einige auch Nachtteile. Laut der gleichen Eurobarometer-Erhebung gaben auch 75 Prozent der Polen an, dass sie Angst davor hätten, dass der Euro auch zum "Teuro" werden könnte und ihr Leben demnach verteuern würde. Ähnliche Befürchtungen also, die auch die Deutschen zum 1. Januar 2002 äußerten, als der Euro als Zahlungsmittel eingeführt wurde.

Denn Polen, die in Deutschland leben und arbeiten, kaufen in ihrer Heimat deutlich günstiger ein. "Deswegen denke ich, dass der Euro für uns nicht vorteilhaft sein wird", antwortet eine andere Passantin* in Słubice auf die rbb-Umfrage.

Mehr Złoty für den Euro

Der Wechselkurs zum Euro liegt momentan bei rund 4,60 Złoty (Stand 03.01.2022). Dies ist auch eine Folge der Inflation, die in Polen derzeit bei fast acht Prozent liegt. Polnische Bürger, die somit mit Euros in der Tasche in ihre Heimat zum Einkaufen fahren, können aufgrund des starken Wechselkurseses derzeit mehr kaufen als sonst.

Nicht nur polnische Berufspendler nutzen gerne diesen Wechselkurs. Auch einige Unternehmen kalkulieren mit ihm – vor allem diejenigen, die einen regen Wirtschaftsaustausch in die Eurozone haben. Deswegen würden auch große Teile der polnischen Wirtschaft eine Einführung des Euros skeptisch gegenüberstehen, wie Sebastian Płóciennik, Wirtschaftsexperte vom Zentrum für Osteuropäische Studien in Warschau, sagt: "Die jetzige Regierung ist daher strikt dagegen und möchte den Beitritt in die Eurozone so lange wie möglich verzögern."

Hohe Inflation in Polen

Dennoch sei es eine Fehleinschätzung einiger Polen, dass der Złoty vor Preissteigerungen oder Inflation schütze. "Wir haben jetzt in diesem Jahr massive Preissteigerungen und Inflation auch ohne Euro", erklärt Płóciennik. Die Inflation sei demnach eine der höchsten in der ganzen EU. Die Preise seien daher auch ohne den Euro stark gestiegen.

Obwohl die Bevölkerung sich mehrheitlich für die Einführung des Euro ausspricht, ist der Beitritt Polens zur Eurozone daher mittelfristig eher unwahrscheinlich. Damit bleibt der Złoty erhalten - wie auch die Wechselstuben an den Grenzübergängen.

*Die Passantinnen wollten ihre Namen nicht veröffentlicht sehen. Die Namen sind der Redaktion bekannt.

Sendung: Antenne Brandenburg, 03.01.2022, 14:10 Uhr

Mit Material von Jakub Paczkowski

14 Kommentare

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  1. 14.

    Was hat denn das alles mit dem Euro zu tun? Wann fangen wir ALLE endlich mal an zu respektieren, dass es in anderen Ländern anders zugeht als bei uns? Wir schreien immer was von "Akzeptanz unserer Gesellschaft und Art zu Leben" etc. Wnn die Polen, das von Ihnen aufgezählte nicht wollen, ist das ok. Sie müssen ja da nicht hinfahren.

  2. 13.

    Eine Zusammenfassung des Inhalts des Vertrages von Maastricht als Podcast habe ich leider auf die Schnelle nicht gefunden.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Vertrag_von_Maastricht

  3. 12.

    Vor einem Jahr lag der Wechselkurs laut google bei 4,56 Zloty. Wenn in Polen im letzten Jahr die Preise um 8 Prozent gestiegen sind,bekomme ich also weniger für einen Euro.
    Ohne präzise Zeitangaben ist so ein Artikel nicht viel wert.

    Die Polen überlegen sich bestimmt zweimal,ob sie ihre Währung abschaffen. Wechselstuben sind in Zeiten von Geldautomaten oder digitalem Bezahlen jedenfalls kein stichhaltiges Argument mehr.

  4. 11.

    Die Polen machen nichts was ihnen nicht zum Vorteil gereicht und wofür sie Geld einnehmen können. Mögen sie ihre Währung behalten.

  5. 10.

    Das zitierte "Eurobarometer" ist sozusagen das hauseigene Umfrage-Instrument der EU Bürokratie und liefert Auftragsarbeit der EU Behörden ab und wird zu 100 % aus EU Steuergeldern finanziert.
    Tatsächlich scheint es so zu sein, daß die leistungsfähigen EU-Länder, die den Euro nicht haben, wie Tschechien, Ungarn, Polen, Dänemark und Schweden in den letzten Jahren eher mehr Abstand zur Einführung des Euro erkennen lassen. Hingegen will Bulgarien und Rumänien aus naheliegenden Gründen sofort den Euro, aber die restlichen EU Länder, ebenfalls aus naheliegenden Gründen, wollen dies nicht.

  6. 9.

    Hoffentlich werden Staaten wie Polen niemals dem Euro beitreten, in denen es keine unabhängige Justiz und keine frei Presse gibt und Menschenrechtsverletzungen allgemein akzeptiert werden, siehe sog. "LGBT-freie" Zonen und das Erfrieren-Lassen von Schutzsuchenden an der belarussischen Grenze. Sonst wird die Eurozone zum rechtsfreien Raum.

  7. 8.

    Herr "Teslavertreter", verkünde Ihnen, dass ich von Anfang an aufmerksamer Dauer-inforadio Hörer bin. Da wurde ausführlich den ganzen Tag darüber berichtet. Auch gelesen habe ich ziemlich intensiv darüber. Geht es Ihnen nun besser ?

  8. 7.

    Herr Hauptstadtberlinneumann, das ist mir nicht verborgen geblieben. Ehemalige DDR-Bürger haben sich stets viel mehr für Politik interessiert als die ehemaligen Wohlstandsbürger. Capito ?

  9. 6.

    Erwartbar, dass ein "Heimatschützer" wie Sie eine solche Frage stellt. Der Vertrag von Maastricht beinhaltet aber noch einiges mehr als nur die erwähnten Konvergenzkriterien und wurde um den Vertrag von Lissabon erweitert.

  10. 5.

    Eine surrealer Artikel angesichts der Haltung der polnischen Regierung zur EU. Die ist dazu ähnlich positiv eingestellt wie die AfD, nur dass Polen Nettoempfänger ist.

  11. 4.

    Dann bleiben die Tanktouristen in Deutschland und füllen die Kassen zum Verplempern .

  12. 2.

    garnichts muss polen. Und wen interessieren die stabilitätskriterien? Wenn es tatsächlich darauf ankäme, dann hätten z.b. Italien oder Belgien nie in die eurozone eintreten dürfen. Letztendlich war das eine rein politische Frage und wurde auch so entschieden. Soviel zu dem MUSS.

  13. 1.

    Bei der Frage, ob Polen den Euro einführt oder nicht, geht es überhaupt nicht darum, was die Leute wollen oder nicht wollen. Es geht nicht mal darum, was aktuelle Politiker wollen oder nicht wollen. Es geht einzig und allein darum, ob die formalen Voraussetzungen (allen voran die Maastricht-Konvergenzkriterien und die zweijährige Teilnahme am Wechselkurs-Mechanismus) erfüllt sind oder nicht. Und sobald das der Fall ist, muss Polen beitreten.

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