Rüstungskonzern Nammo will Anlage bauen - Genehmigung für Munitionszerlegung löst in Storkow (Mark) Kritik aus

Di 18.01.22 | 19:51 Uhr
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Munitionsentsorgung steht am 14.06.2012 vor den Toren der Nammo Buck GmbH. (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Audio: Antenne Brandenburg | 18.01.2022 | Felicitas Montag | Bild: dpa/Patrick Pleul

Fast drei Jahre lang wurde über den Bau einer Munitions-Zerlegungsanlage mitten im Wald bei Storkow (Mark) gestritten. Nun haben die Behörden grünes Licht erteilt. Doch die Pläne sind umstritten - und die Stadt will dagegen rechtlich vorgehen.

Das Unternehmen Nammo A S mit Sitz im norwegischen Raufoss lagert bereits seit 2003 Raketen, Munition und andere explosive Stoffe in ehemaligen NVA-Munitionsanlagen in der Nähe des Storkower Ortsteils Bugk(Landkreis Oder-Spree). Bis Ende 2018 hatte deren Zerlegung noch in Pinnow (Uckermark) stattgefunden, bis der dortige Standort aus wirtschaftlichen Gründen aufgegeben wurde. Nun soll der Standort Storkow diese Aufgabe übernehmen.

Doch das stößt auf Kritik. "Wir haben uns die Frage gestellt, was passiert eigentlich, wenn es brennt", sagt der Ortsbürgermeister von Bugk, Matthias Bradtke (SPD), im Gespräch mit dem rbb. Er kritisiert, dass unter anderem Angaben zu den Netto-Explosivstoffmassen, also der tatsächlichen Menge an eingelagerter Munition, nicht korrekt seien. Zudem gebe es "Probleme mit den Abstandsflächen", wie er als direkter Anwohner sagt.

Hüllen entschärfter Mini-Bomben aus einer Rakete vom Typ MLRS-M26, aufgenommen am 14.06.2012 in der Munitionsentsorgungsfirma Nammo Buck GmbH. (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Bild: dpa-Zentralbild

Bereits im Sommer vergangenen Jahres hatte der Landkreis Oder-Spree und das Landesumweltamt (LFU) die Genehmigung für die Munitionszerlegung am Standort Bugk erteilt. Erst jetzt wurde der Bescheid öffentlich gemacht und ausgelegt.

"Die Verzögerungen beruhen insbesondere auf einer eingehenden Prüfung der Auslegungsunterlagen mit Blick auf Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse", antwortet Thomas Frey vom LFU auf eine schriftliche Anfrage des rbb. Die Prüfung sei demnach erforderlich gewesen, um einerseits der Öffentlichkeit möglichst umfassende Informationen zur genehmigten Anlage zukommen zu lassen, ohne andererseits schützenswerte Informationen preiszugeben. Innerhalb eines Monats könne nun dagegen Widerspruch eingelegt werden.

Bereits drei Widersprüche eingegangen

"Bei der Widerspruchsbehörde des LFU sind bisher drei Widersprüche eingegangen", bestätigt Frey. Einer davon ist von Matthias Bradtke. Und auch in der Storkower Stadtverordnetenversammlung regt sich Protest.

Bradtke ist auch Vorsitzender der SPD-Fraktion. Diese habe sich eindeutig gegen das Vorhaben ausgesprochen, berichtet er. Das LFU habe dies jedoch ignoriert, sagt die Storkower Bürgermeisterin Cornelia Schulze-Ludwig (SPD) auf Anfrage dem rbb: "Wir haben geklagt gegen das Ersetzen des Einvernehmens der Stadt Storkow und werden jetzt mit unserer zuständigen Kanzlei besprechen, welche Maßnahmen nun zu ergreifen sind."

Bedenken wegen des Wasserverbrauchs

Darüber hinaus gebe es weitere Bedanken, zum Beispiel beim Thema Wasser, so Schulze-Ludwig weiter. Kritiker befürchten einen hohen Wasserverbrauch der Anlage und dadurch eine Absenkung des Grundwassers.

Dem widerspricht jedoch unter anderem Nammo-Chef Christoph Rüssel: "Ich kann sagen, dass wir die Genehmigung haben, um 300 Kubikmeter Wasser pro Jahr zu entnehmen." Im Vergleich sei das jedoch sehr gering, wie er weiter ausführt: "Jeder einzelne Haushalt hat die Genehmigung, acht Kubikmeter pro Tag zu entnehmen." Nach seiner Rechnung seien das knapp 3.000 Kubikmeter pro Jahr.

Untere Wasserbehörde gibt Entwarnung

Auch Pressesprecher Mario Behnke vom zuständigen Landkreis Oder-Spree bestätigt eine solche Einschätzung. Demnach seien Beeinträchtigungen des Grundwassers durch die Munitionszerlegung nach Einschätzung der unteren Wasserbehörde nicht zu befürchten.

Sendung: Antenne Brandenburg, Antenne am Nachmittag, 18.01.2022, 16:40 Uhr

Mit Material von Felicitas Montag

14 Kommentare

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  1. 14.

    Sicher ist die Aufregung zu verstehen. Nur steht im Bericht lediglich was von "Problemen" mit den Abstandflächen. Ob die nun tatsächlich oder eher gefühlt zu gering sind, bleibt erstmal offen. In welchem Umfang es vor dem "brisanten" Hintergund verwaltungsrechtlich vertretbar ist, die Absprachen und ggf. darauf basierende Zusagen vor Informierung der Öffentlichkeit zu machen, kann ich nicht sagen. Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, das die Zusammensetzung und Menge der dort bereits ortsnah lagernden Kriegswaffen ebenso ein Thema gewesen ist, wie die Menge der in der Firma zeitgleich zu verarbeitenden Altmunition. Einen Mengenunterschied dürfte es da schon geben.
    Der Herr Bradtke hat als Anwohner Widerspruch erhoben, was unbestritten sein Recht ist und taucht jetzt dazu in seiner Eigenschaft als OB in der Presse auf, was wiederum "unschlau" ist. Deshalb "Vorgartenpolitik".

  2. 13.

    Relative Begriffe wie Nähe und Abstand in Verbindung mit I-Gegnern und Kröten hört man so auch nicht alle Tage.
    „Wenn eine Kröte, innerhalb des sinnvollen 10H-Abstandes, unter den Fuß eines Spaziergängers rutschen sollte, ohne Entschuldigung“. . dann haben Sie den „Nagel auf den Kopf getroffen“, wenn die Spaziergänger nun zu „Täter*innen“ werden.

  3. 12.

    Man kann die Aufregung Betroffener verstehen, wenn Abstandsregeln nicht eingehalten werden und das Einvernehmen durch das LfU „großspurig“ ersetzt wird, ohne Anhörung und nur weil man es kann lt. Verwaltungsrecht, was zu überarbeiten ist. Das ist der Punkt wo man mit Bürgerbeteiligung schneller werden kann. Jetzt geht wieder der Streit, a la Don Quichotte, los...
    Man kann auch Abstand halten und eine neue Feuerwehr spendieren...;-)

  4. 11.

    Danke, dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Aber solange alle jammern geht es doch alles gut, hat doch auch was ;-)

  5. 10.

    Der Begriff "Restbevölkerung" wurde nicht von mir "kreiert". Er gehört zum allgemeinen Sprachgebrauch - schon länger. Ich muss dieses Lob also leider zurückweisen.

  6. 9.

    Vielleicht hilft Ihnen ein Blick in die jüngere Vergangenheit. Die gleiche Firma Nammo Buck gibt/gab es schon in Pinnow. Die letzte Schlagzeile lautete " 6 verletzte Mitarbeiter bei Nammo Buck". Aber wahrscheinlich endet Ihr Demokratieverständnis auch bei der Wahrung Ihrer eigenen Interessen? Und auch die von Ihnen als "Chaoten" bezeichneten Menschen haben das Recht gehört zu werden.

  7. 8.

    Sie wissen natürlich, dass sie die schweigende Mehrheit sind und sind im Besitz des Steins der Weißen und kennen das alleinig Richtige!
    Hut ab vor soviel demokratischem Sachverstand.

  8. 7.

    Es wird immer eine Stadt in der Nähe einer Munitionsfabrik geben. Immer einen Ort nahe einer Windkraftanlage. Es werden immer Impfpflichtgegner das einzig Richtige torpedieren. Es wird immer eine seltene Kröte Wohnungsbauprojekte stoppen.
    Wundert sich noch jemand, dass im ehemaligen Innovationsstandort Deutschland nichts mehr voran geht, dass der Fortschritt stagniert? Gesellschaftlich geht es sogar bergab. Überall Chaoten. Die laute Minderheit.

  9. 6.

    Kann man in Brandenburg überhaupt noch Arbeitsplätze schaffen, ohne dass Widerspruch eingelegt wird?

  10. 5.

    Und hat der "direkte Anwohner" nicht das Recht seine Bedenken zu äußern? Wie würden Sie sich selber verhalten, wenn auf Ihrem Nachbargrundstück eine Munitionszerlegung aufgebaut wird? Oder sind Ihre Interessen in dem von Ihnen kreierten Begriff "Restbevölkerung" gewahrt? Sie sollten sich mal das Handeln des LFU genauer anschauen. Die Genehmigung wurde erteilt und hinterher informieren wir die Bevölkerung? Das ist fragwürdig und nicht die Bedenken der Betroffenen Anwohner oder der Verantwortlichen der Stadt.

  11. 4.

    Ganz kürzlich habe ich auf t-online über das Problem: Austretendes Nitroglycerin bei weit über 30 000 Patriot Raketen in 5 oder 6 Stützpunkten der Bundeswehr gelesen. Da besteht ein echtes Problem. Wie geht es da weiter ? Die Raketen bezahlte mal der Steuerzahler. Hat da nie jemand hingesehen oder gewarnt ?

  12. 3.

    Also das Zeug lagert bereits im Bereich Storkow und soll da nun auch unschädlich gemacht werden. Der bisherige Platz dafür war Pinnow - Tante Google sagt rd. 250 Km eine Tour. Gegen was ist der OB? Dagegen, das die "Restbevölkerung" vor den Gefahren eines unnötig werdenden Gefahrguttransportes geschützt wird? Brennen kann es auch am bisherigen Lagerplatz. Klingt doch sehr nach "Vorgartenpolitik" - ach ja ... direkter Anwohner.

  13. 2.

    Besser wäre natürlich die Munition würde gar nicht produziert. Aber offenbar gibt es in Deutschland bisher nicht ausreichend Kapazitäten ausgemusterte Munition fachgerecht zu entsorgen. Geschweige denn all die hier immer noch rumliegende Munition der Weltkriege zeitnah zu beseitigen.
    Ich wünsche den Entsorgern viel Erfolg dabei ihr Vorhaben umweltfreundlich und für alle sicher umzusetzen. Denn zumindest die immer gefährlicher werdende Altmunition sollte möglichst schnell entsorgt werden.

  14. 1.

    Interessant, dass der Neubau einer Zerlegungsanlage wirtschaftlich günstiger sein soll als der Weiterbetrieb vorhandener Anlagen wie in Pinnow. Ohne blinde Vergabe von Fördermitteln ist das kaum zu erklären.

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