Baumrodungsfahrzeuge stehen im Wald in Grünheide bereit. Quelle: rbb/Marie Stumpf
Audio: Antenne Brandenburg | 14.02.2020 | Franziska Hoppen | Bild: rbb/Marie Stumpf

Hintergrund zu VLAB - Warum ein Verein aus Bayern bei Tesla mitmischt

Neben der Grünen Liga Brandenburg hatte auch ein in Bayern ansässiger Verein mit einem (mittlerweile abgelehnten) Eilantrag versucht, die Baumfällungen für das Tesla-Werk in Grünheide zu stoppen. Warum? Hintergrund von Franziska Hoppen

Ein Verein aus Bayern hat am Freitag den sofortigen Stopp der Baumfällungen auf dem Tesla-Gelände gefordert. Der Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern (VLAB) spricht gegenüber rbb|24 von einer "überfallartig begonnenen Rodung" eines "für den Klima- und Artenschutz wichtigen Waldgebietes" in Grünheide im Brandenburger Landkreis Oder-Spree. Er reichte beim Verwaltungsgericht Frankfurt einen Eilantrag ein - der am Abend abgelehnt wurde.

Teil der energiewende-kritischen Initiative Vernunftkraft

Doch warum fühlt sich ein bayerischer Verein bei Waldrodungen in Brandenburg zuständig? Der Verein mit Sitz in Erbendorf in der Oberpfalz gehört nach eigenen Angaben zur Initiative Vernunftkraft, einer bundesweiten Vereinigung aus mehr als 500 Initiativen, Vereinen und Privatpersonen. Der erste Vorsitzende von Vernunftkraft, Nikolai Ziegler, ist auch Mitglied im VLAB.

Die Energiewende sehen sie kritisch. Auf der Website von Vernunftkraft heißt es: "Gemeinsam treten wir der Naturzerstörung im Namen eines vermeintlich ökologischen Umbaus der Energieversorgung entgegen. Denn die gegenwärtige Energiepolitik ist weder ökologisch noch alternativlos."

Leugnung des menschengemachten Klimawandels

Axel Kruschat, Landesgeschäftsführer des BUND, sieht Vernunftkraft nicht als Verbündeten. Für ihn gehört die Initiative zur "Anti-Energiewende-Szene". Er sagt gegenüber rbb|24: "Hinter Vernunftkraft steht oft eine unverhohlene Leugnung des menschengemachten Klimawandels. Viele falsche Informationen werden über die Energiewende verbreitet", sagt Kruschat.  

Das lässt sich auch durch Aussagen der Mitglieder belegen. So beschrieb Peter Geisinger, Mitglied von Vernunftkraft Odenwald, die Energiewende in einem Vortrag bei der AfD-Bundestagsfraktion als "totalitäres Projekt". 

Zweistellige Zahl an Mitgliedern auch in Grünheide und Umgebung

Der VLAB-Vorsitzende Johannes Bradtka betont, dass sein Verein überparteiisch sei. Es gebe deutschlandweit rund 9.000 Mitglieder, "eine zweistellige Zahl auch in Grünheide und Umgebung", sagt Bradtka rbb|24. Dort seien Mitglieder des Vereins auch in der Bürgerinitiative gegen Tesla aktiv. Man tausche sich aus.

Die Bürgerinitiative hatte angekündigt, künftig keine Demonstrationen mehr gegen die Pläne des US-Autobauers Tesla zu organisieren. In der Vergangenheit habe man vermehrt rechte Tendenzen bei den Demos bemerkt. Johannes Bradtka begrüßt diese Entscheidung. "Das war ein wesentlicher Grund für uns, auch weiterhin mit Leuten der Bürgerinitiative zusammenzuarbeiten. Wäre das nicht passiert, hätten wir uns distanziert. Wir wollen und dürfen uns nicht für politische Zwecke hingeben", sagt er.

Rodung geht weiter

Die Rodungen schreiten derweil voran: Nach Angaben der Staatskanzlei fällt ein Bauunternehmen im Auftrag von Tesla derzeit mit 29 Harvestern und sechs sogenannten Rückern Bäume. Die Firma rechnet damit, die 90 Hektar innerhalb der kommenden beiden Wochen komplett roden zu können.

Damit lägen sie innerhalb der erlaubten Frist bis zum 1. März; danach ist das Fällen von Bäumen laut Bundesnaturschutzgesetz verboten. Die Baumstümpfe könnten auch noch nach diesem Datum aus dem Erdreich entfernt werden, hieß es. Tesla kümmert sich später um den Verkauf des geschlagenen Holzes und erhält auch den Erlös.

Beitrag von Franziska Hoppen

16 Kommentare

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  1. 16.

    Hmmm, Welt des Ökostroms. Sind sie sicher, dass sie die Erde meinen, oder als noch grösseren Lacher, gar Deutschland?
    Hier wohnen die politischen Verhinderer des Ökostroms. Die dreckigsten und ältesten Braunkohlekraftwerke sollen bis 2038 weiterlaufen. Und die Löcher in der Lausitz werden auch weiter wachsen, und noch einige Dörfer fressen.
    Hier wird ihnen geholfen... ht tps://youtu.be/6KmFvdSqyDo (leerzeichen entfernen)

    Das mit dem Straßenverkehr wird sich selber regeln, solange keine neuen Straßen gebaut werden. Das mit den Fahrenden Heizungen (PKW/LKW), bei denen nur 30% des eingesetzten Kraftstoffes (Benzin/Diesel) der Fortbewegung dient,sollte man ganz schnell unterlassen. Vor allem wird deren CO2-Rucksack mit jeder Fahrt grösser.

  2. 15.

    Zunaechst: Ich wohne in Fremont/CA ganz nahe am Tesla-Werk, fahre seit 9 Jahren elektrisch und bin Wissenschaftler. Die Vorstellungen ueber moderne elektrische Fahrzeuge sind manchmal etwas abwegig. Ein Tesla 3 hat einen umgerechneten Verbrauch von etwa 1,6l/100km im Stadtverkehr (sonst um 2l/100km)! Kleinere Fahrzeuge haben einen unwesentlich geringeren Verbrauch, da nur der relativ geringe Rollwidertand etwas besser ist. Der Luftwiderstand beim Tesla ist sehr gering und die bei Beschleunigung/Bergauffahren verbrauchte Energie wird im Gegensatz zum Diesel (bis auf Verluste durch Luftwiderstand/Energieumwandlung) wieder zurueckgewonnen. Die meisten Leute hier (auch ich) haben zu Hause kleine Ladestationen mit etwa 4kW Anschlussleistung, die fuer den ueblichen Betrieb voellig ausreichen. Eine Schnelladestation braucht man nur fuer Langstrecken, aber die sollte man sowieso mit der Bahn zuruecklegen.

  3. 13.

    Danke, dass Sie auf diesen Pseudo-Naturschutzverein aufmerksam machen. Dieser Verein ist durch seine bundesweite Anerkennung berechtigt, auch in Brandenburg mitzusprechen. Hauptziel des Vereins ist tatsächlich der Stopp der Energiewende. Er beschäftigt einen Anwalt, der landauf landab Windkraftprojekte beklagt. Armin Brauns heißt dieser Herr, er sitzt auch im Beirat des VLAB, siehe Webseite des Vereins. Ich habe mehrfach Belege für meine Aussagen.

  4. 12.

    Nochmals und immer wieder: Große amerikanische Autos können hier keine Perspektive haben. Egal ob die nun TESLA oder anders heißen. Ein e-Reisemobil passt nicht in die Welt des Okostromes. Deshalb werden kleinere Autos mit nicht zuviel vefürerischer Reichweite dominieren. Etwa um zur Arbeitsstelle im näheren Umkreis zu fahren. Das spart auch Ladestationen. Ein klug ausgebauter ÖPV in Verbindung mit dem ICE-Fernverkehr rundet dann alles ab.

  5. 11.

    "Vernunftkraft". Das wahrscheinlich so wie mit Ländern die "Demokratisch" im Namen tragen.

  6. 10.

    Alle jammern über Fachkräftemangel, aber für den Autobau werden Arbeitskräfte verplempert. Das darf nicht sein. Fachkräfte werden für wichtigere Aufgaben gebraucht: U-Bahn+Tram+Bus+Zugrahrer, Zugbegleiter, Fahrdienstleiter. So kann man die Transportbedürfnisse ökologischer, sicherer und wirtschaftlicher bewältigen. Gut, daß die Rodung gestoppt wurde. Ich hoffe, die Tesla-Fabrik wird verhindert und die Ak stehen für ordentliche Aufgaben zur Verfügung.

  7. 9.

    Ich denke, Der VLAB-Vorsitzende Johannes Bradtka bekommt ein Gehalt in BMW

  8. 8.

    Danke, für die hilfreichen Informationen. Bei all dem Für und Wieder, grosse Autos - kleine Autos, sind mir bei derTesla-Fabrik, die vielen tausend Arbeitsplätze in der Hauptstadtregion, sehr sehr wichtig. Die Einwohnerzahlen von Berlin und dem Umland steigen und die Menschen brauchen auch in Zukunft neue und moderne Arbeitsplätze. Also nochmal Danke.

  9. 7.

    Eien e-Up! von 2013 mit seiner kleinen Batterie war für 25.000 € nicht marktfähig. Erst mit zunehmender Nachfrage und staatlichen Subventionen kam der i3 auf nennenswerten Stückzahlen. Tesla folgte nur der Strategie wie das vorher auch bei anderen Dingen wie Airbag oder ABS gewesen ist. Zuerst wird der Markt mit dem Model S mit der größten Preiselastizität in eher kleineren Stückzahlen bedient bzw. sogar erst geschaffen. Danach kommt mit Etablierung des Produktes der Markt eine Stufe tiefer mit dem Model 3 an die Reihe. Es kommen durch Skaleneffekte gesunkene Preise zum Tragen. Nebenbei ist das Model X ein "Compact SUV" und das Model X ein "Mid-Size-SUV". Ich bezweifle, dass Tesla als US-Amerikanische Firma sich auf absehbare Zeit mit kleineren Fahrzeugen abgeben wird. Die Firma profitiert dabei auch von einer anderen Einstellung der Aktionäre. Bei Ford, VW, PSA ... wird eher auf die Dividende und eine nachhaltige Kursentwicklung gesetzt während Tesla eher als Start Up behandelt wird.

  10. 6.

    Naturschutz vernichtet im Osten gerne Arbeitsplätze und verlagert die nach Süddeutschland oder ins Ausland. Klappt zum Glück, hier bei Tesla nicht. Nur die Brandenburger Gerichte, freuen sich. Immer schön weiterklagen !!!

  11. 5.

    Der VLAB hat versucht, tausende Arbeitsplätze in Brandenburg zu verhindern. Nicht mehr und nicht weniger !!! Und ihre ach so edlen Ziele Windräder, Stromtrassen, Photovoltaik,......., verschandeln schon ganz Brandenburg. Wo keine Industrieansiedlungen sind und damit ein Einwohnerrückgang beginnt, kommen nämlich Windkraftanlagen, Stromtrassen, Solaranlagen, Landwirtschaft mit Monokulturen und andere Öko-Argumente. Klage ist abgewiesen, Danke.

  12. 4.

    Der VLAB ist ein Verein für Landschaftspflege und Artenschutz i n B a y e r n
    Sein Ehrenpräsident Prof. Josef H. Reichholf sagt:
    "Wir brauchen einen Verband, der wirklich Naturschutz will und ihn nicht für andere Zwecke ge- oder gar missbraucht ..."
    Andere Vereine dürfen sich also aussuchen, ob sie sich etwa gegen diese edlen Ziele stellen. Gegen Windräder, Photovolatik, Stromtrassen .... und wer da nicht mitmacht, ist dagegen. Was für eine arrogante Haltung eines Lehrstuhlinhabers. Dem BUND müßte da doch die Galle hochkommen.

  13. 3.

    Mir wäre natürlich auch lieber, Tesla würde in Grünheide, kleinere E-Autos bauen, aber der Kunde ist im Augenblick auch ganz wild auf große SUV,s. Schauen Sie selbst, wie in den letzten Jahren, der Anteil großer Fahrzeuge im deutschen Straßenverkehr, zugenommen hat. Ob Lkw,s, Transporter, Kombis, oder SUV,s, alles große Spritfresser. Das ist garantiert in Oder-Spree und MOL genau so. Da ist Tesla nicht nur Schuld, sondern der Autokäufer.

  14. 2.

    Habe ja nichts gegen Teslaautos; wenn die sich am Markt behaupten ist es eben so. Wer wie ich heute die Ausführungen des Bundespräsidenten verfolgt hat, der wrd einen Satz nicht vergessen; er führte totrüsten an; in einer Welt voller Spannungen. Es ist wie im kalten Krieg und nun aber ist China mit dabei. Wer kann noch ruhig schlafen und von einem E-Auto träumen wenn ganz andere Bedrohungen wie ein Gewitter erkennbar sind ? Warum sind Tiere intelligenter als Menschen ?

  15. 1.

    Klage abgelehnt. Gut so. Tesla kann weitermachen und dann bald die E-Auto- Fabrik bauen.

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