Tesla Baustelle im Winter
Audio: Antenne Brandenburg | 02.02.2021 | Michel Nowak | Bild: Philipp Barnstorf/rbb

Tesla-Gelände in Grünheide - Subventionen für Batteriezellen-Fabrik bestätigt

Die geplante Batteriezellen-Fabrik von Tesla in Grünheide soll massiv gefördert werden. Die Rede ist von einem einstelligen Milliardenbeitrag. In der vergangenen Woche sprach Wirtschaftsminister Altmaier von einer bahnbrechenden Investition. Von Michel Nowak

Tesla soll für den Aufbau seiner geplanten Batteriezellen-Fabrik in Grünheide (Oder-Spree) vom Bund kräftig mit Subventionen bedacht werden. Das berichtete das Wirtschaftsmagazin "Business Insider" unter Berufung auf Regierungskreise.

Konkrete Angaben, wie hoch die finanzielle Unterstützung tatsächlich ausfallen könnte, machte das Bundeswirtschaftsministerium am Dienstag noch nicht. Auf rbb-Nachfrage teilte eine Sprecherin mit, es gebe "aktuell keine finale Fördersumme für einzelne Projekte". Sicher ist aber, dass Tesla für die geplante Batteriezellenfertigung am Standort voraussichtlich erhebliche Fördermittel in Anspruch nehmen kann.

Zehn Milliarden Euro für zwölf verschiedene Unternehmen

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte Ende Januar mitgeteilt, dass die Europäische Union in Deutschland für Forschung und Entwicklung von Batteriezellen sowie den Aufbau von Produktionsstätten rund drei Milliarden Euro zur Verfügung stellt. Die Investition von weiteren zehn Milliarden Euro am Standort Deutschland soll damit angestoßen werden. An insgesamt zwölf verschiedene Unternehmen soll das Geld fließen. Die prominentesten sind BMW und Tesla. "Mit der Ansiedlung von Tesla in Grünheide werden wir unserem Ziel ein gutes Stück näherkommen, in Europa etwa 30 Prozent der Batteriezellproduktion weltweit zu realisieren", so Altmaier.

Neue Akkus sollen umweltfreundlicher sein

Bahnbrechend sei das Engagement von Tesla in Grünheide auch im Hinblick auf die Batteriezellenfertigung, so Altmaier weiter. Umweltfreundlicher in der Herstellung sollen die neuen Akkus sein. Zudem sollten sie eine deutlich größere Reichweite von Elektroautos ermöglichen. Wenn der US-Konzern vor diesem Hintergrund selbst drei bis vier Milliarden Euro investiert, scheint eine zusätzliche Milliardenförderung gemäß den geltenden Richtlinien durchaus möglich.

Vorsprung Asiens soll kleiner werden

Durchaus hörbare Kritik an dieser hohen Summe für ein amerikanisches Unternehmen verblasst für die Verantwortlichen vor dem großen Ziel der Energiewende. Deutschland und Europa haben tatsächlich Nachholbedarf beim Knowhow für eine saubere Energie-Zukunft. Viele asiatische Länder verfügen über einen deutlichen Wissensvorsprung – etwa bei der Fertigung von hochmodernen Batterien. Diesen Rückstand will die Europäische Union nach Worten von Bundeswirtschaftsminister Altmaier aufholen. Auch mit Hilfe von amerikanischen Unternehmen, die sich in Deutschland ansiedeln. Denn von Importen aus Fernost will die EU bei der Energiewende möglichst unabhängig sein.

Sylvia Tiegs und Peter Altmaier (Bild: Dieter Freiberg)Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier.

Schwerpunkt: Forschung und Entwicklung

Zentral für die Vergabe der Fördermittel soll die weitere Forschung an Batteriezellen sein. Das betonte Andrea Beyerlein, Sprecherin des Brandenburger Wirtschaftsministeriums, das für einen Teil der Förderung mitverantwortlich ist. Eine entsprechende Koppelung an die weitere Entwicklung der Batteriezellen-Technologie werde es geben. Tesla hatte bereits vor mehr als einem Jahr angekündigt, in der Region Berlin-Brandenburg zusätzlich ein Forschungs- und Entwicklungszentrum zu errichten. Auch Helmut Barthel, wirtschaftspolitischer Sprecher der Brandenburger SPD-Landtagsfraktion, sieht die Förderung als sinnvoll an, „wenn die Voraussetzungen gegeben sind.“

Bisher plant Tesla die künftige Batteriezellen-Fabrik allerdings noch. Ein konkreter Antrag ist bei den zuständigen Behörden bisher nicht eingegangen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 02.02.2021, 14:40 Uhr

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Beitrag von Michel Nowak

14 Kommentare

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  1. 14.

    Der Mittelstand ist nichts mehr wert. Gefördert werden nur Giga Unternehmen deren Wert in Zahlen ausgedrückt, sich kein normaler Mensch mehr vorstellen kann. Die Rechte derer, die nicht über Milliarden verfügen oder in den oberen (auch politischen Kreisen) wandeln, werden im Turbo Kapitalismus ignoriert. Dafür wird mit großen Worten erklärt, was für die gemeine Bevölkerung und für den Umweltschutz richtig wäre. ... da fällt mir gleich der Kommentar ein, mit dem Vorschlag die Grünheider zu enteignen. Wir sind wohl nicht mehr weit weg davon, dass jedem max zehn qm zugestanden werden. Aber vielleicht ist “Josti“ aufgrund guter Kontakt oder finanzieller Mittel nicht davon betroffen und darf sich ein Haus im Grünen leisten... Unterstützt mit den Milliarden der Steuerzahler....

  2. 13.

    Das Gastgewerbe kann bis zu 75% des Umsatzes vom Vorjahresmonat an Corona-Hilfe erhalten. Im Frühjahr wurden dafür eine Mrd. ausgezahlt. Dass die Corona-Unterstützung aus einem Topf von 25. Mrd. u.a. viel zu langsam ausgezahlt wird, ist durchaus ein diskussionswürdiges Thema, hat aber nichts mit diesem Artikel zu tun.

    Gut eine Mio. sozialversicherugnspflichtig versichert gab es laut Statista im Gastgewerbe, die DeHoGa geht von insgesamt knapp 2,5 Mio. Beschäftigen einschl. Inhabern, Familienangehörige etc. aus. Im Einzelhandel gibt es knapp 3,5 Mio. Beschäftigte. Was kommt da an Förderung für den einzelnen Arbeitsplatz an, wenn man das wie von Ihnen vorgeschlagen anders verteilen würde?

  3. 12.

    Wird von Befürwortern des E-Autos nicht immer ständig behauptet, dass die Technologie dem Verbrenner wirtschaftlich und technologisch ueberlegen ist?

    Warum muss sie dann so stark subventioniert werden?

  4. 11.

    Sie haben die alten Grundsatzdiskussionen schon wieder vergessen: "Irgend eine neue finanzielle Einnahmequelle schafft sich der Staat" Z.B. indem er neue Arbeitsplätze fördert, so dass sich die Einnahmesituation verbessert. Brandenburg als Agrarland, wie sie es gerne hätten, wäre finanziell nicht überlebensfähig.

  5. 10.

    Die Fördergelder fließen i.d.R. nach getätigter Investition.
    Das Argument mit den "Milliarden auf dem Konto" kam hier schon häufiger. Dumm nur weiterhin, dass Musk
    a) zwar in Tesla investiert hat, damit aber mit rd. 20% Firmenanteilen nicht allein dasteht,
    b) keine Milliarden auf dem Konto hat, sondern Aktion in den Büchern stehen.

    Auch die geförderten Projekte der Vergangenheit wurden hier im Rahmen der diversen Grundsatzdiskussion immer wieder erwähnt,. Dabei wurde aber ausgeblendet, dass Tesla ein bereits am Markt etabliertes Produkt im Industriegebiet Freienbrink produzieren möchte, bei dem es ein generelles Kapazitätsproblem bei der Fertigung gibt.

  6. 9.

    Das Investoren vorab planen und kalkulieren müssen, überrascht vor allem Menschen, die unter der SED sozialisiert worden sind. Dazu gehört auch die grundsätzliche Bestätigung einer Förderung.

    Man könnte mit den Steuergeldern z.B. wie die ILB in 2019 für 1,80 Mrd. Euro (davon 0,8 Mrd als Kredit) knapp 1800 neue Arbeitsplatze fördern.

  7. 8.

    Vor kurzem wurde berichtet, dass die Batteriefabrik angeblich 1000 weitere Arbeitsplätze bringt. Und dafür also Mrd. starke Förderung? Für einen Bruchteil könnte man 10-tausende Arbeitsplätze im Einzelhandel und der Gastronomie erhalten. Den genau da funktioniert die versprochene Corona-Unterstützung nicht und die Leute gehen Bankrott. Mir wäre dies wesentlich lieben als dem reichsten Mann der Welt das Geld hinterher zu schmeißen. Der braucht keine Förderung und würde die Fabrik auch ganz ohne Förderung bauen.

  8. 7.

    Tram 88, die internationale Fachwelt? A. N. wird das erklären, wie Steuergelder, Ihre und meine, verbrannt werden.
    Und, Johannes, der Wähler denkt nicht an Tesla.
    Irgend eine neue finanzielle Einnahmequelle schafft sich der Staat. Kein Verantwortlicher zieht Schlussfolgerungen aus den Kommentaren hier vom RBB. Noch nicht mal von vorgenannten A. N.

  9. 6.

    Die Geldsumme unterstreicht wie wichtig der Bundesregierung diese Schlüsseltechnologie ist. Ohne moderne Speichertechnik keine Energiewende und keine Zukunft für die deutsche Autoindustrie.
    Gut, es betrifft Europaweit rund 30 Unternehmen, also keine LEX-Tesla. Gut ist, dass es an den Aufbau von Entwicklungskapazitäten geknüpft ist, um verlängerte Werkbänke zu verhindern.
    Außer großen Ankündigungen von Tesla ist noch kein Bauantrag gestellt. Also muss hier gründlich geprüft werden, bevor Mittel fließen.

  10. 5.

    Genau darum geht's. Herrn Tesla wird noch Geld hinterhergeworfen und die Renten in Deutschland werden doppelt besteuert. Eine Schande.

  11. 4.

    Familie Quandt und Herrn Musk wird es freuen. Sie haben die Fördermittel auch bitter nötig.
    Aber bei der Impfstoffbestellung knausern (EU).

  12. 3.

    Als die Meldung mit Tesla und Brandenburg im letzten Jahr aufkam, hatte ich überlegt, wieviel Geld muss da eigentlich geflossen oder versprochen worden sein. Jetzt ist die Katze aus dem Sack. Die Erfahrungen mit Investoren aus den 90er und Nuller Jahren im Osten Deutschlands hat man offensichtlich ausgeblendet. Einem Unternehmer mit Milliarden auf dem Konto noch Steuergelder hinterher zu werfen...ich hoffe die Wähler merken sich das.

  13. 2.

    ....hoffentlich wird es keine einbrechende Investition.

  14. 1.

    Milliarden für eine noch nicht genehmigte Batteriefabrik. Eigentlich war die angedachte Förderung für deutsche oder europäische Projekte vorgesehen um den Abstand zu USA und Asien zu verkleinern; zu kompensieren. Tesla hat sich nun auch beworben und kassiert für etwas was noch nicht da ist und auch noch nicht genehmigt ist. Deutsches Steuergeld. Was könnte man noch damit anfangen ? Es ist doch so, dass TESLA seine Autos verkaufen muss- mit Akku. Wer kontrolliert das alles was jetzt zu kontrollieren wäre. Bin gespannt was die internationale Fachwelt dazu sagt.

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