Infrastruktur-Ausschuss des Landtags - Brandenburger Verkehrsminister verteidigt Bahnhofsverlegung wegen Tesla-Werk

Der Bahnhof Fangschleuse (Quelle: imago images/Bernd Friedel)
Audio: Antenne Brandenburg | 19.02.2021 | Infrastrukturminister Guido Beermann | Bild: imago images/Bernd Friedel

Der Brandenburger Verkehrsmninister Guido Beermann (CDU) hat am Donnerstag im Infrastruktur-Ausschuss des Landtags die Entscheidung, den vollständigen Neubau des Bahnhofs Fangschleuse (Oder-Spree) verteidigt. Der bisherige Bahnhof an der Strecke Berlin-Frankfurt (Oder) soll wegen Tesla verlegt werden.

Die Station entsteht in unmittelbarer Nähe zum geplanten Tesla-Werk in Grünheide. Die Kosten für die Verlegung beliefen sich auf rund 50 Millionen Euro und sollen aus öffentlichen Mitteln finanziert werden.

Beermann: Verlegung, statt Shuttleverkehr

Im Infrastruktur-Ausschuss kritisierte unter anderem die Linke, dass der US-Konzern den Bau nicht mitfinanziert. Für Minister Beermann gehört die Errichtung des Bahnhofs aber zu den öffentlichen Infrastruktur-Aufgaben. Sie sei auch in dieser Größenordnung zwingend erforderlich, sagte er. "Die Entscheidung zur Verlegung des Bahnhofs Fangschleuse erfolgte vorrangig aus verkehrlichen Gesichtspunkten", sagte Beermann. "Nur am neu ausgewählten Standort ist eine Anbindung an den ÖPNV unter Nutzung des wachsenden Verkehrsangebotes auf der Strecke Berlin-Frankfurt (Oder) für den deutlich größeren Verkehrsanteil mit Bezug zum Tesla-Werk möglich." Darüber hinaus könne mit der Verlegung zusätzlichen Shuttleverkehr, etwa mit Bussen, vermieden werden.

Der Bahnhof soll unter anderem einen 80 Meter langen Fußgängertunnel erhalten. Die bisherige, historische Bahnstation Fangschleuse soll dann nach dem Neubau stillgelegt werden.

Tesla baut eigenen Werksbahnhof

Tesla plant außerdem auf seinem Werksgelände einen eigenen Werksbahnhof. Neben Gütern sollen dort auch Beschäftigte per Zug direkt zum Arbeitsplatz kommen können. Zu dem Vorhaben sagte Beermann im Ausschuss: "Der von Tesla avisierte Werksbahnhof ist lediglich auf einen Shuttleverkehr von Erkner oder einem anderen Bahnhof aus Berlin ausgerichtet. Der Shuttleverkehr wäre kein vom Land Brandenburg bestellter, öffentlicher Verkehr, sondern ausschließlich den MitarbeiterInnen von Tesla vorbehalten."

Deshalb liege auch die komplette Finanzierung bei Tesla, so der Minister. Da der Werksbahnhof ausschließlich Tesla-Mitarbeitern vorbehalten sein soll, sei dies für den wachsenden, zusätzlichen Verkehr im Umfeld der Autofabrik zwingend notwendig.

Zählstellen als Verkehrskontrolle

Rund um die geplante Tesla-Fabrik lässt das Verkehrsministerium zudem im Sommer elf Zählstellen an verschiedenen Landesstraßen sowie der Autobahn 10 aufstellen. Damit solle unter anderem Schadstoff- und Lärmbelastungen gemessen werden. Die Zählstellen sollen zwischen LKW und PKW unterscheiden können. Des Weiteren könne mit den Geräten auch überprüft werden, ob der Schwerlastverkehr, der über die Autobahn 12 kommt, kürzere Routen über Spreenhagen wählt, um der Maut zu entgehen. Sollten Messungen dies nachweisen, könnten neue Anordnungen im Verkehrsrecht folgen.

Schon jetzt gibt es Überlegungen, im Umfeld der geplanten Elektroauto-Fabrik zusätzliche Geschwindigkeitsbegrenzungen und Auflagen für den Schwerlastverkehr zu erlassen. Tesla selbst hat mit dem Bau einer provisorischen Autobahnabfahrt auf eigene Kosten begonnen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 19.02.2021, 07:30 Uhr

13 Kommentare

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  1. 13.

    Noch was, was machen denn die Fahrgäste die bislang am Fangschleuse ausgestiegen sind ? Die Fahren dann bis Erkner und laufen zurück ? Das bedeutet das aus der Öffentlichen Hand unweigerlich ebenfalls ein Angebot Organisiert werden muss. Sicherlich ist es erst mal Naheliegend bei solch einen großen Vorhaben die ÖPNV daraus auszulegen. Aber hierzu muss man erst mal es schaffen ihn attraktiv zu machen. Vom Angebot und vom Preis. Bisher Fördert man nur den Autoverkehr und im Vergleich zum ÖPNV schneidet dieser Zeitlich wie auch von den Kosten besser ab. Die Gründe liegen vor allem daran das man die Autofahrer nicht an den Versteckten Kosten teilhaben lässt. Beim ÖPNV gehen die Preise immer weiter noch oben. Altbekannte Problem, die sich nur auf Bundesebene lösen lassen. Aber das will man nicht!

  2. 12.

    Herr Neumann, wo die Batteriefabrik hinkommt, das gibt Tesla vor und Brandenburgs Führungsclique sagt zu allem „Ja und Amen!“ Die Salamitaktik, die hier in Freienbrink stattfindet, ist nur als verantwortungslos einzustufen. Vor`m ersten Spatenstich hätte das Ausmaß des Projektes klar sein müssen und welche Folgen für die Region von der Industrieansiedlung zu erwarten sind. Es sind nicht nur rein wirtschaftliche Aspekte zu berücksichtigen. Der Herr Steinbach ist durch die Wahl nicht bevollmächtig, wie er stetig prahlt, in geheimen konspirativen Sitzungen gegen den Willen der Bevölkerung einen Ausverkauf von Brandenburgs Landschaften vorzunehmen.
    Mir ist übrigens klargeworden, warum der Visionär seine Marsaktivitäten vorantreibt. Wenn er mit Grünheide fertig ist, dann wird das Leben auf dem Mars im Vergleich zu Grünheide die reinste Idylle. Zum Höhepunkt der E-Mobilität wird die Erde so aufgeheizt sein, dass man hier keine Lebensgrundlage mehr vorfindet. Der Visionär muss es ja wissen.

  3. 11.

    Und wieder Ihre haltlosen Behauptungen: Soweit bisher bekannt, ist die Batteriefabrik im Industriegebiet Freienbrink Nord geplant. Dwr Ausbau der Strassen ist auch hier schon lange bekannt und der Flächenbedarf dafür mehrere hundert km² kleiner als die Tagebau in der Lausitz. Die EE-Anlagen sind unabhängig von Tesla im Gespräch etc. Wie groß glauben Sie würde das Klärwerk werden? Mehrere tausend ha, damit Ihr Vergleich zur Lausitz nicht mit einem Beine hinkt, während das andere amputiert wurde und er beide Arme in Schlingen trägt?

    Dass Sie die Podiumsdiskussion zügig verlassen hatten, verwundert mich nicht. Die realen Fakten dürften Sie zu sehr gestört haben, da die Ihren Dystopien immer wieder widersprechen und Ihre Halbwahrheiten oder Lügen wie neulich zu den Grundstückspreisen entlarven helfen.

    Bezeichnend allein schon die erneute Erwähnung der Rettungszentrale, für die lange vor Tesla eine Fläche im GVZ reserviert wurde, sie die aber dummdreist Tesla zuordnen.

  4. 10.

    Herr Neumann hören sie auf mit ihren demagogischen Behauptungen. Sie wissen genau, dass es nicht bei den 300 ha bleibt. Bei der Podiumsdiskussion des Friedrich-Ebert-Stiftung hat der Wirtschaftsministers angekündigt, dass noch viel mehr folgen wird und die Grünheider sollen in Zukunft gefälligst stolz auf ihr neues Tesla-Betonmonument sein. Im Gespräch sind außer den noch verheimlichten Objekten:
    weltgrößte Batteriefabrik
    überdimensionales Umspannwerk
    Windparkanlagen von Kienbaum
    Solarfeld Kienbaum,
    kilometerlange Stromtrassen durch den Wald,
    Klärwerk mit Anschlusstrassen,
    Gaswerk mit Anschlusstrassen,
    neue Straße L386,
    Verbreiterung der L38 und der L23
    neue Autobahnabfahrt
    Umbau der alten Autobahnauffahrt
    Umverlegung des Bahnhofs Fangschleuse und Anschluss an L23
    neue Parkplätze
    Erweiterung des Schienennetzes und neuer Teslabahnhof
    neues Radwegenetz
    neue Rettungspunkt
    usw. usw. der Flächenverbrauch geht weiter durch Ausbau der umliegenden Orte

  5. 9.

    Sie unterliegen gleich einem doppelten Denkfehler: Wenn die Parkplätze nur für eine Schicht ausreichen, fehlen zum Schichtwechsel die gleiche Zahl an Parkplätzen. Schließlich wird die Produktion nicht länger gestoppt, weil die erste Schicht erst die Parkplätze verlassen muss, damit die Nachfolgeschicht anreisen kann. Auch durch knappe Parkplätze wie von Ihnen ausgeführt kann man die Mitarbeiter zur Nutzung des ÖPNV drängen.

    Zudem ist laut Verkehrsgutachten die Verlegung des Bahnhofes erst im Rahmen des weiteren Ausbaus des Werkes vorgesehen.

  6. 8.

    Am jetzigen Haltepunkt ist der Platz gleich in mehrfacher Hinsicht knapp: Die Bahnsteige sind zu kurz für die lange vor Tesla ausgeschriebenen neuen Züge des RE1. An der jetzigen Stelle ist deren Länge aber durch den Bahnübergang auf der einen Seite und den Ausweichgleisen auf der anderen begrenzt. Die Ausweichgleise sind zudem zu kurz für die heute üblichen 740m-Güterzüge. Es stehen deshalb schon länger größere Maßnahmen auch an diesem Bahnhof auf der politischen Agenda. Dank Tesla erfährt dabei nur diese Bahnhof grösseren medialer Aufmerksamkeit, obwohl auch andere Bahnhöfe umgebaut werden müssen oder auch niveaufreie Bahnübergänge auch andernorts angedacht sind.

  7. 7.

    Die angedachte Verlegung des Bahnhofs ist mindestens seit vergangenem Winter bekannt wie auch die Kostenteilung für diese Maßnahme erst vor kurzem auch bei RBB24 thematisiert worden ist. Ihr Kommentar strotz deshalb nur vor gespielter Ahnungslosigkeit.

    Das gilt übrigens auch für die Grundstückspreise im GVZ. Zu welchem Kurs das Land dort die von der öffentlichen Hand voll erschlossenen Flächen verkauft, hatte die Linke auch kommuniziert, was bei älteren Artikel ebenfalls diskutiert worden ist. Ihre neulich genannten und wie üblich unbelegten Phantasiepreise lagen deshalb in keinster Weise überraschend viel zu hoch.

    Entlarvend wie gewöhnlich auch, dass Sie dieses 3 km² grosse Industriegebiet mit der Lausitz vergleichen. Die LEAG betreibt derzeit noch Tagebau mit einer Fläche von über 200 km², die entstehende Seenlandschaft ausgelassenen Tagebaue ist über 140 km² groß.

  8. 6.

    Warum Bahnhof verlegen. Am Werk des Vorhabenträgers sind 3000 Mitarbeiterplätze vorgesehen. Das reicht für eine Schicht. Welcher Tesla-Mitarbeiter kommt denn dann mit dem Zug? Schaun ma mal.

  9. 5.

    Bisher war ich der Meinung beim "Peter-Prinzip" handelt es sich um Satire. Das war anscheinend ein Irrtum. Brandenburger Politiker beweisen, dass Laurence J. Peters Gesellschaftsanalyse richtig ist. Was will man auch von einem Minister erwarten, der auf Grund seiner Vorbildung keine Ahnung von den Abläufen in der Natur und von Verkehrsplanung hat. Statt des Investitionsbeschleunigungsgesetzes, das zur weiteren Entmündigung der Bevölkerung dient, hätte man ein Kompetenznachweisgesetz für Politiker beschließen sollen. Ich habe mir gestern eine Stunde lang(länger war nicht auszuhalten) die Podiumsdiskussion der Friedrich-Ebert-Stiftung zum Thema Tesla angesehen. Solch gegenseitige Lobhudelei ist nur schwer zu verkraften. Nicht einer von diesen Typen hat die Gefahren und negativen Folgen erwähnt, die mit der Ansiedlung des Industriemonsters verbunden sind. Sie klatschen Beifall, wenn Brandenburg weiter verschandelt wird. Nach der Lausitz wird nun Grünheides Landschaft plattgemacht.

  10. 4.

    Schade um den historischen Bahnhof Fangschleuse. War noch nicht vor Ort um zu beurteilen zu können, wie weit der jetzige Bahnhof vom Tesla-Gelände entfernt ist, aber vielleicht könnte man sich auf einen zusätzlichen und gemeinsamen Bahnhof für alle mit gemeinsamer Finanzierung verständigen.

  11. 3.

    Tesla sollte bauen, dann wäre der Bahnhof bald fertig.

  12. 2.

    Der Haltepunkt liegt links und rechts der Hauptstrecke blockiert diese Hauptgleise. Während ein Zug ein und aussteigen lässt. Dies gleich 3x die Stunde. Auch ist der Anschluss des Schuttle und Güterbahnhof von Tesla besser zu Händeln.

  13. 1.

    Die Bahnhofsverlegung erschließt sich mir nicht. Rund um den aktuellen Bahnhof ist doch genügend Platz für Ausbau von Parkplätzen. Straßen sind auch da. Aber mal 50 Mio ohne ersichtlichen Mehrgewinn geben wir doch gerne aus.

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