Archivbild: Ein Straßenschild mit der Aufschrift «Tesla Straße» steht am Rande des Baugeländes der Tesla Gigafactory östlich von Berlin. (Quelle: dpa/P. Pleul)
Audio: Antenne Brandenburg | 24.02.2021 | Autorin: Franziska Hoppen | Bild: dpa/P. Pleul

Geplante Fabrik in Grünheide - Unternehmer diskutieren über Hoffnungen und Sorgen um Tesla-Ansiedlung

Auch die Unternehmer in der Region Berlin-Brandenburg schauen gespannt auf die Tesla-Ansiedlung in Grünheide. Einige sehen Entwicklungschancen, andere fürchten den US-Konzern. In einer Online-Dikussionen schätzten Experten die Lage ein.

Große Industrie-Komplexe gestalten eine Region nachhaltig mit. Was wäre Ingolstadt ohne Audi? Oder Ludwigshafen ohne BASF? Bald fragen wir vielleicht: Was wäre Ostbrandenburg ohne Tesla?

Sorgen und Hoffnungen durch Tesla-Ansiedlung

Das Elektro-Auto-Werk in Grünheide (Oder-Spree) wächst momentan in rasanter Geschwindigkeit. Noch in diesem Jahr sollen die ersten Autos vom Band rollen, zusammengebaut von rund 8.000 Mitarbeitern. Für Brandenburger Verhältnisse ist es ein Projekt der Superlative. Doch bei den bereits ansässigen UnternehmerInnen sind die Gefühle gemischt.

Ihre Sorgen und Hoffnungen standen am Dienstag im Mittelpunkt einer Online-Diskussion. Dazu hatte das Regionalmanagement der Metropolregion Ost eingeladen. Rund 70 Interessierte tauschten sich mit Experten aus Wirtschaft und Handel aus. Eine der großen Fragen dabei: Wird Tesla der Region die Fachkräfte abgraben? "Die Sorge trifft vor allem auf die Betriebe zu, die genau in den Branchen tätig sind, die mit Tesla in Zusammenhang stehen. Die KfZ-Branche, die Elektrobranche, die Metallbranche, die Lackierbranche. Die sind am wesentlichsten von dem Thema betroffen", so Frank Ecker, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Frankfurt (Oder).

60 Prozent der Arbeiter aus Berlin-Brandenburg

Und tatsächlich: Der US-Autobauer scheint als Arbeitgeber - gerade auf junge Menschen - anziehend zu wirken. Das bestätigte Jochem Freyer von der Arbeitsagentur Frankfurt (Oder). "Die Bewerbungen verteilen sich über ganz Deutschland und Europa. Gut 60 Prozent kommen aus der Region Berlin-Brandenburg, aber eben auch sehr viele aus dem Rest der Republik und dem Ausland. Das Verhältnis zwischen den Bewerbern aus Berlin und Brandenburg liegt in etwa bei 70 zu 30 zugunsten Berlins."

Experten sehen große Vorteile

Trotz des starken Interesses teilten die Experten die Sorgen einiger der Unternehmen nicht. Gerade die kleinen Betriebe könnten der Gigafactory die Stirn bieten. Frank Eckert findet: "Die können das Du-und-Du mit dem Chef bieten. Sie können eine Vielfalt an Arbeit bieten. Sie können bieten, dass man sein gelerntes Ausbildungswissen in einem breiten Maße anwenden kann und dass man jeden Tag individuelle Lösungen suchen und Ergebnisse abliefern muss." Bei Tesla oder anderen großen Industrie-Betrieben sei hingegen oft Fließbandarbeit an der Tagesordnung.

Dennoch sehen die Experten Tesla klar als Chance für die regionale Wirtschaft. Der Autobauer zahle in einigen Bereichen überdurchschnittliche Löhne, etwa ungelernten Beschäftigten. Diese Löhne schafften mehr Kaufkraft. Außerdem bringe - laut Statistik - jeder Arbeitsplatz in der Industrie rund 1,5 weitere Stellen mit sich: Zulieferer könnten sich neu ansiedeln, Tesla-Mitarbeiter ihre Familien mitbringen, die wiederum selbst Arbeit suchen können.

Theoretisch würden so mehr Schulen und Kitas entstehen, mehr Ärzte in die Region ziehen, die Infrastruktur ausgebaut werden. Ostbrandenburg könnte ein Image-Gewinn bevorstehen, von dem wiederum bereits ansässige Betriebe profitieren könnten. Und weil gerade um Grünheide der Platz knapp werde, sei das auch eine Chance für östlicher gelegene Landkreise.

"Tesla hat eine internationale Strahl-Wirkung"

Jörg Nolte von der Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK) sprach sich außerdem dafür aus, die Zusammenarbeit zwischen Berlin und Brandenburg zu verstärken. Er forderte: "Mir ist wichtig, dass wir, was die gemeinschaftliche Arbeit an dem Projekt Tesla angeht, als Hauptstadtregion gemeinsam arbeiten, damit wir hier für zukünftige Ansiedlungen auch einen großen Leuchtturm aufbauen. Denn ich glaube, Tesla hat eine internationale Strahl-Wirkung, von der wir alle profitieren werden."

Einig waren sich die Experten dabei, dass Teslas Informationspolitik ausbaufähig sei. Details etwa zu Ausbildungen oder zur Größenordnung in der Tesla mit Zulieferern zusammen arbeiten will, sind noch unbekannt. Dabei dürften gerade diese Informationen für die hier ansässigen Unternehmen interessant sein.

Sendung: Antenne Brandenburg, 24.02.2021, 14:10 Uhr

Beitrag von Franziska Hoppen

36 Kommentare

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  1. 36.

    Lassen sie endlich ihr Geschwurbel für Tesla. In den USA steht der Tesla-Betonmollloch in der Halbwüste. Hier wäre das 1. Angebot; die Tagebaunachfolgemodderlandschaft bestimmt nicht minderwertiger. Arbeitsuchende Menschen gibt es reichlich im ehem. Tagebaugebiet. Wer Baggertechnik reparieren kann kann doch wohl auch schief sitzende Teslatüren einsetzen. Da vernichtet man nicht Wald- u. Grundwasserfläche und krempelt die ganze Infrastruktur um. Wasser ist hier nur ein Problem. Allen wurde bisher auf der Welt vor Augen geführt wohin eine derartige Landschaftaschlachtung führte. Urbanisierung kann so menschenfeindlich sein.

  2. 35.

    Wieder die immer gleichen Grundsatzdiskussionen. Mitlerweile sind ja einige Wechsel der deutschen OEMs zu Tesla bekannt geworden, warum kennt man noch keine polnischen Topmanager?

    Natürlich werden auch Polen nach Grünheide pendeln, wie wohl auch Arbeitende aus Frankfurt/Oder. Ist das schlimm? Höchstens für grandige Nationalisten. Die Polen würden nämlich ganz normal in De Steuer und Sozialabgabenpflichtig.

    Das ewige rumgereite, da wäre doch soooo wertvoller Wald gewesen. Wie wäre es mit einem generellen Stopp von Bautätigkeiten? Straßen durch Wälder werden zurückgebaut? Infrastruktur braucht man doch nicht. Oder geht es vor allem gegen Tesla, EAutos und Energiewende?

  3. 34.

    Ach, der Herr sollte besten Kontakt zum Insider Wissen Tesla s haben? Sie glauben alles, Hauptsache die Umwandlung in eine Industriewüste wird positiv verkauft. Beruhigt unheimlich das Gewissen! Vielleicht finden sie ja noch einen guten Kontakt, der endlich erklärt was EM wirklich bauen will...

  4. 33.

    CATL investiert Milliarden in Thüringen, SVolt im Saarland. Vielleicht wird Rivian ja in Sachsen-Anhalt fündig. Die sollen für deren europäische Fabrik angeblich auch in Deutschland auf Standortsuche sein.

  5. 32.
    Antwort auf [Max] vom 25.02.2021 um 16:47

    Die Wahl war in September 2019, die Entscheidung wurde von Musk im November 2019 verkündet? Woher nehmen Sie die Sicherheit, dass das schon zur Wahl "dingfwst" gewesen ist. Ich als Berliner wusste dabei wie Sie nicht nicht, dass die Gemeinde öffentlich auf deren Internetseite um Ansiedlungen in diesem für eine Autofabrik überplanten Industriegebiet geworben und das auch auf mehreren öffentlichen Anhörungen bekräftigt hatte. Mittlerweise ist das allerdings bereits seit vergangenen Winter hier im Rahmen der Grundsatzdiskussionen bekannt.

  6. 31.
    Antwort auf [Max] vom 25.02.2021 um 16:47

    Die Brandenburger Politiker sind dafür gewählt Arbeitsplätze zu schaffen und für Zukunft zu sorgen. In einer repräsentativen Demokratie erwarten wir das von den Politikern, welche wir wählen.
    Hätte man erst einen Volksentscheid über diese Investition abgehalten, wäre der Investor längst weg gewesen.
    Es gibt in Berlin und Umland einige Investitionen, um die halb so viel Gewese gemacht wird. Nur hier in Ostbrandenburg fürchtet eine lautstarke Minderheit um ihren Altersruhesitz.

  7. 30.

    "Unternehmen diskutieren über Hoffnungen und Sorgen um Tesla-Ansiedlung!"

    Hoffnungen , dass durch Tesla irgendetwas besser wird, habe ich nicht, Grund zur Sorge sehe ich auch nicht, was nicht mehr vorhanden ist, braucht nicht mehr beworben zu werden, spart viel Investitionen, für Regionen, die das Geld wirklich dringender benötigen, als Brandenburg.

  8. 29.
    Antwort auf [Max] vom 25.02.2021 um 16:47

    Die Wahl war im September 2019, die Standortscheidung hatte Musk erst im November 2019 bekannt gegeben. Woher nehmen Sie die Sicherheit, dass die schon vor der Verleihung eines Medienpreises "dingfest" gewesen sein soll? In der Presse konnte man im Spätherbst 2019 lesen, dass die Entscheidung beinahe wegen des Projekttitels "Giga Berlin" auf der Zielgeraden anders hätte ausfallen können.

    Die Gemeinde Grünheide hatte bekanntlich jedenfalls mit diesem Industriegebiet um Arbeitgeber geworben wie auch die SPD sich laut Wahlprogramm für gut bezahlte Arbeitsplätze einsetzen wollte.

  9. 28.

    Die Fragen hat Tesla auch gestellt und ausreichende Antworten bekommen, die kurz darauf im Vergangenen winter auch den Weg in die Presse gefunden hatten - wie z.B. die von Ihnen erneut aufgegriffene Wasserversorgung.

  10. 27.

    "Infrastruktur,Dienstleistungen,Zuzug junger Leute u.s.w.Kann man auch ohne Tesla und Co aufbauen." Und wo nehmen sie das Geld her dies aufzubauen?PCK,Braunkohle,Massentierhaltung?Ah, Länderfinanzausgleich gibt es ja auch noch.

  11. 26.

    Nocheinmal lesen, um die Kernaussage zu verstehen?
    "Aber der kenntnisreiche Bürger fragt erst nach dem Infastrukturplan" bevor...

  12. 25.

    Es wird Jahrzehnte dauern,bis so ein Baum CO2 bindet.Es geht am ende immer nur um Arbeitsplätze.
    Wem Interessiert da schon ob andere Länder ausgebeutet werden,und Seen und Flüsse vergiftet werden.
    Hauptsache wir haben Arbeit.Und fahren einen überteuerten E-SUV.
    Infrastruktur,Dienstleistungen,Zuzug junger Leute u.s.w.Kann man auch ohne Tesla und Co aufbauen.

  13. 24.

    Bitte verwirren Sie jemanden, der nach eigenem Bekunden die Energiewende ablehnt, nicht mit Fakten.

  14. 23.

    So manch einer versucht den "einfachen Bürger" für dumm zu verkaufen. Die von Ihnen angesprochene Wasserleitung ist z.B. bekanntlich für das laufende Antragsverfahren irrelevant und damit erst recht für die hier im Artikel thematisierte Mitarbeiteraquisition. Die WSE hatte vergangenen Winter mitgeteilt, dass die für den beantragten Bau vor allem ein Zeit-, aber kein Mengenproblem sehen.

    Erst wenn weitere Ausbaustufen zum Tragen kommen, wären solche Maßnahmen wohl erforderlich. Dass schon die alten Römer Trinkwasser über lange Wege transportiert hatten und es in der Bundesrepublik schon seit Jahrzehnten Fernwasserleitungen gibt, war ebenfalls vergangenen Winter Diskussionsgegenstand.

  15. 22.

    Der RBB ist hierzu sogar schon tätig gewesen. Den Beitrag von Franziska Hoppen kann unter Presse auf https://www.nfg-brandenburg.de/ angehört werden.

  16. 21.

    Soll ich Ihnen einen Link raussuchen zum erwähnten Interview der älteren Dame? Ihre Meinung zum Standort sei Ihnen unbenommen, nur ist die bekannte Rechtslage eine andere. Immerhin haben wenigstens Sie das schon lange erkannt und versuchen nicht mehr, die Realität zu leugnen.

  17. 20.

    Bitte Text lesen:
    Jochem Freyer von der Arbeitsagentur Frankfurt (Oder).

  18. 19.

    Das ist eine gute Idee, ich bin ja öfter mit Bahn und Fahrrad Richtung Oegeln unterwegs und kann es mir anschauen.
    Die für das Flächenmanagment bzw Waldumbau verantwortliche Firma hat auch eine Webseite und Ansprechpartner.Da kann man doch auch Informationen bekommen?Das wäre doch mal eine investigative Sache für den RBB

  19. 18.

    Nicht stimmig sind i.d.R. Ihre Behauptungen. Ich werden die aber weiterhin gerne mit Freuden faktenbasierend widerlegen, auch wenn die von Ihren Wahrnehmung abweichende Realität dann nicht nur bei Ihnen Unmut auslöst.

  20. 17.

    Spätestens nach den Anhörungen sollte bekannt sein, dass die versprochene Größenordnung der Aufforstung sich auf das gesetzlich notwendige begrenzt. Des weiteren Frage ich mich, wer die Information bekannt gegeben hat, aus denen die Zahl und Herkunft der neuen Mitarbeiter hervorgeht. Tesla selbst, der nichteinmal in seinem Bauantrag die Chemikalien und deren Mengen bekannt gibt? Wer das, bei der absichtlich verschwiegenen Kommunikationspolitik Teslas glaubt, betrügt sich selbst. Bin gespannt, in welcher Wüste ihre erhoffte “frischzellenkur endet. Oder wie groß dessen Ausdehnung sein wird.

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