Ein altes Gleis einer Bahnanlage verläuft am Zaun zum Baugelände der Tesla Gigafactory östlich von Berlin. (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Video: Brandenburg Aktuell | 30.03.2021 | M. Woller/L. Heisterkamp | Bild: dpa/Patrick Pleul

Konzept von Berlin und Brandenburg - Tesla könnte 36.000 Menschen in die Region locken

Mit Tesla rollen gewaltige Veränderungen auf den Osten Berlins und Brandenburgs zu. Laut einem offiziellen Plan sollen auf tausenden Hektar neue Wohnquartiere und Gewerbeflächen entstehen. Einige Engpässe sind jetzt schon absehbar. Von Philip Barnstorf

Es soll der große Wurf werden: 21 Brandenburger Kommunen von Königs Wusterhausen bis Frankfurt (Oder), das Infrastrukturministerium, der Berliner Stadtteil Treptow-Köpenick und die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung haben gemeinsam erarbeitet, wie die Region mit dem Zuzug durch die Tesla-Ansiedlung umgehen kann.

Die Zahlen sind gigantisch: Laut dem am Dienstag vorgestellten gut 200-seitigen Papier rechnen die Planer damit, dass die Tesla-Fabrik, so wie sie derzeit gebaut wird, fast 12.000 Menschen in die Region locken wird. Wenn Tesla sein Werk in den kommenden Jahren noch ausbaut, könnten es in ganz Berlin und Brandenburg mehr als 36.000 Menschen werden. Damit sind nicht nur Tesla-Mitarbeiter gemeint, sondern auch Menschen, die bei Zulieferern Arbeit finden. Außerdem berücksichtigt die Zahl Menschen, die Stellen in regionalen Betrieben besetzen, denen Tesla Mitarbeiter abwirbt.

Wohnungen für Zehntausende Neu-Einwohner

So prognostizieren die Planer, dass in der kommenden Dekade fast 14.000 Menschen allein nach Treptow-Köpenick ziehen könnten. Generell gibt es im Stadtteil Platz für neue Wohneinheiten, aber genaue Berechnungen seien schwierig, wegen der "vielfältigen Dynamiken am Berliner Wohnungsmarkt". In Brandenburg sei die Lage berechenbarer: Dort sollen neue Wohnungen entstehen auf insgesamt gut 700 Hektar, eine Fläche größer als Berlin Tiergarten. Die einzelnen Quartiere verteilen sich auf tausende einzelne Grundstücke in der ganzen Region. In Städten wie Frankfurt (Oder) und Fürstenwalde könnten besonders viele Wohnungen gebaut werden, denn dort gibt es Flächen und die rechtlichen Bedingungen stimmen.

Möglichst wenig Pendelverkehr

Woanders hingegen begrenzt der sogenannte Landesentwicklungsplan von Berlin und Brandenburg den Bau neuer Wohngebiete. Etwa in Grünheide: Unter den aktuellen Bedingungen sehen die Planer dort nur ein Potenzial von knapp 900 Wohneinheiten auf rund 30 Hektar. Das reicht nicht mal annähernd für die bis zu 40.000 prognostizierten Tesla-Mitarbeiter. Von denen sollen aber möglichst viele nah am Werk unterkommen, damit im Umland weniger Pendelverkehr entsteht. Deshalb wollen die Planer per Ausnahme vom Landesentwicklungsplan in Grünheide gut 50 Hektar bebauen. Weil wegen Landschafts- und Wasserschutzgebieten fraglich ist, ob sich das verwirklichen lässt, soll es auch für Flächen in der Gemeinde Spreenhagen und für ein neues Wohngebiet im Westen Fürstenwaldes Ausnahmen vom Landesentwicklungsplan geben.

Zu wenig Kitas?

Ein weiterer Engpass könnte beim Kitabau entstehen. Die Planer erwarten in der kommenden Dekade mehr als 10.000 neue Kinder in der Region. Qua Gesetz müssen Gemeinden jedem Kind einen Kitaplatz anbieten. Das Problem dabei: Viele private Investoren wollen keine kleinen Kitas auf dem Land bauen. Und klamme Kommunen können sich die Kindertagesstätten nicht leisten. Um Klagen zu vermeiden, könnten sich Gemeinden daher entscheiden, gar nicht erst Wohnungsbau zu ermöglichen, so die Befürchtung der Planer. Sie mahnen daher eine schnelle Lösung an.

Hunderte Hektar für neue Betriebe

Sie erwarten aber nicht nur neue Menschen, sondern auch neue Unternehmen in der Region. Deshalb haben die Planer errechnet, dass binnen drei Jahren mehr als 600 Hektar Gewerbegrundstücke in der Region bebauungsfertig gemacht werden könnten. Innerhalb der kommenden zehn Jahre könnte sich diese Zahl verdoppeln. Besonders viele Flächen finden sich abermals in Frankfurt (Oder). Aber auch Treptow-Köpenick könnte langfristig fast 300 Hektar bereitstellen. Allerdings dürften gerade dort auch Unternehmen im Kielwasser des Flughafen BER viele Grundstücke nachfragen. Insgesamt dürften der Flughafen und Berliner Firmen, die in den Speckgürtel ziehen, in den kommenden zehn Jahren für einen Engpass bei den Gewerbegrundstücken sorgen. Hier müsse etwas getan werden, so die Planer.

Sie sehen ihr Konzept nicht als “Big-Bang-Lösung”, sondern sprechen - trotz Teslas rasanter Baugeschwindigkeit - von einem “längeren Prozess”, der flexibel bleiben müsse. So sei bei Tesla zwar von bis zu 40.000 Mitarbeitern die Rede, aber ob und wann es jemals soviele werden, sei schwer zu prognostizieren.

Wasserverbrauch könnte steigen

In einem kurzen Absatz gehen die Planer auch auf das kontroverseste Thema rund um Tesla in Grünheide ein: Wasser. Ihre Berechnung geht so: Die Menschen, die die Tesla-Fabrik in der derzeit entstehenden ersten Ausbaustufe in die Region locken wird, werden gut 700.000 Kubikmeter Wasser im Jahr verbrauchen. Sollte Tesla sein Werk ausbauen und so noch mehr Menschen anziehen, könnten allein die Zuziehenden rund 2,3 Millionen Kubikmeter jährlich verbrauchen. Zur Klarstellung: Die Zahl bezieht sich nicht nur auf das unmittelbare Tesla-Umfeld, sondern auf die gesamte Region von Treptow-Köpenick bis Frankfurt (Oder) und von Rüdersdorf bis Wendisch-Rietz.

Das Konzept mahnt außerdem, die geplanten Wohn- und Gewerbeflächen sollten die "ortstypische und identitätsstiftende Siedlungsstruktur verträglich weiterentwickeln". Die Gemeinsame Landesplanung Berlin-Brandenburg, die ebenfalls an dem Konzept mitgearbeitet hat, hat deshalb eine Studie in Auftrag gegeben, die an exemplarischen kleinen Orten "Lösungen aufzeigt, die den Charakter der Orte wahren und trotzdem funktionelle Mischung und städtebauliche Qualität intendieren."

Sendung: Antenne Brandenburg, 30.03.2021 um 11:30 Uhr

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Beitrag von Philipp Barnstorf

35 Kommentare

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  1. 35.

    Oh, das scheint sie ganz schön zu wurmen, dass endlich mal das richtige Bild von Grünheide gezeigt wurde. Es sind eben nicht nur Monokulturen. Wenn Teslas Vertreter das gewusst hätten, dann wären sie doch nochmal mit der Kettensäge oder dem Harvester durchgefahren um den laubbestand heraus zu schneiden.

  2. 34.

    Nicht nur beruflich war ich schon öfter "draußen ". Plätschernde Bäche samt Laubmischwälder, sind leider kein Hindernis, ein intaktes Naturgebiet, aus wirtschaftlichen Gründen abzuholzen. Profitgier nimmt keine Rücksicht auf Verluste. Das beste Beispiel ist der Dannenröder Forst, obwohl mehr Gegner gegen den A49 Ausbau sind, als dafür, spielte das Ergebnis keine Rolle, ist im Hambacher Forst nicht anders.

  3. 33.

    Die dort behandelten Themen sind den Lesern von RBB24 altbekannt. Stöbern Sie mal in den alten Artikeln seit Herbst 2019. So mancher Städter kann aber den dort als Interview-Standort gewählten Wald mit idyllisch plätscherndem Bach nicht von beliebigen Nutzforsten wie dem in Industriegebiet Freienbrink, in den sich kaum ein Erholungssuchender verirrt, unterscheiden. Andere können das schon, weswegen nur zwei IKEA-Kundinnen auf den Kiefern gegen den Einschlag protestierten.

  4. 32.

    Im rbb24-Artikel steht, dass „die Planer errechnet, dass binnen drei Jahren mehr als 600 ha Gewerbegrundstücke in der Region bebauungsfertig gemacht werden könnten.“
    Ich stelle fest, vor 1 Jahr lag ich mit meiner Prognose von 1000 ha neu versiegelte Flächen zu niedrig. Trotzdem hat der Herr Neumann aufgeschrien und mich diffamiert, ein zu düsteres Zukunftsbild aufzuzeigen. Es wird viel schlimmer werden. Setzt man 600 ha neu geplante Gewerbefläche + 300 ha bereits von Tesla verwüstetes Bauland an, ist man bei 900 ha, ohne zu berücksichtigen, was der Wirtschaftsminister mittels seiner Geheimniskrämermasche noch verhökert hat. Auch ist damit zu rechnen, dass der Flächenverbrauch sich um 2x900 ha für Verkehrs- und Versorgungsanbindung der Gewerbe sowie die Ansiedlung der angelockten Menschen erhöhen wird. Infolge stückelhafter Bebauung könnte das umgestaltete Gebiet sogar auf 5.000 ha anwachsen. Kurzsichtig ist, das neue Wasserwerk bei Hangelsberg statt in größerer Entfernung zu bauen.

  5. 31.

    Typischer Gerhard Mein Kommentar wieder mal nicht richtig gelesen.
    Es gibt nur eine Richtung der man, wenn man es drauf anlegt nicht auf Menschen trifft. Wobei es doch so ein beliebtes Naherholungsgebiet sein soll. Wieso trifft man da niemanden.
    Aber weder wenn sie von Tesla aus nach Norden, Süden oder Westen gehen, sehen sie Stunden niemand. Außer man wählt die tiefste Gangart in Form von Gleiten.
    Wenn ich bis nach Buckow durchradeln würde wäre ich sicher nichts ganz 2 Stunden unterwegs. Dort aber niemanden zu treffen geht gegen null.

    „Vielleicht mal das Haus per Fahrrad oder zu Fuss verlassen...“
    Mehr als immer geht nicht. Die stecken die ich laufe würden viele nichtmal mehr mit Rad zurücklegen. Mein mögliches Tempo sowieso nicht ;)



  6. 30.

    Es ist durchaus ein Unterschied, ob es sich in einen Wald wie dem Hambi handelt oder eben um eine beliebige artenarme Monokultur wie diese, mögen die Kiefern noch so hiebreif sein. *Sie* sollten endlich mal raus gehen. Neulich im ZDF gab es auch plätschernde Bäche samt Laubmischwald zu sehen. Den Unterschied zu diesem Nutzforst hätte jedem sofort auffallen müssen, der schon mal jenseits der dichten Großstadtbebauung mit offenen Augen unterwegs gewesen ist. Den Tipp mit den Waldführungen in Berlin hatte ich Ihnen ja schon mehrfach gegeben.

  7. 29.

    ZDF-Info hat einen Bericht über Tesla gemacht. Lohnt sich mal anzusehen.

  8. 28.

    Ich möchte nur nochmal darauf hinweisen, daß Tesla bis jetzt noch keine endgültige Baugenehmigung hat.

  9. 27.

    Stundenlang, ohne jemanden zu treffen? Meine Zweifel, dass Grünheide im Allgemeinen und dieser Kiefernforst im Speziellen ein beliebtes Naherholungsgebiet gewesen sein soll, bestanden also zu Recht. Gut, dass ich eher dem Bürgermeister vertraut habe, als er meinte, dass Tourismus in Grünheide seit dem Mauerfall nur noch eine untergeordnete Rolle spiele und nicht den Fabrikgegnern. Das zeigt sich ja auch in der "großen" Zahl an noch bestehenden Ausflugslokalen.

  10. 26.

    Wie war das doch damals noch mit "Cargo-Lifter", "Formel-1 Rennstrecke", "Chip-Fabrik FF/O", "BER" etc. PP.....?!! ;-) Achso, ja, klar, Tagebaue schließen und hochmoderne Braunkohle-Kraftwerke abschalten, das wird bestimmt klappen..,nee....;-) "Wir schaffen das."

  11. 25.

    Was meinen sie mit einer“nutzholzplantage“ . Wald wird seid Hunderten von Jahren vom Menschen als Ressource genutzt. Dadurch gibt es auch keine Urwälder mehr in DE. Totalrodungen und Komplettvernichtung gibt's schon lange nicht mehr. Und nur weil die Bäume in Reihe stehen und das teilweise seit mehr als hundert Jahren. Aber bitte, nutzen sie jede Möglichkeit sich diese Katastrophe schön zu reden...beruhigt das Gewissen...

  12. 23.

    ..vor Tesla bin ich auch Stundenlang Fahrrad gefahren ohne jemanden zu treffen. Seitdem der Verbindungsweg über die Autobahn Brücke abgeschnitten ist weil Tesla den Wald und den alten Postweg annektiert hat, bin ich dort nie wieder gewesen. Es zerreißt einen innerlich überhaupt noch dort sich in irgendeiner Form aufzuhalten. Scheinbar kennen sie sich doch nicht so gut aus. Vielleicht mal das Haus per Fahrrad oder zu Fuss verlassen...

  13. 22.

    Warum dort? Weil das so ziemlich das letzte überplante Grundstück in der passenden Größe gewesen ist.. Stöbern Sie mal in den Grundsatzdiskussionen vom Herbst 2019. Auch laut Berichterstattung des RBB gibt es eben keine so großen zusammenhängende frei Industriegebiete. Groß heißt in diesem Zusammenhang übrigens demnach sogar schon ab 6 ha.
    https://www.rbb24.de/studiofrankfurt/wirtschaft/2020/06/ber-tesla-wirtschaft-gewerbegrundstuecke.html

  14. 21.

    Was ist an der bisherigen Zulassungen nach deutschen recht illegal? Bei Ihren ständigen Widerholungen ist aus Ihrer Falschbehauptung längst eine Lüge geworden.

  15. 19.

    In den Niederlanden worden die Model S und X u.a. mit der Traktionsbatterie komplettiert, da so weniger Zölle anfielen. Im Rahmen des anstehenden Midellwechsels soll dies nicht mehr passieren, so dass knapp 100 Arbeitsplätze entfallen. Der grosse Rest des Standortes bleibt erhalten. Setzen Sie das mal in Relation zu Grünheide.

    Spekulativ: Das Model S war anfangs für einen Batteriewechsel anstelle des Nachladens vorgesehen. Gut möglich, dass das mit der Umstellung auf andere Zellen entfällt.

    Das Tesla Marktanteile verlieren wird , ist unstrittig - am Markt der E-Autos, dass die Konzerne in D, USA und Südkorea aufgewacht sind. Dieser Markt wächst aber rasant.

  16. 18.

    "Wenn man vor Tesla dort gewandert ist, konnte man Stunden unterwegs sein, ohne jemanden zu treffen."

    Wie das gehen soll müssen sie mal verraten. Gut, man trifft jetzt selten Spaziergänger auf der Autobahn.
    Man kann vom Grundstück eigentlich nur Richtung Osten gehen. Dann ist man fix an der L38.
    In alle anderen Richtung wird es schwer mit nur einer Stunde. Gar Stunden...

  17. 17.

    Diese Planung kann nur langfristig für die nächsten 10-20 Jahre sein. Ostbrandenburg wird auch ohne Tesla schon allein durch den BER wachsen.
    Zum Vergleich Leipzig: Der Flughafen, BMW und Porsche wurden vor 10-15 Jahren fertiggestellt. Der Run auf Leipzig ist erst seit einigen Jahren eingetreten.
    Es ist also noch ausreichend Zeit die Konzepte für Wohnen, Verkehr, Wasser usw. weiterzuentwickeln.

    An die Berufsschwarzmaler hier im Forum - Wir werden sehen!

  18. 16.

    Oder es bleibt eine rieseninvestruine, die vor sich her schmort. Tesla hat derzeit einen Marktanteil von knapp 1% und die deutschen autobauer sitzen ihm im Nacken, auch bei der batterieproduktion. Das autowerk in Holland wurde kurzfristig geschlossen, weil die Nachfrage eine weitere Produktion nicht her gab. Ich glaub immer noch nicht an die gigafabrik. Baugenehmigung ist auch noch nicht da. Also, was sollen die Träume und Sorgen über Zuwanderung, Wohnungen und Infrastruktur?

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