Das Baugelände der Tesla Gigafactory östlich von Berlin (Luftaufnahme mit einer Drohne). (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
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Kommentar | Tesla fordert einfachere Genehmigungen - Und plötzlich machen sie gemeinsame Sache

Verwundert könnte man sich die Augen reiben: Bisher waren die Deutsche Umwelthilfe und der US-Elektroautobauer Tesla nicht gerade gute Freunde. Jetzt bahnt sich eine neue Allianz an, um in Tesla-Geschwindigkeit Fakten zu schaffen. Von Andreas Oppermann

Tesla unterstützt eine Klage der Deutschen Umwelthilfe (DUH) gegen die Bundesregierung. Das Unternehmen mischt sich damit in die aktuelle Debatte ein, wie sich Deutschland modernisieren muss, um dem Klimaschutz gerecht zu werden. Bei einem Unternehmen, das zwar fünf Milliarden Euro im brandenburgischen Grünheide investiert, darüber aber mit Medien, Bürgern oder den Abgeordneten im Brandenburger Landtag so gut wie nie direkt kommuniziert, ist der Brief an das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg mehr als nur erstaunlich.

Deutsche Gemütlichkeit scheint Tesla nur schwer erträglich

Zwei Sichtweisen drängen sich auf: Dem Elektroautohersteller mit seiner sprichwörtlichen Tesla-Geschwindigkeit geht die Bürokratie in Deutschland auf die Nerven. Zwar steht die Fabrik schon fast, aber die vollständige Genehmigung ist noch immer nicht erteilt. Das ist ein Zustand, der dem Unternehmen nicht gefallen kann, denn in drei Monaten sollen die ersten Autos vom Band rollen. Aber ohne Genehmigung wird das nicht passieren. So gesehen wäre die Intervention bei Gericht nur eine höfliche Form, dem Frust Ausdruck zu verleihen.

Tesla als Klima-Vorreiter?

Die andere Sicht: Tesla sieht sich selbst als Vorreiter im Kampf gegen eine mögliche drohende Klimakatastrophe. Der Mix aus batteriegestützten Autos, Lkw und anderen Systemen sowie dem massiven Ausbau der Erneuerbaren Energien ist für Tesla der Weg in eine klimaneutrale Zukunft. Alles, was dieses Ziel behindert, muss beseitigt werden. Denn Elon Musk und seinen Mitarbeitern geht es nach eigenen Aussagen nicht nur um das Verkaufen schicker Produkte, sondern um nichts Geringeres als die Weltrettung.

Wertvolle Zeit darf nicht verloren gehen

Für Tesla spielen sicherlich beide Sichtweisen eine wichtige Rolle. Aber Tesla denkt nicht nur an sich. Die Intervention soll allen Projekten, die dem Klimaschutz helfen, zugutekommen. Zwar liegt ihr die eigene Erfahrung zugrunde. Und natürlich würde ein verändertes Genehmigungsrecht beim Bau der zweiten und dritten Autofabrik in Grünheide vieles erleichtern. Aber das zentrale Argument, dass mit langen Genehmigungsverfahren wertvolle Zeit im Kampf gegen den Kilmawandel verloren geht, stimmt unabhängig von den Interessen der Firma.

Teslas Intervention ist zu begrüßen

Auch Stromtrassen, die grünen Strom quer durchs Land transportieren sollen, stecken oft in langwierigen Genehmigungsverfahren fest. Oder Windparks zu Land und auf See. Wenn Tesla fordert, dass in Zukunft nicht der lokale Naturschutz, sondern eine Bewertung des überregionalen oder gar globalen Umweltnutzens wichtiger sein muss, dann bezieht das Unternehmen Stellung in einem Konflikt, der unter Naturschützern schon seit 20 Jahren schwelt.

Denn was nützt es, wenn ein aktuelles Biotop geschützt wird, wenn es in 20 Jahren wegen der ganz realen Klimaveränderung gar nicht mehr existieren kann? Der Klimawandel ist real. Der Veränderungsdruck deshalb auch. Schon deshalb ist die Intervention Teslas zu begrüßen. Und zwar völlig unabhängig vom möglichen Nutzen für Tesla selbst.

Sendung: Antenne Brandenburg, 08.04.2021, 06:30 Uhr

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Beitrag von Andreas Oppermann

18 Kommentare

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  1. 18.

    'Nen Tesla wird mit dem gleichen Strom aufgeladen wie das neulich von Ihnen hochlobte BEV von BMW. Der Ausstieg aus der Kohleverstromung ist terminiert, das Endes des Verkaufs von Verbrennern wie Ihrer CO2-Schleuder geschweige denn die Schließung des wasserfressendes PCK-Molochs in Schwedt aber leider noch nicht. Dabei hat ja auch Ihre asiatische Hausmarke die Zeichen der Zeit erkannt und mit dem Ioniq 5 ein zumindest auf dem Papier interessantes BEV-SUV vorgestellt.

  2. 17.

    'Nen Tesla wird mit dem gleichen Strom aufgeladen wie das neulich von Ihnen hochlobte BEV von BMW. Der Ausstieg aus der Kohleverstromung ist terminiert, das Endes des Verkaufs von Verbrennern wie Ihrer CO2-Schleuder geschweige denn die Schließung des wasserfressendes PCK-Molochs in Schwedt aber leider noch nicht. Dabei hat ja auch Ihre asiatische Hausmarke die Zeichen der Zeit erkannt und mit dem Ioniq 5 ein zumindest auf dem Papier interessantes BEV-SUV vorgestellt.

  3. 16.

    Auch Brennstoffzellen-PKW müssen irgendwo gebaut werden. Insofern würde der Tesla-Vorstoß auch deren neue Werke betreffen. Dass H2 als Ersatz für fossile Kraftstoffe kommen wird, ist, wird seit Jahrzehnten behauptet und war hier rund um Tesla auch schon zigfach Diskussionsgegenstand.

    2019 gab es immerhin drei FCEV auf dem deutschen Markt, mittlerweile sind es aber noch zwei. Dessen Nische wird kleiner. Selbst Toyota investierte bekanntlich vor zwei Jahren massiv in die Batterieforschung und hat gerade seine neue BEV-PKW-Plattform vorgestellt. Es hegt niemand nennenswertes Ambitionen, das Angebot von derzeit zwei H2-PKW zu erweitern, während die Zahl der BEV-Modell rasant zunimmt und kaum ein Hersteller die Nachfrage befriedigen kann.

    Im LKW-Fernverkehr gibt es derzeit noch eine Nische wie auch auf Eisenbahn-Nebenstrecken. Der Alstom e-Lint konkurriert dabei aber mittlerweile mit mehreren Akkutriebwagen wie auch vor kurzem Scania der Brennstoffzelle ein Absage erteilt hat.

  4. 15.

    Wo lädt man denn mit Kohlestrom? Wie wird denn der Strom gewonnen, denn man für die Herstellung von Diesel und Benzin braucht.

  5. 14.

    Wer einen Tesla kauft kauft auch keine Zukunft. Es muss verboten werden diese Schlorren mit Kohlestrom aufzuladen. Ob das die so genannte Umwelthilfe anleiert ?

  6. 13.

    Wer finanziert denn die so genannte Umwelthilfe ? Hat etwa Tesla einen Check überwiesen ? So auf altdeutsch ?

  7. 12.

    Es fällt doch zu sehr auf, dass der "Neumannkommentar" hier mit Begeisterung veröffentlicht wird und meine Antwort kassiert wird. So geht Meinungsfreiheit im freihesten Deutschland. So produziert man Bürger, die auf STUR umschalten. Nichts mehr glauben; sich abwenden.

  8. 11.

    Na prima, dann auf nach Rügen mit Tesla... Dann kann Tesla von vorn herein einen Vollständigen Antrag für die Erste Ausbaustufe stellen. Die UVP lassen sie einfach weg, ging ja in Grünheide auch. Die plötzliche gemeinsame Sache kann nur mit wirtschaftlichen und finanziellen Interessen zusammen hängen. So viel umwelfreundlicher kann die Fabrik nicht sein. Es werden die gleichen Chemikalien verwendet, es wird mindestens genauso viel Wasser benötigt, und die Energie kommt von einem eigenen Gas Kraftwerk oder von der Lausitzer Braunkohle wie bei jeder anderen Produktion auch. Ich kann keine Dringenden Bedingungen erkennen... Dank entsprechender Gesetze zum Schutz von Natur und Umwelt ist es solchen Heuschrecken bis jetzt verwehrt geblieben sich durchs Land zu fressen. Was dabei herauskommt, ist am Beispiel Grünheide gut zu erkennen. Vernichtung natürlicher Lebensräume un Ressourcen für den Profit Einzelner.

  9. 10.

    Dieser Artikel ist nur noch grotesk.

    Gesetze gelten nur, solange sie nicht lästig sind.
    Die Klimakatastrophe tritt sekündlich ein.
    Das Elektroauto ist die Rettung.
    Laßt uns die Natur zerstören, bevor es die Natur tut.

  10. 9.

    Gibt's hier nichts mehr zu holen, irgendwann mal, zieht die Tesla Karawane einfach weiter. Wasserstoff wird als Ersatz bestimmt kommen. Und diese DHU ist ein ganz übler Abmahnverein. Bekommt leider auch aus unseren Steuern Gelder über Schulze vom bundesministerium für Umweltschutz. Hoffe das nach der Wahl das eingestellt wird.

  11. 8.

    Ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben, dass die wirtschaftliche Notwendiegkeit auch berücksichtigt wird! Wir auf Rügen leiden noch immer an Folgen der Ignoranz der Ökonomischen Fehlentscheidungen vor 20 Jahren!

  12. 7.

    Warum fahren wir nicht einfach nur noch halb so viel mit unseren Autos und machen eine Videokonferenz statt zu fliegen?
    Dann müssten wir nicht Riesenfabriken in den Boden stampfen und noch mehr Umwelt zerstören.
    Einfach mal sparen - passt das nicht in diese Gesellschaft?
    Grüße an Jeanette!

  13. 6.

    Endlich ein Standort im Osten, derart viele Unternehmen werden die Region beleben. Natürlich schaut man auf diesen Standort mit westlichen Augen etwas neiderfüllt. Ob die Umweltauflagen im Westen oder im Osten nicht erfüllt werden, ist letzten Endes egal. Darum geht es doch. Übrigens, Elektroautos sind nicht die Zukunft und auch nicht ungefährlicher für die Umwelt. Schaue man genauer auf die Entsorgung.

  14. 5.

    Tesla und die DUH ziehen schon länger an einem Strang. Die einen wollen E-Autos verkaufen, die anderen haben mit den Klagen dafür gesorgt, dass die Diesel massiv an Wert verloren haben und die Bunderegierung aufgewacht ist, dass es ein weiter so nicht geben darf.

    Immerhin hat der Brief von Tesla bewirkt, dass auch beim RBB und nicht nur in Kreuzberg die Klage gegen die Bundesrepublik aufgefallen ist. Nur darf man dann nicht den Fehler begehen, dass einzig auf Tesla herunter zu brechen.

    Der Zielkonflikt so mancher Pseudo-Umweltschützer mit realem Umweltschutz ist bereits früh auch in Grünheide zu Tage getreten. So mancher von den Fabrik-Gegner scheint zu viele Berichte über den Hambacher Forst gesehen zu haben. Dabei haben die großen Umweltverbände den Bau der Fabrik in diesem "Kiefernacker" früh für vertretbar gehalten.

  15. 4.

    Die Kohlekraftwerke kann man ersetzen, den Spritz für Ihre CO2-Schleuder aber nur wesentlich aufwendiger. Sie haben mehrfach bewiesen, dass es Ihnen gar nicht um das Klima etc. geht. Sonst hätten Sie schon längstz Ihr Verhalten geändert uind würden wissen, dass ide Tram 88 nicht nur vor Ihrer Haustür, sondern auch an mehreren Supermärkten hält, und dass die Fahrkarte auch zum Umsteigen berechtigt.

  16. 3.

    Die Umwelthilfe ist ein seltsamer Verein. Was nutzen uns die vielen Teslas wenn der Strom aus Kohlekraftwerken kommt ? Nicht noch vergrößern und dazu die Riesenakkufabrik.Musk selbst gestand, dass es nur mit AKW zu bewerkstelligen ist. So gespalten ihr Umweltscheinspezis ? Denkt mal an die Vernichtung von heiler Natur und die Aussaugung eines Trinkwasserschutzgebietes ; ja sogar des Löcknitztals. Die erste Ausbaustufe ist schlimm genug; niemals dann noch die größte Akkufabrik hier. Baut die doch in USA oder in der Lausitz.

  17. 2.

    100 % Zustimmung für diesen Kommentar. Man kann zu dem Projekt sehr unterschiedliche Auffassungen haben.
    Die Sorgen und Befürchtungen der Anwohner sind genauso nachvollziehbar wie die Schaffung moderner Arbeitsplätze in neuen Umwelttechnologien.
    Jeder Investor, der hier Milliarden investiert, hat ein Recht auf ein schnelles und unbürokratisches Genehmigungsverfahren - auch wenn es negativ ausgehen sollte.
    Jeder, welcher hier Einsprüche gegen diese Investition hat, sollte eine schnelle und fundierte Antwort bekommen. Das ist nicht zu viel verlangt.
    Es wird Zeit, dass Deutschlands Verwaltungen endlich im 21. Jahrhundert ankommen.

  18. 1.

    Also, die unerwarteten Ideen, aus dieser (amerikanischen) Richtung, zur Vereinfachung der Behördenbürokratie durch einen "Fachkräftepool auf Seiten der Genehmigungsbehörden" ist schon mehr als eine Diskussion wert. Von dieser Art Zielerreichung, schnelle und ordentliche Verfahren, können auch andere (Genehmigungs-)Behörden lernen, wenn sie es denn wollen...Es zeigt, mit welchem praktischen Elan, eine durch und durch bürokratische Gesellschaft, wie es die Amerikanische ist, praktische Auswege gesucht und gefunden werden um trotzdem der Bürokratie zu genügen. Das nennt man Zielerreichung statt "Palaver". Diese "Komponente" kann uns bereichern.

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