Geplante Batteriefabrik in Grünheide - Tesla will wohl mit bestehendem Wasserkontingent auskommen

Baustelle von Tesla in Grünheide (Quelle: dpa/Thomas Bartilla)
Bild: dpa/Thomas Bartilla

Wasser ist knapp in Ostbrandenburg. Wie will Tesla da die angekündigte Batteriefabrik zusätzlich zum Autowerk versorgen? Eine Lösung zeichnet sich ab - ebenso wie hitzige Debatten. Von Philip Barnstorf

Nach zähen Verhandlungen war es im September 2020 soweit: Tesla und der Wasserverband Strausberg-Erkner einigten sich vertraglich darauf, dass der Wasserverband Tesla bis zu 1,45 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr liefert. Das entspricht ungefähr dem Verbrauch einer Stadt mit 30.000 Einwohnern. Eigentlich seien Beschränkungen nicht üblich, sagte eine WSE-Sprecherin am Donnerstag dem rbb. Aber wegen der Wasserknappheit in der Region könne der Verband das bei Tesla nicht vermeiden. Die bewilligten knapp 1,5 Millionen Kubikmeter seien die "Schmerzgrenze".

Reicht das Wasser für die Batteriefabrik?

Nun hat Tesla angekündigt, zusätzlich zum Autowerk noch eine Batteriefabrik zu bauen, und zwar eine der größten der Welt. Spätestens Ende des Jahres rechnet Tesla laut Quartalsbericht mit der Genehmigung. Zusätzliches Wasser könnte der WSE aber frühestens in fünf Jahren aus einem noch zu bauenden Wasserwerk liefern. Wie passt das zusammen?

Tesla selbst verweist dazu nur auf die Genehmigungsunterlagen, die das Unternehmen demnächst auslegen will. Dennoch zeichnet sich jetzt schon eine Antwort ab: Wie der rbb aus Behördenkreisen erfuhr, plant Tesla, mit der bewilligten Wassermenge sowohl das Autowerk als auch die Batteriefabrik zu versorgen.

Batterien mit recyceltem Wasser?

"Bei der Fertigung der Batteriezellen wird deutlich weniger Wasser verbraucht als in der Fahrzeugfertigung", sagt Jens Tübke, Professor für Elektrochemie. In einem Autowerk benötigten etwa die Lackiererei und das Galvanisieren gegen Rost viel Wasser. Bei der Batterieherstellung könnte Wasser hingegen wiederverwendet werden, so dass letztlich nur wenig Wasser im Werk verbraucht werde. Wenn das bewilligte 1,45 Millionen Kubikmeter Kontingent einen Puffer enthält, könnte die Batteriefabrik möglicherweise mit versorgt werden. Sollte dennoch Wasser fehlen, könnte Tesla die Autoproduktion vorübergehend drosseln, sagt Tübke.

Wasserverband fürchtet Engpass

Diese Lösung dürfte dennoch für Kontroversen sorgen. Stetig ziehen mehr Menschen und Unternehmen ins Versorgungsgebiet des WSE. Laut Verbandsvorsteher Andre Bähler rechnet man in diesem Jahr - wie schon in den vergangenen - mit 600 bis 800 Neuanschlüssen. In den kommenden Jahren dürfte sich das Wachstum noch verstärken, wenn Tesla mehr Menschen und Firmen anlockt. Der WSE fürchtet daher einen Engpass schon ab 2023.

Berliner und Brandenburger Initiativen kooperieren

Umweltverbände sind jetzt schon besorgt, weil der WSE bald in seinen Wasserwerken in Spitzmühle und Eggersdorf mehr Wasser für Tesla und sonstige Zuziehende fördern will. "Wir prüfen die Rechtmäßigkeit des Verfahrens und ob besonders schützenswerte Lebensräume, wie ein nahes FFH-Gebiet, gefährdet werden", sagt Thorsten Deppner, Anwalt des Nabu und der Grünen Liga.

Schützenhilfe bekommen die Brandenburger Naturschützer jetzt vom "Berliner Wassertisch", eine Bürgerinitiative, die sich bisher in Berlin gegen die Privatisierung der Wasserversorgung engagiert hat. "Auch Berliner Gewässer sind vor Schadstoffeinträgen durch Tesla zu schützen", sagt Gerlinde Schermer von der Initiative. "Es wird gebaut ohne Genehmigung und Bürger werden genau wie in Berlin außen vorgelassen."

 

Sendung: Antenne Brandenburg, 29.04.2021, 15:10 Uhr.

Beitrag von Philipp Barnstorff

2 Kommentare

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  1. 2.

    "Auch Berliner Gewässer sind vor Schadstoffeinträgen durch Tesla zu schützen."

    Dem gibt es nichts mehr hinzuzufügen!

  2. 1.

    Alfred Neumann, übernehmen Sie und erleuchten bitte alle Kritiker.

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