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Quelle: dpa/Patrick Pleul

Tesla in Grünheide

Verband aus Erkner soll Grundwasser für weitere Fabrik erschließen

Ein ungennutzer Grundwasservorrat im Raum Hangelsberg (Oder Spree) soll nach Plänen des Umweltministeriums das Tesla-Werk in Grünheide versorgen. Doch ob das Wasser dort überhaupt ausreicht, ist noch unklar. Von Lucia Heisterkamp

Ungenutzte Wasservorräte bei Hangelsberg könnten in Zukunft für das Tesla-Werk in Grünheide nutzbar gemacht werden. Denn für die erste Ausbaustufe der Tesla-Fabrik in Grünheide ist der Wasserbedarf zwar gesichert, aber um den vermutlich hohen Wasserbedarf der geplanten weiteren Ausbaustufen der Fabrik im Landkreis Oder-Spree zu decken, sucht das Land Brandenburg nach Wasserreserven in der Region.

Es hat womöglich eine Quelle in Hangeslberg gefunden. Doch zunächst muss geprüft werden, wie viel Wasser dort tatsächlich im Boden liegt und ob es sich als Trinkwasser eignet. Für die Vorerkundungen seien etwa zwei Jahre angesetzt, sagte Anke Hermann, zuständig im Umweltministerium für Wasser und Bodenschutz, nun bei einer Sitzung des Umweltausschusses am Mittwoch.

Vorerkundungen dauern zwei Jahre

Wie Hermann vor rund einem Monat mitgeteilt hatte, könnten in Hangelsberg (Nord) vier bis sechs Millionen Kubikmeter Grundwasser zusätzlich erschlossen werden. Das Landesamt für Umwelt (LfU) sowie das Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe (LBGR) wurden im Rahmen eines Pilotprojektes mit den Erkundungsarbeiten beauftragt. "Wir gehen davon aus, dass wir die Ergebnisse des Gutachtens Mitte bis Ende nächsten Jahres zur Verfügung stellen können", sagte Hermann.

André Bähler, Verbandsvorsteher vom Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE). | Quelle: dpa/Patrick Pleul

Wasser soll nicht der Versorgung in Hangelsberg dienen

Sollte sich das Wasser als nutzbar erweisen, soll es - nach Vorstellung des Umweltministeriums - dem Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE) zur Verfügung gestellt werden. Dies wäre eine Neuerung. Denn Hangelsberg liegt eigentlich nicht im Versorgungsgebiet des WSE. Der ist allerdings unter anderem für die Versorgung des Ortsteils Freienbrink zuständig, wo das Tesla-Werk gebaut wird, und hat bereits einen Vertrag für die Versorgung der Fabrik in der ersten Ausbaustufe abgeschlossen. Sollte also, wie geplant, neues Grundwasser in Hangelsberg erschlossen werden, würde dies vollständig in die Versorgung des Gewerbegebiets Freienbrink fließen. “Es dient dann dezidiert nicht der Versorgung der Einwohner des benachbarten Ortsteils”, sagte Umweltminister Axel Vogel (Grüne) bei der Ausschusssitzung am Mittwoch.

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Und plötzlich machen sie gemeinsame Sache

Stärkere Zusammenarbeit zwischen Kommunen

Dass ein Versorger Wasser außerhalb seines Versorgungsgebietes bezieht, ist in Brandenburg neu. Bislang war vielmehr jede Kommune für die eigene Wasserversorgung zuständig. Die Arbeitsgruppe "Wasserperspektiven östliches Berliner Umland" aus dem Umweltministerium, die sich speziell mit der Wasserversorgung rund um die Tesla-Gigafactory in Grünheide beschäftigt, wirbt hingegen für eine stärkere interkommunale Zusammenarbeit.

"Bislang waren wir in Brandenburg in der komfortablen Situation, dass jeder Wasserverband das Wasser aus seinem eigenen Versorgungsgebiet beziehen konnte", sagt WSE-Pressesprecherin Sandra Ponesky. "Mit Tesla wurden wir aber in die Zukunft katapultiert. Jetzt muss sich das Land komplett neu aufstellen." Sie äußerte Bedenken, ob die Geschwindigkeit des Landes "mit der Tesla-Geschwindigkeit mithalten" könne.

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Gute hydrogeologische Bedingungen

Denn ob sich in Hangelsberg tatsächlich ungenutzte Wasserreserven in der von Tesla benötigten Menge erschließen lassen, ist offen, auch wenn sich Experten nach ersten Einschätzungen optimistisch zeigen. Der Hydrogeologe Dietmar Brose vom Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Brandenburg sagte dem rbb: "Die hydrogeologischen Bedingungen in Hangelsberg sind nach unserem derzeitigen Kenntnisstand sehr gut."

Erkundungen dauern Jahre

Brose hält es für realistisch, dass sich dort tatsächlich vier bis sechs Millionen Kubikmeter Wasser erschließen lassen. Allerdings geht er davon aus, dass die Erkundungen mindestens drei oder vier Jahre dauern. "So eine Erkundung ist ein dynamischer Prozess. Wenn sich die günstigen hydrogeologischen Verhältnisse bestätigen, dann würden sich die weiteren Erkundungsschritte und Erschließungsarbeiten daran orientieren."

Dann könne es durchaus auch schneller gehen. "Wir müssen aber auch mit einigen Unwägbarkeiten rechnen, etwa salinaren Tiefenwässern oder Beeinflussung von grundwasserabhängigen Landökosystemen", sagte er. Daraus resultierende negative Auswirkungen auf die aquatische Umwelt müssten im Rahmen der Erkundungsarbeiten ausgeschlossen werden, so Brose.

Quelle: rbb

Umweltverbände befürchten Abstriche bei Umweltbelangen

Genau hier fürchten Umweltverbände jedoch Abstriche unter dem Druck von Tesla. Sie sorgen sich vor allem um das nahgelegene Naturschutzgebiet Löcknitztal, das aufgrund der Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten als besonders schützenswert gilt. "Wenn Grundwasser in Hangelsberg entnommen wird, könnte das außerdem Auswirkungen auf die Wassermenge und die Trinkwasserqualität im gesamten Umland bis nach Berlin haben", sagt Steffen Schorcht von der Bürgerinitiative Grünheide, der auch Mitglied bei der Grünen Liga ist. Er kritisierte weiterhin, dass das Umweltministerium keinen Plan-B habe, sollte sich Hangelsberg am Ende nicht als geeignet erweisen.

Probleme bei der Wasserversorgung Tesla

Dass es zu Engpässen bei der Versorgung des geplanten Tesla-Werks kommen könnte, ist schon seit Längerem bekannt. Der WSE hat zwar vertraglich zugesichert, dem US-Konzern die prognostizierten Wassermengen von maximal 1,45 Millionen Kubikmetern Wasser in der ersten Ausbaustufe zu liefern. Tela möchte seine Giga-Factory im Laufe der Jahre aber weiter ausbauen, geplant ist unter anderem die weltweit größte Batteriefabrik. Nach Prognosen könnte der Wasserbedarf dann bei 3,6 Millionen Kubikmetern liegen. Der WSE hat bereits angekündigt, dass seine Wasserreserven dafür nicht ausreichen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 15.04.2021 um 7:30 Uhr

Beitrag von Lucia Heisterkamp

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