Grüne Liga und Nabu - Umweltverbände haben Bedenken gegen neue Tesla-Pläne

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Audio: Antenne Brandenburg | 20.08.2021 | Lucia Heisterkamp | Bild: Patrick Pleul/ZB

Auch wenn Tesla Kritikpunkte der Umweltverbände Grüne Liga und Naturschutzbund (Nabu) schon berücksichtigt hat, bleiben auch nach Ablauf der dritten Einspruchsfrist für diese zu viele Fragen unbeantwortet. Sie hoffen auf eine neue öffentliche Debatte.

Die Umweltverbände Grüne Liga und der Naturschutzbund Brandenburg sehen auch die jüngsten Pläne von US-Elektroautobauer Tesla für seine Fabrik in Grünheide (Oder-Spree) Berlin kritisch.

Die Beurteilung der geplanten Batteriefabrik in den neuen Antragsunterlagen für die Genehmigung sei schwierig, "weil alles geschwärzt ist", sagte der Landesgeschäftsführer der Grünen Liga, Michael Ganschow, am Freitag in einer Video-Pressekonferenz. "Die Mengenangaben kann man nicht nachvollziehen, die Stoffe nicht nachvollziehen." Die Batteriefabrik werde auf die Grenze eines Wasserschutzgebietes gebaut, so dass bestimmte Gefahrenstoffe nicht verboten seien. Er sieht auch Widersprüche in der Frage der Überdachung von Tankanlagen.

Noch viele Ungereimtheiten für Umweltverbände

Insgesamt gebe es immer noch zu viele Ungereimtheiten, betonten die Vertreter der Umweltverbände. Auch die Konzepte für Störfälle in der Fabrik - wie zum Beispiel der Umgang mit Giftstoffen im Falle eines Brandes würden nicht alle Fragen beantworten können. "Unsere Gutachter sind zu dem Schluss gekommen, dass dieser Störfall bei weitem unterschätzt wird, wie viel Stoff bei einem Störfall tatsächlich austritt, dann verbrennt und zu entsprechenden Giftstoffen umgewandelt wird", erklärt Thorsten Deppner, Anwalt der Verbände. Gemeint ist das Kühlmittel Tetrafluorpropen.

Einige Vorschläge hat Tesla übernommen

Dabei sei Tesla durchaus auf einige Vorschläge aus früheren Einwendungen der Umweltverbände eingegangen etwa bei der Versickerung von Regenwasser. "Aber zugegebenermaßen muss man sagen, dass Tesla immer da Hinweise aufnimmt, wo es für sie nicht besonders weh tut. Aber an den meisten Stellen eben doch nicht, gerade was die ganzen artenschutzrechtlichen Belange angeht", sagt Christiane Schröder vom Naturschutzbund. So hatte Tesla nach Kritik auch Pläne geändert und zum Beispiel den geplanten Wasserverbrauch gesenkt.

Die Verbände fordern, dass der Konzern die Bauunterlagen noch einmal überarbeitet und wieder öffentlich auslegt. Es wäre dann die vierte Runde. Wichtig sei aber zunächst, dass die jetzt eingegangenen Einwendungen nun bei einem Erörterungstermin öffentlich diskutiert werden.

633 Einwände insgesamt - Erörterungstermin offen

Die Frist für weitere Einwendungen gegen den aktualisierten Antrag von Tesla für die Genehmigung der Fabrik lief in der Nacht zu Freitag um Mitternacht ab. Mindestens 633 Einwender gab es seit der ersten Möglichkeit im letzten Jahr, Kritik zu üben, teilte das Umweltministerium auf Anfrage mit.

Mindestens 295 Kritiker hätten sich bei der jüngsten Auslegung von Unterlagen mit Einwänden gegen die Ansiedlung ans Land gewendet. Darunter seien mindestens 219 neue sogenannte Einwender, die noch nicht bei den ersten beiden Auslegungen von Unterlagen geschrieben hätten. Die Zahl aller Einwender stehe aber noch nicht komplett fest, da noch Briefsendungen mit Poststempel vom 19. August 2021 berücksichtigt würden, hieß es. Ob es zu einem erneuten Erörterungstermin kommt, darüber will das Landesumweltamt nächste Woche befinden. Der 13. September könnte hierfür ins Auge gefasst werden.

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Das Model Y soll demnächst in Grünheide in Serie gehen. | Bild: Christophe Gateau/ dpa

Model Y in Berlin vorgestellt

Tesla wollte ursprünglich im Juli mit der Produktion des "Model Y" in Grünheide beginnen, doch die Fertigstellung des ersten europäischen Werks dauert nach Verzögerungen im Genehmigungsverfahren länger. Der Beginn der Auslieferungen des "Model Y" in Europa war für das dritte Quartal angekündigt, die ersten Wagen sollen nun im August an die Käufer gehen. Der Start der Produktion in Grünheide ist aktuell bis Ende des Jahres angepeilt. Die abschließende umweltrechtliche Genehmigung durch das Land Brandenburg steht aus, deshalb baut das Unternehmen über einzelne vorzeitige Zulassungen.

Nichtsdestotrotz soll hat Tesla sein neues Kompakt-SUV "Model Y" in Berlin vorgestellt. Es soll demnächst ausgeliefert werden. Das Fahrzeug, das jetzt in Berlin gezeigt wurde, kam aus Shanghai. Bis die Produktion im Tesla-Werk in Grünheide bei Berlin anläuft, sollen der deutsche und der europäische Markt mit Model-Y-Fahrzeugen aus China versorgt werden.

Sendung: Antenne Brandenburg, 20.08.2021, 16:10 Uhr

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25 Kommentare

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  1. 25.

    Nabu und Co müssen das durchziehen. Die haben VW nach dem Dieselskandal für viel Geld heimlich die Treue gehalten. Für die steht viel auf dem Spiel.

  2. 24.

    Zum Vergleich: Bei der Abfallverbrennungsanlage in Rüdersdorf gab es 2300 Einwender und 1000 gegen die Schweinemastanlage in Hassleben, beides ohne medialen Hype.

    Rd. die Hälfte der neuen Einwender hat den Musterbrief verwendet, den die BI großflächig verteilt hatte. Angesichts der Zahl der Haushalte in Grünheide halte ich das für eine schwache Resonanz. Auch die Wassertafel Berlin-Brandenburg hat zwar gute Kontakte zum RBB und zur BI in Grünheide, aber ebenfalls nicht zur breiten Bevölkerung. Das selbstgesteckte Ziel von 1000 Einwendern haben die trotz Unterstützung von Attac deutlich verfehlt. Dabei hätte auch bei denen copy'n'paste ausgereicht.

  3. 23.

    Super Herr Neumann sie stellen sich als Versuchskaninchen bereit, das Wasser zu trinken, z.B. das unterhalb der Betonmischanlage gewonnen wird, oder an den Stellen, an denen den Bauarbeitern irgendwelche Brühe ausgelaufen ist?

  4. 22.

    Die Umfrage hat Next Move, ein grosser Vermieter von BEV aller möglichenKonzerne, durchführen lassen. Dabei liegen die mit Tesla immer wieder im Clinch wegen der Qualität der Produkte. Die lobten neulich erst sogar VW für die Transparenz, die die bei Tesla vermissen.

    Ich möchte dazu auch an die Umfragen erinnern, die Klaus S /Wolf, R. hier zur Diskussion gestellt haben. Die liefern die Gründe dafür.

  5. 21.

    "Dass viele BEV-Besitzer ihr Fahrzeug mit einer Ausnahme nicht weiterempfehlen würden, hatten wir neulich erst. Bei Tesla tun dies aber 9 von 10. Die haben die drei wichtigsten Kriterien adressiert: Reichweite, Ladenetz und -geschwindigkeit."

    Nachzulesen auf den heiligen Online-Seiten der Tesla-Ministranten?

  6. 20.

    So lange wie Sie das Märchen zum verseuchten Grundwasser erzählen, hätte das in der Tat schon längst heraus gekommen sein müssen. Aber wahrscheinlich ist für Sie auch die Presse in dem Punkt korrupt, dass die das nicht recherchiert. An den Werbeanzeigen von Tesla kann das allerdings nicht liegen. Die schalten bisher keine.

  7. 19.

    Der NABU kann maximal klagen - Gründe dafür gibt es genug und abseits des politischen Willens auch berechtigte Aussichten auf Erfolg- , die endgültige Entscheidung werden am Ende die Richter treffen.
    Wer allerdings denkt, dass die obersten Verwaltungsrichter frei von Lobbyismus sind, der sollte sich dringend nach den Leitern erkundigen, die in den Himmel führen, wenn dort wieder einmal Jahrmarkt ist.

  8. 18.

    Die Buchhalter von Mercedes glaubten auch nicht an eine Zukunft von Tesla und verkauften den 10%-Anteil für 500 Millionen. 2014 (33.000 BEV pro Jahr) gab es dafür Schulterklopfen, heute (200.000 BEV pro Quartal und einer Umsatzrendite ohne CO2-Pooling und mit Bitcoin-Verlusten auf VW-Niveau) würde man dem dafür Verantwortlichen eher welche hinter die Ohren geben.

  9. 17.

    Belustigtes Feixen würde wahrscheinlich die Reaktion sein, wenn jemand für den 5m²-Hühnerstall einen Bauantrag nach LBO einreicht. Deshalb empfehle ich, schon den Namen des Bauherrn für so ein meist nach §61 LBO BBG genehmigungsfreies Vorhaben zu schwärzen.

    Es gibt aber auch Hühnerställe, die so groß sind, dass die nach BImSchG beantragt werden müssen. Das lässt im § 10 ausdrücklich die Schwärzung von Betriebsgeheimnissen in den ausgelegten Unterlagen zu. Vereinzelt berichtete auch der RBB über solche Verfahren.

  10. 16.

    Das Model Y wurde gestern erst in Europa vorgestellt. Model 3 aus China sind hier schon länger auf dem Markt und überraschten mit ein branchenüblichen Fertigungsqualität. Als Einwand haben Sie das aber hoffentlich nicht vorgetragen, da das kein Kriterium für die Genehmigung der Fabrik ist.

    Dass viele BEV-Besitzer ihr Fahrzeug mit einer Ausnahme nicht weiterempfehlen würden, hatten wir neulich erst. Bei Tesla tun dies aber 9 von 10. Die haben die drei wichtigsten Kriterien adressiert: Reichweite, Ladenetz und -geschwindigkeit.

  11. 15.

    Die Qualität der Pridukte ist zwar für das Genehmigungsverfahren nicht relevant, doch erhielt das Model 3 fünf Stern im NCAP-Crashtest. Die Werksfeuerwehr von Tesla war auch schon im Einsatz, weil an der Autobahn ein Verbrenner brannte - ohne Crash. Wie groß muss da erst Ihre Schnappatmung gewesen sein? Täglich brennen dutzende Verbrenner einfach so.

  12. 14.

    Man muß keinen Mut haben sondern nur rechtssichere Gründe finden, die über ein einfaches sinnlos samt deshalb erfundenen Dystopien wie bei Ihnen als Anwohner von irgendwas außerhalb der "Tesla-Region" hinaus gehen. Am Geld scheitert es bei Jahreseinnahmen von 50 Mio. Euro allein des NABU Deutschland nicht.

  13. 13.

    Umweltverbände haben immer Bedenken - gegen alles und jeden....gegen Windräder, gegen Brücken,gegen Straßen, gegen Licht, gegen Stromleitungen, gegen Häuser gegen, gegen. gegen. Bei sowas habe ich Bedenken gegen Umweltverbände....

  14. 12.

    Ich bekomme sehr schnell Schnappatmung bei dem Gedanken das die Kräschtests, BrandSchutzanlagen nicht ausreichend in den Fhz berücksichtigt sind. Die Qualität der Produkte hängt ja auch vom Personal ab, das zumeist keine Erfahrung haben dürfte. In den USA hat das nicht geklappt. Aber so erhält die Generation nach Corona eine Wunderbare Partyhölle mit Bahnanschluss. Da etliche Innerstädtischen Clubräume für Investoren ein allzu profitables Gelände darstellen. Lass dich überraschen.

  15. 11.

    Leider wird es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kaum jemanden geben, der den Mut hat, diesen vom Wahnsinn getriebenen Bau zu stoppen.
    Allerdings hat das wenig mit „Bestandsstatus“ und dergleichen zu tun, hier zählt der reine Überlebenswille.

  16. 10.

    Das Grundwasser lässt dem Tesla-Konzern nach unten keine Luft. Die ist schon lange raus. Es muss davon ausgegangen werden, dass das oberflächennahe Grundwasser schon an vielen Stellen durch die Bautätigkeiten beeinträchtigt ist. Es sind mindestens 20 grobe Verstöße gegen Vorgaben im Wasserschutzgebiet zu verzeichnen. Statt die Verbote einzuhalten lässt sich der Konzern, der sich immer versucht, als umweltfreundlich darzustellen, einfach vom LfU davon freistellen und das LfU befolgt gehorsam, was Tesla fordert.
    Ich würde gern die Tesla-Jünger prüfen, ob ihr Vertrauen zu ihrem Idol wirklich so groß ist wie sie immer lautstark verkünden. Am angekündigten Tag der offenen Tür, sollten an ausgesuchten Stellen Wasserproben genommen werden und die sogenannten Tesla-Fans dürfen sinnlosen Mut beweisen und unter Aufsicht 1 l Wasser trinken. Tesla kann ja sicherheitshalber einen Notarzt samt Krankenwagen bereitstellen.

  17. 9.

    Die Qualität der Ami-Schleudern ist auch nicht besser. Das haben Tests gezeigt. Das wird sich im Gigamonster auch nicht ändern.

  18. 8.

    Unvorstellbar, Tesla baut ohne den Untergrund hydrogeologisch untersucht zu haben und das LfU schreitet nicht dagegen ein. Da niemand weiß, wie der Untergrund aufgebaut ist, kennt niemand die wahre hydrologische Situation im Untergrund. Niemand weiß wie das Grundwasser in Zukunft reagieren wird. Sicher ist, es wird reagieren. Die verschiedenen Grundwasserleiter sind z. Teil miteinander verbunden. Sie stellen kommunizierende Gefäße dar, die sich in der Regel im Gleichgewichtszustand befinden. Dieser Zustand wird durch den Bau der Gigafactory gestört, sodass sich die Fließverhältnisse im Untergrund ändern. Die Beeinflussung der Strömungsverhältnisse reicht bis in Tiefen von über 200 m, wo hochmineralisierte Wässer aktiviert werden. Durch diese Beeinflussung wird sich die Wasserqualität bis in Oberflächennähe verschlechtern. Bei auftretenden Störfällen können Schadstoffe sich unkontrolliert ausbreiten. Auf Grund der Unkenntnis wird eine gezielte Schadensbegrenzung nicht möglich sein.

  19. 7.

    mal sehen ob der Maske länger durch hält
    aber das Ist dann der Lostplaysed-Partyschuppen für die nächste Generation. in der Stadt geht es ja nun nicht mehr, wenn die Kulturbrauerei und selbst das Ding in Sw dicht machen.

  20. 6.

    "Gemeint ist das Kühlmittel Tetrafluorpropen." Hat die Grüne Liga wieder dem RBB diktiert, dass das Kältemittel ein Kühlmittel ist? Gesagt hat das in dem Mitschnitt nur die Sprecherin des RBB.

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