Gigafactory in Grünheide - Für Tesla soll mehr Grundwasser angezapft werden

Grünheide, die Baustelle der Tesla Gigafactory im Ortsteil Freienbrink des märkischen Grünheide in Brandenburg. (Quelle: dpa/Marc Vorwerk)
Bild: dpa/Marc Vorwerk

Weil das Wasserproblem für Tesla in Grünheide bleibt, soll ein Grundwasservorkommen in Hangelsberg angezapft werden. Das zuständige Landesamt warnt allerdings vor politisch motivierter Eile. Von Simone Brannahl und Pune Djalilevand

André Bähler warnt seit langem und fühlt sich oft unverstanden von der Landesregierung. Der Vorsteher des Wasserverbandes Strausberg-Erkner ist für die Trinkwasserversorgung von etwa 170.000 Menschen zuständig. Komme jetzt die erste Ausbaustufe der Tesla-Giga-Factory hinzu, bedeute das einen zusätzlichen industriellen Verbrauch, der geschätzt dem von 40.000 Menschen entspreche. Für weitere Ausbaustufen sieht Wasserverbands-Chef Bähler die Versorgung daher am Limit und droht, wenn nichts passiere, könne es sein, dass dann an Spitzenverbrauchstagen tatsächlich die Trinkwasserversorgung eingeschränkt werden müsse.

Landesamt: "Nicht politisch vor den Karren spannen lassen"

Die Landesregierung hofft daher auf ein Grundwasservorkommen in Hangelsberg. Das wird gerade durch das Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe erkundet. Erste Ergebnisse seien aber frühestens in zwei bis drei Jahren zu erwarten, sagte der Geologe Dietmar Brose vom Landesamt dem ARD-Magazin "Kontraste". Die gesamte Prüfung dauere bis zu fünf Jahren. Brose warnt zugleich vor politisch motivierter Eile bei der Erkundung: "Sicherlich ist der politische Druck enorm. Man will diese Industrieansiedlung doch in relativ kurzer Zeit jetzt über die Bühne bringen." Wenn sich aber im Nachhinein herausstelle, dass Dinge nicht reparabel seien, sei nichts gewonnen: "Deswegen auch der Appell oder auch die Botschaft, dass wir uns hier politisch nicht vor den Karren spannen lassen dürfen, sondern wirklich eine ganz saubere Facharbeit leisten müssen", so Brose.

Tesla-Gründer Musk: "Sieht das hier aus wie eine Wüste?"

Tesla-Chef Elon Musk wiederum reagierte dieser Tage amüsiert auf die Frage nach dem Wasserproblem: "Es ist genug Wasser hier, schauen Sie sich um!" Und auf die Frage einer Kontraste-Reporterin, warum der örtliche Wasserversorger sage, für weitere Ausbaustufen nicht das nötige Wasser zu haben, schüttete sich Musk aus vor Lachen: "Das ist komplett falsch! Sieht das hier aus wie eine Wüste?".

Auf Nachfrage verweist Tesla darauf, dass die Gigafactory im Vergleich zu anderen großen Industrieunternehmen in Brandenburg weniger Wasser verbrauche. Darüber hinaus habe man den geplanten Spitzenverbrauch bereits mehrfach gesenkt und arbeite weiterhin an einer Optimierung.

Umweltminister verwundert über Musk

Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel (Bündnis 90/Grüne) wundert sich im Interview mit Kontraste dennoch über Musks Aussagen. Es liege ein "grundlegendes Missverständnis" vor, wenn man den Seenreichtum in Brandenburg mit Wasserreichtum gleichsetze. So habe Brandenburg die niedrigsten Niederschläge in ganz Deutschland pro Quadratmeter und das wirke sich natürlich aus.

"Von daher obliege Musk einem 'Trugbild', wenn er davon ausgegangen ist, dass in dieser Region in Unmengen Wasser zur Verfügung steht: Das tut es nicht." Vogel bestreitet darüber hinaus, dass auf Mitarbeiter der Landesbehörde ein politischer Druck laste. Er setze bei solchen Neuansiedlungen wie Tesla auf ein Zusammenwirken mehrerer Trinkwasserversorger. Diese Möglichkeiten zu erkunden, dauert allerdings Jahre.

Sendung: Kontraste - Die Reporter "Dokumentation Trockenland - Wem gehört das Wasser?", 24.08.2021, 21:15 Uhr

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Beitrag von Simone Brannahl und Pune Djalilevand

44 Kommentare

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  1. 44.

    Wasserknappheit ist schon viele Jahre ein Thema in Brandenburg.
    Zeitweise wurden die Kahnfahrten im Spreewald eingeschränkt.
    Auch der Ostsee kann nicht wie geplant gefüllt werden. Nun bestimmt nie.
    Wenn durch zu viel Grundwasserentnahme die Bodenstruktur verändert wird, kann es zu ungeahnten Schäden kommen. Wer trägt da wohl die Verantwortung?
    Politiker kommen und gehen.

  2. 43.

    Hier geht es vor allem um die Versorgung. Das Leipnizinstitut wendet vor allem zum Abwasser ein, dass Tesla nach deren Ansicht zu viel Sulfat in die vorbelastete Spree einleiten möchte. Dass die auch den wasserbedarf der Privatgärten kritisieren, ist Ihnen dabei offensichtlich entgangen.

  3. 42.

    Herr Neumann scheren sie sich an die von ihnen immer wieder gebetsmühlenartig genannten Orte wie

    BASF Schwarzheide 3 Mio m³/a
    Leipa Schwedt 6 Mio.
    Stahlwerk Eisenhüttenstadt 7 Mio
    PCK 6 Mio
    Berlin 220 Mio.

    Setzen sie sich dafür ein, dass dort verantwortlich mit dem kostbaren Gut „Wasser“ umgegangen wird. Unterlassen sie es gefälligst, dass Tesla sich auf Kosten der Bevölkerung in der Region Grünheide und Berlin in die Gruppe der großen Umweltfrevler von einreihen kann. Bloß der Herr Musk wird sich nicht mit irgendeinem Platz zufrieden geben. Der Typ strebt nach der Spitzenstellung. Ihn stört anscheinend auch, dass er bei seinen Besuchen in Grünheide immer noch in der Ferne die Farbe“ Grün“ sieht. „Grau“, „Braun“ und „Gelb“ sind seine Lieblingsfarben. Er setzt dabei voll auf „Schwarz“ und gemeinsam finden sie das lustig.

  4. 41.

    Oh, bekommt die Dame das Wasser aus den Talsperren? Und gibt es dafür weitere Quellen? Nebenbei finde ich Ihre These von neulich gewagt, dass die Infrastruktur frühzeitig hätte ausgebaut werden sollen. Ich erinnere dabei an die "nachts beleuchteten blühenden Landschaften", die kurz nach der Wende entstanden sind, weil über den mittelfristigen Bedarf hinaus Gewerbe- und Industriegebiete voll erschlossen worden sind - samt zugehörigen Klärwerken etc. Es gab dafür massive Kritik vom Rechnungshof.

  5. 40.

    So und was ist nun Ihre Lösung. Ab sofort verzichten wir in Deutschland auf jegliche Wirtschaftliche Entwicklung, um weiterhin unseren Rasen und unseren Pool bewässern zu können?

  6. 39.

    Hinterfragen Sie doch einfach mal, warum VW Wolfsburg Wasser aus dem Harz bezieht und Daimler Stuttgart aus der Bodenseeregion. Ganz einfach, weil das Wasser in den Regionen zu knapp ist.

    Hatte das Vergnügen, mit einer langjährigen Bewohnerin der Harzregion zu telefonieren und auch der ist aufgefallen, dass der Wasserdruck dort erschreckend gesunken ist.
    Zitat: "Es dauert ewig, eine Wasserflasche zu füllen."
    Kann man auch deutlich sehen. Schlechte Zeiten für Allergiker, die auf dieses Wasser angewiesen sind.

  7. 38.

    Das Wasserproblem wird durch die Ansiedlung verstärkt. Ich würde nie dort hin ziehen - ich schaue mir vorher an, was an dem zukünftigen Wohnort Situation ist, daher würde es mich nie Richtung Grünheide und Umgebund ziehen.

  8. 37.

    Und wieder haben sich die vielen Fachleute hier vor den Karren spannen lassen, keine Ahnung aber ganz viel Meinung.
    Ich bin da bei Mr. Musk, „sieht das hier aus wie in einer Wüste“?

  9. 36.

    Vergleichen Sie bitte nochmals den aktuell angemeldeten Wasserbedarf mit dem vom Januar 2020. Tipp; Der ist niedriger.

  10. 35.

    Interessant sind zu diesem Artikel auch die Aussagen des Leibnizinstituts zu dem hier leider kein Wort verloren wird. Es bestätigt die negativen Auswirkungen auf die müggelspree im Falle der Einleitung der Abwässer. Nachzulesen im Tagesspiegel. Dass natürlich sämtliche Grünen Größen kein Problem mit der Wasserversorgung sehen war ja klar. Die Gedanken dazu kann ich hier nicht schreiben. Der einzige Grund, warum Musk die Politiker aufgesucht hat, war ihnen mitzuteilen, dass er mit oder ohne Baugenehmigung im Oktober seine GIGA Fabrik mit der Produktion beginnen lässt. Ich bin gespannt, wie die unrechtmäßigkeit ihren lauf nimmt. Steinbach und den Grünen bleibt nicht mehr viel Zeit bis Oktober.

  11. 33.

    Na ne. Das Thema Batteriewerk ist erst jetzt seit diesen Frühling (April) dieses Jahr aktuell !
    Er wollte da so nebenbei mal eben schnell den Genehmigungsantrag beim Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz (MLUK) für die Anlage zur Herstellung von Elektrokraftfahrzeugen in Grünheide (Mark) ändern lassen - für die Erlaubnis viel Wasser für ein zusätzliches Batteriewerk beziehen zu dürfen !!

  12. 32.

    Bin weder für noch gegen Tesla, Fakt ist das Brandenburg durch den Klimawandel schon jetzt ein massives Wasserproblem hat. Und das ist erst der Anfang wie ich vorhin in einem Info Radio Beitrag hörte.

  13. 31.

    Das Werk wird nicht mehr abgerissen, da die bisherigen Zulassungen laut Verwaltungsgericht "Bestandsstatus" haben.

    Man mag von Tesla und Elon Musk halten was man will. Das Wasserproblem in der Region besteht unabhängig von Tesla.
    In den nächsten Jahren werden tausende Menschen in die Region ziehen und es wird sich auch weiter Industrie ansiedeln.
    Das Problem ist grundsätzlich zu lösen über sparsamen Umgang vor Ort und Erschließung neuer Quellen.

  14. 30.

    Elon Musk hat sehr gut von Trump gelernt. Beiden fehlt jegliches Verständnis für Realitäten. Schickt den Mann schnell auf den Mond, bevor die nächsten Wälder brennen.

  15. 28.

    "ein Zusammenwirken mehrerer Trinkwasserversorger" bedeutet, andere werden "verdonnert", gegen jede, bisher aus gutem Grunde eigene Wasserversorgung, auszusteigen und nach "Zuteilung" abzugeben. Herr Vogel nennt das "Niedrigwasserkonzept" und bedeutet: er (um)verteilt nach politischen Ansichten gegen Andersdenkende?

  16. 27.

    Und wieder das Zeitrahmen-Problem: Die Überschrift von RBB24 ist richtig. Nur ist das seit mehr als 1 3/4 Jahren öffentlich bekannt. Haben Sie den Artikel auch bis zum Ende gelesen?

  17. 26.

    Das sollte vor Allem auf der Pflichtlektürenliste der Politiker stehen.

  18. 25.

    Allen Interessierten: Heute Abend um 21:15 Uhr im rbb, Kontraste. Die Reporter: "Trockenland - Wem gehört das Wasser."

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