Teslas Wasserverbauch im Vergleich - Wo Brandenburger Industrie Millionen Kubikmeter Wasser verbraucht

Stahlwerk von ArcelorMittal in Eisenhüttenstadt und der Wasserverbrauch
Video: Brandenburg Aktuell | 16.09.2021 | Lucia Heisterkamp | Bild: rbb

Seitdem bekannt wurde, dass Elon Musk seine Tesla-Fabrik in ein Wasserschutzgebiet baut, laufen Kritiker gegen den geplanten Wasserverbrauch Sturm. Dabei benötigen andere Unternehmen in Brandenburg weit mehr Wasser. Von Lucia Heisterkamp

Auch wenn er aussieht wie ein unbedeutendes Gewässer, ist der Pohlitzer See von enormer wirtschaftlicher Bedeutung. In der Idylle des auch bei Anglern beliebten Gewässers liegt das Hauptpumpwerk des Stahlwerks von AcelorMittal in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree).

Große Wassermengen werden dort jedes Jahr entnommen, um Stahl und andere Materialien im Werk zu kühlen. "Viele Anlagen haben ja Kühlkreisläufe", sagt Falk Möbius, Wasserdienstleister für ArcelorMittal. "Das heißt, sie kommen in Kontakt mit heißen Medien oder heißem Stahl und müssen entsprechend gekühlt werden. Das braucht Wasser."

Stahlwerk braucht acht, Tesla 1,4 Millionen Liter

Rund acht Millionen Kubikmeter sind jährlich dafür notwendig. Viel Wasser in einer Region, die immer trockener wird und ein Problem, das man hier durchaus erkannt hat. "Die höchste Anforderung, die wir uns hier stellen, ist Wasser zu sparen", sagt Steffi Marquardt, Gewässerschutzbeauftragte des Stahlwerks. "Es ist eine wichtige Ressource und wir versuchen so viel wie möglich das Wasser im Kreislauf zu fahren und wir arbeiten ständig daran, weitere Einsparmaßnahmen zu finden."

Das Wasser soll möglichst lange im Werk bleiben und vielfältig verwendet werden. In den letzten zehn Jahren hat der Stahlkonzern nach eigenen Angaben den Verbrauch um über 75 Prozent reduziert. Dennoch liegt das Werk mit den acht Millionen Kubikmetern deutlich über dem, was zukünftig Autobauer Tesla für seine erste Ausbaustufe in Grünheide verbrauchen will. Dort würden nach Angaben des Unternehmens 1,4 Millionen Kubikmeter Wasser im Jahr benötigt.

Wassersystem des Stahlwerks von ArcelorMittal in EisenhüttenstadtHauptpumpwerk des Stahlwerks in Eisenhüttenstadt

NABU: Auf den Standort kommt es an

Der Wasserverbrauch anderer Großbetriebe in der Region liegt ebenfalls teilweise auf deutlich höherem Niveau. Die Ölraffinerie PCK in Schwedt (Uckermark) etwa verbraucht 20 Millionen Kubikmeter im Jahr, der Braunkohle-Konzern LEAG in der Lausitz rund 100 Millionen Kubikmeter.

Trotzdem prangern Umweltverbände immer wieder den Wasserverbrauch von Tesla an. Christiane Schröder vom Naturschutzbund Brandenburg (NABU) sagt: "Das Problem ist, dass er eben nicht so gering ist und diese anderen Verbraucher auch an Stellen stehen. Das PCK zum Beispiel liegt direkt an der Oder und hat dort eine ganz andere Wasserverfügbarkeit. Außerdem ist sie historisch in einer ganz anderen Zeit gebaut worden und wir haben seit Jahrzehnten sinkende Grundwasserstände."

Dies sei bei der Standortwahl von Tesla nicht berücksichtigt worden, so Schröder. Schließlich steht die Fabrik mitten im Trinkwasserschutzgebiet. Ein Problem, das für Tesla-Chef Elon Musk offenbar keines ist. Er sagte noch vor kurzem bei einem Besuch auf der Baustelle: "Hier ist überall Wasser. Sieht das hier für Sie wie eine Wüste aus?"

Industrie steht in der Spar-Pflicht

Das Stahlwerk in Eisenhüttenstadt hingegen sieht sich durch die zunehmende Trockenheit in Brandenburg schon jetzt vor große Herausforderungen gestellt. "Jede Industrie ist angehalten möglichst viel Wasser einzusparen", sagt Steffi Marquardt. "Da gibt es auch gesetzliche Vorgaben und verfügbare Technologien und Möglichkeiten. Das muss eigentlich jede Industrie auch umsetzen."

Im Stahlwerk wird deshalb das Abstoßwasser nach strengen Vorgaben aufbereitet und dann zurück in die Oder geleitet. Schließlich sei man davon abhängig, dass hier auch weiterhin genügend Wasser fließt.

Sendung: Antenne Brandenburg, 16.09.2021, 15:10 Uhr

Beitrag von Lucia Heisterkamp

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