Fabrik in Grünheide - IG Metall ruft Tesla-Mitarbeiter zur Betriebsratswahl auf

Di 22.02.22 | 11:29 Uhr
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Blick auf die Baustelle der künftigen Tesla Gigafactory Berlin Brandenburg. (Quelle: dpa/Christophe Gateau)
Video: Brandenburg Aktuell | 21.02.2022 | Jakub Paczkowski | Bild: dpa/Christophe Gateau

Eine "gute Nachricht" nennt die IG-Metall die Einführung eines Betriebsrates im künftigen Tesla-Werk in Grünheide. Nun sollen möglichst viele Mitarbeiter bei der Wahl kommende Woche mitmachen. An der Gestaltung der Wahl gibt es aber auch Kritik.

Vor der für den kommenden Montag geplanten Betriebsratswahl der Tesla-Fabrik in Grünheide (Oder-Spree) hat die Gewerkschaft IG Metall die Beschäftigten zur Teilnahme aufgerufen. "Bei der ersten Betriebsratswahl im deutschen Tesla-Werk geht es um viel", sagte IG-Metall-Bezirksleiterin Birgit Dietze im Pressegespräch am Montag.

Dietze zeigte sich erfreut, dass der Betriebsrat bei dem US-Unternehmen eingeführt wird. "Das ist eine wirklich gute Nachricht", sagt sie. Damit bekäme die Belegschaft die Chance, ihre Interessen einzubringen und natürlich auch durchzusetzen.

Große Herausforderungen

Der künftige Betriebsrat stehe vor großen Herausforderungen, habe aber auch einen großen Gestaltungsspielraum, so Dietze weiter. Die Fabrik des US-Elektroautobauers bei Berlin habe nach aktuellen Erkenntnissen der IG Metall bereits 2.500 Angestellte.

Etwa 400 der neuen Angestellten hat die Arbeitsagentur Frankfurt (Oder) an das US-Unternehmen vermittelt, sagte der Leiter Jochem Freyer. 250 davon seien zuvor arbeitslos gewesen. "Diejenigen, die wir vermitteln konnten, sind überwiegen in den Bereichen der Produktion oder im Lager oder der Lager-Logistik eingemündet. Es gibt aber durchaus auch Führungskräfte, die ihren Weg zu Tesla über uns gefunden haben."

Insgesamt will das US-Unternehmen in den kommenden Jahren bis zu 12.000 Menschen am Standort Grünheide anstellen. Sie sollen mehrere hunderttausend Elektro-Autos jährlich produzieren.

Eines der größten Ausbildungsbetriebe

Der US-Elektroautohersteller will zudem in diesem Sommer mindestens 100 Auszubildende einstellen. Damit wäre Tesla einer der größten Ausbildungsbetriebe in Brandenburg. Jochem Freyer von der Arbeitsagentur sagte dazu: "Tesla ist bereits im letzten Jahr in die Ausbildung eingestiegen. Die Berufsberatung der Arbeitsagentur betreut jetzt 15 verschiedene, betriebliche Ausbildungsberufe vom Gießerei-Mechaniker über den Chemie-Laboranten, Elektroniker bis hin zur Fachkraft für Lager-Logistik. Verschiedenstes wird gesucht."

Tesla will außerdem gemeinsam mit der Technischen Hochschule Wildau mehrere duale Studiengänge anbieten. Allerdings ist das Tesla-Werk noch nicht genehmigt. Der Produktionsstart wird derzeit Mitte März erwartet.

Vor dem Produktionsstart sei jedoch vieles noch gar nicht oder aber noch nicht im Sinne der Beschäftigten geregelt, sagt Dietze. Aus Sicht der Gewerkschafterin sollten auch deshalb die Betriebsräte repräsentativ zusammengesetzt sein und vom Management unabhängig agieren.

Sie wies zugleich darauf hin, dass Mitarbeiter der Produktion noch nicht vollständig eingestellt seien und es deshalb bei der anstehenden Wahl besonders schwer hätten, in dem Gremium vertreten zu werden. Die Tesla-Fabrik darf bislang nur zu Testzwecken bis zu 2.000 Fahrzeuge produzieren.

Der Zeitpunkt der Betriebsrats-Wahl sei daher überraschend, da bisher nicht einmal die Hälfte der geplanten Belegschaft eingestellt worden ist. Sollte dies in den kommenden Wochen mit dem offiziellen Produktionsstart erfolgen, repräsentiere dennoch das auf 19 Mitglieder festgelegte Gremium, das am Montag gewählt wird, für mindestens die kommenden zwei Jahre die gesamte Mitarbeiterschaft.

Vor allem Führungspersonal und Ingenieure

Für den Betriebsrat dürfen laut IG Metall zufolge nur Beschäftige kandidieren, die am Wahltag bereits sechs Monate in dem Unternehmen tätig sind. Das treffe für die meisten Mitarbeiter der Fertigung nicht zu. Ihren Angaben zufolge seien derzeit mehrheitlich Führungspersonal und Ingenieure in Grünheide beschäftigt.

Insgesamt vier Kandidatenlisten stehen zur Wahl, wie die IG-Metall-Vertreterin berichtet. Die Gewerkschaft habe keine eigene Liste aufgestellt. Generell sei es schwer, an Informationen aus dem Werk zu kommen. Eine der Kandidatenlisten sei sehr nah am Management, heißt es aus dem Unternehmensumfeld.

Wahlurnen nur für sechs Stunden geöffnet

Zudem falle auf, dass die Wahlurnen im Werk am kommenden Montag nur für insgesamt sechs Stunden geöffnet werden. Das könnte knapp werden bei 2.500 Angestellten und unter Einhaltung der Abstandsregeln.

Sendung: Antenne Brandenburg, Antenne am Nachmittag, 21.02.2022, 16:10 Uhr

Mit Material von Philip Barnstorf

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21 Kommentare

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  1. 21.

    Der verarscht uns hier doch alle. Erst vor Kurzem schrieb er über Atombomen als Energiequelle

  2. 20.

    "Jetzt kommt der Beamtenschimmel in die Firma und legt alles lahm."

    Hoffentlich bald!

  3. 19.

    Nicht nur der Kämmerer der Eifel-Gemeinde Prüm stellt Sie Lügen, freut er sich doch über weiterhin sprudelnde Gewerbesteuer - ungeachtet der anstehenden Abschreibungen in Grünheide.

    Verwenden Sie deshalb wechselnde Nicks und wollen mit Ihrem Vorwurf davon ablenken?

  4. 18.

    Wird wohl wie in fast jeder größeren Firma ein Listenwahlrecht. Für Personenwahlrecht müssen ja ALLE Mitarbeiter zusammen 1 Liste aufstellen. Da reicht 1 Abweichler plus Unterstützer.

    Auch die Gewerkschaft bevorzugt standardmäßig ein Listenwahlrecht.

  5. 17.

    Herr Klink da Sie vor kurzem wieder mit veralteten längst widerlegen Studien zu Emobilität kamen.

    Hier mal was aktuelles:
    https://www.autobild.de/artikel/e-auto-umwelt-co2-bilanz-ausstoss-rucksack-batterieherstellung-3729677.html

    Gerade die Studie der BW Uni in München ist topaktuell.

    Autobild ist jetzt auch nicht für linksrotgrüne Träumerei bekannt.

  6. 16.

    Es ist legitim und normal, dass eine Gewerkschaft um Einfluss kämpft. Ob aber die IG Metall den Tesla- Beschäftigen hilfreich sein kann, von außerhalb also „diktiert“, muss sie erst beweisen. In anderen Fällen war sie eher hinderlich und hat Firmen in den Ruin getrieben: NFP Potsdam z.B. Ein Kipperhersteller. Die Kollegen vor Ort werden die richtigen Vertreter finden, ohne uns Kommentatoren...und das ist das einzig Richtige.

  7. 15.

    Jetzt kommt der Beamtenschimmel in die Firma und legt alles lahm.

  8. 14.

    In diesem "Unternehmen", dass in Deutschland niemals Steuern bezahlen wird, passiert nichts ohne seine Genehmigung.
    Dominick, du kannst dich nennen wie du willst, dein digitaler Fingerandruck verrät dich.

  9. 13.

    In einer anderen Fabrik von Tesla ist die Gewerkschaft gescheitert, die Mitarbeiter von einem Tarifvertrag zu überzeugen. Hier hat die auch wenig Kontakt zu Mitarbeitern und muß über die Presse zu Wahl aufrufen.

  10. 12.

    "Frau Dietze von der IGM hat zur Betriebsratswahl aufgerufen!"

    Hat sie nicht, sie hat lediglich an die Beschäftigten appelliert, daran teilzunehmen.

  11. 11.

    @rbb24 1.Abs überrschend
    Antwort nicht nötig

  12. 10.

    Frau Dietze von der IGM hat zur Betriebsratswahl aufgerufen!

    Ansonsten bitte den Artikel lesen und was Anderes rauchen.

  13. 9.

    Das Marsmännchen setzt seine unlauteren Werbeaktionen fort, greift in seine Trickkiste und lässt betriebsratswählen. Glaubt wirklich jemand, dass es da mit rechten Dingen zugeht? Dagegen spricht schon die restriktive Informationspolitik von Tesla. Wahrscheinlich dürfen nur ausgesuchte Leute und speziell arbeitsvertraglich gebundene Personen zur Wahl stehen? Ich würde erwarten, dass sich um dieses Thema die Arbeitsagentur kümmern sollte, statt eine Art Menschhandeln zu treiben, um Leute zum Dienst bei Tesla zu zwingen. Gewerkschaften dürfen nur von draußen hilflos zusehen, wie sie von Tesla ausgetrickst werden. Teslas Privatarmee hält sie fern. Statt im Sinne der Arbeitnehmerschaft zu handeln, die von Haus aus ihre Stammwählerkapital ist, schaut die SPD-geführte Landesregierung untätig zu bzw. weg, wenn gegen bundesdeutsches Arbeitsrecht verstoßen wird und in der Vergangenheit schwer erkämpfte Arbeitnehmerrechte Schritt für Schritt wieder abgebaut werden.

  14. 8.

    Woher wissen Sie, dass es dort Mitarbeiter*innen in "prekären" Arbeitsverhältnissen gibt? Kennen Sie die Löhne der Produktionsmitarbeiter*innen bei Tesla?

  15. 7.

    Wenn für Sie 2.700 Euro Einstiegsgehalt ein prekäres Arbeitsverhältnis kennzeichnen ... Fragen Sie mal die Angestellten Ihres Frisörs, was die bekommen, die Mitarbeiter im Supermarkt oder gerade Arbeitnehmer im Gastro- und Touristikbereich.
    https://www.rbb24.de/studiofrankfurt/wirtschaft/tesla/2020/wirtschaftsfaktor-arbeitsmarkt-region-gruenheide-fabrik-analyse.html
    https://www.rbb24.de/wirtschaft/beitrag/2022/01/berlin-ein-fuenftel-der-vollzeitbeschaeftigten-gerungverdiener.html

    Bzgl. der Kapazität des Werks ist Tesla nicht nur in Shanghai dabei, die Kapazität auch ohne Zubau zu vergrößern, sondern laut Automobilwoche auch In Grünheide.

  16. 6.

    Wenn für Sie 2.700 Euro Einstiegsgehalt ein prekäres Arbeitsverhältnis kennzeichnen ... Fragen Sie mal die Angestellten Ihres Frisörs, was die bekommen, die Mitarbeiter im Supermarkt oder gerade Arbeitnehmer im Gastro- und Touristikbereich.
    https://www.rbb24.de/studiofrankfurt/wirtschaft/tesla/2020/wirtschaftsfaktor-arbeitsmarkt-region-gruenheide-fabrik-analyse.html
    https://www.rbb24.de/wirtschaft/beitrag/2022/01/berlin-ein-fuenftel-der-vollzeitbeschaeftigten-gerungverdiener.html

  17. 5.

    Die Boulevardjournalistin, die nach dem Wasser gefragt hatte, posierte übrigens auch in einem leeren Hochwasserschutzbauwerk, um den Wassermangel zu verdeutlichen. Die Klagen gegen die Zulassungen nach BImSchG §8a belegen zudem, dass der Rechtsstaat funktioniert - nur nicht für die, die ein anderes Ergebnis haben wollen. Demokratische Institutionen haben dabei überhaupt erst den Rechtsrahmen zum Bau der Fabrik geschaffen. Stöbern Sie dazu mal in den alten Grundsatzdiskussionen. Hier geht es deshalb nur noch um Details wie dem Betriebsrat. Dabei hat die IGM erneut dem RBB nicht verraten, dass der BR wegen des erwarteten Personalzuwachses eh in zwei Jahren neu gewählt werden muss.

  18. 4.

    Interessant wäre mal zu wissen, ob es eine Listen- oder Persönlichkeitswahl ist. Wenn es eine Listenwahl ist, wie viel Listen gibt es?

    In zwei Jahren wird - sofern es bis dahin einen Genehmigung und mehr Personal gibt - neu gewählt. Also alles halb so wild.

  19. 3.

    Das wird wohl eher ein Alibibetriebsrat werden, da bisher nur gewisse Funktionsebenen die Bedingungen für eine Kandidatur in den BR erfüllen. Die Beschäftigten, die in den prekären Arbeitsverhältnissen tätig sind, werden wahrscheinlich gar nicht vertreten sein.
    Die endgültige Zulassung wird sowieso beklagt, das kann sich noch lange hinziehen. Zumal Elon Musk seine Ausbaupläne für die Fabrik gerade auf Eis gelegt hat. Wahrscheinlich versteht er langsam, dass Grünheide nicht die Lausitz ist und seine Fabrik im Trinkwasserschutzgebiet sehr viel Klagepotential bietet.

  20. 2.

    Ich finde es so einen Skandal, das das Werk ohne Genehmigung gebaut werden konnte!
    Wie soll der Hansel oder die Abteilung in der Behörde denn nun noch frei die Genehmigung eventuell auch NICHT erteilen? Der Druck ist ja wohl enorm. Demokratische Institutionen wurden ausgehebelt für einen Unternehmer der international massiv Steuervermeidung betreibt und der über den Wassermangel der Region nur lacht und meint "es ist doch alles grün hier".
    Die Wasserversorgung von über 3 Millionen Berliner*innen und Brandenburger*innen und der Landwirtschaft hat Vorrang, das ist hoffentlich allen Regierenden noch klar!

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