Vor Produktionsstart in Grünheide - Wasserwerk Eggersdorf darf Tesla mit ausreichend Wasser beliefern

Do 17.03.22 | 21:47 Uhr
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Das Wasserwerk Spitzmühle vom Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE) am 29.03.2021. (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Audio: Antenne Brandenburg | 17.03.2022 | Sandra Ponesky | Bild: dpa/Patrick Pleul

Vor dem Start der Tesla-Fabrik gibt es eine Einigung in punkto Wasserbelieferung: Das Wasserwerk Eggersdorf darf nun wieder mehr Wasser fördern. Der Versorgungsvertrag mit Tesla bleibt bestehen, doch der Wasserverband sieht weiter Probleme.

Der Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE) darf am Wasserwerk Eggersdorf (Landkreis Märkisch-Oderland) wieder insgesamt rund 3,8 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr fördern. Das bestätigte WSE-Sprecherin Sandra Ponesky auf Anfrage dem rbb.

Zuvor hatte das Landesumweltamt (LfU) als obere Wasserbehörde nur eine Duldung von rund 2,5 Millionen Kubikmeter erteilt, die laut WSE nicht ausreichend sei, um beispielweise auch den Versorgungsvertrag mit Tesla in Grünheide (Landkreis Oder-Spree) zu erfüllen.

WSE: Wasserversorgung bleibt angespannt

Mit dieser Genehmigung ist das Wasser-Problem in der Region vorerst vom Tisch, hat der WSE auf einer außerordentlichen Verbandsversammlung am Donnerstag entschieden. Der Versorgungsvertrag des Verbandes mit dem US-Elektroautobauer bleibt demnach bestehen.

Dennoch bleibe die Wasserversorgung im Verbandsgebiet angespannt. Denn durch bereits bestehende Flächennutzungspläne und Verdichtung in den Gemeinden würden die verbleibenden Reserven gänzlich ausgeschöpft, hieß es in einer am Abend veröffentlichten Stellungnahme. Deswegen seien darüber hinaus gehende Bebauungspläne, Gewerbe- oder Industrieansiedlungen wegen fehlenden Grundwassers derzeit nicht möglich.

Gericht gab in Teilen Klage statt

Hintergrund der Duldung ist ein Urteil des Verwaltungsgerichts Frankfurt (Oder). Dort hatten die Umweltverbände Grüne Liga und Nabu gegen eine vom LfU im Jahr 2020 bewilligte Förderung am Wasserwerk Eggersdorf geklagt. Das Gericht gab den Umweltverbänden am 4. März in Teilen Recht und hat die 2020 ohne Beteiligung der Öffentlichkeit ausgestellte Bewilligung als "rechtswidrig" erklärt. Eine weitere Entnahme wäre demnach nach Inkrafttreten des Urteils illegal. Jedoch kann der Fehler durch eine nachträgliche Öffentlichkeitsbeteiligung "geheilt" werden, wie das Gericht erklärte.

Um die Wasserversorgung dennoch zu gewährleisten, hatte das LfU daraufhin eine Duldung von 2,5 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr in den Raum gestellt. Dabei handelt es sich um die ursprüngliche Fördermenge, die vor der Bewilligung von 2020 in Eggersdorf erlaubt gewesen war. Diese sei jedoch nicht mehr ausreichend, erklärten Vertreter des WSE. Einer der Gründe dafür sei unter anderem der geschlossene Versorgungsvertrag mit Tesla.

Treffen in Potsdam

Nach einem Treffen von WSE-Verbandsvorsteher André Bähler mit der Abteilungsleiterin für Wasser und Bodenschutz im Brandenburger Umweltministerium, Anke Herrmann, in Potsdam, habe es am Mittwoch eine Einigung gegeben. "Seit heute Morgen liegt uns eine für uns akzeptable Duldung des Landes über die Menge von rund 3,8 Millionen Kubikmeter im Jahr für die Wasserfassung in Eggersdorf vor", sagte Sprecherin Sandra Ponesky am Donnerstagvormittag.

Jedoch ist das Problem damit noch nicht gelöst, wie die Verbandssprecherin erklärte: "Wir haben nach wie vor ein Defizit für die gemeindliche Entwicklung. Das heißt, da braucht es noch Lösungen und zusätzliche Entnahmemengen durch das Land." So könnten neue Bauvorhaben von dem WSE auch nicht positiv bescheinigt werden, da für neue Gewerbe- oder Wohnprojekte das Wasser nicht ausreiche, so Ponesky.

Duldung befristet, Mehrentnahme meldepflichtig

Die Duldung ist zeitlich befristet, wie ein Pressesprecher des Umweltministeriums gegenüber dem rbb bestätigte. Die Mehrentnahme von Wasser werde nur geduldet, bis das Verfahren für die wasserrechtliche Bewilligung "bestandskräftig abgeschlossen ist". Nachdem die ersten etwa 2,5 Millionen Kubikmeter erreicht werden, sei der Beginn der Mehrentnahme beim Landesamt für Umwelt anzuzeigen und darzulegen. Dazu soll das WSE dem Amt jedes Quartal Informationen zu den Entnahmemengen des Wasserwerks übergeben. Das Einbeziehen der Öffentlichkeit wird aber etwas dauern: "In der Regel wird für die Durchführung der Öffentlichkeitsbeteiligung bei Einhalt aller Fristen ein Zeitraum von etwa 4 Monaten eingeplant", so der Sprecher.

Neue Bauvorhaben seien nicht möglich

Bereits Anfang März und noch vor dem Urteil des Verwaltungsgerichts hatte sich der WSE in einem Schreiben an die 16 Verbandsmitglieder aus Städten, Gemeinden und Ämtern gewandt und vor dem Problem gewarnt. "Ausgehend von unserem nutzbaren Grundwasserdargebot, der aktuellen Grundwasserförderung und der Steigerung durch die baurechtlich nicht aufzuhaltende Verdichtung innerhalb des Verbandsgebietes sind unsere Erlaubnismengen bereits jetzt ausgeschöpft", heißt es in dem Schreiben, das dem rbb vorliegt. Das habe zur Folge, dass im Rahmen der Bauleitplanung negative Stellungnahmen zu erwarten seien.

So sei der WSE mit der Duldung der Förderung in Eggersdorf und den drei weiteren Wasserwerken im Verbandsgebiet bei einer gesamten Fördermenge von rund 14,5 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr, der Bedarf sei jedoch größer: "Um jetzt erst einmal fürs Erste halbwegs sicher für die nähere Zukunft zu sein, bräuchten wir 18,2 Millionen Kubikmeter im Jahr", sagte Ponesky.

Tesla-Werk soll am Dienstag eröffnet werden

Tesla will am Dienstag, den 22. März, in seiner Fabrik in Grünheide mit der Auslieferung der ersten Autos an Kunden beginnen. Zu der Veranstaltung wird auch Tesla-Chef Elon Musk erwartet. In einer ersten Ausbauphase ist vorgesehen, dass im ersten europäischen Tesla-Werk mit rund 12.000 Beschäftigten rund 500.000 Autos pro Jahr hergestellt werden.

Sendung: Antenne Brandenburg, Nachrichten, 17.03.2022, 10:30 Uhr

43 Kommentare

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  1. 43.

    Wie das gehen soll sagen Sie uns bitte. Ein Haufen Sand drüber kippen ? Sie sehen doch; ein paar km Wasserleitung bauen ist zu teuer, Aber F 35 kaufen...es gibt billigere.

  2. 42.

    Das stimmt wohl was Sie sagen. Nur ist genau das und der Klimawandel als Ausrede für Minusgeschäfte gut geeignet.
    Ganz zu schweigen von Untätigkeit und Mangelverwaltung nach komischer Moral. Deshalb, schrieb ich sinngemäß, dass wohl eine Fernwasserleitung u.a. nicht nötig wäre, wenn... die Standortwahl klug gemacht worden wäre. Hat man aus dem BER nicht gelernt? Nein, es liegt an der Einstellung im Kopf von Ideologen.

    P.S. Erfolg wäre, wenn Brandenburg das viele Fördergeld zum Geberland gemacht hätte. Stattdessen gibt es lt. Woidke „den Brandenburger Weg“ .... Da denkt man gleich nicht nur an den BER...und Herrn Gablenz...

  3. 41.

    Ein neues Wasserkonzept wäre auch ohne Tesla dringend geboten. Diese Investition hat uns nur mit der Nase draufgestoßen. Seit gut 20 Jahren ist nicht mehr in die3 Infrastruktur investiert worden.
    Das Wasserproblem ist mit Tesla-Geschwindigkeit lösbar.

  4. 40.

    „Die neue Abwasserdruckleitung hat übrigens Tesla bauen lassen und das wohlweißlich nicht dem WSE überlassen,“ meint Herr Neumann.
    Tut mir Leid Herr Neumann, wenn Tesla seine Finger im Spiel hat, steckt meist ein krummes Ding dahinter. Wer bezahlt nun die Leitung? Musste der Wirtschaftsminister wie bei dem fiktiven Wiederaufforstungsprojekt wieder die von ihm verwaltete DDR-Vermögenskasse plündern? Oder müssen am Ende sämtliche WSE-Kunden über einen höheren Wasser- bzw. Abwasserpreis die Kosten dafür tragen?

  5. 39.

    Sie wissen aber schon, dass der WSE für 2017 und 2018 Strafe wegen Überschreitung der Fördergrenzen hatte zahlen müssen?

  6. 38.

    Welche laufende Nummer trägt Ihr Einwand? Die Antworten darauf kann man ja noch einsehen. Dabei hatten Sie ja hier zunächst behauptet, dass der Boden gar nicht untersucht worden ist, um dann nach Bildbeweisen der ausführenden Firma die Kompetenz abzusprechen.

  7. 37.

    Man muss sich das wünschen, aber wenn eine Fernwasserleitung u.a. gebaut werden muss, was ohne Tesla nicht gebaut worden wäre, ja dann spricht man von.....?

  8. 36.

    Richtig Herr Josti es handelt sich um einen faulen, gewaltig zum Himmel stinkenden Kompromiss, der die Wasserversorgung für Tesla auf Kosten der Bevölkerung sichert. Ohne Kenntnisse der wahren hydrogeologischen Situation duldet die Potsdamer Truppe im Stile von Schließ-Musk-elkriecher die vom Texas-Guru geforderte Wassermenge. Es ist erschreckend welch hydrogeologisches Wissensdefizit beim LfU herrscht. Mein Einwand bezüglich des unzureichenden Untersuchungsgrads des Untergrundes in Freienbrink wurde mit der Begründung abgebügelt, dass durch mehr Bohrungen nicht mehr Wasser vorhanden ist. Beim LfU scheint man nicht zu wissen, dass Bohrungen nicht zur Wasserproduktion dienen, sondern zur Klärung, ob überhaupt genügend Wasser zur Verfügung steht. Weiter meint das LfU, dass Bohrungen im WSG verboten sind. Noch mehr Unverstand des LfU. Es ist für die Behörde belanglos, dass Tesla das Verbot missachtend ca. 5000 Löcher im WSG meist blind in den Untergrund getrieben hat.

  9. 35.

    Hinsichtlich der Steuereinnahmen mache ich mir überhaupt keine Sorgen. Die Mitarbeiter bekommen Lohnsteuer, die in der Region bleibt. Das Werk braucht Dienstleister und Zulieferer vor Ort. Die Mitarbeiter wollen sich vor Ort was aufbauen.
    Klar, Tesla wird in den nächsten Jahren wegen der hohen Abschreibungen eher wenig Steuern zahlen. Das ist bei der Größe des Unternehmens eher eine Frage der Hebesätze.
    Ich habe vor Augen, wie sich Leipzig dank BMW und Porsche entwickelt hat.

  10. 34.

    Tipp: Das Gelände darf mit Drohnen beflogen werden. Sie können die von Ihnen hier behaupteten Verstöße damit leicht dokumentieren, da die teils so gut sind, dass damit die FIN hinter der Windschutzscheibe der von Ihnen sogenannten "E-Monster" identifiziert werden kann. Bei Youtube finden sich deshalb beriets zig Filme. Vielleicht finden Sie ja dort sogar Belege.

  11. 33.

    Das stimmt. Für den gesamten Kosten/Nutzenvergleich fehlt noch die Bewertungsgundlage bzw. es ist noch zu früh. Aber man darf, ob des "Brandenburger Weges", einen Ahnung haben, wo das hinführt...

  12. 32.

    Die neue Abwasserdruckleitung hat übrigens Tesla bauen lassen und das wohlweißlich nicht dem WSE überlassen.

  13. 31.

    ""Wir planen oft 30 Jahre nach vorne" erklärt Presseprecherin Ponesky vom WSE - Vor 30 Jahren wurde WAS für HEUTE geplant oder geschafft?

  14. 30.

    Wir sind gespannt auf den Kostenvergleich:
    Abwasserdruckleitung von Tesla, durch Erkner nach Münchehofe ./. Steuereinahmen von Tesla

    P.S. Woidke nennt die über 30jährige "Serie": "Brandenburger Weg"

  15. 29.

    Ihr Wasserverband hat jahrelange Entwicklungen verschlafen und setzt jetzt die Politik unter Druck. Ich habe dabei immer wieder daran erinnert, dass auch die 220 m³/a + aktiver Grundwasserhaltung des Wasserversorgers gleich neben der WSE die Aufregung um das Wasser in ein ganz anderes Licht rücken als es Ihnen genehm ist. Dabei kümmert der sich übrigens auch nicht nur um Ihre Sch..., sondern um die von 1/3 der Brandenburger und beteiligt sich hin bis zur Geschäftsbesorgung an der Wasserversorgung vieler Kommunen in Brandenburg.

    Die lange Präsentation der WSE, datiert auf Anfang 2020, hatte ich hier bereits mehrfach verlinkt und auch darauf hingewiesen, dass die auch bei der BI einsehbar ist. Vieles liegt im Argen, weil die Betriebe bei Ihnen auch früher schon "kostendeckend" arbeiteten und der WSE erst seit gerade mal dreißig Jahren besteht.

  16. 28.

    Mit diesem Kompromiss ist die Versorgung der genehmigten Ausbaustufe gesichert. Die Bürgerbeteiligung ist nachzuholen und wird die erteilte Genehmigung nicht in Frage stellen, da die aktuell eingereichten Unterlagen schlüssig sind.
    Was fehlt ist ein Gesamtkonzept für die Wasserversorgung in Ostbrandenburg und eine Beschleunigung der Planung, Genehmigung und Realisierung.
    Wenn es möglich ist, innerhalb von 2 Jahren eine Abwasserdruckleitung von Tesla, durch Erkner nach Münchehofe zu verlegen, dann sollte man auch mehrere Wasserleitungen aus der Oderregion Richtung Berlin verlegen können.

    Ich freue mich auf Dienstag!

  17. 27.

    "Wir planen oft 30 Jahre nach vorne", erklärt Presseprecherin Ponesky vom WSE der Zeit anlässlich des Frontal21-Berichtes. Das Industriegebiet Freienbrink-Nord gibt es aber erst seit rd. zwei Dekaden, den WSE auch nur seit drei. Ich bin gespannt, wie lange es dauert, bis der WSE die technischen Voraussetzungen für die Wasserförderung an nicht nur diesem einen, sondern mehreren Wasserwerken wird geschaffen haben, die vor 0,2 Dekaden genehmigt worden sind.

  18. 26.

    Herr Silverbeard die Episode "Kipper in der Grube" wurde mir von 1 auf dem Tesla-Gelände tätigen Arbeiter berichtet. Mir war es selbst nicht vergönnt, seinen Bericht zu überprüfen.
    Wie Wasser geklaut wird, durfte ich aber am 07.03.2022 live gegen Mittag bestaunen. Ein Arbeiter war voll ausgelastet, die 53 in Betrieb befindlichen Brunnen ständig nachzuregeln. Die unrechtmäßig abgepumpten Wässer wurden über 2 Sammelleitungen anschließend in einen Sammelbehälter eingespeist. Von dort wurden sie irgendwo auf`s Teslagelände geleitet. Da mir das Betreten des Geländes nicht gestattet ist, kann ich keine Aussage zum Verbleib und zur Nutzung des Grundwassers tätigen. Vermutlich dient es als Brauchwasser. Teslaschergen geben Auskunft.
    Apropos Kipper, es gibt Neues zu berichten. Am 15.03.2022 um 16:46 Uhr trafen zeitgleich Feuerwehr, Ambulanz und Rettungshubschrauber auf dem Teslagelände ein. Die Einsatzkräfte wirbelten eine ¾ h um einen Kipper herum, um dann eilig wieder zu verschwinden.

  19. 25.

    Unser Wasserverband plündert uns nicht aus. Das machen andere genug. CEMEX pumpt hier so viel kostbarstes Grundwasser ab und das landet in Spree und Müggelsee. Ich würde das Wasser in den Straussee leiten. Sie schreiben doch immer Berlin hätte zu viel Wasser.

  20. 24.

    So brauchen Sie mir nicht zu kommen. Ich wässere keinen Rasen und habe auch keinen Golfplatz. Hygiene wird man ja nicht verbieten ? Wannenbad machen wir nicht aber abends duschen. Zum kochen benötigen wir allerdings auch Wasser und Frühstükskaffee muss sein. Unsere MIELE hat sogar ein 20 min-Programm. Und nun ? Ist ja schlimmer als damals im "Arbeiter-und Bauernstaat"

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