Wasserstreit - Wasserverband will über Teilkündigung des Vertrags mit Tesla entscheiden

Fr 11.03.22 | 19:40 Uhr
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E-Auto- und Batteriefabrik des US-Unternehmens Tesla in Grünheide (Mark) (Quelle: dpa/Sebastian Gabsch)
Audio: Antenne Brandenburg | 11.03.2022 | Henryk Pilz | Bild: dpa/Sebastian Gabsch

Der Wasserstreit in Ostbrandenburg hält an. Kommende Woche soll der Wasserverband Strausberg-Erkner über eine mögliche Teilkündigung des Vertrags mit dem Elektroautohersteller Tesla abstimmen. Einige Mitglieder des Verbandes sind dafür.

Am 17. März soll der Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE) tagen und über eine Teilkündigung des Vertrags für die Tesla-Wasserversorgung entscheiden, wie der rbb aus internen Kreisen erfuhr. Sollten die Verbandsmitglieder der Teilkündigung zustimmen, soll das Wasser gedrosselt, aber nicht ganz gesperrt werden. Hintergrund ist die Wasserknappheit in der Region östlich von Berlin. Der WSE hofft noch auf eine Duldungsanordnung des Landesamtes für Umwelt bis zum 21. März, damit die Teilkündigung nicht notwendig wird.

Die Debatte um die Teilkündigung kommt für Tesla zur ungünstigsten Zeit: Am 22. März um 15 Uhr soll der "Delivery Day" laut Informationen von Teslamag stattfinden. Das bedeutet, dass die ersten Elektro-Autos aus der Fabrik in Grünheide (Oder-Spree) an Kunden übergeben werden. Damit alles funktioniert, musste die erwartete Produktionsgenehmigung rechtzeitig vorher erteilt werden. Diese steht aber noch aus.

WSE wollte alle zukünftigen Bauprojekte im Verbandsgebiet blockieren

Eine schriftliche Stellungnahme des Wasserverbands Strausberg-Erkner (WSE) hatte am 1. März für Unruhe gesorgt. Der Brief ging an alle 16 Gemeinden und Städte im Verbund und an die betroffenen Landräte. Die Erlaubnismengen seien bereits jetzt ausgeschöpft, schrieb der WSE. Man werde bei der Bauleitplanung also eine negative Stellungnahme abgeben. Zusammengefasst: Der WSE will alle zukünftigen Bauprojekte in seinem Verbandsgebiet blockieren.

Man sei nicht mehr in der Lage, weitere Baugebiete mit Trinkwasser zu versorgen, da die vom Land Brandenburg genehmigten Wasserentnahmemengen begrenzt seien. Das soll nicht Projekte betreffen, die bereits eine positive Stellungnahme des WSE erhalten haben.

Kritisiert wurde im Brief die Tatsache, dass für die Tesla-Ansiedlung die Grundwasserförderung im Eilverfahren erhöht wurde, während der WSE auf zusätzliche Entnahmemengen warte. Diese seien wichtig, um die Trinkwasserversorgung der Allgemeinheit sicherzustellen.

Trotz allem empfiehl der Verband, die Bebauungspläne weiterzuverfolgen. Aus Sicht des WSE liege das eigentliche Problem in der Limitierung der Grundwasserförderung aus den vorhandenen Erlaubnissen.

Manche Verbandsmitglieder befürworten Teilkündigung des Tesla-Vertrags

Henryk Pilz, Bürgermeister von Erkner und Mitglied des WSE, äußerte sich im Gespräch mit dem rbb über den Brief des Verbandes so: "Die extrem klingende Maßnahme ist der rein mathematische Wert. Wenn ein Fernsehladen zehn Fernseher stehen hat, kann er auch nicht zwölf verkaufen." Er findet den Begriff "Überversorgung" der Region mathematisch richtig aber inhaltlich falsch, denn nicht alle genehmigte Mengen seien förderfähig, sagte Pilz und wies auf kontaminierte Flächen hin.

Und er sprach sich für drastische Konsequenzen aus: "Den einzigen, den wir jetzt bisher mit einem Vertrag im Verbandsgebiet haben, ist Tesla. Und dann muss dieser Vertrag gekündigt werden", sagte Pilz. "Das wäre die Konsequenz, um die Daseinvorsorge und die Regionalentwicklung sicherzustellen."

Der Bürgermeister von Petershagen-Eggersdorf, Marco Rutter (FDP) möchte sich damit auseinandersetzen, wie man einen stabilen Wassernetzbetrieb im Frühjahr und Sommer gewährleisten kann. Es wäre fatal, wenn es in der warmen Jahreszeit Wasserausfälle gebe, sagte Rutter im Gespräch mit dem rbb. Die Teilkündigung des Vertrags mit Tesla sei eine Notlösung, die man vermeiden wolle. "Aber es sieht aktuell so aus, dass wir sonst keinen Netzbetrieb in stabiler Form gewährleisten können", so Rutter.

Das Verbandsgebiet des WSE liegt östlich von Berlin und umfasst eigenen Angaben zufolge drei Städte und 13 Gemeinden. Es erstreckt sich über eine Fläche von 552 Quadratkilometer und umfasst Teile der Landkreise Märkisch-Oderland, Barnim und Oder-Spree.

Sendung: Antenne Brandenburg, 11.03.2022, 08:30 Uhr

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48 Kommentare

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  1. 48.

    Der WSE hat stets kostendeckend gearbeitet. Die getätigten Investitionen sind dabei. Einmal zu viel gefördert als es zu heiß war und schon gab es "Prügel". Kümmern Sie sich um das verdreckte "Clan-Berlin". Man traut sich ja nur noch bis Köpenick.

  2. 47.

    Was ich nicht verstehe ist Ihre Aufregung.
    Was haben Sie davon hier in den Kommentaren zu wüten? Wenn ich das richtig verstehe sind Sie Rentner. Also bis Grünheide 'explodiert' merken Sie schon gar nichts mehr davon.
    Die Einwohner aber, die heute Kinder und Jugendliche sind, profitieren davon, das Grünheide wächst und Infrastruktur dazugewinnt. Die können später dort wohnen bleiben und müssen nicht in den Westen umziehen.

  3. 45.

    Es tut mir sehr, sehr leid, dasss Sie glauben, wir würden in einer Diktatur leben.

    Interessant dabei ist, wie frei und ungebunden Sie in der 'deutschen Diktatur' leben können...

  4. 44.

    Holzvergaser mit neuester Filterung / Abgasbehandlung ist ungleich mehr BIO als die stromfressenden Tonnenteslas ! Zur Ostsee fährt man heute mit der Bahn ! ( Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern. )

  5. 43.

    Viel Text aber nicht begründet. Fassen Sie mal einen nackten Mann in die Tasche. Es regnet zu wenig; der Grundwasserspiegel sinkt und es ist einfach falsch, dass behandeltes Abwasser nicht wieder großflächig versickert wird. Viel läuft über ELBE und ODER ins Meer. Außerdem: Sehen Sie sich mal den Straussee an. Wenn jetzt in Rüdersdorf noch 10 000 Wohnungen gebaut werden sollen ist das Elend perfekt. Die Menschen schuften dann übrigens nur noch für Wohnung, Strom, Gas und Wasser. Den Rest schluckt ALDI & Co. Sehen Sie sich mal das neue Konzerngebäude in Essen an. Hat alles der Kunde bezahlt.

  6. 42.

    Der RE-1 ist das beliebteste Verkehrsmittel der Region; die S 3 verliert immer mehr an Bedeutung. Hier in BB gelingt auch mal was gutes.

  7. 41.

    Richtig; das ist die Wahrheit und die kennen wir längst alle. Bevor man einen derartigen Großverbraucher hier an diese Stelle lotste hätte man denken müssen. Oder es ist den Herren schietegal wie es den Bürgern ergeht. Herr Neumann kann ja erkunden ob die Minister in der Platte wohnen oder im schönen Eigenheim mit Garten, Park und Rasen.

  8. 40.

    „LSG "Müggelspree-Löcknitzer Wald- und Seengebiet“ und darüber hinaus zum Industriegebiet verkommen“ - ist es nicht wahrscheinlicher, dass das Gegenteil eintritt und sehr viele Leute da leben wollen? Die Bodenpreise sind ein freudiger Indiz dafür. Und mal grundsätzlich: Wenn ein Nachbargrundstück neben Ihnen den Besitzer wechselt, kann sich einiges ändern. So auch im Fall Tesla. Wenn es legal ist, und dass ist es ja, wird der Eigentümer immer eigene Interessen verfolgen.
    Was stört, ist die „Nichtkönnerriege“, die eine schöne Sache uns verdirbt. Es hätte so gut werden können... auch im LSG und WSG ist leben, wohnen, arbeiten usw. erlaubt. Man darf da kaufen, einiges machen, aber auch beachten.

  9. 39.

    Der BM als Nichtdemokrat hat aber die Pflicht den jetzigen Grünheidern zu erklären wo Wasser, Strom und Gas herkommt. An diesen Dingen hapert es gewaltig nicht nur in der Region. Wer das Löcknitztal schädigt handelt rechtswidrig.

  10. 38.

    Die nicht deutschstämmigen Arbeitskräfte werden wohl in der Mehrzahl in Berlin wohnen. Hätte eher angenommen, dass die große Anzahl Richtung Frankfurt / O fahren würde. Kann mich aber absolut gut erinnern, dass wir hier informiert wurden, dass bei TESLA deutsch und englisch gesprochen wird. Sollten es etwa noch Bauleute gewesen sein ? Habe auch erfahren, dass die Teslaarbeiter alle "Werkskleidung" tragen würden. Auch außerhalb - nach Arbeitsende.

  11. 37.

    Kleiner Tip:
    Google Map!
    Schaun Sie wo die Autobahn verläuft oder besser noch, wandern Sie von Erkner über Jägerbude nach Freienbrink Nord.
    Viel Spa ß!
    Vielleicht treffen wir uns.

  12. 36.

    „Mit den Einwohnern in vielen Gemeinden ist auch die Zahl der Bahnkunden rasant gestiegen.“

    Dieser Einführungssatz von rbb24 verwundert etwas. Die Politprominenz hat doch ständig widerkäuend wiederholt, dass Ostbrandenburg wegen Wegzug entvölkert wird und nur noch Greise zurückgeblieben sind. Haben uns Bürgermeister und Wirtschaftsminister etwa wieder belogen? Für Arbeitsplätze ist denen alles erlaubt. 3000 Beschäftigte soll Tesla laut eigenen Angaben schon eingestellt haben. Vorgestern hatte ich etwas Zeit. Ich beschloss nach Feierabend 1 h das Treiben vom südlichen Bahnsteig Fangschleuse aus zu beobachten. Den Zügen Von oder aus Richtung Frankfurt ent- bzw. bestiegen nur einzelne Personen. Von und nach Berlin war dagegen ein reger Personenstrom zu verzeichnen. Schätzungsweise 75 % der Leute waren nicht deutschstämmig. Da fragt man sich, warum wird ein LSG in Freienbrink für Fremdarbeiter in ein Industriemoloch umgewandelt und der Verkehr künstlich forciert.

  13. 35.

    Bringt uns nicht weiter!
    In der Sache hart, im Herzen gegenüber dem Angesprochenen weich...

  14. 34.

    Sie mögen keine Autos, dennoch entspricht die Ansiedlung der gültigen Rechtslage. Dabei haben auch Sie es mit den Fakten oft wie hier z.B. mit den Campingplatz nicht sehr genau genommen.

  15. 33.

    Herr Klink und Herr Neumann, diskutieren Sie bitte sachlich und und verlieren sich nicht in persönlichen Fehden und Beleidigungen.
    Wir sperren den Kommentarbereich sonst.

  16. 32.

    Sie brauchen Herrn N. nicht mit Klima, Physik oder Meteorologie zu kommen. Der versteht sich nur Teslaisch und seine obsoleten Stigmata und Verwechslungen für seine kleine Welt

  17. 31.

    Warum holt sich Tesla sein Wasser nicht aus seinem Land, kann doch für ihn kein Problem sein. Wer sein Geld in die Luft schießen kann, sollte das doch erst recht können.
    Wenn künftig das Öl von dort kommt, sollte Wasser auch möglich sein - sind doch unsere Freunde.

  18. 30.

    Mir ist nach wie vor immer noch schleierhaft, was Sie dazu veranlasst, die Tesla-Ansiedlung auf einem Wasserschutzgebiet innerhalb eines Landschaftsschutzgebietes als etwas Positives zu betrachten und all jene, die sich Gedanken um Luftqualität, zunehmenden Verkehr und Wasserversorgung machen, zu diskreditieren.
    Sie dürfen gern eine andere Meinung haben, aber dann stehen Sie bitte auch dazu und winden sich nicht wie ein Aal, wenn es um umweltrechtliche Belange geht.
    Die Tesla-Ansiedlung skizziert nur den Anfang, befeuert aber durch das Öffnen der Büchse der Pandora deren Eigendynamik und so verwundert es Niemanden, dass auf politischer und wirtschaftlicher Ebene Einigkeit darin besteht, die gesamte Region als Vorsorgestandort für Industrie und Gewerbe auszuweisen.
    Somit wird bewusst in Kauf genommen, dass viele Flächen im LSG "Müggelspree-Löcknitzer Wald- und Seengebiet“ und darüber hinaus zum Industriegebiet verkommen.

  19. 29.

    Herr Neumann das haben sie gesagt, dass der Wirtschaftsminister von Brandenburg ein Niemand ist. Nicht ich habe den Vergleich mit Freienbrink/Wolfsburg getätigt sondern der Herr Steinbach. Wolfsburg hatte früher so viel EW wie Grünheide hat sind es jetzt 125.000 EW. Der Bürgermeister von Grünheide visiert auch viel höhere Einwohnerzahlen an. So weit ich weis hat er gegenwärtig ein diesbezügliches Zielsetzungsverfahren eingeleitet, dass ihm gestattet, Grünheide bevölkerungsmäßig explodieren zu lassen. Das erfuhr man beim Stammtischgespräch des rbb24 in Grünheide 2021.
    Damit wir uns nicht falsch verstehen, ich bin für den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Das Verkehrsaufkommen ist zu minimieren. Da gibt es unzählige Möglichkeiten, um das zu erreichen. Ich war vor 20 Jahren in Indien. Dort war schon damals der Verkehr besser organisiert wie in Deutschland. Zugegebenermaßen das Reisen war dort im Land gewöhnungsbedürftig und manchmal möglicherweise auch etwas gefährlicher.

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