Bericht von IG Metall - Unmut bei Tesla-Mitarbeitern über Löhne in Grünheide

Mo 20.06.22 | 21:29 Uhr
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Archivbild: Mitarbeiter von Tesla nehmen an der Eröffnung der Tesla-Fabrik Berlin Brandenburg teil. (Quelle: dpa/P. Pleul)
Audio: Antenne Brandenburg | 21.06.2022 | Philip Barnstorf | Bild: dpa/P. Pleul

Mitarbeiter der Tesla-Fabrik in Grünheide (Oder-Spree) sollen sich vermehrt über ungleiche und zu niedrige Löhne beklagen. Das berichtet die Gewerkschaft IG Metall, die ein Büro am Bahnhof Fangschleuse unweit des Fabrikgeländes betreibt. "Tesla zahlt deutlich weniger als Automobilbetriebe in der Region, in der IG-Metall-Tarife gelten", sagt Bezirksleiterin Birgit Dietze.

Probleme bei der Rekrutierung

Das mache sich auch am Einstellungsfortschritt bemerkbar, so die Gewerkschaftlerin weiter. "Offenbar fällt es der Werkleitung zunehmend schwer, ausreichend geeignetes Personal zu finden", sagt sie. Derzeit sollen laut rbb-Informationen rund 4.500 Beschäftigte im ersten europäischen Werk des US-Elektroautoherstellers beschäftigt sein. Bis Jahresende will Tesla am Standort Grünheide bis zu 12.000 Mitarbeiter eingestellt haben, um das Produktionsziel von 500.000 Fahrzeugen pro Jahr zu erreichen.

"Um dieses Ziel zu erreichen, wird das Management bald beim Entgelt eine Schippe drauflegen müssen", so Dietze. Von Mitarbeitern aus dem Betrieb wisse sie, dass die Rekrutierung nicht in der geplanten Geschwindigkeit vorankomme. "Viele hätten Interesse, zu Tesla zu wechseln, entscheiden sich am Ende aber dagegen, auch weil sie in ihren aktuellen Stellen bei anderen Automobilisten zum Teil deutlich mehr verdienen", sagt die IG-Metall-Bezirksleiterin. Die Werksleitung sei deshalb dazu übergegangen, bei Neueinstellungen höhere Löhne anzubieten als noch bei früheren Besetzungen.

Bis zu 20 Prozent Entgeltunterschied

Doch führe das zu einem weiteren Problem, so Dietze: "Das wird auf Dauer dem Betriebsfrieden schaden. Uns haben schon jetzt viele Beschwerden darüber erreicht." Aus diesem Grund habe die IG Metall in Zusammenarbeit mit mehreren Mitarbeitern aus dem Tesla-Werk Arbeitsverträge und Tätigkeitsbeschreibungen analysiert. Das Ergebnis sei eindeutig, so Dietze.

"Mit fast 20 Prozent sind die Entgeltunterschiede in der Mitte der Entgeltskala, also bei den Facharbeiterinnen und Facharbeitern, besonders groß." Mit den angestrebten Tariferhöhungen, die die IG Metall in den kommenden Tarifrunden für die Metall- und Elektroindustrie durchsetzen wollen, werde dieser Unterschied noch deutlich größer ausfallen, ist die Gewerkschafterin überzeugt. Darauf werde das Tesla-Management reagieren müssen.

Birgit Dietze gehe davon aus - sollten sich die Mitarbeiter in Grünheide nicht organisieren und ein Tarifvertrag durchsetzen - die Beschäftigten bei Tesla auch in Zukunft weiterhin unter dem Einkommensniveau ihrer Kollegen aus anderen Automobilwerken liegen werden. Daran könne auch der neugeschaffene Betriebsrat nichts mehr ändern.

Die IG Metall berichtet, dass aber genau das von dem Gremium erwartet wird. "Diese Erwartung ist verständlich. Der Betriebsrat wird sie aber nicht erfüllen können", sagt Birgit Dietze. Zwar könne die Arbeitervertretung vieles mitbestimmen. "Aber bei Themen wie Entgelthöhe und Wochenarbeitszeit hat der Betriebsrat gar keine Hebel", so Dietze weiter. Das sei bei Tesla nicht anders als in jedem anderen Betrieb der Privatwirtschaft, erklärt die Gewerkschafterin.

Sendung: Antenne Brandenburg, Nachrichten, 21.06.2022, 07:30 Uhr

28 Kommentare

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  1. 28.

    Wer nicht auf Warnungen hören will geht zu Tesla!

  2. 27.

    Sie haben die Frage falsch formuliert. Richtig wäre zu fragen, ob er als FIMENINHABER von TESLA GRÜNHEIDE für diese Firma in Deutschland Steuern zahlt, so wie jeder kleine Handwerks Meister mit drei Angestellten.

  3. 26.

    Sie haben die Frage falsch formuliert. Richtig wäre zu fragen, ob er als FIMENINHABER von TESLA GRÜNHEIDE für diese Firma in Deutschland Steuern zahlt, so wie jeder kleine Handwerks Meister mit drei Angestellten.

  4. 25.

    Was hat den Musk mehr erfunden als Nikola Tesla? Kommen Sie aber nicht mit PayPal, diese Ideen hatten einige Kreisbankdirektoren schon in 60igern Jahren.
    Nach der "Trauereröffnung" läuft es ja alles elektrisch rund bei Tesla Freienbrink, An - Ausieferungen mit E-Trucks, Mitarbeiterparkplätze voll mit Tesla E. Überzeugen Sie sich selbst und Sie werden aus dem Staunen nicht mehr rauskommen. Alles elektrisch autark oder was?

  5. 24.

    Mir wird speiübel, wenn ich immer erleben muss wie hier ein roter Teppich ausgerollt wird für ZWEI Beauftragte von Musk.

  6. 23.

    Willkommen im Kapitalismus.

    Immerhin ist Musk kein reicher Erbe sondern hat sich das selbst erarbeitet.

    Politisch dreht er aber langsam total frei....

  7. 22.

    Man muss sich auch immer überlegen, ob man die wirtschaftspolitischen Ziele der entsprechenden Gewerkschaft teilt. Bei der IG M ist man eben sehr Pro Verbrennungsmotor, da wird schonmal gerne gegen die neue Technologie lobbyiert im Sinne der alten gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten.

    Denkt mal an Die IG BCE und Brankohle vs. Windkraftflügel.

    Ansonsten kann auch jeder bei Tesla schlicht mehr Gehalt verlangen oder sich was anderes suchen.

  8. 21.

    Das hier ein Lobbyist wie die IG Metall sich nicht zu schade ist, unter diesem Vorwand von angeblich 4.500 uninformierten Mitarbeitern hier durch die Hintertür in das Unternehmen Tesla hineinzudrängen versucht ist schäbig!

  9. 20.

    Die Lohnhöhe ist nicht der Streitgrund. Hier geht es um Macht der Gewerkschaften. Es gehört halt dazu, dass das ausgetragen wird. Es ist auch der richtige Weg.

  10. 19.

    Eines seiner privaten Auto hat Musk sogar in den Weltraum geschossen. Die Firma Tesla hat aber noch keinen Absatzsorgen und innerhalb weniger Wochen die Belegschaft in Grünheide verdoppelt.

  11. 18.

    Ich schließe mich einigen Kommentaren an. Wer mit dem, was im Arbeitsvertrag vereinbart wurde, nicht einverstanden ist, kann hinterher nicht meckern. Erst lesen und dann unterschreiben. Augen auf bei der Jobwahl. Nicht alles kann nachträglich durch die Gewerkschaft geregelt werden. Meiner Erfahrung nach empfiehlt es sich immer, aus den unterschiedlichsten Gründen gewerkschaftlich organisiert zu sein.

  12. 17.

    Musk ist nicht in Deutschland steuerpflichtig, da er seinen Lebensmittelpunkt in den USA hat und sich bisher jeweils nur kurz zur Arbeitsbesuchen in D. aufgehalten hat. Anders sieht das ggf. bei anderen Aktionären von Tesla aus, die hierzulande wohnen.

  13. 16.

    Musk ist in Deutschland nicht steuerpflichtig, da er hierzulande keinen Wohnsitz hat. Haben Sie "unter dem Einkommensniveau ihrer Kollegen aus anderen Automobilwerken" gelesen?

  14. 15.

    "Unter dem Einkommensniveau ihrer Kollegen aus anderen Automobilwerken " haben Sie schon gelesen, oder? Tesla fliegt dabei weder Weltraumtouristen durch die Gegend noch haben die im Vorfeld eine Entlohnung deutlich oberhalb des Brandenburger IG-Metall-Tarifes angekündigt.

  15. 14.

    Naja, er ist nicht umsonst einer der Reichsten auf der Welt. Immer zu Lasten anderer, ist doch klar. Muss er eigentlich Steuern in Deutschland abführen? Das wäre auch noch interessant, zu wissen.

  16. 13.

    Erstens ist die Gewerkschaft dafür bekannt, dass sie ihre eigenen MA auch nicht gerade fürstlich entlohnen. Zweitens sind die Löhne bei den deutschen Automobilbauern unter volkswirtschaftlichen Aspekten und im Verhältnis zu anderen Berufe zu hoch. Das hat nichts mit dem Nichtgoennen gegenüber den AN zu tun, aber 5000 € für 30 h und zusätzlich jährlich 6000 € Prämie sind zu viel im Verhältnis zu Busfahrern, Klempner, Krankenschwestern usw. Das haben die Gewerkschaftspolitker erreicht

  17. 12.

    Ich gehe davon aus, dass es sich bei den MA um erwachsene Menschen handelt, die wissen worauf sie sich eingelassen haben und in der Lage sind über den Betriebsrat ihre Rechte zu artikulieren.

  18. 11.

    Ist auch schon immer meine Meinung gewesen. Wie soll er sonst seine Visionen verwirklichen - Weltraumtourismus und wer weiß noch so Wichtiges. Ich will bloß hoffen, er seine Bude nicht voll kriegt und auf seine Autos sitzen bleibt.

  19. 10.

    Ich hatte mich dafür auch mal flüchtig interessiert, hatte dann aber schon die Nase voll, als man sich noch vor dem ersten Gespräch zu strenger Geheimhaltung verpflichten sollte. Na, wer weiß, ist vielleicht in Amerika so üblich...

  20. 9.

    Jaja, die IG Metall wieder. Erst beklagt die sich, dass von etwas über 2.000 Mitarbeitern viele so frisch eingestellt sind, dass die den Betriebsrat nicht wählen dürfen. Ein paar Wochen später behauptet sie, dass bei 4.500 Mitarbeitern die Rekrutierung neuer Mitarbeiter Tesla Probleme bereitet. Wollen so wenige von den Neuen der Gewerkschaft beitreten?

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