Unklare Folgen für Fabrik in Grünheide - IG Metall kritisiert Musks Verbot für Home-Office

Do 02.06.22 | 19:23 Uhr
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Elon Musk, Tesla-Chef, nimmt an der Eröffnung der Tesla-Fabrik Berlin Brandenburg teil (Bild: dpa/Patrick Pleul)
Audio: Inforadio | 02.06.2022 | Marcus Schuler | Bild: dpa/Patrick Pleul

Mindestens 40 Stunden pro Woche im Büro sind Pflicht. Wer nicht kommt, "hat das Unternehmen verlassen". Diese Ansage verschickte Tesla-Chef Musk per E-Mail an Mitarbeiter. Die IG Metall in Brandenburg verweist aufs deutsche Arbeitsrecht.

Tesla-Chef Elon Musk hat seinen Angestellten untersagt, weiter im Home-Office zu arbeiten. Das geht aus einer unternehmensinternen E-Mail hervor. "Jeder bei Tesla muss mindestens 40 Stunden in der Woche im Büro sein", heißt es in der Mail, die Musk laut Nachrichtenagentur Reuters an seine Mitarbeiter geschickt hat. "Wenn jemand nicht erscheint, müssen wir davon ausgehen, dass diese Person das Unternehmen verlassen hat", heißt es demnach in dem Schreiben ohne freundliche Anrede mit der Betreffzeile "um superklar zu sein".

Tesla selbst hat sich zu den Aussagen Musks noch nicht geäußert.

"Arbeitgeber müssen sich an Arbeitsrecht halten"

Details, inwieweit diese Ansage auch Beschäftigte des Brandenburger Werks in Grünheide (Oder-Spree) betrifft, gibt es bisher nicht. Tesla beschäftigt hier zurzeit rund 4.000 Menschen.

Birgit Dietze von der IG Metall Berlin-Brandenburg kritisierte die Aussagen Musks und den Umgang mit seinen Angestellten. "In Deutschland können Arbeitgeber nicht einfach schalten und walten, wie sie wollen, sie müssen sich an gesetzliches Arbeitsrecht halten", stellte Dietze fest. "Und darüber hinaus ist in der Verfassung garantiert, dass Gewerkschaften für materielle Arbeitsbedingungen sorgen." Beschäftigte in Deutschland, die mit Anweisungen oder den Arbeitsbedingungen nicht einverstanden seien, sollten von ihren Rechten Gebrauch machen.

Hintergrund von Musks Äußerungen war offenbar, dass sich angesichts wieder steigender Corona-Infektionen in Kalifornien einige Mitarbeiter von Tech-Firmen geweigert hatten, in die Büros zurückzukehren. Musk hatte im Mai 2020 gegen die geltenden Corona-Restriktionen sein Werk im kalifornischen Fremont wieder eröffnet.

Sendung: Fritz, 2. Juni 2022, 17:57 Uhr

34 Kommentare

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  1. 34.

    Das weiss ja nicht mal Jörg Steinbach, woher soll es dann E. Musk wissen? Wenn es nicht so traurig wäre, würde ich jetzt lachen.

  2. 33.

    Gewerkschaften braucht eigentlich nicht wirklich jemand.

    Der Staat kann es mind. genauso gut, s. Mindestlohneinführung (flächendeckend).

  3. 32.

    Suchen tun viele,aber zu welchen Konditionen? Vor Corona vor Inflation,wie gesagt Arbeits Kräfte,dazu gelernte,sind ein rares Gut und wollen gut bezahlt werden,ansonsten wandern sie ab.Manche Arbeitgeber,ziemlich viele sogar,haben daß immer noch nicht kapiert.Ein weiter so gibt es nicht mehr.

  4. 31.

    Wollen Sie den Unterschied zwischen echter Mitarbeitervertretung und Machtanspruch der IG Metall verstehen? Es ist nicht das erste mal, dass die IG Metall nicht Interessen vertreten will sondern ohne Leistung einen Machtanspruch mittels "Zündschnur und Mienen" einfordert. Jedesmal geht dies dann zu Lasten der Beschäftigten, jedesmal, immer wieder. Nichts gegen Machtansprüche, aber die müssen beweisen, dass sie was leisten statt sich über Statistiken zu profilieren.

  5. 30.

    Da gibt es andere Firmen die besser bezahlen und bessere Arbeitsbedingungen haben. Wer schlau ist muss nicht unter solchen Bedingungen arbeiten.
    Im Moment suchen alle nach Fachkräften!

  6. 29.

    Bei Ihnen wird es vielleicht keinen Betriebsrat geben. In Grünheide ist der neulich aber bereits gewählt worden. Sie hatten sogar den RBB24-Bericht dazu kommentiert:
    https://www.rbb24.de/studiofrankfurt/wirtschaft/tesla/2022/03/tesla-gruenheide-betriebsrat-wahl-oderspree.html

  7. 28.

    Ja, das geht denn so, wie in der ehemaligen Firma meines Mannes: Wer einen Betriebsrat will, sollte gleich gehen. Hier wird es keinen Betriebsrat geben. Da wollte die Mehrheit natürlich keinen Betriebsrat.

  8. 27.

    und nun bei NTV
    https://www.n-tv.de/wirtschaft/der_boersen_tag/Der-Boersen-Tag-Freitag-3-Juni-2022-article23374829.html

    "Sehr schlechtes Gefühl": Tesla vor massivem Jobabbau? ......
    Elon Musk will bei Tesla etwa jeden zehnten Job streichen. In einer internen Mail an Führungskräfte, aus der Reuters zitiert, schreibt der Firmengründer, er habe ein "sehr schlechtes Gefühl", was die Wirtschaftsentwicklung angehe. Der US-Elektroautobauer müsse deswegen seine Belegschaft um rund zehn Prozent reduzieren.

  9. 26.

    Wenn überall "Kollegen gesucht" steht, sollten sich die Chefs aber auch überlegen, wie hoch die angebotenen Löhne sind. Dazu konnte man z.B. beim RBB lesen:
    "Auch wenn Tesla in den Produktionsstraßen besonders viele und moderne Roboter einsetzen will, dürfte es bei den meisten Jobs im Grünheider Werk um eher einfache Fließbandarbeit gehen. Dabei könnte Tesla einiges bewegen, denn die Kalifornier wollen schon ungelernten Mitarbeitern 2.700 Euro Einstiegsgehalt zahlen. "Das bewegt sich ungefähr um 20 Prozent über dem regionalen Durchschnittsniveau", sagt Thomas Kühne von der IHK. Im bundesweiten Vergleich läge dieser Lohn dagegen im Mittelfeld. In den Autofabriken in Stuttgart und Ingolstadt verdienten die Mitarbeiter sogar noch mehr."
    https://www.rbb24.de/studiofrankfurt/wirtschaft/tesla/2020/wirtschaftsfaktor-arbeitsmarkt-region-gruenheide-fabrik-analyse.html

  10. 25.

    Wer hat denn diesen Aufreger aus dem Jahr 2020 ausgebuddelt?
    "Hintergrund von Musks Äußerungen war offenbar, dass sich angesichts wieder steigender Corona-Infektionen in Kalifornien einige Mitarbeiter von Tech-Firmen geweigert hatten, in die Büros zurückzukehren. Musk hatte im Mai 2020 ..."
    Im Jahr 2020 hätte man sich darüber aufregen können, aber dann sicher auch nur in Kalifornien.

  11. 24.

    Der Elon Musk weiss nicht, dass es hier kaum noch Arbeitskräfte gibt. Vielleicht jetzt ein paar Ukrainer, bis dass die Ukraine wieder (hoffentlich) frei ist, dann beginnt dort der Wiederaufbau. Aber faktisch können wir Deutschen seine Arbeitsplätze nicht bedienen. Selbst wenn wir bereit wären, endlos zu schuften ohne bezahlte Überstunden, bei miesen Bedingungen ohne Manteltarifvertrag. Wir KÖNNEN es nicht. Es gibt keine Arbeitskräfte, sonst würde nicht überall stehen "Kollege gesucht"....

  12. 23.

    Sorry, Alfred, aber "Home Office ist schlecht bei mir" prangt z.B. auch auf manchem Müllauto--- ne, als ich in der Pandemie (die es ja nicht mehr gibt...) was zur Deponie bringen wollte, hieß es: wir haben zu - Mitarbeiter sind im Homeoffice. Ich überlegte kurz, WELCHEN Müll die daheim sortieren *örgs* naja... ok.... und deren Gattin wird auch hellauf begeistert sein, der ganze Balkon voll Elektroschrott, im Bad Bauschutt....

  13. 22.

    „Verwaltungskräfte und im Marketing sowie der Entwicklung Beschäftigte gegeben haben.“

    Das kann man aber auch günstiger von Indien aus haben.

  14. 21.

    Glauben Sie ernsthaft, dass es einer Verwaltung von derzeit 4.000 Mitarbeiter und geplant 12.000 in drei Schichten + Tagschicht bedarf, von denen keiner am Band, im Lager oder für die Wartung der Roboter arbeitet? Der Aufreger über Diess zum Arbeitsstundenvergleich pro Auto hatte eigentlich überregionale Aufmerksamkeit erregt.

  15. 20.

    Ich bin gespannt wie die prozentuale Balance zwischen denen, die gesagt haben Tesla her, bringt Arbeitsplätze und den Skeptikern entwickelt.

  16. 19.

    Arbeit in Wirtschaftsunternehmen ist hauptsächlich Teamarbeit. Moderne Kommunikationssoftware wie Zoom oder MS-Teams mag noch so leistungsfähig sein, Arbeit an unterschiedlichen Orten ist immer mit Informationsverlust verbunden, vom Schutz brisanter Daten ganz zu schweigen. EM ist da voll im Recht.
    Auch für die Mitarbeiter ist Home Office kein Segen, da die Trennung zwischen Beruf und Privatleben aufgehoben ist. Das mag ja sehr reizvoll sein, den Geschirrspüler in der Mittagspause anzumachen. So wird die Wohnung zum Büro mit Schlafgelegenheit.

  17. 18.

    Herr M... wird die Konditionen bestimmen, nach denen gearbeitet wird, genau wie den Bau der Fabrik und da wird er sich nicht ins Handwerk pfuschen lassen....... Investruinen haben wir in Brandenburg genug.

  18. 17.

    Liebe Maren, nein so ist es zum Glück in Deutschland nicht ubd das ist auch gut so! Arbeitsrecht gilt für alle auch für einen Herrn Musk, es ist gut das super Reiche nicht alles entscheiden können. Das wäre ganz schrecklich. Unsere Eltern sind für diese Rechte auf die Straße gegangen. Nicht immer regiert Geld alleine! Sind sie ein Troll und wollen Unmut sähen?

  19. 16.

    Der natürliche Lauf der Dinge: Ein Land, das jahrzehntelang Arbeit ausgelagert hat, weil viele noch mehr Dividende wollen und/oder immer billiger shoppen und/oder sich zu fein zum Arbeiten sind - so ein Land muss eben irgendwann nach der Pfeife selbstherrlicher Bosse aus Übersee tanzen. Betriebliche Mitbestimmung, von früheren Generationen u.a. mit einer starken IG Metall erstritten, ist dann nur noch ein Traum aus ferner Vergangenheit. Und noch schöner wird's, wenn die Bosse aus dem Reich der Mitte kommen (womit ich weder Hessen noch Thüringen meine).

  20. 15.

    Homeoffice ist eine freiwillige Sache, wenn der Chef das nicht will, dann ist das so. Die IG Metall kann da nichts erzwingen, und wer nicht im Büro arbeiten will, muss sich etwas anderes suchen.

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