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Audio: Inforadio | 24.04.2017 | Karsten Zummack | Bild: imago/Christian Ohde

Bedingungsloses Grundeinkommen - Ein Jahr lang 1.000 Euro umsonst und steuerfrei

Nicht nur Finnland testet die Idee vom bedingungslosen Grundeinkommen - ein Berliner Start-up verlost es regelmäßig. 1.000 Euro monatlich, ohne Vorgaben: Für 15 weitere Menschen ist das seit Montag Realität.

Manuela möchte ihre Tochter besser unterstützen, Daniel seinen Meister machen und KuWo bessere Lebensmittel kaufen. Diese drei gehören zu 15 Menschen, die am Montag ein Grundeinkommen für ein Jahr gewonnen haben. Ein festes Einkommen von 1.000 Euro, jeden Monat, ohne Arbeit. Der Verein "Mein Grundeinkommen" aus Berlin-Neukölln verlost dies seit knapp drei Jahren immer wieder. Finanziert wird das Projekt über Spendengelder per Crowdfunding. Bisher gibt es 85 Gewinner.

Was mit dem Geld tatsächlich passiert, bleibt den Gewinnern überlassen. Es geht um einen Vertrauensvorschuss. Der Berliner Michael Bohmeyer hatte die Idee dazu. Er will neuen Schwung in die Diskussion bringen und die Eigenverantwortung der Gewinner stärken. Der 32-Jährige will ausprobieren, wie ein bedingungsloses Grundeinkommen in der Praxis wirkt. "Man könnte sich zum Beispiel vorstellen, dass viel mehr Menschen Lust haben, sich selbstständig zu machen oder auch mutigere Entscheidungen treffen, bessere soziale Beziehungen führen. All das erleben wir in unseren Experimenten und das könnte in der ganzen Gesellschaft funktionieren", so Bohmeyer. Um zu erfahren, ob und wie sich das Leben mit bedingungslosem Grundeinkommen auswirkt, sollen die Gewinner laufend befragt werden.

Keine Steuern auf Gewinn fällig

Jeder kann kostenlos mitmachen und muss sich vorab mit seiner E-Mail-Adresse registrieren. Vom Baby bis zur Rentnerin, vom Arbeitslosen bis zum Gutverdiener haben laut Bohmeyer "die unterschiedlichsten Menschen" an den Verlosungen teilgenommen. Unter den neuen 15 Gewinnern sind auch drei Kinder: Das Geld soll den Familien nach eigenen Angaben den Hauskauf erleichtern, eine längere Elternzeit oder den Besuch bei den Großeltern ermöglichen.

Die Gewinner müssen keine Steuern zahlen, denn es handelt sich bei der Verlosung um ein Gewinnspiel. Es wird aber auf Leistungen wie Hartz-IV oder Bafög angerechnet.

Laut Bohmeyer sind die Erfahrungen durchweg positiv, von Faulheit keine Spur: "Die Leute machen im Großen und Ganzen das Gleiche wie bisher, aber sie machen es entspannter. Sie arbeiten genauso viel und sind weniger gestresst." Zwei hätten zwar ihren Job gekündigt, arbeiteten aber weiter. Drei andere Gewinner hätten sich selbständig gemacht. Ein Obdachloser habe sich wieder gefangen und ein Langzeitarbeitsloser einen Job gefunden.

Hintergrund

  • Was ist das bedingungslose Grundeinkommen?

  • Wo gibt es das bedingungslose Grundeinkommen schon?

  • Was sagen die Befürworter?

  • Was sagen die Kritiker?

Mit Informationen von Karsten Zummack

Kommentar

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26 Kommentare

  1. 26.

    Ich denke, dass dieses Grundeinkommen von mindestens 1000 € sofort umgesetzt werden sollte. Allerdings erst ab vollendetem 45. Lebensjahr. Warum? So kann/muss unser Nachwuchs erstmal voll entfalten, die "Alten" blockieren nicht Vollzeitstellen, diese ausbeuterische Zeitarbeit könnte abgeschafft werden und das Lebensniveau wird wieder für alle menschlich. Seit Jahren wird das Grundeinkommen in kleineren Kreisen getestet, nicht nur in Deutschland. Durchweg positiv, trotzdem wird es nicht kommen. Unsere Regierung interessiert sich schon lange nicht mehr für ihr Fundament namens Mensch. Die eigenen Pfründe (nebst Selbstbewunderung) können nur durch Unterstützung der Großkonzerne gehalten werden. Zeitarbeitsfirmen schönen die Arbeitslosenzahlen, Rentenabschläge füllen die Staatskassen und nicht zuletzt braucht niemand darüber nachzudenken wohin mit dem grausamen Sesselpupern der Arbeitsämter und Jobcenter. Wenn jeder so viel über unsere Kanzlerin wüsste, wie sie selbst... Oh je

  2. 25.

    Es wäre schön einmal dazu zu gehören...
    Mit 4.Kindern nicht immer einfach...
    Aber mit 1000.euro zusätzlich wäre es einfacher und positiver zu leben...

  3. 24.

    Dass es Ihnen im holzhammermäßig praktzierten DDR-Schulunterricht regelrecht verleidet wurde, kann ich sehr gut verstehen. Doch keine einzige Idee ist vor Missbrauch und Hineinkommen in trübes Fahrwasser gefeit. - Keine.

    Die Idee der menschlichen Gleichheit, die erstmal nichts damit zu tun hat, dass alle das Gleiche verdienen müssten, ist älter als die riesengroßen, an den Hauswänden angebrachten Parolen. Dass es neben der bestehenden Wirtschaftsordnung der Überbewertung des Geldes u. materieller Werte noch andere mögl. Ordnungen geben kann, hat nichts zu tun mit der Behauptung von Marx, dass es unwiderbringlich für alle Menschen fünf Stufen der Menschheitsentwicklung geben müsste "Urges. - Feudalismus - Kapitalismus - Sozialismus - Kommunismus". Diese Annahme war jedenfalls eine wesentliche Ursache dafür, sich verstockt u. vernarrt auf der einzigen richtigen Seite zu wissen.

    Die Idee eines Grundeinkommen ist jedenfalls frei von solchem. Sie basiert einzig auf Menschenwürde.

  4. 23.

    Ein Grundeinkommen müsste auch zusammen oder zeitnah mit einer Steuer- und Gesundheitsreform eingeführt werden. Höhere Mehrwertsteuer ist naheliegend, aber auch geringere Beiträge für die Krankenversicherung. Möglich sind Kostenreduzierung durch weniger unnütze und teure Medikamente und weniger Psychostress sowie dessen Folgeerkrankungen.

  5. 22.

    Zurzeit würde ich ein Grundeinkommen mit etwa 500 Euro einführen plus pauschale Mietkosten gestaffelt nach den heutigen regionalen Wohngeldmietstufen. In Berlin wären das dann ca. 400 Euro Warmmiete pro Person, aber wie gesagt pauschal ausgezahlt. Wer eine günstige Unterkunft hat oder mit anderen zusammen lebt, behält dann eben mehr Geld übrig. Ansonsten müssten wieder Mietverträge und dessen Kosten überprüft werden, aber die Bürokratie soll ja komplett verschwinden wie alle anderen Sozialleistungen auch.

  6. 21.

    Das Bündnis Grundeinkommen will das BGE auf den Wahlzettel bringen und es mit der Zweitstimme wählbar machen (aktuell bei der Landtagswahl in NRW, später bei der Bundestagswahl):
    https://youtu.be/oPp55jgWkeA

  7. 20.

    Was wenn ich die Glückliche wäre
    Könnte Sorgenfrei leben Miete davon bezahlen aber weiter arbeiten gehen nur mit dem unterschied das man besser lebt und sich was gönnt und das kommt der Wirtschaft auch zu Gute.
    Könnte Geld Spenden um Kinder zu unterstützen was ein Herzenswunsch ist aber ohne dieses Grundeinkommen klappt es nicht weil nichts über bleibt .
    Ich würde Gesünder leben ich meine nicht die Ernährung sondern der Phychische Stress der leider viele Krank macht.
    Ich hoffe das wird mal Wirklichkeit

  8. 19.

    Nach meinen Beobachtungen stehen die jüngeren Generationen (denen die Zukunft gehört) dem Bedingungslosen Grundeinkommen mehrheitlich positiv gegenüber. Auch sind die Befürworter in allen politischen + gesellschaftlichen Milieus angesiedelt. Selbst die Chefs der Dt. Telekom und von Siemens sprechen sich mittlerweile dafür aus. Nicht ohne Grund. Denn die Arbeitswelt von heute wird es in absehbarer Zeit infolge Automatisierung, Digitalisierung, künstlicher Intelligenz nicht mehr geben. Nicht nur in der Produktion, sondern auch im kaufmännischen und Dienstleistungsbereich werden Millionen von Jobs verschwinden. Unternehmen müssen aber ihre Dienstleistungen und Produkte unters Volk bringen. BGE = Kaufkraft fürs Volk.

    Ob das BGE ein Erfolg wird oder nicht, hängt in 1. Linie von dessen konkreter Ausgestaltung und den Begleitumständen ab. Grundsätzlich möglich ist es auf jeden Fall. Gut gemacht könnten wir die Gesellschaft damit auf ein neues zivilisatorisches Niveau heben. Here we go!

  9. 18.

    Ich zum Beispiel. Ich finde die Idee super und wenn sich jemand dafür hergibt, da einen Testballon zu starten, unterstütze ich das gerne.

    Und wenn sich hinterher rausstellt, dass alle das Geld nur verprasst haben.. Na und? Sicherlich werden in dem einen Jahr nicht alle eine tolle Idee haben, die das Land weiterbringt. Aber wenn nur zwei dabei sind ist schon viel geholfen. Und die anderen leben wenigstens etwas entspannter. Tut der Menschheit auch nicht schlecht.

    Selbst wenn das ganze komplett in die Hose geht, weiß man hinterher wenigstens definitiv, dass der Mensch tatsächlich nicht dafür geeignet ist. Bisher sieht es allerdings eher so aus, als würden die Leute schon halbwegs verantwortungsvoll damit umgehen.

  10. 17.

    Die Verlosung von zeitlich befristeten Grundeinkommen bietet eine gute Gelegenheit, dem Umgang mit dieser unverhofften Freiheit zu testen, und durchweg positiv sind ja auch die Erfahrungen. Damit es das Grundeinkommen bedingungslos und für alle gibt, hat sich am 25.9.16 eine Partei gegründet, die das BGE auf den Wahlzettel zur Bundestagswahl 2017 und vor allem in die allgemeine politische Diskussion bringen möchte. Es sind bereits alle 16 Landesverbände gegründet und alle Landeslisten aufgestellt sowie über die Hälfte der für neue Parteien erforderlichen Unterstützerunterschriften gesammelt. www.buendnis-grundeinkommen.de

  11. 16.

    Natürlich hat es etwas damit zu tun und ist verständlicherweise zeitlich begrenzt. Es soll die Menschen von der Idee überzeugen,entweder direkt als Gewinner oder durch deren Erfahrungsberichte.

    Du bringst die üblichen Gegenargumente,die schon längst widerlegt sind. Einfach mal mit dem Thema befassen. Mit Kommunismus hat das jedenfalls nichts zu tun. Wo die Leute das immer wieder aufschnappen..

    Wieviele kennst du denn,die nur soviel arbeiten bis sie 1000 Euro verdient haben? Ich kenne niemanden,viele verdienen sogar das dreifache,vielleicht noch mehr. Allerdings kenn ich auch welche,die nicht viel mehr als 1000 Euro nach einem Monat Vollzeit raushaben.

  12. 15.

    Was ist daran Kommunismus? Das würde aber deine Note erklären..
    Das würde genauso wie heute auch schon funktionieren. Wir haben unterschiedlichste Sozialleistungen,die den Menschen ein Mindesteinkommen garantieren. Ich empfehle mal das Interview zu lesen und sich generell mal mit dem Thema zu befassen,bevor man erstmal dagegen ist. Wir können uns in dieser Gesellschaft sogar leisten 20 Millionen Rentner zu versorgen. Die sich das natürlich verdient haben,aber AKTUELL eigentlich nichts zur Wirtschaftsleisung beitragen.

  13. 13.

    Gute Arbeit,die Herr Bohmeyer und sein Team leistet. Er kann die Idee des Grundeinkommens auch immer sehr gut rüberbringen.
    Mir ist nur nicht ganz klar,wie das ganze Team bezahlt wird und wenn es von den Spenden abgeht,wie groß der Anteil ist. Da wäre ein wenig mehr Transparenz vielleicht besser.

    Ein bedingungsloses Grundeinkommen wird irgendwann nötig sein und bedeutet auch ein Mehrwert für die Gesellschaft,wenn keiner mehr Existenzsorgen haben muss.

  14. 12.

    Hallo liebes rbb Team, wie und wo kann man Bedarf auf dieses Grundeinkommen anmelden, das wurde nicht angegeben! Liebe Grüße Marion

  15. 11.

    Ich gratuliere Ihnen zu Ihren 1000€ Rente! Wenn Sie mehr wollen, melden Sie sich doch bei dem Gewinnspiel an!
    Wenn ich irgendwann mal am Ende meines Arbeitslebens sage "Ich habe mein ganzes Leben gearbeitet", dann ist vollkommen unklar inwiefern ich noch Rente bekomme bzw. wie hoch diese ist.
    Die Rentenpolitik konzentriert sich im Moment auf die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage von Leuten, die jetzt schon alt sind, um sich deren Gunst zu sichern. Aber wie bitte schön sieht denn das Konzept für die junge, arbeitende Generation aus! Wo bleiben die notwendigen Reformen?

    Ansonsten schließe ich mich toberg insofern an, dass es sich hier um ein Gewinnspiel handelt. Aufgrund der zeitlichen Begrenzung kann keine Rede von bedingungslosem Grundeinkommen sein, da danach am Ende alles beim Alten bleiben wird.

  16. 10.

    Gut,dann denken Sie weiter über Atomphysik nach. Es kommt also nichts Substantielles, hatte ich nicht anders erwartet.

  17. 9.

    Ob die Wirtschaft (mit Sitz in Steueroasen)da wirklich so viel Angst vor hätte, wage ich denn doch zu bezweifeln. Vergessen Sie nicht, wir haben "freie Marktwirtschaft". Ist mehr Geld im Markt, wird es auch schonungslos abgefischt (z.B. durch höhere Mieten, Lebenshaltungskosten usw.). Übrigens trägt einen Großteil der Steuerlast die Bezieher kleiner und mittlerer Einkommen. Kein Grund, da reflexhaft wie der Pawlowsche Hund zu reagieren.

  18. 8.

    @Friederike 10:24 Uhr ... Ich dachte dabei an die Atomphysik.
    Einerseits --> Nuklearmedizin ... andererseits --> Atombombe.

  19. 7.

    Eigentlich ist dies ja eine Lotterie. Man muss dem Kind nur einen streitbaren Namen geben und schon ist es in aller Medien Munde. Glücksspirale wäre wohl zu simpel gewesen. Mit der sozialen Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens hat das nichts zu tun. Also bitte alle mal beruhigen.
    Die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens scheitert von Hause aus ja schon am menschlichen Schweinehund. Wenn man für 1000 EUR geschenkt im Monat nichts mehr tun muss, nicht mal zu irgend nem Amt gehen, dann werdens alle machen. Und wer erwirtschaftet denn noch das Bruttosozialprodukt? Der theoretische Kommunismus mit der Verteilung jedem nach seinen Bedürfnissen und alle gleich scheiterte bisher ja auch real am lebenden Menschen.

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