DB-Reisezentrum im Ostbahnhof (Quelle: dpa / Jens Kalaene)
Video: Brandenburg aktuell | 13.05.2017 | Jana Wochnik-Sachtleben | Bild: dpa-Zentralbild

Weltweite Cyberattacke - Bahn-Computer an Ostbahnhof und Ostkreuz gehackt

Bei einem weltweiten Hackerangriff hat es auch die Deutsche Bahn erwischt: An Bahnhöfen deutschlandweit fielen am Samstag Anzeigetafeln und Ticketautomaten aus. In Berlin waren nach rbb-Informationen die Computer in den Reisezentren des Ostbahnhofs und Ostkreuzes betroffen.

Ein weltweiter Hackerangriff hat auch die Deutsche Bahn getroffen. Deutschlandweit seien digitale Anzeigetafeln sowie Ticketautomaten an Bahnhöfen ausgefallen, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn rbb|24 am Samstagnachmittag.

"Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Störungen zu beheben", so der Sprecher. Dies sei jedoch nicht zentral möglich, speziell ausgebildete Techniker-Teams müssten an jedem betroffenen Bahnhof vor Ort die Computer überprüfen und sicherstellen, dass die Trojaner entfernt werden.  

Auch die Technik zur Videoüberwachung war einem Sprecher des Bundesinnenministeriums zufolge betroffen. Die Bahn stellt diese Technik demnach für die Bundespolizei bereit.

Screenshot der Strecken-Info der Deutschen Bahn (Quelle: www.http://db-livemaps.hafas.de/)
Dieser Screenshot der DB-Livemap zeigt, dass auch Berliner Bahnhöfe von dem Trojanerangriff betroffen waren. | Bild: www.http://db-livemaps.hafas.de

Ostbahnhof und Ostkreuz betroffen

Auch in Berlin waren der Ostbahnhof und der Bahnhof am Ostkreuz seit der Nacht von der Störung betroffen. Zunächst hieß es, es dauere nur ein paar Stunden, den Trojaner zu entfernen. Doch gegen 15:30 Uhr dauerten die Störungen noch an, wie aus einer Livemap der Deutschen Bahn hervorging. Für den Bereich Ost 1 (Berlin) hieß es: "Auf Grund eines Trojanerangriffs kommt es in verschiedenen Bereichen zu Systemausfällen."

Auf Nachfrage räumte ein Bahn-Pressesprecher ein, dass die Computer in den Reisezentren der Bahnhöfe Ostkreuz und Ostbahnhof von den Störungen betroffen waren.

Deshalb konnte den Kunden dort nicht im gewohnten Umfang geholfen werden. Auch die Ticketautomaten waren zeitweise außer Betrieb. Reisenden, die aufgrund der Störungen kein Ticket kaufen konnten oder einen Zug verpassten, hätten Anspruch auf die gesetzlich geregelten Entschädigungen, sagte der Sprecher. Sie müssten sich die Störung aber nach Möglichkeit von Bahn-Mitarbeitern schriftlich bestätigen lassen.

BKA hat Ermittlungen übernommen

An Bahnhöfen mit höherem Aufkommen an Reisenden wollte die Bahn zusätzliche Mitarbeiter zur Kundeninformation einsetzen. Der Zugverkehr selbst sei durch die Cyber-Attacke nicht beeinträchtigt worden, hieß es.

Das Bundeskriminalamt hat inzwischen strafrechtliche Ermittlungen zu der Cyberattacke übernommen. Nach Einschätzung der europäischen Ermittlungsbehörde Europol hatte die Attacke ein bisher "beispielloses Ausmaß". Es seien komplexe internationale Ermittlungen nötig, um die Hintermänner zu finden, erklärten Europol-Vertreter. Die gemeinsame Cybercrime-Taskforce, die aus Experten verschiedener Länder besteht, werde eine wichtige Rolle bei den Ermittlungen spielen.

Zehntausende Computer betroffen

Am Freitagabend waren auf der ganzen Welt zehntausende Computer von Unternehmen, Behörden und Verbrauchern lahmgelegt worden. Die IT-Sicherheitsfirma Avast entdeckte rund 75.000 betroffene Computer in 99 Ländern, mit einem Schwerpunkt auf Russland, der Ukraine und Taiwan. In Großbritannien wurden Krankenhäuser lahmgelegt, in Spanien war der Telekom-Konzern Telefónica betroffen und in den USA den Versanddienst FedEx.  

Die Computer wurden von sogenannten Erpressungstrojanern befallen, die sie verschlüsseln und Lösegeld verlangen. Dabei wurde Experten zufolge eine Sicherheitslücke ausgenutzt, die ursprünglich vom US-Abhördienst NSA entdeckt worden war, aber vor einigen Monaten von Hackern öffentlich gemacht wurde. Die Schwachstelle wurde zwar bereits im März grundsätzlich von Microsoft geschlossen - aber geschützt waren nur Computer, auf denen das Update installiert wurde.

Inzwischen konnte die Angriffswelle offenbar gestoppt werden, weil ein IT-Sicherheitsforscher auf eine Art "Notausschalter" in der Schadsoftware stieß.

 

Hinweis: In einer ersten Fassung dieses Berichts hieß es, auch am Berliner Hauptbahnhof seien Anzeigetafeln ausgefallen. Das hat sich inzwischen als nicht korrekt herausgestellt.

Sendung: Abendschau, 13.05.2017, 19:30 Uhr

Kommentar

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7 Kommentare

  1. 7.

    WIR FORDERN MEHR VIDEOÜBERWACHUNG!
    Nur so können die Hacker auch endlich die verdutzten Gesichter der Fahrgäste sehen, wenn sie vor dem defekten Fahrkartenautomaten stehen. - Ist doch für die sonst auch voll langweilig.

    Dieses Mal war der Hack der Automaten offensichtlich... was ist mit den Kunden die dort mit EC-Karte zahlen? Wäre für die Hacker sicher einträglicher.

  2. 6.

    Am S-Bahnhof Friedrichstraße in Berlin waren heute Nachmittag (ca. 15.15 Uhr) auf dem unteren Gleis (S 1/S 2/S 25) auch zwei Ticketautomaten ohne Funktion, einer davon war komplett offline. Man konnte in dem anderen Automaten zwar Tickets im Display wählen, danach konnte man aber den angezeigten Fahrpreis weder mit Münzen, Geldscheinen oder Karte bezahlen. Ein Ticket wurde dann natürlich auch nicht ausgedruckt. Ich konnte nur im S-Bahn-Kundenzentrum Tickets am Automaten erwerben. Es waren somit offensichtlich nicht nur Ostbahnhof und Ostkreuz von diesem Hackerangriff betroffen.

  3. 5.

    Habe ich Sie richtig verstanden? Sie halten McD-Produkte für qualitativ hochwertig? Damit ist dann wohl klar, auf welchem Niveau sich Ihr gesamter Kommentar bewegt.

  4. 3.

    Computerviren, IT-Angriffe, Trojaner etc.
    Täglich erfolgen Sicherheitsupdates usw.
    Ich denke, in der Gehaltsstruktur unserer IT-Experten ist noch viel Luft - nach unten.
    Man stelle sich vor, ein Hamburger von McDonalds wäre qualitativ auf der gleichen Ebene wie diverse Computerprogramme.
    Die Menschheit wäre wahrscheinlich schon ausgestorben.

  5. 1.

    Und? Hat man schon die ersten "Experten" gefunden, die das Gerücht lancieren, Putin sei Schuld?

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