Hinter der Schallschutzwand einer Bahnanlage steht ein Wohnhaus. (Quelle: imago/Stefan Noebel-Heise)
Video: Abendschau | 29.06.2017 | Georg Berger | Bild: imago/Stefan Noebel-Heise

Entscheidung zum Abschnitt in Lichtenrade - Bundesrichter weisen Klage gegen Dresdner-Bahn-Lärmschutz ab

Die Strecke Berlin-Dresden wird erneuert und umgebaut. Allerdings streiten Bahn und Anwohner um ein Stück durch Lichtenrade. Das Bundesverwaltungsgericht wies nun die Klage einer Bürgerinitiative ab. Sie hatten einen Tunnel statt einer Schallschutzwand gefordert.

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat am Donnerstagmittag die Klage von Lichtenrader Bürgern wegen des Schallschutzes des geplanten Ausbauprojekts "Dresdner Bahn" abgewiesen.

Mehrere Anwohner in Lichtenrade und die “Bundesvereinigung gegen Schienenlärm“ hatten gegen die Planungen für ein rund zweieinhalb Kilometer langes Teilstück durch den Ortsteil geklagt. Der Planfeststellungsbeschluss zu der Strecke hat damit Bestand. Er sieht auschließlilch hohe Schallschutzwände vor. Die Kläger hatten einen Tunnel gefordert.

Der ersten Mitteilung des Gerichts zu dem Urteil zufolge sind die Anwohner durch die geplanten Schallschutzwände ausreichend geschützt. "Prognosen über den voraussichtlichen Zugverkehr seien ebenso wenig zu beanstanden wie die Berechnungen der danach zu erwartenden Geräusche und Erschütterungen", heißt es darin. Somit seien die erheblichen Mehrkosten durch einen Tunnelbau nicht zu rechtfertigen.

In einer ersten Reaktion sagte Verkehrssenatorin Günther, nicht nur die Anwohner, auch das Land Berlin habe sich lange für eine Tunnellösung durch Lichtenrade eingesetzt. Nun aber habe das Gericht entschieden und man werde mit dem Urteil umgehen.

Anwohner wollten einen Tunnel

Vor allem aus Zeit- und Kostengründen halten die Bahn und der Bund daran fest, die Strecke ebenerdig zu bauen. Um die Anlieger vor Lärm zu schützen, sollen sie durch bis zu vier Meter hohe Lärmwände von der Strecke abgeschirmt werden. Die Kläger allerdings hatten an der Wirksamkeit der Schallschutzwände gezweifelt, und argumentiert, dass die Wände den Berliner Ortsteil zerschneiden würden und damit entscheidend das Stadtbild ändern würden.  

Schon seit über 18 Jahren plant die die Bahn den Bau der Trasse. Das Eisenbahn-Bundesamt hatte vor wenigen Wochen - nach der Strecke durch Lichtenrade - auch den gut sechs Kilometer langen Abschnitt vom Schöneberger Insulaner bis zum Schichauweg genehmigt, den sogenannten "Abschnitt 1 (Marienfelde)".

Unzufrieden mit der Lösung, befriedigt über endlich vorliegende Lösung

Die Verkehrspolitiker im Abgeordnetenhaus reagierten enttäuscht bis erleichtert auf den Richterspruch aus Leipzig. Einerseits enttäuscht darüber, dass ein Tunnelbau, wie ihn viele Lichtenrader seit Jahren gefordert hatten, nun nicht kommen werde, andererseits aber erleichtert, dass die wichtige Bahnverbindung, nicht zuletzt zur Anbindung des künftigen Flughafens BER, nun  gebaut werden könne.

Klagen gegen Trasse durch Lichtenrade

Über die Strecke soll der neue Flughafen BER vom Hauptbahnhof aus in 20 Minuten erreichbar sein. Die Bahn plant, dass alle 15 Minuten Flughafen-Züge fahren. Zudem soll die Fahrt zwischen Berlin und Dresden sich dann von zwei auf eineinhalb Stunden verkürzen. Die vorhandenen S-Bahn-Gleise müssen für die neuen Fernbahngleise teilweise verlegt werden, Bahnübergänge sollen an vielen Orten durch Unterführungen ersetzt werden.  

Insgesamt ist die Teilstrecke von Berlin-Südkreuz bis zum Flughafen 16 Kilometer lang. Für den Abschnitt 4 (Schöneberg) liegt laut Bahn die erforderliche Plangenehmigung seit Dezember 2014 vor. Das Planfeststellungsverfahren für den Abschnitt 3 (Blankenfelde-Mahlow) läuft derzeit.

Im Dezember 2015 hatte das Eisenbahn-Bundesamt zudem die Pläne der Bahn für den 2,5 Kilometer langen Abschnitt zwischen Schichauweg und Berliner Stadtgrenze (Abschnitt 2) genehmigt, zu dem auch der umstrittene Teil durch Lichtenrade gehört. Setzt sich die Bahn durch, will sie im Oktober die ersten Arbeiten für die neue Bahnstrecke beginnen.

Kommentar

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25 Kommentare

  1. 25.

    Lieber Enrico Pelocke.
    Der in meinen Ohren sarkastische, die Reisebeschränkungen und Freiheitsbeschränkungen der DDR-Bürger verharmlosende Ton von Dir empfinde ich als Frechheit!
    Man merkt, dass Du wohl unter Beschränkungen eher Freude und Halt findest, während andere darunter litten.

  2. 24.

    Die Anzahl der Züge auf der Lichtenradener Strecke liegt nicht über derjenigen von vergleichbaren Strecken in Berlin. Was Wunder, ist es doch eine von vielen Strecken, die in den so bezeichneten "Pilz" einmünden. Der Unterschied scheint mir nur derjenige zu sein, dass im Gegensatz zu den anderen Bahnstrecken, die entweder die ganze Zeit über in Betrieb waren bzw. nach der Wende schnell wieder in Betrieb gingen, hier einige Zeit ins Land ging. Das macht die Betroffenheit der Lichtenrader aber nicht größer als diejenige an anderen Bahnstrecken innerhalb von Berlin. Außerhalb des Zentrums gibt es keine Bahntunnel.

    Nicht die Bahn ist der Anachronismus, dass die Bewohner von Lichtenrade zu nahe an die Bahnstrecke hin gebaut haben, erscheint heute als Anachronismus: "Berlin bleibt gesamtdeutsche Hauptstadt" wurde im Westen immer wieder plakativ hochgehalten und wenn es dann soweit ist, war´s nicht so gemeint gewesen. Dann bitte ohne sichtbare Bahnstrecken.

  3. 23.

    Es sollen dann am Tag bis zu 600 Züge durchrollen. Na, dann mal prost Mahlzeit. Damals fuhren ja auch BSR Züge mit Müll. Und es stank erbärmlich wenn sie durchrollten. Tolle Aussichten.

  4. 22.

    Die Bahn hat sicherlich nichts gegen eine Tunnellösung, bloss finanzieren kann sie die nicht. Da bei Investitionen auch der Bund mit dabei ist, müssten diese Extraausgaben begründet werden, sonst muss das aus eigener Tasche bezahlt werden.
    Wie im richtigen Leben, wer bestellt - der bezahlt. Die Bahn stellt den Zustand wieder her, der vor Einstellung des Zugbetriebes 1952 vorhanden war, einschließlich an die Anpassung an die heutigen Schallschutzvorgaben.
    Hätte der Senat vor zwanzig Jahren die Zusage zur Mitfinanzierung der Tunnellösung gegeben, wäre das Teil schon längst da. Und bitte - hier ist nicht Rot-rot-Ggrün dran Schuld sondern - wer war eigentlich vor 20 Jahren Regierender ?

  5. 21.

    Verstehe die Aufregung nicht. Im Endeffekt wohnen die Leute doch schon zum jetzigen Zeitpunkt neben einer Bahnlinie. Vor knapp 100 Jahren rollten dort schon Fernzüge. Dass dort zwischenzeitlich keine Fernzüge gefahren sind ist ja schön und gut, jedoch hat niemand behauptet dies sei für immer so? Was die "Zerschneidung" des Ortes betrifft, es kommt lediglich zu der einen vorhandenen Brücke eine weitere dazu. Massive bauliche Veränderungen sehen nach meiner Meinung anders aus. Wenn man so argumentiert wie die Kläger in Lichtenrade gäbe es in Deutschland weder Autobahnen noch Flughäfen. Denn Anwohner gibt es fast immer.

  6. 20.

    @11: Ich stimme dir 100%ig zu. @10: Der BÜ fällt nicht ersatzlos weg. Er wird durch eine Unterführung ersetzt. Man muß dort nicht mehr auf die Züge warten. Wenn auf 4 Gleisen Züge in dichtem Takt fahren, wären die Schranken den ganzen Tag geschlossen. Die Tunnel der Neubau-Schnellfahrstrecken sind topografisch bedingt. Die Züge können wegen der geringen Reibung zwischen Rad und Schiene keinen starken Steigungen bewältigen. Der Autoverkehr wird hoffentlich nicht zunehmen, sondern mit Bus+Bahn+Fahrrad fahren. @16: Ja hätte der Wowi sich um die Eisennbahn gekümmert und die Bahnplanungen und Planfeststellungsverfahren vorangetrieben und den Autobahn+Straßenbau gestoppt, wäre im Berliner Verkehr jetzt vieles besser.

  7. 19.

    Lichtenrade wird auch durch den Lichtenrader Damm geteilt. Beschwert sich jemand darüber, daß man ihn BRDigen oder den Autoverkehr einstellen soll? Meine Eltern haben ihren Garten seit 45 Jahren an einer 2gleisigen Dieselhauptbahn. Wir wohnen 70 m entfernt vom Bahnhof. Ich finde es von Anfang an schön und interessant, die Züge vorbeifahren zu sehen und ihre Musik zu hören. Spannend die vielen nationalen und internationalen Schnellzüge, die früher vorbei fuhren. Ich verstehe das Problem einiger Leute nicht. Dort fahren keine lauten Schrott transportierenden Güterzüge, deren Ladung immer scheppert, weil die Räder Flachstellen haben, sondern Elektrozüge, die leiser als Autos, Diesel und Dampf sind. Bahnreisende haben ein Recht darauf die Städte und Dörfer zu sehen. Wenn die Anwohner die vielen bunten Züge sehen, bekommen sie Lust mitzufahren. Seid froh, das in die Bahn investiert wird, der Bahnbau nun endlich beginnt und regt Euch nicht über die Ablehnung zum Tunnel auf. Da ist gut so.

  8. 18.

    Der 29.6. und das Urteil sind ein schwarzer Tag für Lichtenrade. Aus meiner Sicht hat die Politik versagt. Wo ist der Berliner Senat, der sich für seine Einwohner einsetzt. Im Koalitionsvertrag von SPD und CDU stand ein Versprechen, das nicht gehalten wurde.

  9. 17.

    Gut, daß jetzt endlich gebaut werden kann und die Züge bald direkt aus/nach Berlin fahren können. Auch gut, daß kein teurer Tunnel gebaut wird, somit viel Geld in andere sinnvolle Bahnprojekte investiert werden kann, die Baubehinderungen für den Zugverkehr sich in Grenzen halten und die Strecke schneller fertig wird. Um den Zunnel zu buddeln und anzubinden, hätte man den S-Bahn-Verkehr lange einstellen müssen und hätte viele Reisende vergrault. Der Autoverkehr hätte zugenommen. Schlecht sind allerdings die hohen sichtbehindernden Schallschutzmauern, die auch die Sonne abschirmen und die Erdbeerbeete und Wohnzimmer der Anwohner verdunkeln. Die Erdbeeren werden wesentlich später reifen. In der DDR herrschte nioch Ordnung. Da standen die Mauern nur an der Westgrenze und nicht längs, sondern quer zum Gleis. Da konnte man sich zuerst die Gegend auf der einen Seite der Mauer angucken und dann auf der anderen Seite. ABer man hatte immer freie Sicht auf Städte und Dörfer. Das war Reisefreiheit

  10. 16.

    Neid? Auf was? Ausländer, Dreck, Kriminalität, Partyzei, Unvermögen, Korruption? Ihr Wowi hat das Planfeststellungsverfahren jahrelang ruhen lassen, ein beispielloser Vorgang in Deutschland. Hingucken und Lesen: Ich habe nichts gegen Fluglärm, sondern gegen den Export von selbigen nach Brandenburg....Wenn Sie für einen Tag mit easyjet nach Barcelona fliegen wollen, dann machen Sie das bitte von Tegel aus oder essen als Alternative in der Bahnhofstr ein Eis. Haben Sie mehr von.....

  11. 15.

    Das Autofahren soll eingeschränkt werden. Fliegen macht auch Lärm und schädigt auch die Gesundheit von Menschen und belastet auch die Umwelt. Fast jeder möchte aber allzeit mobil sein und bleiben.

    In Deutschland gibt es einen verkehrspolitischen Egoismus.

    Zu jeder Zeit überall hin fahren und reisen. Vor der eigenen Tür soll es ruhig und sauber sein. SO GEHT ES NICHT! Das Rad ist ein Saisonverkehrsmittel, wie das aktuelle Wetter beweist.
    Die Bahn muss jetzt sofort ausgebaut werden.

  12. 13.

    1. was hat die Bahn mit der Gülle zu tun ?
    2. Die (jetzt beschlossene) Bahnhofstraßen-Unterführung wird früher oder später bei Starkregen unter Wasser stehen und dann spätestens (nach den Bauarbeiten) wird Lichtenrade geteilt

  13. 12.

    Bahn ist besser als Autoverkehr. Vor allem aber: Wer klagt endlich gegen den regelmäßigen Güllegestank von den umliegenden Äckern?

  14. 11.

    Immer mehr Berliner/Eigentümer, wo immer auch, können sich nicht daran erinnern - Berlin war einstmals Wirtschaftsfaktor im Deutschen Reich - Republik. Perfekte S-Bahn Verbindungen, die bis heute nicht bestehen. Jeder, der in die Nähe einer ehemals wichtigen Bahn zog/kaufte, hatte die Möglichkeit zu schauen, wie Berlin einst tickte und wie heute. Diese ewigen 'Ich weiß nichts' und 'ich will nichts' - schaut mal in deren Kiez wie viel SUV dort rumstehen. Tunnel bauen - dann bitte auf eigene Kosten!

  15. 10.

    @ Brandenburger
    Seit wann wohnen Sie in dem einen Ort weiter? Fluglärm gibt es da schon seit 1972. Also nicht jaulen und bitte keinen Neid.

    @Horst, ja es wird schöne Schallschutzwände geben. In Kürze werden dies von Grafitykünstlern verziert sein. Toller Ausblick. Außerdem schützen Schallschutzwände nur die unmittelbar angrenzenden Grundstücke. Durch diese Wände wird der Schalleffekt ähnlich wie beim Echo in Gebirgstälern verstärkt. Es geht aber auch um die Zerschneidung des Ortsteils. Es fällt ein wichtiger Bahnübergang weg und alles drängt sich im Anschluss durch die jetzt schon überfüllte Bahnhofstraße, bzw. durch die Barnet- und Wünsdorfer Str. Für die Anwohner dort also eine höhere Belastung durch den zunehmenden Straßenverkehr. Es ging nie darum, dass die Bahn nicht gebaut werden soll. Es ging um verträgliche Lösungen. Ich erinnere mal an die neulich eröffnete Neubaustrecke Berlin - München. Wieviele Kilometer Tunnel und Brücke wurde dort gebaut? Nicht für Anwohner.

  16. 9.

    "Bundesrichter weisen Klage gegen Dresdner-Bahn-Lärmschutz ab". War klar, denn die Herren und Damen vom Gericht wohnen dort nicht. Es gab auch einen Senatsbeschluss für eine Tunnellösung. Leider scheint sich der Regierende in Berlin sich nicht mehr zu erinnern.

  17. 8.

    Das Argument, das der Ort geteilt würde, kann ich nicht nachvollziehen. Der Ort ist geteilt, jetzt schon, allein durch die S-Bahn Trasse. Östlich davon die immer unattraktivere Bahnhofstr und westlich und südlich die besseren Wohnlagen. Um den Bahnübergang herum ist es doch jetzt schon hässlich. Fluglärm exportieren und sich Sorgen um diesen piefigen "Ortskern" machen.....das passt ja wieder!

  18. 7.

    Ihre Aussage ist aber auch Quatsch. Das gesundheitliche Wohl des Ortes wird in diesem Fall eben nicht komplett ignoriert. Es wird Schallschutzwände geben. Ist natürlich kein schöner Schallschutz. Wenn die Politik Ernst machen würde mit dem Anliegen, den Schienenverkehr zu fördern, dann könnte man auch mehr in Schallschutz investieren bzw. in deren Erforschung. Aber wird sind nun mal ein Autoland, da spielt die Bahn nur eine untergeordnete Rolle.

  19. 6.

    Diese Aussage, lieber Nachdenker, ist Quatsch! denn auch die Lichtenrader sind nicht grundsätzlich gegen diese Strecke, sondern gegen die damit verbundene, erhebliche Lärmbelastung. Eine andere bauliche Durchführung wäre das Anliegen gewesen. Bei von der Bahn angesetzten 600 Zügen täglich, die mit bis zu 160 km/h durch das Stadtgebiet donnern, ist eine solche Forderung auch durchaus gerechtfertig! Unabhängig von der auch sehr unschönen Zerschneidung des gewachsenen Ortes, den die Anwohner zu Recht kritisieren.

    Hier wurde fast 20 Jahre lang etwas schleifen gelassen und nun muss es schnell gehen! Und Geld spielt natürlich auch eine große Rolle. Das gesundheitliche und städtebauliche Wohl des Ortes werden in diesem Fall komplett ignoriert.

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