Berlin - 2. Juni 2017 Protest gegen Deutsche Wohnen. Mieterprotest vor der Berliner Zentrale der Deutschen Wohnen AG in Charlottenburg. (Quelle: imago/Peter Homann)
Video: Abendschau | 21.06.2017 | Iris Marx | Bild: imago/Peter Homann

Koalition übt scharfe Kritik am Unternehmen - Deutsche Wohnen räumt Versäumnisse ein

Mit rund 100.000 Wohnungen ist die Deutsche Wohnen der größte private Anbieter auf dem Berliner Wohnungsmarkt. Doch um das Image des Unternehmens ist es schlecht bestellt. Seit Jahren gibt es Klagen von Mietern. Nun musste der Vorstandvorsitzende Rede und Antwort stehen.

Das private Wohnungsunternehmen Deutschen Wohnen hat dem Vorwurf widersprochen, es würde den Berliner Mietspiegel ignorieren.

Im Abgeordnetenhaus sagte der Vorstandschef des Unternehmens, Michael Zahn, am Mittwoch, man akzeptiere in 99 Prozent der Fälle den Mietspiegel, selbst wenn man ihn für ungerecht halte. Zahn räumte aber ein, dass sich sein Unternehmen bessern müsse. So sollte beispielsweise Mietern schneller geholfen werden, wenn etwa die Heizung ausfällt.

SPD, Grüne und Linke üben scharfe Kritik

Vertreterinnen von SPD, Grünen und Linken blieben indes bei ihrer Kritik, die Deutsche Wohnen schüchtere Mieter vor Gericht ein. Katrin Schmidberger kritisierte, dass das Unternehmen oft auf Zeit spiele: "Wir wissen, das dauert sehr, sehr lange. Das macht die Menschen mürbe und macht ihnen Angst. Und das spricht sich dann in der Nachbarschaft herum und viele Leute werden aus solchen Ängsten höheren Mieten dann zustimmen."

Der Berliner Mieterverein wirft dem Immobilienriesen vor, die Instandhaltung seiner mehr als 100.000 Wohnungen in Berlin so lange zu vernachlässigen, bis für die Mieter kostspielige Modernisierungen fällig würden.

In die gleiche Richtung argumentierte auch Iris Spranger von der SPD. Sie verwies auf zahlreiche Briefe, in denen Mieter über die Zustände in ihren Wohnungen klagen. "Ich habe viele Akten von Mieterinnen und Mietern wo ich selber hingegangen bin. Solche Wohnungen habe ich noch nie gesehen", sagte Spranger und führte als Beispiel starken Schimmelbefall an. "Ich würde mich schämen, dafür auch nur einen Euro Miete zu nehmen."

Zahn räumt ein paar Defizite ein

Zahn verwies mehrfach darauf, dass die schwierigen Wohnungsbestände mit großen Instandhaltungsdefiziten ja die früheren GSW-Wohnungen seien - also jene Wohnungen, die das Land einst privatisierte.

Der Deutsche-Wohnen-Chef räumte ein, dass es im Einzelfall Verbesserungsbedarf gebe, nicht zuletzt in der Kommunikation mit Mietern: "Es darf nicht sein, dass Mieter monatelang auf ein neues Bad warten müssen, weil wir uns mit der Versicherung streiten. Diese Kritik nehmen wir an."

Das erste Fazit der Anhörung: Man will weiter reden.  

Mit Informationen von Thorsten Gabriel

Kommentar

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6 Kommentare

  1. 6.

    Gibt es strafanzeigen wegen betruges gegen Deusche Wohen oder deren Mitarbeiter??

  2. 5.

    Völlig richtig! Erst die eigenen Bestände runterwirtschaften, dann privatisieren und sich dann noch beschweren, dass der neue Eigentümer die einst eigenen Missstände nicht schnell genug beseitigt! Wo ist der Beitrag der Politik für seine Wähler??? Ich sehe nur eine sinnlose Mietpreisbremse und erneut eine höhere Grunderwerbssteuer an der man sich bereichert! Keine Einigkeit zw. Senat und Bezirken! Keine Neubauten für sozial schwache Schichten und die oft vernachlässigte Mittelschicht! Auch die bekommen keine Wohnungen!

  3. 4.

    Wie wäre es, wenn der Berliner Mieterverein hier mal eine Ausnahme macht, und ohne Vereinsmitgliedschaft der Betroffenen einfach mal gesammelt gegen die Deutsche Wohnen vorgeht. Der Verein hat doch vernünftige Juristen und den längeren Atem.
    Abgesehen davon: Wenn Schimmelbefall nicht kurzfristig durch den Vermieter bekämpft, sondern monatelang verschleppt wird, ist nach meiner Meinung nach vorsätzliche Körperverletzung. Vielleicht ist ja juristisch hiermit die Deutsche Wohnen dran zu kriegen.

  4. 3.

    Die Politik lässt sich wieder mal einlullen, bei der nächsten Wahl wird dann abgerechnet. Hier wird sich bei der Deutschen Wohnen nichts ändern. Die Klientelpolitiger wissen das auch, der Öffentlichkeit wird was vorgekaukelt.

  5. 2.

    Alles faule Ausreden von Deutsche Wohnen. Die Politik müßte hier viel schneller und härter eingreifen.
    Allen Mietern raten die Miete nicht zu bezahlen und auch hinter den Mietern stehen bzw Deutsche Wohnen
    enteignen.

  6. 1.

    Frau Schmidberger und Frau Spränger sollten mal lieber die Klappe halten. Anstatt die eigene Arbeit ernst zu nehmen sucht man hier einen Sündenbock. Ihr wollt uns Otto-Normal-Verbrauchern helfen und unsere Stimme sein? Wie viele bezahlbare Wohnungen habt ihr denn mittlerweile seit eurem Amtsantritt gebaut?

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