Ladesäule am Parkhaus der Barnimer Kreisverwaltung in Eberswalde (Quelle: rbb/Björn Haase Wendt)
Audio: Antenne Brandenburg | 17.08.2017 | Bild: rbb/Björn Haase-Wendt

E-Mobilität kommt nicht in die Gänge - 0,004 Prozent der Autos in Brandenburg fahren elektrisch

Bis 2020 sollten auf Deutschlands Straßen eine Million E-Autos unterwegs sein, so hatte es Kanzlerin Merkel einst formuliert. Doch es geht kaum voran mit der Elektromobilität - auch nicht in Brandenburg. Dafür gibt es einen einfachen Grund. Von Björn Haase-Wendt

Der Finowfurter Hartmut Ginnow-Merkert ist mit seinem Elektroauto eine Ausnahme auf den Barnimer Straßen. Gerade einmal 59 E-Autos sind im selbsternannten nachhaltigen Landkreis Barnim unterwegs, bei mehr als 100.000 zugelassenen Fahrzeugen. In ganz Brandenburg sind laut Kraftfahrtbundesamt 568 E-Autos gemeldet - bei insgesamt 1,4 Millionen zugelassenen Fahrzeugen. "Für mich ist das einfach plausibel, wenn man den Strom am Haus hat oder vom Solardach bezieht, warum sollte ich dann an der Tankstelle kaufen?", erklärt Hartmut Ginnow-Merkert seinen Wunsch nach einem E-Auto. Mittlerweile ist er seit sieben Jahren elektrisch unterwegs. Er sagt, er habe damit nie Probleme gehabt, auch sei er noch nie wegen fehlendem Strom stehengeblieben.

Die wenigen Ladesäulen stehen oftmals an den falschen Orten

Doch zufrieden ist er mit der Situation im Barnim trotzdem nicht. Zum einen gibt es gerade einmal an die zehn Ladesäulen im gesamten Landkreis. Zum anderen nutzen manche von diesen dann veraltete Technik - beispielsweise die Ladesäule am Parkhaus der Kreisverwaltung in Eberswalde. Dort können E-Autos nur über einen sogenannten Schuko-Stecker geladen werden. "Die meisten Elektroautos haben diesen Stecker nicht mehr, weil er nicht die Ströme verträgt, die ich brauche, um ein paar Wattstunden angenehm in meinen Akku zu bekommen", sagt Ginnow-Merkert.

Außerdem würden viele Ladesäulen an den falschen Orten stehen. Standorte wie der Eberswalder Zoo oder der Familiengarten seien für Touristen zwar praktikabel, für die Menschen vor Ort seien Stationen im Stadtzentrum oder an Supermärten sinnvoller, regt der Finowfurter an.

Auch eine Studie im Auftrag des Brandenburger Wirtschaftsministeriums kritisiert die unzureichende Lade-Infrastruktur. So seien in Brandenburg mehr als 400 zusätzliche Säulen notwendig, um eine Grundversorgung bieten zu können. "Wir haben ermittelt, dass wir 300 sogenannte Normal-Ladepunkte benötigen und gut 130 weitere Schnellladepunkte", sagt der Forschungsleiter Oliver Arnhold vom beauftragten Reiner Lemoine Institut (RLI). Diese Schnellladepunkte ermöglichten ein Nachladen innerhalb kürzester Zeit und seien deshalb gerade an den Fern- und Bundesstraßen geeignet.

Barnim will Vorbild werden

Auch die Landkreis-Verwaltung Barnim sieht die Probleme und möchte nachbessern. Zum einen will sie ihren Fuhrpark weiter auf Elektroautos umstellen, bisher ist etwa ein Drittel mit Elektromotor unterwegs. Zum anderen soll gemeinsam mit den Städten und Gemeinden geklärt werden, wie die Infrastruktur verbessert werden kann. "Es gibt ja verschiedene Initiativen. Wir sind gerade dabei, diese zu bündeln und einheitliche Modalitäten zu finden, wie man lädt und bezahlt", sagt Christian Mehnert, der Chef der Barnimer Kreiswerke. Das kreiseigene Unternehmen ist zuständig für die Nachhaltigkeitsprojekte des Barnims.

Carsharing ab 2019

Den Durchbruch für E-Auto-Akzeptanz erhofft sich der Kreiswerke-Chef vom Carsharing-Projekt "BarShare", das der Barnim 2019 startet. Bürger und Verwaltungen sollen dann unkompliziert E-Autos im Landkreis mieten können. Schwerpunkte werden die Speckgürtelgemeinden und größeren Städte wie Eberswalde sein. "Ich glaube, insgesamt gibt es eine Angst der Leute im Umgang mit dieser neuen Technologie. Hier müssen und werden wir als Landkreis vorangehen und eine Initialzündung versuchen zu setzen, um die Zahl der Autos mit erneuerbaren Energien zu erhöhen", sagt Mehnert. In den vergangenen Wochen gab es dazu Gespräche mit Carsharing-Anbietern, um mögliche Partner zu finden.

Speckgürtel und Wachstumskerne bieten Potenziale

Denn Potenzial für die Elektromobilität gibt es in Brandenburg durchaus. Vor allem im Berliner Speckgürtel und den sogenannten Regionalen Wachstumskernen wie Fürstenwalde, Frankfurt (Oder) oder Cottbus, wie die die RLI-Studie ergeben hat. "Zum einen gibt es dort besondere Fördermöglichkeiten und die Zahl der Pendler ist hoch", sagt der Forschungsleiter Oliver Arnhold. Nach Frankfurt (Oder) pendeln täglich rund 10.000 Menschen - viele davon per Auto. "Gerade für Pendler eignet sich die E-Mobilität", so Arnhold.

Ab September setzt das Reiner Lemoine Institut im Auftrag des Wirtschaftsministeriums deshalb seine Forschungen fort. In mehreren Beispielregionen soll konkret untersucht werden, wie eine Umstellung auf die E-Mobilität und den Ausbau der Lade-Infrastruktur möglich ist. "Das Ziel dabei ist - auch mit Hilfe von Fördermitteln - möglichst viel Ladeinfrastruktur aufzubauen", sagt Oliver Arnhold. Interessierte Stadtverwaltungen, aber auch Firmen und Initiativen können sich dafür bewerben.

Beitrag von Björn Haase-Wendt

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10 Kommentare

  1. 10.

    Es gibt auch genug Fahrzeuge ohne Akkumiete zur Auswahl. Und der Gebrauchtwagenmarkt bietet für jeden Geldbeutel das passende Fahrzeug. Ich habe z.B. einen e-up!, den es mittlerweile für 15.000 Euro inkl. Akku gibt. Und es gibt noch günstigere. Viele der Fahrzeuge meiner Arbeitskollegen sind wesentlich teurer.

    Dass das Laden an einer Normalladestation lange dauert, ist kein Problem. Denn das geschieht immer dann, wenn das Auto sowieso irgendwo herum steht. Bei mir zu Hause, auf Arbeit, beim Einkaufen oder bei meinen Freizeitbeschäftigungen. Jegliche Standzeit kann Ladezeit sein und davon gibt es nun wahrlich genug am Tag. Was fehlt sind einfach noch die passenden Ladestationen an all den genannten Orten.

    Das einzige Szenario, wo man mal auf das Auto etwas warten muss, ist an einer Schnellladestation an der Autobahn. Aber hier dauert der Ladevorgang nur 20 Mintuen. Kurz auf Toilette, durchatmen, etwas trinken und ein Eis und schon geht es weiter. Aber die fehlen in Brandenburg.

  2. 9.

    Die Elektro- und anderen Autos sind Quatsch, weil es Unsinn ist, etwas so teures vorzuhalten, was nur kurze Zeit benötigt witrd und die meiste Zeit ungenutzt herum steht und dessen Einzelteile mehr Kilometer gefahren werden, als das Endprodukt Auto jemals fahren wird. Viel besser ist die Nutzung von Bus+Bahn+Fahrrad, weil diese fast ständig im Einsatz sind und nur selten rumstehen und das eingesetzte Material deshalb viel besser ausgenutzt wird. Außerdem haben Züge eine ca. 3 bis 4 mal so lange Lebensdauer wie Autos. Die Ladesäulen kann man sich dann sparen.

  3. 8.

    Ich würde auch gern ein Elektroauto haben aber bei den Preisen für das Fahrzeug und noch einer Monatsmiete für den Akku zusätzlich zu den Stromkosten wird das recht teuer. Ausserdem gab es im Netz einen Bericht wo einer weitergedacht hat und ein Szenario vorstellte wo an der E Tanke die Leute ihre Autos "betanken" . Schon heute an normalen Zapfsäulen dauert das teilweise ewig. Ausserdem sind um ökologisch zu sein natürlich erneuerbare Energien nöstig , aber je mehr E Autos umso mehr Windräder braucht das Land . Also für mich interessant aber noch nicht perfekt.

  4. 7.

    E-autos sind momentan eine Öko-Träumerei, aber keine echte Alternative. Das zeigen die Verkaufszahlen deutlich. Es ist eben nicht ausreichend, wenn die Reichweite "meistens" reicht. Wenn ich alle zwei Monate mehr Reichweite brauche, nützt das E-Auto gar nichts. Und kommen Sie jetzt nicht mit dem Argument, man könne dann einen Benziner leihen. Die müssten dann künftig nämlich zusätzlich vorgehalten werden, was noch unökologischer ist, als gleich einen sparsamen Verbrenner anzuschaffen.
    Wenn E-Autos sich durchsetzen sollen, bräuchten wir eine Akku -Revolution, die aber nicht in Sicht ist, oder aber andere Stromquellen, wie zum Beispiel Wasserstoff oder Elektrolyt-Lösungen. Etwas, was man schnell für weite Strecken nachmachen kann.
    Im Übrigen rede ich von der schwedischen Studie, die Sie hier zu negieren versuchen. Das diese den Öko-Kaffee nicht gefällt, ist schon klar.

  5. 6.

    Ja und wer gibt uns das Geld für ein neues Auto?Abgesehen das es noch lange nicht genug Ladestation gibt.?
    Und der Strom kommt vom Himmel oder WIE?

  6. 5.

    Die Behauptung mit den 8 Jahren halte ich für nicht ganz zulässig. Zum einen ist es stark abhängig von den gefahrenen Kilometern, zum anderen welchen der vielen Verbrenner man als Vergleich nimmt. Zu berücksichtigen ist auch, dass die schwedische Studie (um die geht es doch?) auf ältere Studien (u.a. 2014) beruht und damit auch ältere Zahlen verwendet. Die Entwicklung bei E-Autos ist doch recht schnell, da können 3 Jahre schon einen Unterschied machen. Eine Entwicklung: Tesla wird mit seiner Gigafabrik die Co2-Bilanz weiter verbessern, in dem sie bei der Akku-Produktion Solar nutzen. Und auch der Energiemix bei uns ändert sich hin zu "Ökostrom".

    Die Frage ist übrigens auch, was "Normalauto" ist. Die wenigsten fahren wohl regelmäßig über 100 km am Stück. Und für diese große Masse könnte in wenigen Jahren E-Autos eine Alternative sein, was wiederum Auswirkung auf Weiterentwicklung und Preis haben wird.

  7. 4.

    @Horst: Jede individuelle Mobilität mit einem PKW belastet die Umwelt, da ist das E-Auto nicht wirklich besser als der Benziner, es werden lediglich die Emissionen woanders produziert. Selbst ein Tesla ist erst nach frühestens 8 Jahren umweltfreundlicher als ein Verbrenner, beim aktuellen Strommix in Deutschland wohl eher noch später. Dafür muss man aber einige gravierende Nachteile in Kauf nehmen, wie Wilfried korrekt schrieb. Ein Wochenendausflug wie von ihm beschrieben ist mit einem Stromer kaum möglich - nach 150 bis 300 km muss nachgeladen werden. Auf der Fahrt bis München kommt da selbst beim Schnellladen einiges zusammen, von Wartezeiten im Reiseverkehr ganz zu schweigen. Die Nutzung am Ferienort bei E-Autos ohne Schnelladung kann man vergessen, es muss dann laden. Und dazu die ständige Angst, die nächste Säule noch zu erreichen, besonders im Winter.
    E-Autos sind ideale Fahrzeuge für Kurzstrecken in die bzw. in der Stadt, als "Normalauto" aber eher nicht.

  8. 2.

    aber unsere Kanzlerin wollte doch 1 Million E-Autos .... Fake News ? ... hat sie keinen Überblick ?

  9. 1.

    Wir haben uns ernsthaft für ein Elektroauto interessiert und informiert. Die spontane und individuelle Mobilität ist für unsere Lebensqualität unerlässlich. Wir fahren oft spontan von Berlin nach Nordbayern und Nordhessen. Auf der Autobahn min. 130 km/h, lieber 150. Für lange Autobahnstrecken macht auch ein Hybridfahrzeug wenig Sinn. Vor Ort möchten wir spontan 24 Stunden mobil sein.
    Dafür benötigt man sehr große Akkus, diese sind gut für die Reichweite, aber schlecht für die Umwelt. Besonders umweltbelastend ist die Verarbeitung der Rohstoffe und die Produktion der großen Akkus und auch ihre Entsorgung. Die Lebensdauer der Akkus ist begrenzt. Auch müsste die ganze Bundesrepublik mit Ladestationen übersät werden.

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