Projekt Radbahn Berlin: Oberbaum
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Audio: Inforadio | Gabriele Heuser | 15.08.2017 | Bild: Reindeer Renderings

So könnte das Projekt funktionieren - Eine Radbahn quer durch Berlin

Als die Vision der Radbahn vor zwei Jahren zum ersten Mal aufkam, war die Skepsis groß. Eine neun Kilometer lange Fahrradstraße unter der U1? Wie soll das gehen. Inzwischen haben die Initiatoren der Radbahn an Lösungen gearbeitet.

Eine Fahrradstraße quer durch Berlin, ohne Hindernisse, ohne Stress: Mathias Heskamps Vision der "Radbahn Berlin" soll neun Kilometer lang sein und vom Bahnhof Zoo bis zur Warschauer Straße unter der U-Bahnlinie U1 entlang führen. Sieben Kilometer der Strecke wären überdacht, die Radfahrer damit vor Sonne und Regen geschützt. Drei bis vier Meter breit und mit einem reifenfreundlichen Belag, dessen Solarzellen gleichzeitig Strom produzieren, so stellen sich die Planer des Vereins "paper planes" den Radweg vor.

Die Idee für die Radbahn hatte die Gruppe um den Mitinitiator, Architekten und leidenschaftlichen Radfahrer Heskamp vor zwei Jahren. Im Herbst 2015 hatten die acht Stadtplaner und Architekten ihr Projekt zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert. Damals bekamen sie viel Kritik: Kaum zu realisieren, kein Platz, verkehrstechnisch kompliziert und zu teuer, hieß es. Seitdem haben sie am Konzept und an Lösungsvorschlägen für die schwierigen Passagen der Strecke gefeilt.

Parkplätze im Umfeld sollen besser genutzt werden

Fragezeichen gibt es bei der Planung genug. So wären einige Dachabschnitte unter der U1 zu schmal, die Pfeiler stehen zu eng beieinander. In diesem Fall könnten die Radfahrer laut Heskamp nach links und rechts ausweichen, was auch die Autospuren nicht wesentlich beeinträchtigen würde. Den überdachten Mittelstreifen zwischen dem Görlitzer Bahnhof und dem Lausitzer Platz will das Radbahn-Team temporär nutzen lassen, beispielsweise als Marktplatz. Außerdem schlagen sie vor, dass mit einem Prozent der Gesamtkosten des Bauvorhabens öffentlich zugängliche Kunstwerke gefördert werden.

Unter den Hochbahn-Abschnitten der U1 sollen zudem nur wenige Parkplätze wegfallen. Man habe in der Studie unter dem Stichwort "Schöner Parken" eine Strategie entwickelt, wie die zurzeit unter der U1 geparkten Autos "besser und schöner" parken könnten. So gebe es entlang der Radbahn mehrere Parkhäuser, die häufig nur zu einem Bruchteil ausgelastet seien. Außerdem könnten die Parkplätze von Discountern und Supermärkten nachts freigegeben werden. Letztendlich sei es aber "Aufgabe und Chance für den Senat und die Bezirke, die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen."

13 Millionen Euro Gesamtkosten

Die Studie hat das Radbahn-Team laut Heskamp der Berliner Verkehrssenatorin Regine Günther vorgelegt. Man habe überlegt, ob zunächst Abschnitte der neun Kilometer langen Strecke als Test weiterentwickelt werden können. In der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz wird das Projekt mit Interesse verfolgt. Man befinde sich im Austausch mit der Initiative und berate, inwieweit man das Projekt unterstützen könne. Zu den überarbeiteten Vorschlägen konnte der Senat noch keine Einschätzungen abgeben.

Insgesamt würde die Radbahn 13 Millionen Euro kosten. Zur Finanzierung des Projekt hat das Radbahn-Team auch ein Crowdfunding gestartet. 40.000 Euro sollen so zusammenkommen, bis Mitte August ging bereits mehr als die Hälfte des Geldes ein.  

Projekt Radbahn Berlin: Tauentzienstraße
| Bild: Paper Planes e.V.

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Antwort auf [Matthias M.] vom 19.08.2017 um 13:43
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23 Kommentare

  1. 23.

    Ein weiterer Gedankengang, der bisher so wohl noch nicht angegangen wurde: Nicht nur seitens des ADFC, des Allgemeinen-Deutschen Fahrrad-Clubs, sondern auch sämtlicher Verbände, die mit Verkehrssicherheit zu tun haben, ist es am Vernünftigsten, Radfahrende auf der Fahrbahn fahren zu lassen. Dort werden sie am besten gesehen und werden zudem auch mehr als Teil des Gesamtverkehrsgeschehens begriffen als abgetrennt auf einer eigens geschaffenen Fahrbahn.

    Nicht umsonst sind viele getrennt auf dem Gehweg laufende Radwege daher zurückgebaut worden, weil gerade an den Kreuzungen Radfahrende beim Abbiegen übersehen werden, was bei fahrbahn-geführten Radstreifen so nicht der Fall ist, weil Radfahrende ständig im Blickfeld und damit präsent sind.

    Die Skizzen der Radbahnen zeigen nun aber wieder die Trennung zwischen Auto-Fahrbahn und Radweg. Verkehrssicherheitstechnisch eigentlich ein Rückschritt. Bei aller Faszination, Radfahrenden neue Wege zu eröffnen.

  2. 22.

    "Radfahrer nutzen für sie aufwendig errichtete Wege schon jetzt nicht - wie am Kottbusser Tor."

    Das nutze ich nicht mal als Fußgänger gern.

    Als Radfahrer macht man um das Kottbusser einen möglichst großen Bogen, weil man dort überhaupt nicht vernünftig fahren kann.

    Ich weiß auch nicht, was sie unter "aufwendig errichtet" (kommt wohl von Aufwend) verstehen?

    Fakt ist, es gibt dort in der Skalitzer Straße überhaupt gar keinen brauchbaren Radweg, auch wenn in den letzten Jahren in dieser Richtung ein bissel gebastelt wurde, so die billige Tour, nach dem Motto: "Für Radfahrer reichts"

    Nein - es reicht nicht. viel zu schnal, zu holprig und noch dazu auf Fußwegen.
    Dann muss man dort noch auf die Fahrzeuge der Händler achten, die dort trotz Halteverbot zum Entladen halten.

    Was haben manche eigentlich für Vorstellungen vom Radfahren?

  3. 21.

    Entschuldigung,da habe i.Sie wohl missverstanden. Es macht mich wütend.Da hat d.Mensch einige vernünftige Vorschläge zum Verkehr anzubieten u.schon ist das Geschrei groß( mich eingeschlossen).

  4. 19.

    Wenn Luftverschmutzung sprich Autoabgase Ihre große Sorge sind dann plädieren Sie Auch Bitteschön konsequent f.ein Fahrverbot im Innenstadtbereich.Aber nur Tempo 30 hier Anpreisen zu wollen i.genau so schlimm u.ändert nichts.

    Und was die Elektromobillität anbelangt u.somit auch schon angeprangert wird steht diese Erfindung erst ganz am Anfang.Im übrigen halte i.den Kommentar das bei zuvielen Aufladen von Elektrofahrzeugen i.d.Stadt das Stromnetz zusammenkracht für Blödsinn. Zuerst einmal müssen ALL d.Stinker aus dem Verkehr gezogen werden u.das wird noch viele Jahre i.Anspruch nehmen.

  5. 18.

    Totaler Blödsinn.Dies höre i.immer wieder u.bestätigt nur den Unmut vieler wütenden Autoführer ü.die Fahrradfahrer welche sich nicht an d.Straßenverkehrsordnung halten.Dies sind aber nicht ALLE Radfahrer.Im übrigen haben gerade Autofahrer diese Marotte noch schnell ü.d.Rote Ampel zu Fahren a.Kreuzungen ja von d.Fahrradfahrern abgeschaut.Gab es vorher nicht!

  6. 17.

    Genau das fiel mir im ersten Moment auch ein. Rechts 'ne Reihe stinkender Autos, links 'ne Reihe stinkender Autos. Und inmitten drin die Radfahrer. Das Sinnvollste wäre mir Sicherheit, endlich flächendeckend Tempo 30 einzuführen. Auch aus Gründen der Sicherheit. Aber das wird bei dem Gebrüll der Spaßfahrer und des mangelndes Mutes der Verantwortlichen wohl auf absehbare Zeit nicht zu realisieren sein.

  7. 16.

    Angesichts der fortschreitenden Luftverschmutzung ist es natürlich eine besonders gute Idee, möglichst viele Radfahrer auf den Mittelstreifen stark von Kraftfahrzeugen befahrener Straßen zu lotsen. Da lohnt sich das tief Durchatmen dann richtig.

    Aber Sie haben natürlich recht: Spätestens in zehn Jahren kurven bei uns ja - laut Politik und Medien - nur noch unglaublich umweltfreundliche Elektroautos herum, superumweltfreundlich produziert (auch die Akkus), im Nullkommanix gespeist mit Ökostrom. Und damit am frühen Abend, wenn ein paar hunderttausend Autos gleichzeitig aufgeladen werden, das Berliner Stromnetz nicht zusammenkracht, wird dieses bis 2025 oder so entsprechend ausgebaut. Aber klar doch. Wir schaffen das!

  8. 15.

    Wenn das Radfahren auf Augenhöhe mit den übrigen Verkehrsteilnehmern gebracht werden soll, gehört etwas wichtiges dazu. Nummernschild für Fahrräder, damit man die, die sich leider und immer häufiger fahrlässig oder gar kriminell Verhalten , dingfest machen kann, bzw. Anzeigen erstatten kann. Kann mir vorstellen, das dadurch auch mehr Verständnis für den Anderen Verkehrsteilnehmer entwickelt wird.

  9. 14.

    Sie sind aufgebracht u.erzürnt.Haben aber mein Kommentar vollkommen missverstanden.Denn genau vom Gegenteil habe i.geschrieben.Noch einmal f.Sie: wer sich an d.Straßenverkehrsordnung hält( eingeschlossen Autofahrerinnen/Fahrer)verhält sich richtig.Sie scheinen eine Stinkwut auf"umweltfreundliche,für ALLE Seiten vernünftige Verbesserungen zu sein.Sind sie gar ein Gegner d.Grünen Anhängerschaft.Soll alles so bleiben wie bisher?
    Sicher haben Sie recht das es sehr viele Fahrradfahrer mittlerweile gibt die den Fußgängerweg als Raserstrecke benutzen tun o.darauf Spazieren fahren.Das Beschimpfungen(Stinkefinger i.d.noch harmlos) schon fast zur Normalität zählt.
    Auch als Fahrradfahrer habe i.immer einen Spruch a.Lager den i.ü.rot fahrenden Radfahrern gerne Zurufe: angenehmen Verkehrstod! Mir tun diese Unfallopfer nicht leid.

  10. 13.

    "Wenn man sich a.d.Straßenverkehrsordnung hält,umsichtig u.bes.b.Dunkelheit mit Licht u.Warnweste(keine Kopfhörer u.Handys a.Ohr)unterwegs ist fährt man richtig,auch i.Berlin."

    Sie sind aber schon aus Berlin? Wenn es jetzt wieder länger dunkel ist, kann man wieder haufenweise Radler erleben, die ohne Licht fahren. Natürlich auch auf dem Bürgersteig, wo sie dann störende Fußgänger entweder durch wütendes Klingeln oder (weil auch keine Klingel vorhanden) durch Rufen, gern plus Beschimpfungen, dazu auffordern, gefälligst zur Seite zu springen.
    Und Sie wissen auch, daß die Strecke, die hier vorgeschlagen wird, zum Innenstadtring gehört? Also genau jener Straße, die die Autofahrer gefälligst benutzen SOLLEN, um das alte Stadtzentrum zu meiden.
    Für die Grünen - in der Politik wie unter den hiesigen Kommentatoren - ist das natürlich kein Thema: Wird der böse Autoverkehr eben dort auch noch beschränkt. Die blühen ja mit jedem Verbot und jeder weiteren Bevormundung, Gängelung weiter auf.

  11. 12.

    Vor dem nächsten Jubelbericht empfehle ich mal das olle journalistische Mittel "Recherche", hier in Form einer Ortsbegehung. Da kann man sehen:
    Unter praktisch allen Hochbahnhöfen wird der Raum von ebendiesen genutzt. Vielerorts ist die Straße so eng, dass die Radfahrer diese Hindernisse nur auf jetzigen Autospuren umfahren könnten.
    An der Mehringbrücke gibt es Treppen - für die "Fahrradbahn" müssten also Aufschüttungen vorgenommen werden oder diese müsste ebenfalls umfahren werden.
    Auf dem westlich anschließenden Abschnitt gibt es nicht mal einen Gehweg.
    Am Wassertorplatz sind unter der Hochbahn zusätzliche Querverstrebungen eingezogen worden.
    Die Hochbahn wird von Tauben freudig genutzt - die koten künftig die Radler zu.
    Diverse Parkplätze wurden gerade erst gebaut.
    Radfahrer nutzen für sie aufwendig errichtete Wege schon jetzt nicht - wie am Kottbusser Tor.
    Die Liste ließe sich verlängern.

  12. 10.

    Ich bin dafür, alles möglichst unvorfestgelegt zu prüfen und der größte Mangel besteht ja gesellschaftlich nicht an produzierten materiellen Dingen, sondern an tragfähigen, inspirativen Ideen.

    Also erst einmal ist mir die Idee sympathisch.

    Dann gibt es etwas, was Wasser in den guten Wein mischt. Dazu gehört unter anderem die etwas schönfärberisch gestaltete Szenerie am Wittenbergplatz: Selbstverständlich werden dort nicht nur zwei Radfahrende zugegen sein, sondern 20. Denn sonst hätte die Radbahn ja keine Berechtigung. Mithin: Der breite Fußweg, der heute dort ist, würde halbiert und zu Fuß Gehende wären mit einem weiteren Hauptverkehrsweg parallel zur Autostraße konfrontiert.

    Hier sollte ehrlich argumentiert werden: Auch das Fahrrad, so umweltfreundlich es ist, ist ein Individualverkehrsmittel.

  13. 9.

    Nur damit mich hier niemand falsch versteht.Ich halte ein totales Fahrverbot f.Autos einfach nicht f.sinnvoll.Ich möchte nur Anregungen geben.Der Innenstadtring sollte für Autos neu durchdacht werden.Im übrigen hatte i.bis zum heutigen Tag kaum Probleme beim Fahrradfahren.Wenn man sich a.d.Straßenverkehrsordnung hält,umsichtig u.bes.b.Dunkelheit mit Licht u.Warnweste( keine Kopfhörer u.Handys a.Ohr)unterwegs ist fährt man richtig,auch i.Berlin.

  14. 8.

    Innovation,Vernünftiges,ehrliches Nachdenken hat schon so manch Autofahrer zur Raserei gebracht i.punkto Fahrradfahren i.d.Stadt.Scheint b.Ihnen voll angekommen zu sein.

  15. 7.

    Also in den Niederlanden sollen Solarradwegmodule laut eines Berichts aus 2014 "demnächst" in die Massenfertigung gehen. Sogar wenn der Radbahnbau in dieser Legislaturperiode beginnt, werden sie bereits verfügbar sein. Vergleiche: https://www.youtube.com/watch?v=wIZFkw7GKik

  16. 6.

    Ja, super Projekt - wird zu mehr Radverkehr beitragen. Doch für Märkte können besser, gesünder und ökologischer die Autofahrbahnen genutzt werden ;) Für Hinz und Kunz werden nach der Bundestagswahl selbst SPD, CDU & Grüne Fahrverbote durchsetzen. Allein schon um eine (gegen sie gerichtete) Gesundheits-Bewegung wie gegen die AKWs zu vermeiden.

  17. 5.

    So charmant ich die Idee eines Fahrrad-Highways quer durch Berlin finde, so idiotisch finde ich die "Lösungsvorschläge". Offensichtlich hat man sich nicht mit den realen Problemen auseinandergesetzt, sondern nur noch spinnerte Ideen gesammelt.

    Man merkt, dass da naive Leute am Werk sind. Typisch Kreuzberg. Solarmodule im Schatten der Hochbahn? Schatten! Privatparkplätze enteignen? Und 1% der Baukosten für Künstler? Fehlt nur noch veganes Bioessen und Extraspuren für Quere. Reichlich weltfremde Themen wie bei den Grünen üblich. Bin gespannt auf die Wahlen. Vielleicht regen ja 4,9% in Wolkenkuckucksheim zum Denken an.

  18. 4.

    Die Solarpaneele im Bodenbelag sind nur für den Abschnitt des Parks am Gleisdreieck vorgesehen. Jedoch könnte man mit der gewonnenen Energie die gesamte Strecke mit Licht versorgen...

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