Wohnhäuser an der Rummelsburger Bucht (Quelle: dpa/Jens Kalaene)
Video: Abendschau | 08.09.2017 | Viktoria Kleber | Bild: dpa-Zentralbild

Wasserpark am Berliner Spreeufer - "Korallenwelt" entsteht an der Rummelsburger Bucht

Das Areal um die Rummelsburger Bucht hat sich enorm verändert: früher Industrie, heute city-nahes Wohngebiet mit einem Rest Brache. Ein Teil davon soll jetzt mit privater Hilfe zum Park umgebaut werden - nicht ohne Protest. Von Bettina Rehmann

Zu giftig, um darin zu schwimmen, zu teuer, um zu sanieren: Die Rummelsburger Bucht ist ein Problemgewässer in Berlin. Bis in die 1990er Jahre war um den nördlichen Teil des Rummelsburger Sees Industrie angesiedelt. Etwa hundert Jahre lang wurden Abwässer eingeleitet, deren Schadstoffe heute noch im Boden stecken.

Besonders ironisch scheint es da, dass ausgerechnet hier eine "Korallenwelt" entstehen soll. Nicht im Wasser - aber an Land, auf dem Gelände eines alten Sportplatzes am Nordufer der Bucht. Die Coral World Berlin GmbH wird zusammen mit dem Bezirk einen tausende Quadratmeter großen Wasserpark errichten – mit Bassins, einem Wasserhaus und Wasserspielplatz. Am Freitag unterzeichneten dazu das Bezirksamt und das Unternehmen Coral World International (CWI) einen entsprechenden Vertrag. CWI betreibt bereits in Israel, Australien, auf Mallorca und Hawaii Wasserparks.

Boote liegen an der Rummelsburger Bucht (Quelle: dpa/Britta Pedersen)
Bild: dpa-Zentralbild

Bezirk wünscht sich langjähriges Engagement

"Mit dem öffentlichen Wasserpark bringen wir ein bisher vernachlässigtes Areal in eine naturnahe, gepflegte und öffentliche Nutzung", teilte Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Linke) mit. Der Vertrag sei ein Erfolg für Lichtenberg. Das Unternehmen soll eine mehrere tausend Quadratmeter große Parklandschaft am Paul-und-Paula-Ufer herstellen und "gern auch viel länger" als 20 Jahre unterhalten. Dort entstehe mit der Coral World Berlin ein "Beobachtungszentrum für die Welt unter Wasser, ein Erlebnis-, Bildungs- und Kommunikationsort im Spannungsfeld zwischen Natur und Urbanität". Das würde neue Arbeitsplätze schaffen und das Gebiet insgesamt aufwerten.

Bei der Unterzeichnung war auch Birgit Monteiro (SPD), Bezirksstadträtin der Abteilung Stadtentwicklung anwesend. Sie nannte die Rummelsburger Bucht ein besonderes Beispiel für Stadtplanung und Architektur. In dem früheren Industriegebiet leben inzwischen rund 5.000 Menschen, viele moderne Wohnungen sind entstanden. Das Areal befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Ostkreuz. Hier sei der ideale Standort für ein "über die Bezirksgrenzen hinaus strahlendes Angebot mit Bezug zum Wasser", so Monteiro.

(Quelle: Bezirksamt Lichtenberg)
Der Wasserpark Berlin - so sieht die Planung ausBild: Bezirksamt Lichtenberg

Nachbarschaftsverein hat zwiespältiges Verhältnis zu Projekt

Dass ausgerechnet am ökologisch belasteten Rummelsburger See ein Projekt entstehen soll, das sich mit dem Thema Wasser beschäftigt, begrüßt auch die Nachbarschaftsinitiative "Wir in Rummelsburg" (WIR). Erhofft man sich doch von der Coral World entsprechende Aufmerksamkeit für das Thema Wasserqualität.

Nachdem ein Gericht den Floating Lofts - geplanten schwimmenden Häuser - wegen der hohen Schadstoffbelastung eine Absage erteilte, hätten die meisten Anrainer eine gewisse Furcht beziehungsweise Ehrfurcht vor dem Wasser, sagte der Vorsitzende des Vereins, Sebastian Storm rbb|24. "Wir in der Rummelsburger Bucht haben langfristig die romantische Vorstellung, dass wir irgendwann einmal an einem Badesee wohnen können."  

Dennoch: Einige der Nachbarn fürchten Storm zufolge, der Park könnte viele Zuschauer anziehen und der Verkehr in den Wohngebieten durch Parkplatzsuche zunehmen. Auch würde die Promenade möglicherweise deutlich mehr frequentiert als heute. Und schon jetzt brächten Besucher auch viel Müll. Natürlich, so Storm, sähen auch einige Anwohner die Coral World als kommerzielles Projekt und hätten vielleicht gerne eine Freifläche erhalten. Aber es hätte auch schlimmer kommen können - und da sei den meisten ein öffentlich zugänglicher Wasserpark schon lieber als ein siebengeschossiges Haus mit Eigentumswohnungen.

Coral World ist kein Hotel

Einige Gegner des Wasserparks hatten sich über die Plattform "Change.org" zum Anlass der Vertragsunterzeichnung zum Protest verabredet. Die Gegner betonen den kommerziellen Charakter des Parks und äußerten die Befürchtung, Berlin könne damit ein weiteres Aquarium im Stile von Sea Life erhalten. "Der schöngeredete 'Wasserpark'", verfolgt rein kommerzielle Zwecke und zur Besänftigung gibt es ein paar Grünflächen für die Anwohner", hieß es in der Protestankündigung.

Ebenfalls hieß es darin, zur Coral World würden ein Hotel und entsprechende Parkplätze gehören. Das verneinte Projektdirektorin Gabriele Thöne. Sie sagte rbb|24, es gehe um das Präsentationshaus "Wasserhaus" und den dazugehörigen Park und einige wenige Tiefgaragenplätze – auf einer Fläche von insgesamt 22.000 Quadratmetern. Thöne bedauerte, dass Gegner des Projekts die Bürgerveranstaltungen zu den Plänen der Coral World nicht genutzt hätten, um ihren Unmut anzubringen. Zudem sei der Protest der kleinen Gruppe am Freitag offenbar weniger gegen das Projekt Coral World Berlin direkt gerichtet gewesen, als generell gegen teuren Wohnraum in der Stadt oder andere Themen.

Bebauungsplan noch in der Prüfung

Thöne, die bereits seit zweieinhalb Jahren für Coral World die Planungen des Berliner Wasserparks steuert, teilte mit, Coral World Berlin habe sich im Spannungsfeld des beeindruckend schönen Naturraums und der ökologischen Belastungen des Sees bewusst für den Standort an der Rummelsburger Bucht entschieden. Im Gespräch mit rbb|24 betonte sie, dass in die Gestaltung des Parks viele Ideen von interessierten Bürgern mit eingeflossen seien.

Mit der Vertragsunterzeichnung sei nun vereinbart worden, dass mit dem Beschluss des Bebauungsplans, der sich noch in einer Phase der Prüfung befinde, Coral World Berlin das Wasserhaus und den Park errichten werde. Der Park soll zum Großteil öffentlich und kostenlos zugänglich sein. In der Werbung für den Wasserpark solle die Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln empfohlen werden.

Für Wasserpark und Wasserhaus investiert Coral World etwa 40 Millionen Euro. Erwartet werden etwa 500.000 Besucher im Jahr.

Dass Coral World Berlin am oder auf dem Wasser baue, sei im Übrigen nicht geplant - und auch nicht für die Zukunft vorgesehen, sagte Thöne. Für den Rummelsburger See ist ohnehin der Bund zuständig. Zudem sei von Anfang an klar gewesen, dass der Park nur bis zum landseitigen Rand der Uferpromenade reichen könne - zum einen, um die Promenade zu erhalten, zum anderen, um Wasserbrüter und Natur am Ufer zu schützen.

Beitrag von Bettina Rehmann

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    Es gab über 100 Beschwerden und Einwände von AnwohnerInnen und BürgerInnen Berlins im Rahmen der poslitischen Möglichkeiten. Bis auf kleinste Veränderungen wurde nichts davon aufgenommen. Dass also Möglichkeiten nicht wahrgenommen wurden, stimmt so nicht.
    Auch geht es nicht nur um Mietpreisanstieg und 500.000 Besucher jährlich, sondern dass geschützte Arten vertrieben werden, damit man dann mit Zuchtkorallen und Großfischen auf kleinstem Raum lernt, wie "Nachhaltigkeit" geht. Das ist doch zynisch.
    Da gibt es bessere Alternativen, die mehr im Sinne der Menschen der Bucht sind, statt der Kassen der Stadt!

  2. 2.

    Hallo Besserwisser,

    wir finden, "Rummelsburger Bucht" ist in den Sprachgebrauch übergegangen und hoffen, Sie haben Verständnis für unsere Wortwahl.

    Viele Grüße und ein schönes Wochenende!

  3. 1.

    Wann genau ist eigentlich der doch recht lange Rummelsburger See zur "Rummelsburger Bucht" geschrumpft? Müssen wir demnächst auch "Tegeler Bucht" und "Wannbucht" sagen, denn auch dabei handelt es sich ja eigentlich nur um Ausbuchtungen von Flüssen? Und warum findet sich der Begriff auf keinem Stadtplan, der nicht mutmaßlich von irgendwelchen Praktikanten zusammengestoppelt wurde, sondern steht dort stets "Rummelsburger See"?

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