Flugzeuge von Air Berlin stehen auf dem Vorfeld des Hauptstadtflughafens BER (Quelle: dpa/Hirschberger)
Video: Abendschau | 04.09.2017 | D. Knieling / V. Kleber | Bild: dpa-Zentralbild

Insolvente Fluggesellschaft - EU genehmigt Millionen-Kredit für Air Berlin

Der staatliche Kredit für Air Berlin ist von der EU genehmigt. Zudem hat gut zwei Wochen nach der Insolvenz nun auch der Berliner Hotelier Alexander Skora Interesse an Air Berlin bekundet. In Tegel fallen bald alle Langstreckenverbindungen des Unternehmens weg.

Die EU-Kommission hat den staatlichen 150-Millionen-Euro-Kredit für die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin genehmigt. Die Zahlung stehe im Einklang mit EU-Recht, teilten die Brüsseler Wettbewerbshüter am Montag mit. Die Airline soll damit die kommenden Monate bis zu einem Verkauf überbrücken können.

Die EU-Kommission teilte nun mit, durch den Kredit werde die geordnete Abwicklung von Air Berlin gewährleistet, ohne den Wettbewerb übermäßig zu verfälschen. Dafür dürfe der Kredit allerdings nur in Tranchen ausgezahlt werden. Zudem müsse er vollständig zurückgezahlt werden oder ein Abwicklungsplan für Air Berlin vorgelegt werden.

Germania zieht Eilantrag zurück

Die Fluglinie Germania teilte am Dienstag mit, dass sie nach der Genehmigung des Kredits durch die EU ihren Eilantrag gegen die Staatshilfe zurückgezogen hat.

Sie hatte sich gegen die geplante Überbrückung gewandt und dem Bund vorgeworfen, die Lufthansa bei den Verkaufsverhandlungen um Air Berlin einseitig zu bevorzugen und so deren marktbeherrschende Stellung zu verstärken. Mit dieser Fluggesellschaft solle ein "deutscher Champion" geschaffen werden, hieß es. Ähnlich hatte sich Ryanair-Chef Michael O'Leary geäußert.

Berliner will Strecken reduzieren und Tickets versteigern

Zuvor war bekannt geworden, dass neben Schwergewichten wie der Lufthansa, Easyjet und Condor nun auch ein Berliner Unternehmer erwägt, sich am Bieterwettstreit um die isolvente Fluggesellschaft Air Berlin zu beteiligen. Er habe sich mit einem Konsortium aus israelischen, amerikanischen und kanadischen Investoren zusammengetan, sagte Alexander Skora am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Gemeinsam prüften sie derzeit die Wirtschaftsdaten der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft - "dann werden wir sehen, ob wir bieten", sagte Skora, der in Berlin das Hostel "Happy Go Lucky" betreibt und nach eigener Aussage bereits in Immobilien und Startups investiert hat.

Nach eigenen Angaben will Skora Air Berlin auf das Basisgeschäft mit Strecken nach Mallorca und anderen Zielen zurückführen. So könne Air Berlin "reduziert weiterfliegen" und "nach und nach wieder wachsen". Dabei strebt der Unternehmer eine Art Auktionsmodell mit einem Mindestpreis für die Tickets an. Er könne sich vorstellen, dass einige Passagiere bereit seien, "etwas mehr für ein Ticket zu bezahlen, um die Airline zu unterstützen", sagte er zur Begründung.

Auch Utz Claassen ist angeblich interessiert

Laut Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" hat auch der ehemalige Topmanager Utz Claassen Interesse an Air Berlin. Gegenüber dem am Montag erschienenen "Handelsblatt" wollte sich Claassen zu einer möglichen Offerte zwar nicht konkret äußern, unterstrich aber, dass sich Geldgeber finden ließen. "Es gibt auf der Welt immer irgendwo restrukturierungswillige und -fähige Investoren - jedenfalls dann, wenn sie nicht schon vorab durch politisches Gepolter verschreckt werden", sagte er.

Bewerbungsfrist reicht noch bis Mitte September

Air Berlin hatte vor rund zwei Wochen einen Insolvenzantrag gestellt. Bis zum 15. September sammeln die Berliner verbindliche Angebote von Investoren ein. Spätestens dann dürfte das Bieterfeld von derzeit rund zehn auf etwa die Hälfte schrumpfen, da der Insolvenzverwalter unzureichende Offerten aussieben wird. Wenn alles klappt, könnte Verhandlungskreisen zufolge bereits am 21. September feststehen, wer welche Teile von Air Berlin bekommt. Air Berlin muss aufs Tempo drücken, da die finanziellen Mittel begrenzt sind. Um die Kosten zu drücken, wurde Ende August bereits beschlossen, verlustträchtige Langstreckenflüge bis Ende September aus dem Angebot zu nehmen.

Weitere Langstreckenverbindungen werden gestrichen

Am Montag teilte das Unternehmen mit, sämtliche Langstreckenverbindungen am Flughafen Tegel zu streichen. Ab 25. September fallen jetzt auch die verbliebenen Langstreckenflüge nach New York und Miami weg. "Air Berlin stabilisiert die operative Situation am Flughafen Berlin-Tegel weiter und streicht verlustreiche Strecken", hieß es zur Begründung. Der alte Flughafen gilt als für Umsteigeverbindungen nicht besonders gut geeignet.

Zum 17. September und zum 1. Oktober fallen die beiden täglichen Verbindungen von Berlin nach Abu Dhabi weg. Zum 30. September wird die Verbindung Berlin-Chicago aus dem Flugplan genommen, die Flüge nach Los Angeles und San Francisco zum 1. Oktober. Am Air-Berlin-Drehkreuz in Düsseldorf fallen die Verbindungen nach Orlando am 25. September weg, Boston entfällt am 1. Oktober. Düsseldorf hat dann aber noch elf Langstreckenverbindungen.

Betriebsrat und Verdi warnen vor Vernichtung von Arbeitsplätzen

Vertreter des Betriebsrats von Air Berlin und Verdi trafen sich am Montag mit den beiden Regierungschefs von Berlin und Nordrhein-Westfalen, Michael Müller (SPD) und Armin Laschet (CDU). Bei dem Treffen betonten sie, dass vor allem Arbeitsplätze in der Verwaltung und bei der Technik in Gefahr seien. Die meisten Investoren interessierten sich vor allem am Flugbetrieb und damit an den Start- und Landerechten. An den Beschäftigten dagegen hätten "die bislang bekannten Bieter-Unternehmen kein oder nur ein geringes Interesse",  sagte Verdi-Vorstand Christine Behle. Umso wichtiger sei es, die Frage der Arbeitsplätze und der Übernahmebedingungen in den Fokus zu rücken.

So sieht es auch Andreas Splanemann, der Sprecher des Landesbezirks Berlin-Brandenburg. Viele Mitarbeiter hätten sich durch ihre langjährige Beschäftigung bei Air Berlin Ansprüche erworben, die sie bei einer neuen Anstellung verlieren würden, sagte Splanemann am Montag dem rbb.

Müller und Laschet stärkten den Air-Berlin-Mitarbeitern den Rücken und forderten potenzielle Interessenten auf, bei einer möglichen Übernahme auch an die Angestellten zu denken. "Unser Ziel ist es, dass wir nicht nur über Flugzeuge und Slots reden, sondern auch über das Personal und die Menschen", sagte Laschet. Es müssten möglichst viele Jobs erhalten werden. An die Adresse der möglichen neuen Eigentümer gerichtet, sagte Müller, dass man sich sich immer mehrmals im Leben sehen - "und der eine will auch mal was von dem anderen." Auch die Beschäftigten müssten "im Blick bleiben", sagte Müller nach dem Treffen.

Deutlich mehr Flugausfälle als vor der Insolvenz

Zuletzt war mehrfach über Flugausfälle bei Air Berlin berichtet worden. Auch am vergangenen Wochenende konnten Kunden ihren ursprünglich gebuchten Flug nicht antreten. Über die Gründe wurde nichts bekannt. Auf ihrer Website erklärte Air Berlin, die Flüge seien "aus operativen Gründen" gestrichen worden. "Wir bedauern die für unsere Fluggäste entstandenen Unannehmlichkeiten sehr." Konkrete Angaben zur Zahl der gestrichenen Flüge wurden nicht gemacht.

Das Flugrechteportal "Flightright" hat die genauen Zahlen dokumentiert. Den Angaben zufolge, wurden in der Woche, nachdem Air Berlin Insolvenz angemeldet hatte (15. bis 21. August), von den rund 4.200 Flügen 160 gestrichen, das waren 3,95 Prozent aller Verbindungen. In den zwei Wochen vor der Insolvenz, also zwischen dem 31. Juli und dem 14. August, waren dagegen nur 1,8 Prozent der Flüge gecancelt worden. So geht es aus "Flightright"-Statistiken hervor, die rbb|24 am Montag vorlagen.

Kommentar

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5 Kommentare

  1. 5.

    Wenn die Arbeitsnehmer Mist bauen, werden sie entlassen und bekommen vom Jobcenter kein Geld für ein gesichertes Leben.Da kräht kein Hahn danach ob sie gut oder nicht gut leben
    Kann.Die Nadelstreifler haben doch viel Dreck unter ihren Nägeln,daß muss bestraft werden wie bei einer Ladendiebstahl oder Schwarzfahren.

  2. 4.

    Da sieht man mal wieder wie auf Kosten der Beschäftigten Geld eingesackt wird u.gerade diese sicherlich schon bald das Nachsehen haben werden.Die Anzugträger sind fein raus.

  3. 3.

    Das idt eine Sauerei.

  4. 2.

    Sie sagen es!
    So geht das schon seit Jahrzehnten.
    Bei Großbanken und der Atomindustrie und jetzt bei der Autoindustrie.
    Milliardengewinne gingen und gehen weiter an Aktionäre und Manager (bei AirBerlin nun nicht).
    Bei Verlusten haftet der Steuerzahler.
    Der Arbeitnehmer soll sich beim Lohn zurückhalten.
    Bei der Rente wird das Niveau gesenkt.
    Mit sozialer Marktwirtschaft hat dies nichts mehr zu tun.

  5. 1.

    Richtig so! Gewinne privatisieren und die Verluste sozialisieren. Wann werden die Nieten in Nadelstreifen endlich mal in Regress genommen.

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