Ein Flugzeug von Air Berlin steht in einem Hangar auf dem Flughafen Düsseldorf. (Quelle: dpa/Roland Weihrauch)
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Gläubiger lassen sich Zeit - Entscheidung zu Air Berlin wird offenbar länger brauchen

Möglicherweise wird die Entscheidung über Air Berlin erst am Montag nach der Bundestagswahl fallen. Die Gläubiger, die sich bereits am kommenden Donnerstag treffen, bräuchten ausreichend Zeit, um die einzelnen Bewerbungen zu prüfen, sagte Air-Berlin-Sprecher Ralf Kunkel dem rbb.

Die Entscheidung über die Zukunft der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin könnte nun doch mehr Zeit in Anspruch nehmen als ursprünglich geplant. Wie Ralf Kunkel, Sprecher von Air Berlin, dem rbb am Donnerstag sagte, wird die Gläubiger-Versammlung zwar wie geplant am 21. September zusammentreten, um die Angebote der verschiedenen Interessenten zu prüfen. Bis zu einer endgültigen Entscheidung werde es dann aber noch ein wenig dauern.

Gläubiger treffen sich am 21. September

"Wir rechnen damit, dass wir so bis zum 25. September mit Ergebnissen aufwarten können", sagte Kunkel dem rbb-Inforadio. Damit könnte die Entscheidung also erst nach der Bundestagswahl fallen.

Bisher hieß es, der Gläubigerausschuss werde bereits am 21. September entscheiden, welche Bieter den Zuschlag für Teile der Airline bekommen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters von einem Insider erfuhr, wird auch der Aufsichtsrat von Air Berlin am 25. September tagen. Potenzielle Investoren müssen ihre Angebote bis zu diesem Freitag, 15. September, vorlegen.

Verkauf von Air Berlin ist auch ein Politikum

Neben der Lufthansa interessieren sich mehrere weitere Unternehmen für Air Berlin bzw. für Teile des Unternehmens, darunter der Reisekonzern Thomas Cook mit seiner Fluggesellschaft Condor, Easyjet sowie die Luftfahrtunternehmer Niki Lauda und Hans Rudolf Wöhrl. Der frühere Formel-1-Weltmeister Lauda will dabei mit Thomas Cook und Condor zusammenarbeiten und selbst einen 51-prozentigen Anteil erwerben. Wöhrl hält daran fest, Air Berlin nur im Ganzen erwerben zu wollen und hat dafür bis zu 500 Millionen Euro angeboten.

Der Verkauf der insolventen Airline gilt als politisch heikel - nicht zuletzt, weil die Fluggesellschaft seit ihrer Insolvenz Mitte August nur noch mit einem umstrittenen Staatskredit über 150 Millionen Euro weiterfliegen kann. Regierungsmitglieder wie Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatten sich dafür ausgesprochen, dass die Lufthansa große Teile von Air Berlin übernehmen kann.

Ryanair-Chef warnt vor Luftfahrt-Monster Lufthansa

Auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller hatte sich für den deutschen Branchenprimus stark gemacht - und dabei auch gegen eine Übernahme durch den irischen Rivalen Ryanair plädiert. Wenig später zog sich der Billig-Flieger jedoch aus dem Bieterverfahren zurück. Ryanair-Chef Michael O'Leary sieht in der Insolvenz von Air Berlin ein abgekartetes Spiel zugunsten des Branchenführers Lufthansa und hat den staatlichen Überbrückungskredit scharf kritisiert. Am Donnerstag warnte O'Leary noch einmal davor, Air Berlin an Lufthansa zu verkaufen: "Lufthansa ist ein Luftfahrt-Champion, aber sie sollte kein Luftfahrt-Monster werden", sagte der Ire in Berlin.

Zugleich kündigte der Ryanair-Chef an, die Zahl der Verbindungen in Berlin-Schönefeld im Sommer 2018 um drei auf 46 zu erhöhen. Noch weiter ließe sich das Angebot nicht ausweiten, da Schönefeld zu klein sei. "Wir würden gerne fünf oder sechs weitere Flugzeuge nach Schönefeld bringen, aber der Flughafen ist voll." Vor diesem Hintergrund rief O'Leary die Berliner erneut dazu auf, beim Volksentscheid am 24. September für den Weiterbetrieb des Flughafens Tegel zu stimmen.

Kreditanstalt für Wiederaufbau überweist die ersten 24 Millionen

In den vergangenen Tagen hatte sich die Lage bei Air Berlin noch einmal in dramatischer Weise zugespitzt. Rund 150 Piloten hatten sich spontan krank gemeldet, was den Flugverkehr vielfach zum Erliegen brachte. Branchenkenner vermuten, dass es sich um einen wilden Streik handelte, mit dem die Piloten darauf aufmerksam machen wollten, dass sie bei einer Übernahme mit erheblichen Gehaltseinbußen zu rechnen hätten. Politiker und potenzielle Investoren verurteilten dieses Verhalten und forderten die Flugkapitäne auf, nicht nur an sich selbst zu denken, sondern sich mit dem Rest der Belegschaft solidarisch zu zeigen. Am Mittwoch kehrten die meisten Piloten wieder ins Cockpit zurück.

Wie die "Süddeutsche Zeitung" am Donnerstag berichtete, hat die Bundesregierung inzwischen mit der Auszahlung ihres Millionenkredits begonnen. Von den 150 Millionen, die von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bewilligt wurden, seien bereits 24 Millionen an Air Berlin überwiesen wurden, schreibt das Blatt und beruft sich dabei auf Regierungskreise in Berlin.

Sendung: Inforadio, 14.09.2017, 18:00 Uhr

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