Teilnehmer einer Kundgebung für die Air-Berlin-Beschäftigten halten am 01.09.2017 vor dem Roten Rathaus in Berlin Zettel mit der Aufschrift "Ich bin ein airberliner" hoch. (Quelle: rbb/David Donschen)
Audio: radioBerlin| 01.09.2017 | Michael Ernst | Bild: rbb/David Donschen

Air-Berlin-Mitarbeiter demonstrieren - Mit roten Luftballons gegen die Angst vor dem Jobverlust

Mehr als 8.000 Beschäftigte hat Air Berlin - ihre Zukunft könnte sich in drei Wochen entscheiden. Dann soll laut einem Medienbericht der Gläubigerausschuss den Käufer bestimmen. Am Freitag demonstrierten Air-Berlin-Mitarbeiter vor dem Roten Rathaus.

Mitarbeiter der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin und Gewerkschafter haben sich am Freitagabend zu einer Solidaritätskundgebung in Berlin versammelt. Gewerkschaften sprachen von rund 200 Demonstranten vor dem Roten Rathaus, ein rbb-Reporter vor Ort zählte dagegen etwa 100 Teilnehmer. Die Veranstalter verteilten Flyer in Form von "Safety Cards". Darauf stand zum Beispiel: "Dieses Schicksal kennt keine Notausgänge". Einige Teilnehmer trugen rote Luftballons in Herz-Form mit der Aufschrift "Proud to be Air Berlin" oder "Ich bin ein airberliner".

Niemand aus der Belegschaft habe es verdient, "ans Messer eines politisch und wirtschaftlich verworrenen Übernahmepokers geliefert zu werden", sagte Nicoley Baublies, Vorsitzender der Industriegewerkschaft Luftverkehr (IGL). Die Gewerkschaft hatte gemeinsam mit der Unabhängigen Flugbegleiter Organisation (Ufo) zu der Kundgebung aufgerufen.

Es gehe nicht um Blech und Flugzeuge, sagte Ufo-Chef Alexander Behrens dem rbb, sondern um die Belegschaft und um die Menschen. "Wenn die Politik mit den Verantwortlichen und uns eine Lösung findet, dann ist schon viel gewonnen", sagte Behrens. 

In einer öffentlichen Facebook-Gruppe posteten zahlreiche Mitarbeiter ihre Erinnerungen an das Unternehmen: Stewardessen in Turbinen, Gruppen-Selfies in Kabinen, manch einer springt sogar in seiner Arbeitskleidung in den Pool.

Entscheidung soll am 21. September fallen

Noch im September könnte sich die Zukunft der insolventen Fluggesellschaft entscheiden. Der Gläubigerausschuss soll am 21. September bestimmen, welcher Bieter zum Zuge kommt, wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" am Freitag berichtete. 

Die Chefs der zweitgrößten deutschen Airline verhandeln mit dem Marktführer Lufthansa und weiteren Interessenten über den Verkauf von Unternehmensteilen. Noch bis zum 15. September könnten Gebote abgegeben werden. Als mögliche Käufer gelten neben Lufthansa auch Condor und Easyjet. Dagegen haben sich Ryanair und der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl aus dem Bieterverfahren zurückgezogen. Sie kritisierten, in den Gesprächen würde Lufthansa bevorzugt.

Gespräche über Beschäftigte am Montag

Die verlustreiche Air Berlin hatte sich Mitte August zahlungsunfähig gemeldet, nachdem der Großaktionär Etihad seine finanzielle Unterstützung aufgekündigt hatte. Arbeitnehmervertreter kämpfen seitdem um eine Übernahme möglichst vieler der mehr als 8.000 Beschäftigten durch den oder die jeweiligen Käufer. 

Am Montag steht dazu ein Treffen des Gesamtbetriebsrats von Air Berlin mit den Regierungschefs von Berlin und Nordrhein-Westfalen, Michael Müller (SPD) und Armin Laschet (CDU), an. Berlin und Düsseldorf sind die beiden größten Air-Berlin-Standorte. Müller hatte das Treffen in dieser Woche angeregt, beide Politiker machen sich für die Lufthansa als Käufer stark.

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Von 8000 Beschäftigten waren 100-200 vor Ort? Das erscheint mir doch recht wenig, in Anbetracht der Situation. Seltsam.

  2. 1.

    Danke dehnen die vor Ort waren um ein Zeichen zu setzen.
    Der größte Teil der Belegschaft, hält ja im Schichtdienst die Fahne für unsere Kunden hoch und das obwohl die Firma sie im dunkeln stehen lässt.

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