Nur das Logo der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin leuchtet am 20.09.2017. (Quelle: dpa/Kusch)
Video: Abendschau | 09.10.2017 | Boris Hermel | Bild: dpa

"Voraussichtlich ab 28. Oktober" - Air Berlin kann ab Ende Oktober nicht mehr fliegen

Das Ende ist nah: Voraussichtlich ab Ende Oktober sei kein Flugverkehr mehr möglich, teilte Air-Berlin-Chef Winkelmann mit. Mitarbeiter sollen sich weiterhin auf dem Arbeitsmarkt umschauen. Und auch die Gewerkschaft verbreitet nicht gerade Optimismus.

Die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin wird voraussichtlich Ende Oktober den Flugbetrieb einstellen müssen. Im laufenden Insolvenzverfahren sei ein eigenwirtschaftlicher Flugverkehr unter dem Airline-Code AB "nach gegenwärtigem Erkenntnisstand spätestens ab dem 28. Oktober nicht mehr möglich", heißt es in einem am Montag veröffentlichten Brief des Unternehmens an seine Mitarbeiter. Tickets für spätere Flüge verlieren ihre Gültigkeit, erläuterte das Unternehmen.

Der Flugverkehr der nicht insolventen Töchter Niki und LG Walter werde weitergeführt. Das gilt nach Air-Berlin-Angaben auch für die 38 Maschinen, die inzwischen für die Lufthansa-Töchter Eurowings und Austrian fliegen. Unklar ist, ob und welche AB-Flüge ab 28. Oktober von den neuen Eigentümern übernommen werden. Eine Entscheidung darüber kann es erst nach Abschluss der Verkaufsverhandlungen geben.

Klar ist allerdings, dass Tickets der Air Berlin für Flüge nach dem 28. Oktober bei den Nachfolgern nicht gültig sind. "Diese Tickets verfallen", erklärte ein Unternehmenssprecher. Sollten sie nach dem 15. August gekauft worden sein, können die Kunden auf eine Rückzahlung vom eigens für diese Fälle angelegten Treuhand-Konto rechnen. Tickets der Niki bleiben hingegen gültig. Die LG Walter soll ihr Mietgeschäft weiter betreiben, hat aber keine eigenen Tickets verkauft.

Keine Erstattungen für etwa 100.000 Kunden

Wer ein Ticket vor dem Insolvenztermin 15. August gebucht und bezahlt hat, stehe vor Schwierigkeiten, sagt Sabine Fischer-Volk, Juristin und Reiseexpertin bei der Verbraucherzentrale Brandenburg. Das Problem: Die Kunden haben wegen der Insolvenz nicht die üblichen Rechte von Flugpassagieren, so Fischer Volk: "Da ist Trauer angesagt. Normalerweise bekommt man eine Ersatzbeförderung oder tritt vom Vertrag zurück, bekommt Geld zurück. Bei Air Berlin fließt das Geld in die Insolvenzmasse und ist erstmal weg." Das Unternehmen habe keine Möglichkeit, daraus für etwa 100.000 Kunden Erstattungen vorzunehmen, hatte ein Air Berlin-Sprecher bereits Anfang des Monats mitgeteilt.

Anders sei die Lage für Flugscheine, die nach dem 15. August erworben worden seien. "Dieses Geld legen wir zur Seite", sagte der Sprecher. Nicht betroffen sind hingegen Pauschalreisende. Sie erhalten in jedem Fall eine Ersatzbeförderung durch den Reiseveranstalter. "Innerhalb einer Pauschalreise muss der Anbieter dafür sorgen, dass sein Urlaubsgast befördert wird - auch wenn der Veranstalter sein Geld nicht wieder bekommt", sagt Sabine Fischer-Volk.

Tourismus-Chef: "Prekäre Flughafensituation Berlins verschärft sich"

Auswirkungen auf den Tourismus, Kongresse oder Veranstaltungen in Berlin habe der Abgang von Air Berlin vorraussichtlich nicht, sagte der Chef des Tourismus-Marketing von Visit Berlin, Burkhard Kieker, am Montagabend im rbb. "Ich bin ziemlich sicher, dass kein Kongress ausfallen wird", so Kieker in der Abendschau. "Wir sehen schon Verschiebungen über andere Drehkreuze von Menschen, die von anderen Kontinenten nach Berlin kommen." Nun fliege man eben nicht mehr non-stop, sondern stattdessen über Amsterdam, Frankfurt, Paris oder Wien. Es sei ohnehin erstaunlich, wie erfolgreich Berlin ist trotz der prekären Flughafensituation, die sich jetzt mit dem Abgang von Air Berlin noch einmal verschärft habe, so Kieker.

Bei der Pleite einer Airline werden der Erfahrung nach 60 bis 70 Prozent der Verbindungen durch andere Airlines aufgefangen, erklärte der Tourismus-Chef. "Aber natürlich gibt es auch Strecken die verloren gehen." Eine Gefahr bestehe darin, dass sich zu viele Strecken in der Hand eines einzigen Anbieters bündeln. "Dann steigen die Preise." Dies sei etwa auf der Strecke von und nach Köln/Bonn zu sehen. "Damit fällt eine Stimulation weg, Berlin zu besuchen", so Kieker.

1.400 Mitarbeiter vor der Entlassung

Vorstandschef Thomas Winkelmann und der Generalbevollmächtigte im Insolvenzverfahren, Frank Kebekus, erinnerten in dem Brief daran, dass die vereinbarte Exklusivität der Verkaufsverhandlungen mit Lufthansa und Easyjet an diesem Donnerstag enden werde. "In wenigen Tagen werden wir mehr wissen", hieß es zum Stand der Gespräche. Nicht jeder Air-Berlin-Mitarbeiter werde bei den Käufern eine neue Anstellung finden. Deshalb sollte sich jeder aktiv auf dem Arbeitsmarkt umschauen.

Bereits am Freitag war bekannt geworden, dass laut einem Schreiben der Geschäftsführung an den Betriebsrat zum Monatsende etwa 1.400 Mitarbeiter entlassen werden sollen. Fliegendes Personal soll Ende Februar die Kündigung erhalten. 

Nach den drohenden Kündigungen haben an diesem Montag Gespräche "über einen Interessenausgleich und Sozialplan" begonnen. Die Gewerkschaft Verdi forderte von der Airline eine klare Stellungnahme. "Eine Hängepartie akzeptieren wir nicht. So geht man mit seinen eigenen Mitarbeitern nicht um!", betonte eine Sprecherin des Bundesvorstandes.

Der Pressesprecher des Landesbezirks, Andreas Splanemann, räumte allerdings im rbb ein, die Gewerkschaft sitze in dieser Sache "am kürzeren Hebel", weil sie nicht Teil des Insolvenzverfahrens sei. Man könne nur den moralischen Zeigefindger erheben und an die Verantwortung für die Beschäftigten erinnern.

Transfergesellschaft und Abfindungen bisher nicht finanziert

Mit Blick auf die bevorstehenden Sozialplanverhandlungen verlangte Verdi ein klares Bekenntnis zur Gründung einer Transfergesellschaft. Bisher haben sich allerdings weder Easyjet noch Eurrowings dazu bereiterklärt, sich daran zu beteiligen. 

Splanemann geht nicht davon aus, dass die Beschäftigten für ihren Jobverlust entschädigt  werden können: "Ich sehe nicht, dass eine Abfindung gezahlt werden kann, das hat das Unternehmen heute schon kundgetan. Dafür ist eigentlich keine Substanz mehr vorhanden."

Wenige Piloten bewerben sich anderweitig

Im Air-Berlin-Konzern gibt es zurzeit rund 6.800 Vollzeitstellen, die sich auf etwa 8.000 Mitarbeiter verteilen. 900 Stellen bei Niki und 400 Stellen bei LG Walter sind nicht direkt von der Insolvenz betroffen. Etwa 300 Air-Berlin-Mitarbeiter haben laut Unternehmen bereits anderswo eine Anstellung gefunden. An diesem Dienstag wird am Berliner Firmensitz eine Jobmesse stattfinden, auf der große Unternehmen wie Deutsche Bahn und Zalando Arbeitsplätze anbieten wollen.

Nach Einschätzung der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) haben sich erst sehr wenige Piloten bei anderen Fluggesellschaften beworben. "Wir schätzen, dass von den 1.250 Kollegen vielleicht 20 bis 50 diesen Schritt gegangen sind", sagte VC-Sprecher Markus Wahl am Montag.

Lufthansa schreibt bei Eurowings 1.000 Stellen aus

Der Betriebsrat wolle bei Sozialplanverhandlungen kollektive Übergangsregeln erreichen, um soziale Gesichtspunkte zu berücksichtigen. Nur so könne eine "Rosinenpickerei" der aufnehmenden Gesellschaften verhindert werden, die sonst besonders alte, teure oder aufmüpfige Piloten nicht einstellen würden. Die VC wolle beispielsweise erreichen, dass Familienväter und -mütter gegenüber Singles bevorzugt würden.

Allein die Lufthansa-Gruppe habe bei ihrer Tochter Eurowings bereits mehr als 1.000 Stellen ausgeschrieben, heißt es in dem Schreiben der Air Berlin-Führung. "Wir erwarten weitere Stellenausschreibungen in großer Zahl nach einem erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen." Nicht jeder Mitarbeiter von Air Berlin werde jedoch bei den Käufern eine neue Anstellung finden.

Kaufverhandlungen laufen bis Donnerstag

Air Berlin hatte im August Insolvenz angemeldet. Den Passagieren hat die Airline einen Flugbetrieb bis mindestens Ende Oktober zugesichert. Der Konzern verhandelt noch bis zum 12. Oktober mit Lufthansa und dem britischen Billigflieger Easyjet exklusiv über den Kauf von Teilen der insolventen Fluggesellschaft. Die Lufthansa will insgesamt 93 der noch 134 Flugzeuge übernehmen, Easyjet 27 bis 30.

Bis zum 12. Oktober soll ein Abschluss erzielt werden. Am selben Tag ende auch die "vereinbarte Exklusivität für die Verhandlungen" mit den beiden Unternehmen, heißt es seitens Air Berlin. Gibt es keine Einigung, könnten auch andere Interessenten wieder zum Zuge kommen.

Die Bieterfrist für die Technik-Tochter von Air Berlin wurde unterdessen verlängert. Grund für die Verlängerung seien die noch laufenden Verkaufsverhandlungen für den Flugbetrieb.

Kommentar

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17 Kommentare

  1. 17.

    So unsachlich muß man bei solch eine Kl.Summe d.hier von mir nur so i.d.Raum gestellt wurde nicht sein.War u.bin noch nie auf den Sch......Billigwahn reingefallen.Ihn nie benötigt.Jetzt haben hier nur die fleißigen Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter das Nachsehen.Geiz ist nicht immer geil!

  2. 16.

    Ich meine in Bezug auf die Vorstände, die eh ihre Schafe im Trockenen haben, dass diese sich zu vorderst um die Mitarbeiter kümmern sollten und als Vermittler für Anschlussverträge aufzutreten hätte und sich nicht einfach auf den nächsten Posten, deren ihnen ja einige "hinterhergeworfen" werden, setzen.
    Die Politik sollte, wenn jetzt schon diese unsägliche steuerzahlerbasierte Überbrückungsgelder geflossen sind, dann auch bis zum Verkauf der AB einstehen und die Leute nicht im Regen stehen lassen.
    Ja, wir haben einen freien Markt und die Entwicklung war lange vorher schon absehbar, spätestens mit dem Eintritt von Etihad als Anteilseigner.
    Jedoch finde ich es sowas von daneben, jetzt den Mitarbeitern, denen suggeriert wurde, es ginge weiter, nahezulegen, zum Arbeitsamt zu gehen, bzw. sich zu bewerben. Die hohen Chargen brauchen sich nicht bewerben - die bekommen weitere Posten angeboten - aber die eigentliche Stütze des Unternehmens wird vor den Kopf gestoßen.

  3. 15.

    Wem hilft eigentlich Politik und Gewerkaften, wenn Unternehmen pleite gehen, die nur 10 - 50 Mitarbeiter haben? Ist scheinbar nicht Medienwirksam genug! Ab 200 Mitarbeitern sind die Medien vor Ort und die Pfeifen aus Politik und Gewerkschaften können sich mediengeil präsentieren.
    Wo ist die Berichterstattung über die unfähigen Manager und deren zwielichtigen Investoren?
    Es müssen immer die Mitarbeiter, die Inkompetenz dieser Dödels ausbaden!!!

  4. 14.

    Mal ehrlich. Ein Ende dieses Elends ist absehbar! Endlich.
    Jahrelang hat Air Berlin seine Kunden beschissen, hingehalten, verscheißert.
    Wer diesem Saftladen eine Träne nachweint, für den war Jakow Iossifowitsch Dschugaschwili vermutlich auch ein guter Demokrat.

  5. 13.

    Sie fordern, die "da oben" sollten sich schützend vor die mitarbeiter stellen. Wie stellen sie sich das konkret vor? Ein Unternehmen geht pleite! Staatlich subventionieren?

  6. 12.

    @T-Beutel:

    Bei Pauschalreisen gibt es einen Reisesicherungsschein, der über eine Versicherung ausgegeben wird. Somit zahlt die Versicherung den Flug. Wieso sollte das der Reisebüroinhaber auf eigene Kosten machen? Dazu ist ja die Versicherung eingeführt worden.

  7. 11.

    Berlin sind doch andere Sachen wichtiger..Mehr Geld für Sachen ausgeben von denen wir nichts haben .was das auch immer ist .

  8. 10.

    Oder was ist mit den Reisebüros, die jetzt auf eigene Kosten Ersatzflüge für ihre Pauschalreisen besorgen müssen. Ach ja, der Rechtsweg steht ihnen offen.

  9. 9.

    Ob Airberlin, die Knorrbremse Mitarbeiter oder Bombardier, Kündigungen sind immer großer Mist. Besonders hart tritt es dann diejenigen die Alleinverdiener sind und Kinder haben. All das ist für alle eine große seelische Belastung, denn man fragt sich wie soll es weitergehen. Mancher ist daran schon kaputt gegangen. Traurig aber wahr.

  10. 8.

    Das sehe ich auch so.
    Mir tun die Mitarbeiter leid, denen bis gestern, auch vom "Gesetzgeber" und Überbrückungskreditgeber (f. d. Flugbetrieb) immer suggeriert wurde, es ginge weiter.
    Sie geben bis zum Schluss ihr Bestes, sie müssen dann im Ernstfall zur Arbeitsagentur gehen und die Vorstände stolpern die Karrieretreppe immer höher - was eine Schande und eine Ohrfeige für die Belegschaft.
    Zu den Billigticketkäufern ist ja alles gesagt - also: mein Respekt an alle die AirBerliner, die bis zum Schluss dabei bleiben - die Vorstände und die Politiker sollten sich was schämen und sich mal vor ihre Mitarbeiter, sprich die Stütze der Firma stellen - aber was passiert? Nichts.....

  11. 7.

    Wie unsachlich "Lotte", wo kann man denn für 20€ fliegen. Außerdem kenne ich kaum jemanden, der beim Kaufen darum bittet, mehr zahlen zu dürfen. Bis auf Geiz ist Geil, alles OK

  12. 6.

    Ihr Kommentar hat vielleicht mehr Tiefgang als beabsichtigt. Ich denke, die verschleppte BER-Eröffnung ist ein wesentlicher Grund für die AirBerlin-Pleite.

  13. 5.

    Es geht ja nicht nur um air Berlin, auch die Firmen die Air Berlin becatern zum beispiel. Was is mit denen.

  14. 3.

    Bedauerlich für alle Geiz ist Geil Vielflieger noch bedauerlicher aber für die Mitarbeiter.Die sicherlich einen guten Job gemacht haben. Und weshalb symbolisch für diese Stadt?Geht denn dadurch alles den Bach runter?Umgekehrt wird der Schuh draus.Der Fluggast ist gefordert zu überlegen muß ich unbedingt von A nach B für 20Euro?

  15. 2.

    hätte doch die Stadt Berlin kaufen können ??

  16. 1.

    Die Airline steht symbolisch für Stadt in ihrem Namen: bekommt nichts gebacken!

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