Brache am Marienhain in Berlin-Köpenick, wo über 1.000 Wohnungen entstehen sollen (Quelle: rbb|24/Hennig)
Bild: rbb|24/Hennig

Großprojekt in Berlin-Köpenick - Das lange Warten auf 1.000 neue Wohnungen

Es ist eines der größten Wohnungsbauvorhaben Berlins: der Marienhain in Köpenick. Mehr als 1.000 Wohnungen sollen direkt am Ufer der Dahme entstehen. Das attraktive Gelände liegt seit Jahren brach, bislang türmt sich nur der Schutt. Was ist da los? Von John Hennig

Vor zwei Jahren schien es für den alten Sommersitz des legendären Berliner Meiereibesitzers Carl Bolle im Südosten Berlins wieder eine Zukunft zu geben. Und was für eine: mehr als 1.000 neue Wohnungen, eine Restaurierung der alten Villa Bolle und ein Radweg direkt am Dahme-Ufer entlang. Damit ist es neben den "Pepitahöfen" in Spandau eins der größten Wohnungsbauprojekt der Hauptstadt. Und die Vision ließ sich herrlich visualisieren.

Denn das 16 Hektar große Gelände rund um die Villa Bolle, der sogenannte Marienhain an der Wendenschloßstraße im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick, lag über zehn Jahre brach. Damals war die Humboldt-Universität mit ihrem Institut für Zierpflanzenbau auszezogen. Die Architekten konnten ihre Entwürfe deshalb, mit ganz wenigen Einschränkungen, auf eine grüne Wiese zeichnen.

2011 hatte sich das kanadische Immobilienkonsortium IBI Group das wegen seiner Größe und Lage hochattraktive Filetgrundstück gesichert und fortan über Jahre einen Bebauungsplan mit dem Bezirk ausgehandelt.

Brache am Marienhain in Berlin-Köpenick, wo über 1.000 Wohnungen entstehen sollen (Quelle: rbb|24/Hennig)
Gegenwart: Der Marienhain ist eine Baustelle, eigentlich nicht mal das. | Bild: rbb|24/Hennig

Doch zwei Jahre nachdem der Bebauungsplan verabschiedet und rechtskräftig wurde, ist immer noch nichts passiert. Das Gelände liegt weiter brach. Lediglich der Schutt einiger abgerissener Nebengebäude türmt sich. Zuletzt machten in der Nachbarschaft sogar Gerüchte die Runde, dass es einen Baustopp oder gar keine Baugenehmigung gebe.

Das sei nicht der Fall, erklärt der Bezirksstadtrat für Bauen, Stadtentwicklung und öffentliche Ordnung, Rainer Hölmer (SPD), nun auf Anfrage des rbb: "Einen Baustopp gab es nicht", teilt Hölmer mit. Und bei diesem Vorhaben brauche es auch keine Baugenehmigung, sondern eine Bauanzeige würde genügen. Allerdings sei es richtig, "dass es aufgrund eines Gesellschafterwechsels zu Projektüberarbeitungen gekommen ist und dadurch noch nicht mit dem Bau begonnen wurde", heißt es in der Antwort weiter.

Visualisierung: In Treptopw-Köpenick in der Wendenschloßstraße soll ein neues Wohnquartier mit dem Namen Marienhain entstehen. (Quelle: MUC Areal Bau GmbH)
| Bild: MUC Areal Bau GmbH
Visualisierung: In Treptopw-Köpenick in der Wendenschloßstraße soll ein neues Wohnquartier mit dem Namen Marienhain entstehen. (Quelle: MUC Areal Bau GmbH)
Vision: So stellte sich die Münchner MUC Areal Bau GmbH den zukünftigen Marienhain vor | Bild: MUC Areal Bau GmbH

Ein reines Spekulationsobjekt?

Die IBI Group hat die lukrative Immobilie beziehungsweise die sieben Gesellschaften für die einzelnen Projekte und Vorhaben verkauft. Noch im Februar 2017 war das Bezirksamt in einer Antwort auf eine schriftliche Anfrage des SPD-Abgeordneten Tom Schreiber "nicht der Auffassung, dass es sich um ein Spekulationsobjekt handelt".

Nun gehören das Bauvorhaben und die Gesellschaften der österreichischen WT80-Gruppe des Wirtschaftsprüfers, Steuerberaters und Unternehmers Friedrich Scheck. Die genauen Gründe und Auswirkungen sind noch unklar.

Zuletzt wurde, als noch die IBI Group als Gesellschafter fungierte, nachdrücklich darum gebeten, dass sich der Vorhabenträger mit kommunalen Wohnungsbaugesellschaften zusammensetzt, um auch Wohnungen im Niedrigpreissektor auf dem Gelände anzubieten. "Dies ist seitens des Vorhabenträgers erfolgt, hat aber nicht zum Erfolg geführt", heißt es in der Antwort des Bezirksstadtrats. Ob die Kanadier da die Lust verloren haben? Auf seiner Webseite schreibt der neue Investor: "Auf diesem idyllischen Wassergrundstück an der Dahme entstehen leistbare Wohnungen für die Bürger von Berlin."

Mehr Wohnungen, mehr Verkehr

Wann auch immer das Wassergrundstück bebaut wird: Mit dem Großprojekt kommt auf Köpenick ein enormes Verkehrsproblem zu. Denn der Verkehrsfluss aus dem südöstlichen Teil Köpenicks ins restliche Berlin stockt schon heute täglich. Vor allem am Knotenpunkt Wendenschloß-/Müggelheimer Straße geht wochentags für Autofahrer oft nichts mehr. Auch die Lange Brücke hinter der Altstadt kollabiert, insbesondere seit der zweite Weg aus Köpenick hinaus - die Salvador-Allende-Brücke - zur Dauerbaustelle wurde.

Mit mehr als 1.000 neuen Wohnungen droht sich die Situation noch weiter zu verschärfen. Das Bezirksamt verweist darauf, dass im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens "auch eine verkehrliche Untersuchung" stattgefunden habe. "In dieser Untersuchung wurde nachgewiesen, dass das neu entstehende Verkehrsaufkommen im Raum Köpenick verträglich abgewickelt werden kann", heißt es in einer Antwort auf eine rbb-Anfrage. Die Lichtsignalanlage an der Kreuzung soll angepasst werden. Zudem soll "nach dem Bau von ca. 500 Wohnungen eine Evaluierung der Verkehrssituation in der Wendenschloßstraße" durchgeführt werden.

So wie die Baustelle zurzeit aussieht, dürften die Verkehrsplaner und Brückenbauer noch etwas Zeit haben, sich etwas zu überlegen. Doch selbst nachdem das Bauvorhaben im Zeitplan immer weiter zurückfällt, erklärt Bezirksstadtrat Hölmer: "Das Projekt 'Marienhain' soll aktuell in drei Bauabschnitten bis 2022 realisiert werden." Hölmer betont, dass der "Bebauungsplan steht", so wie er 2015 verabschiedet wurde. Das verwundert: Denn ursprünglich war auch mal von sieben Abschnitten und dem Jahr 2026 bis zur Fertigstellung die Rede, und da sollten die ersten Bauarbeiten schon längst begonnen haben.

Hölmer sagt aber auch, dass nach dem Gesellschafterwechsel zwar die Grundzüge erhalten bleiben sollen, "über Details wird aber noch verhandelt". Und das könne sich auch noch eine Weile ziehen. So lange bleiben zumindest die Visionen.

[Link führt zur Präsentation der MUC Areal Bau GmbH]

Beitrag von John Hennig

Kommentar

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4 Kommentare

  1. 4.

    BI Damebrücke - eine Brücke für Wendenschloss

    Die Lange Brücke in Berlin-Köpenick ist ein Verkehrsschwerpunkt, der nicht mehr
    in der Lage ist die Verkehrsströme aufzunehmen.
    An der Wendenschlossstrasse werden in Kürze tausende Wohnungen gebaut. Diese werden die Verkehrssituation enorm verschärfen.
    Um diesen Engpass zu entschärfen fordern wir eine Entlastungsbrücke über die Dame – eine Brücke für Wendenschloss.

    Wir suchen Mitstreiter, die sich aktiv für diese Brücke einsetzen wollen.
    Dieter Gerber

  2. 3.

    hier in Köpenick wartet niemand auf diese 1000 Wohnungen (oder mehr?), die direkt neben Einfamilienhäusern entstehen werden und einen ganzen Ortsteil maßgeblich negativ verändern werden. Wir befinden uns hier in Berliner Randlage. Die Infrastruktur ist entsprechend "dünn" entwickelt. Ich empfehle mal, Neu-Köpenick-Bewohner nach Ihren Erfahrungen zu befragen, sich als neuer Patient in einer Köpenicker Arztpraxis anmelden zu wollen. Öffentlicher Nahverkehr an diesem Grundstück beschränkt sich auf genau eine einzige Straßenbahnlinie. Verkehrschaos ist vorprogrammiert. Verkehrschaos , welches ohnehin schon jetzt sofort entsteht, wenn die kleinste Baustelle auf der Müggelheimer Str. oder auf einer der wenigen Brücken Richtung Innenstadt vorhanden ist... und der Marienhain ist nicht das einzige große Bauvorhaben in Köpenick. In der selben Straße liegt noch das Gelände des ehemaligen Funkwerks. Auch hier sollen mal eine Vielzahl von Wohnungen und Gewerberäumen gebaut werden.

  3. 2.

    Bezüglich des Flughafens Tegel wurde in dem Volksentscheid nur eine unverbindliche Handlungsempfehlung ausgesprochen. Ein richtiges Gesetz zur Abstimmung vorzulegen, darum drückten sich FDP und Konsorten wohlweislich herum.

    In Sachen Tempelhofer Feld wurde dagegen vom Stimmvolk ein Gesetz beschlossen.

  4. 1.

    am Adenauerplatz steht ein Hochhaus im siebten Jahr komplett ohne Mieter da da bereits zwischenzeitlich drei mal Inhaberwechsel, wer fragt da nach?
    In Mitte um den Alex stehen mehrere Hochhäuser zur Verfügung doch bisweilen ungenutzt?
    Ich bin mir sicher das hier viele Leser ähnliche Gebäude ohne Inhalt aufreihen könnten, wie wäre es wenn wir die erst einmal neu vermieten oder dafür sorgen das das passieren kann bzw muss.
    Und wenn der Senat auf die Bürgerempfehlung Tegel verzichtet kann er auch auf die Tempelhof verzichten und da endlich einmal tausende von Wohnungen bauen ;-)
    Das Stück Natur am Stadtrand hat dann doch noch Zeit, oder ?

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