Passanten gehen am 18.10.2017 in Berlin in der Oranienstraße in Kreuzberg an einem Geschäft vorbei, deren Schaufenster verhangen sind (Quelle: dpa/Paul Zinken).
Video: Abendschau | 18.10.2017 | Arndt Breitfeld | Bild: dpa

Protest gegen steigende Gewerbemieten - Kiezläden in Kreuzberg verhängen ihre Schaufenster

Nicht nur Wohnungen, auch Gewerberäume werden in Berlin immer teurer. Viele kleine Läden mussten schon aufgeben - auch in der Oranienstraße in Kreuzberg. Aus Protest dagegen haben viele Ladeninhaber am Mittwochabend ihre Schaufenster verdunkelt.

Aus Protest gegen weiter steigende Gewerbemieten haben sich Geschäftsinhaber in der Oranienstraße in Berlin-Kreuzberg am Mittwochabend eine ausgefallene Aktion ausgedacht: Zwischen 17 und 19 Uhr verhängten sie die Schaufenster ihrer Läden mit Laken und Zeitungspapier. Das Motto der Aktion lautete "Verdunkelung statt Festival of Lights". Unterstützt wurde die Aktion von den Nachbarschaftsinitiativen Bizim Kiez, GloReiche und ORA35, hieß es in der Ankündigung.

Licht ausgeschaltet und mit Passanten diskutiert

Zu den über 50 Teilnehmenden gehörten auch Werkstätten und Gewerbetreibende aus den Hinterhöfen und den oberen Stockwerken. Die Schaufenster wurden mit schwarzen Mülltüten oder Papier zugeklebt und das Licht ausgeschaltet. Vor den Geschäften bauten die Inhaber Bänke und Tische auf, verteilten Handzettel an Passanten. Mit-Initiator Philipp Vergin zeigte sich erfreut über die rege Beteiligung: "Es sind viele Leute gekommen, die mit den Betreibern ins Gespräch kommen."      

In einem Positionspapier fordern die Initiativen von der Politik, "endlich wirksame Schritte zum Schutz der Gewerbetreibenden und Mieter*innen zu unternehmen". Das Schreiben sei bereits Anfang Oktober  Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) bei ihrem Besuch der Ladenbetreiber übergeben worden und soll in Kürze schriftlich an Senat und Bezirk gehen.

Zahlreiche kleine Läden mussten schon aufgeben

Zahlreiche kleine Läden, Büros oder Werkstätten mussten in der Vergangenheit bereits aufgeben, weil sie die Mieten für ihre Gewerberäume nicht mehr bezahlen konnten. Die Geschäftsleute klagen darüber, dass internationale Investoren ganze Häuserzeilen aufkaufen, den alteingesessenen Gewerbetreibenden kündigen, um dann neu und viel teurer zu vermieten.

Die Preise für Gewerbeimmobilien sind in den vergangenen fünf Jahren in die Höhe geschnellt. Und die Nachfrage ist weiterhin ungebrochen. "In den vergangenen neun Monaten wurden Gewerbeimmobilien und Grundstücke im Wert von mehr als sechs Milliarden Euro veräußert", meldet das Immobilienberatungsunternehmen Colliers International. "Bei allen großen nationalen wie internationalen Investoren steht Berlin nach wie vor ganz oben auf der Wunschliste", heißt es in einer Mitteilung des Beratungsunternehmen.

Rot-Rot-Grün will Gewerbemietspiegel durchsetzen

Bereits im Mai hatten die Kiezläden in der Oranienstraße für einen besseren Schutz von Gewerbetreibenden protestiert. Die rot-rot-grüne Landesregierung kündigte damals eine Bundesratsinitiative für eine Reform des Gewerbemietrechts an. Geplant sind längere Kündigungsfristen und eine Begrenzung der Miethöhe auf die ortsüblichen Vergleichsmieten, also ein Gewerbemietspiegel - doch noch ist die Gesetzesinitiative nicht auf den Weg gebracht.

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10 Kommentare

  1. 10.

    Diejenigen die heute Schaufenster verhängen sind nichts anderes als die Maschinenstürmer des 19.Jahrhunderts. Die Zeit hat sich nun einmal weiter entwickelt und der Boom des online Handels hat gerade erst begonnen. Die Mieten sind für mich nur eine Ausrede. Das ist eine schön bequeme Ausrede. Man muss sich eben heute Gedanken machen, wie man seine Kunden begeistert und nicht nur zu sehen, wie man die schnelle Markt macht.

    Vor Jahren wollte ich in der Potsdamer Innenstadt einen Computer kaufen und wagte nur zu fragen, ob man denn nach Hause liefern würde. Parken vor dem Geschäft ging nicht und so ein teures Teil mit der Tram nach Hause eine heikle Sache. Der Innenstadthändler zuckte nur mit den Schultern und sagte, er werde dies nicht tuen. Keine zwei, drei Tage später stand der Paketbote mit dem neuen Rechner vor der Tür. Zu Hause angekommen bestellte ich online. Der ÖPNV in Potsdam ist sehr teuer, parken ebenfalls, Versandkosten aber oft billiger.

  2. 9.

    Geht mal durch die neuen Wohngebiete in der Innenstadt (Mitte). Kaum Läden im Erdgeschoss, wenn dann Schnickschnack mit spitzen Fingern und ebensolchen Mündchen. Aber breite Einfahrten in die Tiefgarage. Da läuft kein Mensch! Da ist nichts Berlin-Mitte, nur gähnende Langeweile. Zuvor wurde mit der Vielfalt/Kreativität der Stadt Berlin geworben, danach Monokultur. Nein Danke!

  3. 8.

    Diesen "Charme"wie Sie es bezeichnen mußten(leider)schon viele Straßen in Berlin einbüßen.Gefolgt sind Billigramschläden u.dazwischen Imbissläden u.alle wollen Geld sehen.So etwas bezeichne ich" Kiezverdrängung."Schöne kl.inovative Läden haben da kaum eine Chance mitzuhalten.Die Kunden sind meist bequem u.vergessen schnell.

  4. 7.

    BIn nicht von da, aber wenn das Stadtbild besser und sauberer wird, dann hilft das. So wie es jetzt ist, kann es nicht weitergehen.

  5. 6.

    Ich verstehe eure Kritik nicht von wegen „schnelle Kohle“. Wollt ihr in der Oranienstraße also auch Ketten sehen- H&M, die immer selben Schuhläden, Starbucks etc??? Habt ihr auch an die Läden gedacht, die den Charme der Oranienstraße ausmachen? Den Comicladen, die Buchläden, den Wolleladen, die kleinen Klamottenläden? Ich bin baff, daß man so banal gegen Mieterhöhungen argumentieren kann, nur weil einige Läden guten Umsatz machen.

  6. 5.

    Tja, vieles wurde von Politik an Firmen privatisiert, Politik drückt Löhne für Merkantilismus (z.B. dass Euro ziemlich an Wert verloren hat, dass haben viele nicht mal mitbekommen da von Politik nicht nur nicht als Problem gesehen wurde aber anscheinend sogar noch toll fanden obwohl sich dadurch verschlechterte z.B. Import oder dass man in Ägypten in Wohnungsbau mit Euro (und eigenem Gerät) investieren könnte - und sowieso kaum was man ausgeben kann wenn kaum Lohn), und das ganze während viele von hier (inkl. ich) mit komplett Null nach Wende und nicht mal eigene kleine Wohnung welche man z.B. verkaufen könnte um sich Gewerbe am Rand oder in anderer Stadt aufzubauen (und dann eventuell auch zurück nach Berlinzentrum wenn man paar Zweigstellen hat).

    In anderen Worten, ich bin nicht gegen Kleingewerbe als solchem, aber wenn wer Tante Erma Laden wie auf Main Street von nicht mehr klein West-Berlin betreiben will, der muss sich nunmal auch mit Realität von Main Street auseinandersetzen.

  7. 4.

    Ich höre den ganzen Tag im rbb, Gelder anheben wegen der Gegebenheiten (meine empfindende Interpretation). Diese Gegebenheiten werden kein Ende finden, weil die Miet-Hai-Gier findet kein Ende. Denen ist Berlin im Grunde egal, weil nach Berlin findet sich eine andere Stadt. Welche wohl? Da dreht sich die Katze mit ihren Schwanz.

  8. 3.

    Und ich habe schon lange nicht mehr einen so schlechten Kommentar gelesen..

  9. 2.

    Habe lange nicht mehr einen so guten trefflichen Kommentar gelesen.Hatte ähnliche Gedanken,nur bin i.nicht so gut in Argumentieren.

  10. 1.

    Ist schon bitter, wenn Kioske, wo das Partyvolk rund um die Uhr Wegbier holt, gegen Profit demonstrieren. Sogenannte Szenebars und -cafes machen mit, die Alteingesessenes verdrängt haben und ähnlich wie der Voo-Store Upperclass-Publikum im Trash-Ambiente anlocken. Hinzu kommen Ramschläden und Koka36. Wovor fürchten die sich? Sie leben vom schnellem Umsatz und Laufkundschaft. Welche Vielfalt wird verkündet, die es zu vermissen gilt? Viele dieser Läden gäbe es nicht, wenn nicht diejenigen, die als Vorboten für Veränderung und Verdrängung im Kiez wären. Sie verdienen an ihnen und sind jetzt dagegen, dass dem Rechnung getragen wird? Das ist doch vollkommen unglaubwürdig. Hier wird lediglich an den eigenen Vorteil gedacht. Man will weiterhin möglichst hohe Gewinne mittels moderater Mieten erzielen. Ein Lob an die Meister der Gewinnmaximierung, das Hasir-Imperium, das nicht mitmacht. Schick auch die Design-Läden, die das kleine Schwarze im Schaufenster tragen um sich interessant zu machen.

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