Das letzte stehende Kalb: Robin Hood von Landwirt Daniel Schacht. Alle anderen wurden geklaut. (Quelle: rbb/Elias Franke)
Video: 26.10.2017 | Zibb | Elias Franke | Bild: rbb/Elias Franke

Crowdfunding nach Kälber-Diebstahl - Robin Hood soll nicht alleine bleiben

Diebstahl in der Landwirtschaft ist ein lukratives Geschäft: In diesem Jahr sind in Brandenburg so viele Tiere gestohlen worden, wie noch nie. Seit dem Frühjahr ermittelt die SOKO Koppel. Ein bestohlener Landwirt sammelt Geld für neue Kälbchen. Von Elias Franke

Er steht da so ganz allein im Stroh mit seinem schwarz-weiß gefleckten Fell und zutscht an den Fingern seines Halters: Robin Hood ist das einzige Kälbchen, das Daniel Schacht aus Baruth/Mark geblieben ist.

56 weitere haben Kriminelle Anfang Oktober aus seinem Stall gestohlen. Die Diebe lagen vermutlich schon irgendwo auf der Lauer, als der Landwirt an jenem Samstagabend gegen Mitternacht noch im Betrieb war. Zwei Stunden später rief ihn seine Kollegin an: "Daniel, die waren schon wieder da. Du musst schnell kommen, die Kühe sind raus", sagte sie.

"Das sind irgendwie Berufskollegen. Das sind Leute, die jeden Tag mit Vieh zu tun haben."

Ein paar Tage später berichtete die Märkische Allgemeine Zeitung auch online über den Fall im Landkreis Teltow-Fläming, woraufhin sich viele Nutzer solidarisch zeigten und den Artikel teilten. "Ich war sehr überwältigt was an Feedback, Spenden und Unterstützung kam, wie schnell die Leute reagiert haben", sagt Schacht. Das habe ihn sehr beeindruckt.

Rückblick: Als eine Kollegin in der Nacht vom 7. Oktober gegen drei Uhr morgens ihre Schicht beginnen wollte, war der Stall bereits leer. Anhand der Reifenspuren auf dem Hof hat die Polizei herausgefunden, dass die Täter nicht mit einem LKW kamen, sondern die Tiere in zwei kleine Lieferwagen verladen haben.

Daniel Schacht geht davon aus, dass es Berufskollegen gewesen sein müssen - Viehhändler oder andere Landwirte: "Die kannten sich perfekt mit Tieren aus. Die wussten genau, wie man mit denen umgeht. Die haben hier nicht herumgesucht" sagt er. Ein Fakt, der ihn sehr verletze.

Robin Hood bei den Dreharbeiten zum Diebstahl seiner Stallkollegen (Quelle: rbb/Elias Franke)
Robin Hood bei den Dreharbeiten | Bild: rbb/Elias Franke

"Überlebt haben es auf keinen Fall alle Tiere."

Daniel Schacht äußert die Vermutung, dass die Tiere nach Osteuropa verschleppt wurden, denn auf dem deutschen Markt sei es unmöglich, sie legal weiter zu verkaufen oder zu schlachten. Denn jedes Tier wird sofort nach der Geburt in einer bundesweiten Datenbank registriert. Zusätzlich bekommen die Kälbchen eine Ohrmarke mit einer Kennnummer, auf der unter anderem Geburtsdatum, Betrieb, Rasse und Geschlecht vermerkt sind. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Tiere sofort geschlachtet werden."

Schacht sagt, er gehe davon aus, dass die Tiere neue Papiere bekommen, weiter gemästet und später Milchkühe werden. Trotzdem befürchte er: "Überlebt haben es auf keinen Fall alle Tiere. Dafür war es zu viel Stress und zu anstrengend."

"Ich halte das auch finanziell einfach nicht durch"

Sein Betrieb fiel in den vergangenen vier Jahren bereits fünf mal größeren Verbrechen zum Opfer. Neben Melkanlagen, Futter und Saatgut im Wert von mehr als 10.000 Euro wurden auch schon Kälbchen gestohlen. "Ich halte das finanziell einfach nicht durch. Es ist auch eine Frage der Versicherung. Die machen das sicher auch nicht mehr allzu lange mehr mit", sagt Schacht. Um seine mehr als über 300 Milchkühe, die Mitarbeiter und vor allem die seit dem Diebstahl neu geborenen Kälber zu schützen, muss der Landwirt nun 10.000 Euro aufbringen. Geld das er nicht habe, sagt er. Deshalb sammelt er nun Spenden über eine Internetplattform.

"Ich hab von vielen erfolgreichen Crowdfunding-Aktionen gehört und dachte wenn das in den sozialen Medien so einen Anklang findet, vielleicht interessiert sich jemand dafür, was passiert ist", erzählt er. Von dem Geld wolle er eine professionelle Alarmanlage kaufen. Mit dem sogenannten Crowdfunding - einem Spendenaufruf im Netz - konnte Daniel Schacht bereits knapp 4.000 Euro sammeln. 25 Tage läuft seine Kampagne noch.  

Wenn mehr zusammenkomme als er für die Anlage brauche, wolle er das Geld anderen Landwirten geben, damit diese ihre Ställe in Zukunft auch besser schützen können.

Beitrag von Elias Franke, zibb

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

3 Kommentare

  1. 3.

    Sollten die Täter erwischt werden, was ich kaum glaube, wird unsere Justiz wieder nur den erhobenen Zeigefinger
    zeigen statt ganz empfindliche Strafen auszusprechen.

  2. 2.

    Es ist halt ein einträgliches Geschäft in Deutschland auf Diebestour zu gehen. Und solange das Dogma von den "offenen Grenzen" besteht, das ja schon fast ein heiliger Grundsatz für die Politiker ist, solange wird dieses Geschäft weitergehen. Es mangelt auch offensichtlich an Personal bei der Polizei. Und an Kompetenz der Politiker auf allen Ebenen bis hin zur Bundesregierung mit ihren "offenen Grenzen".

  3. 1.

    Im verlinkten Artikel steht: "Bis Ende September waren nach Angaben des Brandenburger Landeswirtschaftsministeriums in diesem Jahr insgesamt 336 Rinder gestohlen worden." Der größte Viehdieb ist also nicht der Wolf, sondern der Mensch. Nur mal zur Versachlichung der Wolfsdebatte.

Das könnte Sie auch interessieren